Institut für Interprofessionelle Simulation in der Medizin am 16.09.2025 gegründet
„Miteinander, voneinander, übereinander lernen“ ist das Leitmotto des neu gegründeten Instituts für Interprofessionelle Simulation in der Medizin an der Universität Leipzig. Es soll die Basis für eine medizinische Ausbildung schaffen, die Studierende optimal auf die zunehmende Komplexität moderner Gesundheitsberufe vorbereitet – praxisnah, teamorientiert und wissenschaftlich fundiert. Das neue Institut ist am 16. September an der Medizinischen Fakultät feierlich eingeweiht worden und mit der neugeschaffenen Professur „Simulation in der Medizin mit Schwerpunkt Didaktik in der interprofessionellen Lehre“ verknüpft.
Die Redner:innen der Gründungsfeier am 16. September: (v.r.) Prorektorin Prof. Dr. Brigitte Latzko, Instituts-Direktorin Prof. Dr. Daisy Rotzoll, Jule Scheib, Dekan Prof. Dr. Ingo Bechmann, PD Dr. Kai Schnabel. Foto: Swen Reichhold
Die Studierenden sitzen angespannt und fokussiert zusammen hinter einer Beobachtungsscheibe. Im Trainingsraum nebenan liegt ein Patient auf dem OP-Tisch – doch er ist kein echter Patient, sondern eine professionell geschulte Simulationsperson. Heute soll ein Teil der Gruppe als Team, bestehend aus angehenden Mediziner:innen, Pflegefachpersonal und Hebammen, gemeinsam eine akute Notfallsituation meistern, während sie durch die Scheibe von weiteren Lernenden beobachtet werden. Jeder bringt sein Wissen ein, jeder übernimmt Verantwortung – und lernt dabei zugleich die Perspektiven und Arbeitsweisen der anderen Gesundheitsberufe kennen. Solche Szenarien sind an der Universität Leipzig etabliert, sollen künftig aber noch stärker wissenschaftlich begleitet, systematisch weiterentwickelt und im Lehrplan des Studiums verankert werden.
„Das neue Institut für Interprofessionelle Simulation in der Medizin wird die fächerübergreifende Zusammenarbeit in Lehre und Forschung stärken. Es ist eine enge Vernetzung mit den Fakultäten Erziehungswissenschaft, Philologie und Psychologie geplant, die das angesehene Medizinstudium an der Universität Leipzig noch weiter aufwertet“, sagte Prof. Dr. Brigitte Latzko, Prorektorin für Talententwicklung: Studium und Lehre, Universität Leipzig, bei der Einweihung im Studienzentrum der Medizinischen Fakultät. Mit der feierlichen Veranstaltung am 16. September nahm das Institut für Interprofessionelle Simulation in der Medizin (IISIM) offiziell seine Arbeit auf.
Andere Berufsgruppen besser verstehen
Es folgt dem Leitgedanken des britischen Bildungsforschers Hugh Barr, der bereits in den 1990er-Jahren die Grundidee interprofessioneller Lehre „Miteinander, voneinander, übereinander lernen“ formulierte. „Wir möchten, dass Studierende aus unterschiedlichen Bereichen der Gesundheitsversorgung von Anfang an miteinander üben, voneinander profitieren und die Arbeit der jeweils anderen Berufsgruppen besser verstehen. Bei uns sollen echte Teamplayer für die Sicherheit der Patient:innen ausgebildet werden“, erklärt Prof. Dr. Daisy Rotzoll. Sie ist seit Februar 2025 neuberufene Professorin für „Simulation in der Medizin mit Schwerpunkt Didaktik in der interprofessionellen Lehre“ und Leiterin des neuen Instituts.
Die ersten Forschungsprojekte des IISIM sind im Bereich der Gesundheitswissenschaft und der Digitalisierung, unter anderem in Kooperation mit dem Innovationszentrum für computerassistierte Chirurgie (ICCAS), angesiedelt. Ein Experten-Board, das sich aus Forscher:innen verschiedener Fachdisziplinen zusammensetzt, begleitet das Institut auf dem Weg seiner wissenschaftlichen Weiterentwicklung.
Dem IISIM ist die seit Jahren etablierte LernKlinik Leipzig angeschlossen – das Skills- und Simulationszentrum der Medizinischen Fakultät. Sie bietet Studierenden die Möglichkeit, praxisnahe Fertigkeiten zunächst im geschützten Rahmen zu trainieren, bevor sie am Patientenbett eingesetzt werden. Mit realitätsnahen Simulatoren und einem stetig wachsenden Pool von inzwischen über 30 geschulten Simulationspersonen können hier medizinische Szenarien realitätsnah und in geschütztem Rahmen erprobt werden.
Die LernKlinik setzt auch stark auf die Qualifizierung studentischer Tutor:innen: Über 40 Studierende der Gesundheitsberufe sind bereits Teil des Programms, das nach dem „Train-the-Trainer“-Ansatz arbeitet und stetig ausgebaut wird. Für internationale Studierende gibt es eine verpflichtende „Erasmus Woche“, in der die studentischen Tutor:innen für die jährlich 25-35 Medizinstudierenden aus dem Ausland Kurse zur Vorbereitung des Unterrichts am Patientenbett geben. Dabei werden klinisch-praktische Fertigkeiten in der Simulation geübt, die in Untersuchungskursen im Klinikum von Relevanz sind.