Forschungsziele
Unsere Forschung konzentriert sich auf die pharmakologische und mechanistische Charakterisierung von Transient-Rezeptor-Potential-(TRP-)Ionenkanälen, mit besonderem Schwerpunkt auf TRPV2 und TRPV3 in Immun- und Epithelzellen. Durch die Kombination von Wirkstoffscreenings, elektrophysiologischen Methoden, Ca2+-Assays, sowie funktionellen zellbasierten Assays untersuchen wir, wie TRPV2- und TRPV3-abhängige Signalwege zelluläre Antworten unter physiologischen und krankheitsrelevanten Bedingungen steuern. Ein zentrales Ziel ist die Entwicklung und Validierung selektiver niedermolekularer Modulatoren, die die Untersuchung der TRP-Kanalfunktion in nativen zellulären Systemen ermöglichen. Die bislang begrenzte Verfügbarkeit potenter und selektiver Modulatoren für TRPV2 und TRPV3 hat den Fortschritt in diesem Forschungsfeld lange eingeschränkt. Aktuelle Arbeiten unserer Gruppe tragen dazu bei, diese Lücke zu schließen, indem neue pharmakologische Werkzeuge etabliert werden, die genetische Ansätze ergänzen und eine akute Modulation der Ionenkanalaktivität erlauben.
TRPV2 in Immunzellen
TRPV2 ist stark in Zellen des angeborenen Immunsystems exprimiert, darunter Makrophagen und Mastzellen, und trägt dort zu zentralen Prozessen wie Phagozytose, Migration, Chemotaxis und Degranulation bei. Durch die Kombination pharmakologischer Modulation mit funktionellen Analysen in primären murinen und humanen Immunzellen trägt unsere Arbeit zur Etablierung des TRPV2-Kanals als wichtigen Regulator des Immunzellverhaltens bei.
Neue TRPV2-Inhibitoren und -Aktivatoren haben eine entscheidende Rolle von TRPV2 bei der Phagozytose und Migration von Makrophagen aufgezeigt. In Mastzellen fördert die Aktivierung von TRPV2 die Zellmigration und die Freisetzung von Mediatoren und unterstreicht damit die Bedeutung von TRPV2 als Modulator von Immunantworten jenseits klassischer rezeptorvermittelter Signalwege.
TRPV3 in epithelialer Physiologie und Krebs
Neben Immunzellen untersucht unsere Arbeitsgruppe die Funktion von TRPV3 in epithelialen Geweben, mit besonderem Schwerpunkt auf dem Gastrointestinaltrakt und der Harnblase. TRPV3 ist bislang vor allem in der Haut intensiv erforscht worden, während die Funktionen in anderen Epithelien noch vergleichsweise wenig verstanden sind. Mithilfe neu identifizierter niedermolekularer Aktivatoren und Inhibitoren, die TRPV3 selektiv modulieren, zielt unsere Forschung darauf ab, TRPV3-abhängige Signalwege unter physiologischen und krankheitsrelevanten Bedingungen zu entschlüsseln.
Unter Verwendung des neuartigen niedermolekularen Aktivators AV3-1 konnten wir erstmals funktionelle Evidenz für TRPV3-Aktivität in verschiedenen Blasenkrebszelllinien liefern. Die pharmakologische Aktivierung von TRPV3 führt in diesen Zellen zu einem ausgeprägten Ca2+-Einstrom und zur Freisetzung von ATP, einem zentralen Signalmolekül im Tumormikromilieu. Diese Befunde weisen auf TRPV3 als potenzielles pharmakologisches Ziel und explorativen Biomarker beim Urothelkarzinom hin.