Forschung

​​​​​​Die Forschungstätigkeit konzentriert sich um Regulationsmechanismen und neue pharmakologische Modulatoren TRP-homologer Kationenkanäle. Zusätzlich werden schnelle, Ca2+-abhängige zelluläre Regulationsprozesse und Effektormechanismen G-Protein-gekoppelter Rezeptoren untersucht.

Zur Identifikation und Validierung neuer Wirkstoffe mit Angriffspunkten an Ionenkanälen oder Rezeptoren steht am RBI eine Screening-Unit zur Verfügung, die mit Pipettierrobotik, FLIPR-, Plate Reader- und High-Content-Screening-Methoden ausgestattet ist. Substanzbibliotheken mit zugelassenen Wirkstoffen, Naturprodukten sowie über 70.000 "drug-like molecules" werden in Hochdurchsatzverfahren (384- oder 1536-Well-Maßstab) auf neue biologische Aktivitäten hin durchmustert. Identifizierte Hits werden in Sekundärscreenings validiert und in den jeweiligen Forschungsprojekten als neue Wirkstoffe charakterisiert und eingesetzt.

AG Büchau

Raum-zeitliche Kontrolle von TRPC4- und TRPC5-Kanälen durch Licht-schaltbare Wirks​​toffe

Als Effektoren Phospholipase C-gekoppelter Signalwege vermitteln die eng verwandten Kationenkanäle TRPC4 und TRPC5 durch Depolarisation und Ca2+-Einstrom wichtige Körperfunktionen wie die M​odulation neuronaler Erregbarkeit, die Kontraktion glattmuskulärer Organe oder d​ie Sekretion von hormonalen oder parakrin wirkenden Botenstoffen. Für diese beiden Ionenkanäle stehen seit kurzer Zeit Licht-schaltbare Moleküle zur Verfügung, die eine zeitlich und räumlich exakt steuerbare Aktivierung dieser Ionenkanäle erlauben. Diese Moleküle werden charakterisiert und zur Aufklärung von Expressionsorten und biologischen Funktionen von TRPC4 und TRPC5 eingesetzt. So kann durch gezielte Aktivierung oder Hemmung von TRPC4 die Motorik des Dünndarmes, der Gebärmutter oder der Harnblase gesteuert werden. Neu identifizierte Expressionsorte von TRPC5 werden aktuell in endokrin aktiven Zellen untersucht.

AG Hill

Fors​chungsziele

Unsere Forschung konzentriert sich auf die pharmakologische und mechanistische Charakterisierung von Transient-Rezeptor-Potential-(TRP-)Ionenka​​nälen, mit besonderem Schwerpunkt auf TRPV2 und TRPV3 in​​ Immun- und Epithelzellen. Durch die Kombination von Wirkstoffscreenings, elektrophysiologischen Methoden, Ca2+-Assays, sowie funktionellen zellbasierten Assays untersuchen wir, wie TRPV2- und TRPV3-abhängige Signalwege zelluläre Antworten unter physiologischen und krankheitsrelevanten Bedingungen steuern. Ein zentrales Ziel ist die Entwicklung und Validierung selektiver niedermolekularer Modulatoren, die die Untersuchung der TRP-Kanalfunktion i​n nativen zellulären Systemen ermöglichen. Die bislang begrenzte Verfügbarkeit potenter und selektiver Modulatoren für TRPV2 und TRPV3 hat den Fortschritt in diesem Forschungsfeld lange eingeschränkt. Aktuelle Arbeiten unserer Gruppe tragen dazu bei, diese Lücke zu schließen, indem neue pharmakologische Werkzeuge etabliert werden, die genetische Ansätze ergänzen und eine akute Modulation der Ionenkanalaktivität erlauben.

​TRPV2 in I​​mmunzellen

TRPV2 ist stark in Zellen des angeborenen Immunsystems exprimiert, darunter Makrophagen und ​Mastzellen, und trägt dort zu zentralen Prozessen wie Phagozytose, Migration, Chemotaxis und Degranulation bei. Durch die Kombination pharmakologischer Modulation mit funktionellen Analysen in primären murinen und humanen Immunzellen trägt unsere Arbeit zur Etablierung des TRPV2-Kanals als wichtigen Regulator des Immunzellverhaltens bei.


Neue TRPV2-Inhibitoren und -Aktivatoren haben eine entscheidende Rolle von TRPV2 bei der Phagozytose und Migration von Makrophagen aufgezeigt. In Mastzellen fördert die Aktivierung von TRPV2 die Zellmigration und die Freisetzung von Mediatoren und unterstreicht damit die Bedeutung von TRPV2 als Modulator von Immunantworten jenseits klassischer rezeptorvermittelter Signalwege.

TRPV3 in epithelial​​er Physiologie und Krebs

Neben Immunzellen untersucht unsere Arbeitsgruppe die Funktion von TRPV3 in epithelialen Geweben, mit besonderem Schwerpunkt auf dem Gastrointestinaltrakt und der Harnblase. TRPV3 ist bislang vor allem in der Haut intensiv erforscht worden, während die Funktionen in anderen Epithelien noch vergleichsweise wenig verstanden sind. Mithilfe neu identifizierter niedermolekularer Aktivatoren und Inhibitoren, die TRPV3 selektiv modulieren, zielt unsere Forschung darauf ab, TRPV3-abhängige Signalwege unter physiologischen und krankheitsrelevanten Bedingungen zu entschlüsseln.


Unter Verwendung des neuartigen niedermolekularen Aktivators AV3-1 konnten wir erstmals funktionelle Evidenz für TRPV3-Aktivität in verschiedenen Blasenkrebszelllinien liefern. Die pharmakologische Aktivierung von TRPV3 führt in diesen Zellen zu einem ausgeprägten Ca2+-Einstrom und zur Freisetzung von ATP, einem zentralen Signalmolekül im Tumormikromilieu. Diese Befunde weisen auf TRPV3 als potenzielles pharmakologisches Ziel und explorativen Biomarker beim Urothelkarzinom hin.


AG Khajavi

Molekulare Pharmakologie mit A​​ngriff an endokrinen Regelachsen

Die zunehmende Verbreitung von Adipositas und Typ-2-Diabetes (T2D) verdeutlicht den dringenden Bedarf, die molekularen Anpassungsmechanismen pankreatischer Inselzellen unter chronischem metabolischem Stress besser zu verstehen. Unsere Forschung untersucht die kompensatorischen Signalwege in Inselzellen während der Adipositas, mit dem langfristigen Ziel, inkretinbasierte Therapien gezielt zu optimieren und weiterzuentwickeln.

Im Zentrum unserer Arbeit steht das funktionelle Zusammenspiel von G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPCRs) und transienten Rezeptorpotential Kanälen (TRP). Diese beiden Signalknotenpunkte integrieren hormonelle, metabolische und neuronale Reize und steuern über die Regulation intrazellulärer Kalziumsignale die Hormonsekretion und Inselzellplastizität. Bei erhöhter metabolischer Belastung erfordert die Aufrechterhaltung der Glukosehomöostase eine adaptive Neuausrichtung dieser Signalwege. Eine Störung dieser kompensatorischen Mechanismen trägt wesentlich zur β-Zell-Dysfunktion und zur Progression von T2D bei.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, wie inkretinvermittelte GPCR-Signale alternative intrazelluläre Signalwege jenseits der klassischen cAMP-Aktivierung nutzen, zum Beispiel Gαq-abhängige Kaskaden, Proteinkinase-Signale und TRP-kanalvermittelten Kalziumeinstrom. Diese Signalachsen sind entscheidend für die Verstärkung der Insulinsekretion unter adip​ösen Bedingungen und liefern eine mechanistische Grundlage für die erhöhte Wirksamkeit moderner Multi-Agonisten. Das Verständnis der GPCR–TRP-Signalintegration in der Adipositas eröffnet neue Möglichkeiten zur gezielten Modifikation inkretinbasierter Therapien.

Unsere translationalen Ansätze übertragen diese Erkenntnisse auf humane pankreatische Inseln sowie aus Stammzellen abgeleitete humane β-Zellen, um krankheitsrelevante Anpassungsprozesse direkt zu analysieren. Zukünftig verfolgen wir die Entwicklung niedermolekularer Modulatoren, die gezielt GPCR–TRP-Signalachsen beeinflussen, um adaptive Kompensationsmechanismen zu stärken, die Inselzellfunktion zu erhalten und die metabolische Kontrolle bei T2D nachhaltig zu verbessern.



AG Schaefer

Z​​elluläre Signalprozesse visualisieren​

Eine hohe räumliche und zeitliche Auflösung ist der Schlüssel zum Verständnis zellulärer Signalprozesse. Die Arbeitsweise von Ionenkanälen oder Rezeptoren kann mit Methoden hoher zeitlicher Auflösung wie der Ele​ktrophysiologie oder der Fluoreszenzmikroskopie in lebenden Zellen analysiert. Durch "total internal reflection fluorescence" (TIRF)-Mikroskopie kann eine Eindringtiefe der Fluoreszenzanregung auf ca. 100 nm beschränkt und damit eine selektive Darstellung der Plasmamembran und des direkt an der Plasmamembran angrenzenden Raumes erreicht werden. Um eine Artefakt-freie Ausleuchtung mit schnellem Wechsel der Anregungswellenlängen oder zur Epifluoreszenz zu erzielen, entwickelten wir einen Strahlengang, der auf Hochleistungs-LED beruht und damit keine besondere Sicherheitsvorkehrungen erfordert. Im oberen Bildteil ist der schematische Strahlengang gezeigt, der untere Bildteil zeigt eine Anwendung zur simultanen Bildgebung von TRPC7-YFP in TIRF (roter Farbkanal), in Epifluoreszenz (grüner Farbkanal) und einer Gegenfärbung der Zellkerne (blauer Farbkanal) in lebenden HEK293-Zellen.





Mit der TIRF-Mikroskopie können Signalprozesse, die an der Plasmamembran der Zelle geschehen, mit besonders hoher Genauigkeit beobachtet und charakterisiert werden. Bei hoher Bildaufzeichnungsfrequenz von 200-5.000 Bildern pro S​ekunde werden die Öffnungsereignisse einzelner Ionenkanäle, die Bewegung von Transmembranproteinen oder die Exozytose Hormon- oder Neurotransmitter-haltiger Vesikel erkennbar. So können zum Beispiel Ca2+-Mikrodomänen lokalisierte Antworten auslösen, die wesentlich höhere Ca2+-Konzentrationen erfordern, als sie in der Gesamtzelle erreichbar wären. Hier gezeigt ist die Ca2+-Mikrodomäne um einen oder wenige Spannungs-gesteuerte Ca2+-Kanäle in einer INS-1-Zelle.


Ins1_Ca-sparklets-a.jpg

​Ein weiteres Arbeitsgebiet  befasst sich mit den Gating-Prozessen von TRPC-Kanälen. Durch neuartige Liganden, die mit photoschaltbaren Gruppen modifiziert wurden (Zusammenarbeit mit A​G Thorn-Sehold, TU Dresden) können wir eine Kontrolle der TRPC4- oder TRPC5-Kanalaktivität durch sehr kurze Lichtpulse von 0,2-10 ms Dauer erreichen und hiermit die Öffnungs-und Schließkinetiken dieser "second messenger"-regulierten Kanäle erstmals direkt erfassen und finden dabei deutliche Unterschiede zwischen den beiden Kanälen.


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