Ich befinde mich aktuell am Ende meines Informatik-Masters und wusste, was ich besonders spannend finde, ist die Softwareentwicklung im medizinischen Kontext. KI in der Theorie hatte ich kennengelernt – Modelle, Prozesse, ein paar Anwendungen. Aber wie sieht das Ganze aus, wenn es tatsächlich im Klinikalltag ankommen soll? Wie wird ein System entwickelt, das Ärzt:innen unterstützt und im besten Fall Patient:innen hilft? Wie sieht die Codebasis zu einem solchen System aus?
Mit diesen Fragen im Kopf habe ich mich entschieden, mich auf ein 6-wöchiges Praktikum beim AMPEL-Team zu bewerben.
Von Anfang an durfte ich bei vielen verschiedenen Terminen mit dabei sein und unterschiedliche Arbeitsbereiche von MedKIT kennenlernen. Beim Fototermin am UKL für den LAMPE-Release (das ist die AMPEL, wie sie am Klinikum in Leipzig verwendet wird) durfte ich „behind the scenes“ filmen – zugegeben, die Aufnahmen waren etwas wackelig (sorry nochmal Daniel), aber der Einblick war trotzdem cool. Im Projekt „Made in Saxony“ habe ich mitbekommen, wie die Übertragung des AMPEL-CDSS an andere Standorte, spezifisch das Uniklinikum in Dresden, aussieht. So eine Übertragung klingt zunächst nach einer technischen Aufgabe – ist in der Realität aber ein komplexes Zusammenspiel aus Infrastruktur, Prozessen und lokalen Gegebenheiten. Für das "Made in Saxony"-Projekt konnte ich im Rahmen einer Rapid Review anfangen, Schulungskonzepte zu Clinical Decision Support Systems zu recherchieren. Anschließend habe ich meine Ergebnisse dem "Made in Saxony"-Team präsentiert.
Ein Highlight war für mich, etwas in das Monitoring rund um die AMPEL einzusteigen. Ich habe Tools wie Prometheus kennengelernt, selbst ein wenig mit Metriken experimentiert und ein Verständnis dafür bekommen, was man eigentlich messen möchte. Dabei habe ich nicht nur neue Tools entdeckt, sondern auch meine "Informatik-Allgemeinbildung" – zum Beispiel im Umgang mit Docker – erweitert.
Auch der Austausch mit Ärzt:innen war für mich sehr spannend. Bei einem Treffen mit Gastroenterologen konnte ich beobachten, wie sich anfängliche Skepsis gegenüber der LAMPE in echtes Interesse an einem eigenen Anwendungsfall verwandelte. Während LAMPE konkret am UKL in Leipzig eingesetzt wird, ist AMPEL als Open-Source-Projekt deutlich breiter angelegt und kann an andere Standorte wie Dresden angepasst werden. Genau dort im Austausch mit den Klinikpartnern wurde für mich greifbar, was es bedeutet, wenn Technologie im klinischen Alltag ankommt.
Neben meinen praktischen Aufgaben und der Recherchearbeit für „Made in Saxony“ habe ich an externen Workshops zu KI in der Medizin teilgenommen und mich intensiver mit den Regelwerken beschäftigt, die hinter der AMPEL stehen. Dabei wurde mir klar, wie viele Möglichkeiten es gibt, beispielsweise in LAMPE Erweiterungen vorzunehmen.
Einen bleibenden Eindruck haben bei mir auch konkrete Zahlen rund um de AMPEL hinterlassen. Zum Beispiel beim Refeeding-Syndrom: Rund zwei Drittel der Alarme sind korrekt, und mehr als die Hälfte der relevanten Fälle wären ohne das System nicht erkannt worden. Das zeigt ziemlich deutlich, dass hier nicht nur theoretisch gearbeitet wird – sondern, dass ein echter Unterschied in der Patientenversorgung möglich ist.
Durch das Mitverfolgen von Meetings und viele kleine Einblicke - hier war das große Gemeinschaftsbüro sehr hilfreich - habe ich außerdem gelernt, wie viel mehr zu solchen Projekten gehört als nur Code. Themen wie Qualitätsmanagement, regulatorische Anforderungen und Systemarchitektur spielen eine zentrale Rolle. Dabei durfte ich auch sehen, wie wichtig Skalierbarkeit ist – selbst wenn für einzelne Module die Architektur dann zunächst fast überdimensioniert erscheint.
Was mir besonders gefallen hat, war die Nähe zur Klinik und die große thematische Bandbreite bei MedKIT. Ich wurde im Team sehr offen aufgenommen und konnte viel ausprobieren, ohne das Gefühl zu haben, auf mich allein gestellt zu sein. Trotz voller ToDo-Zettel und Kalender haben sich insbesondere Clemens und Alex viel Zeit genommen, mir Dinge zu erklären oder Einblicke zu geben. Aber auch Maria hat mir immer wieder Fragen beantwortet und sich Zeit für mich genommen oder auch Daniel zum Beispiel bei einer kleinen Klinikführung. Deswegen an dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an das ganze Team.
Rückblickend nehme ich aus diesem Praktikum nicht nur neue technische Fähigkeiten mit – etwa im Umgang mit Docker oder Monitoring-Tools –, sondern auch ein viel klareres Bild davon, wie KI im medizinischen Alltag funktioniert – und was es braucht, um sie dorthin zu bringen. Und vielleicht am wichtigsten: Meine Neugier ist eher gewachsen als gestillt. Ich habe Lust bekommen, weiterhin Teil dieser Entwicklung zu sein und mitzuerleben, wie KI das Gesundheitswesen Schritt für Schritt positiv verändert.