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​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​Die Rubrik "Ratgeber" unseres Gesundheitsmagazins "Liebigstraße aktuell" bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen aus der Welt der Medizin.

Impfung gegen HP-Viren schützt Frauen gegen Gebärmutterhalskrebs

Prof. Dr. Aktas rät: Einmal jährlich zum Frauenarzt – das ist der wichtigste Schritt zur Vorsorge

Die jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt, der Verzicht auf das Rauchen und auf häufig wechselnde Geschlechtspartner – damit können Frauen das Risiko eines Gebärmutterhalskrebses reduzieren. Das rät Prof. Dr. Bahriye Aktas, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig​. Den Müttern rät sie, sowohl Mädchen als auch Jungen per Impfung gegen Humane Papillomaviren schützen zu lassen. Denn diese HP-Viren sind Auslöser des Zervixkarzinoms.

Frage: Wie können sich Frauen am besten vor Gebärmutterhalskrebs schützen?

Prof. Dr. Bahriye Aktas: Der erste und wichtigste Schritt zur Vorsorge ist, regelmäßig zum Frauenarzt zu gehen. Jede Frau ab 20 Jahren hat das Recht, einmal im Jahr eine Vorsorgeuntersuchung vornehmen zu lassen. Und es wäre schön, wenn alle Frauen dieses Recht für sich zur Pflicht machen würden. Zudem würde ich dringend empfehlen, Rauchen und Promiskuität zu vermeiden.

Was auf gut Deutsch heißt: Jungs und Mädels geht nicht gleich mit jedem ins Bett.

So könnte man es auch sagen. Auf alle Fälle ist der Gebärmutterhalskrebs die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Und in jedem Jahr sterben 2000 daran. Natürlich gibt es die verschiedensten Ursachen und Auslöser dieser Tumorerkrankung. Aber eine Rolle spielen vor allem Humane Papillomaviren, kurz HPV. Immerhin sind 99 Prozent der Gebärmutterhalskrebs-Patientinnen HPV-positiv. Und weil HPV häufig beim Sex übertragen wird, sind häufig wechselnde Partner de facto für Ungeimpfte ein Risiko.

Wie sie es gerade bereits angedeutet habe: Gegen HPV gibt es doch aber eine Impfung

Ja, sie ist ein Schutz, wenn die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr vorgenommen wird. Deshalb empfehle ich sie dringend. Zudem wird die Schutzimpfung in Sachsen auch für Jungen bezahlt. Der Grund ist: Wenn die Jungs keine Viren transportieren, können sie die Mädchen nicht anstecken und sich selber vor HPV assoziierten Erkrankungen (wie beispielsweise Peniskrebs und Analkrebs) schützen. Aber: Eine HPV-Impfung ersetzt bei Frauen keinesfalls die jährlichen Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt.

Was gehört zur Vorsorgeuntersuchung?

Der wichtigste Bestandteil der Vorsorgeuntersuchung zur Krebsfrüherkennung ist ein Zellabstrich vom Gebärmutterhals, der sogenannte Pap-Test. Ein sicherer Krebstest im engeren Sinn ist der Abstrich zwar nicht; man sieht aber, ob Zellen gesund und normal aussehen oder nicht. Damit steigt die Chance, Krebsvorstufen zu erkennen und zu behandeln – noch bevor der Krebs entsteht. Zum Pap-Test kommt nun für Frauen ab 35 Jahren ein zusätzlicher HPV-Test, der dann alle drei Jahre wiederholt wird und auf den – ähnlich wie bei den Mammografie-Untersuchungen – mit Info-Briefen hingewiesen wird. Auch über den HPV-Test lässt sich Krebs direkt nicht diagnostizieren, sondern nur eine HPV-Infektion als möglicher Auslöser. Aber beide Tests zusammen haben eine hohe Aussagekraft. Patientinnen mit bekannter Risikokonstellation sollten engmaschiger kontrolliert werden und gegebenenfalls an eine Dysplasiesprechstunde angebunden werden.

Warum wird bei Frauen schon so frühzeitig auf den Gebärmutterhalskrebs geschaut?

Das Zervixkarzinom hat in der Entstehung zwei zeitliche Gipfel: Einmal bei Frauen um die 45 und dann bei Frauen um die 60 Jahre. Die meisten Krebsvorstufen entstehen etwa zehn Jahre davor. Und weil wir schon die Vorstufen finden wollen, um den Krebs gar nicht erst zuzulassen, werden schon junge Frauen gescreent. Werden Krebsvorstufen gefunden, ist die Sanierung per Operation auch einfacher. Überhaupt sind Krebserkrankungen in frühen Phasen immer besser zu heilen.

Hilft die Vorsorge auch bei anderen Krebserkrankungen der Frauen?

Beim Eierstockkrebs ist noch keine Screening-Methode vorhanden, für den Frauenarzt ist eine Diagnosestellung im Frühstadium schwierig. Aber ein Vulva- oder ein Vaginalkarzinom ist bei der jährlichen Untersuchung schon im Frühstadium zu entdecken. Veränderungen sollten nicht verschleppt werden, bei persistierenden Veränderungen lieber einmal eine kleine Probe entnehmen. Übrigens hilft die HVP-Schutzimpfung mit hoher Wahrscheinlichkeit auch gegen Scheiden- und Vulvakrebs. Das wäre ein weiterer Grund, dass Eltern ihre Kinder beizeiten impfen lassen.

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 01​​​/23 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.


Breites medizinisches Spektrum für den Weg zur Kontinenz

Dr. Andreas Gonsior: Kontrollverlust über Blase und Darm ist leider zur Volkskrankheit geworden

Jeder Zehnte in Deutschland ist davon betroffen, doch reden darüber will keiner: „Inkontinenz wird im gesellschaftlichen Bewusstsein immer noch tabuisiert", so Dr. Andreas Gonsior, Leiter des Kontinenzzentrums am Universitätsklinikum Leipzig (UKL)​. „Dabei ist der Kontrollverlust über Blase und Darm zur Volkskrankheit geworden."

Die Mitarbeiter des Kontinenzzentrums setzen deshalb auf offene Gespräche zwischen Arzt und Patienten, die den Weg ebnen zu einer erfolgreichen Behandlung. „Die Diagnostik ist sehr wichtig. Um zu den Ursachen des Problems vorzudringen, muss man als Arzt auch mal Zuhören können. Dafür wiederum braucht man Zeit. Und die können wir uns zum Glück in unserer Spezialsprechstunde nehmen", versichert Dr. Gonsior. Es gebe differenzierte und vielfältige Erkrankungsbilder, neurologische und organische Ursachen.

​„Gerade die Neurologie spielt eine große Rolle für unsere Arbeit. Denn das Hirn steuert die Blase. Nehmen wir als Beispiel die überaktive Blase, auch Reizblase genannt. Hier liegen nicht immer organische Ursachen vor, aber die Patienten leiden unter dem Zwang des häufigen Wasserlassens oder unter einem imperativen Harndrang", erzählt der Leipziger Urologe. „Art und Dauer der Beschwerden, Ess- und Trinkverhalten, Begleiterkrankungen und vergangene Operationen – all das muss herausgefunden werden. Das Führen eines Tagebuchs kann hilfreich sein. Dann sind noch körperliche Untersuchung, Ultraschal, neurologische Diagnostik, Röntgenuntersuchung nötig, um die Symptome zu klassifizieren. In einem Kontinenzboard werden die Fälle besprochen; Urologen, Gynäkologen, Chirurgen, Kinderchirurgen und Koloproktologen arbeiten interdisziplinär zusammen, um am Ende eine möglichst erfolgreiche Therapie für den Betroffenen zu finden."

Den Fachleuten des Kontinenzzentrums steht ein breites Spektrum von Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Es reicht von Medikamenten bis zu operativen Strategien. „Bleiben wir bei der überaktiven Blase: Hier kann z.B. das Injizieren von Botulinumtoxin große Erleichterung bringen", erklärt Dr. Gonsior. „Denn dadurch können Sensorik und Motorik zum Positiven hin verändert werden. Bei anorektaler Inkontinenz, Darmschwäche oder analer Schließmuskelschwäche wiederum kann eine Neuromodulation helfen. Hierbei wird eine dünne Elektrode im Bereich des Kreuzbeins implantiert. Ein Schrittmacher gibt dann sanfte elektrische Impulse an die Sakralnerven ab, die die Funktion von Enddarm und Blase kontrollieren."

Liegt eine Belastungsinkontinenz vor, können die Experten auf verschiedene Implantate zurückgreifen, mit denen den Patienten geholfen werden kann. „Beispielsweise kann mit einer Bandimplantation der Schließmuskel gestützt werden oder auch ein künstlicher Schließmuskel eingesetzt werden. Uns stehen Produkte von verschiedenen Herstellern zur Verfügung, die sich hinsichtlich der Nachjustierbarkeit oder Deaktivierungsmöglichkeit unterscheiden. Wir besprechen mit dem Patienten, welches Implantat für den konkreten Fall am besten ist. Denn er muss wissen, was auf ihn zukommt." Dabei gilt: Es muss nicht sofort der gravierendste Eingriff nötig sein. Bevor ein künstlicher Schließmuskel implantiert wird, gibt es noch andere Systeme mit Bändern und Kissen.

„Das alles ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen möglich zur Kontinenzverbesserung", betont Dr. Gonsior. „Zudem kommen bei Frauen auch Senkungsoperationen infrage, die von Gynäkologen vorgenommen werden. Wichtige Partner unseres Zentrums sind außerdem die Chirurgen, die bei Stuhlinkontinenz entsprechende Therapien anbieten können. Außerdem gibt es ein Kontinenzzentrum für Kinder, das den speziellen Anforderungen an die Behandlung unserer kleinen Patienten entspricht."

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 12​​​​/22 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.

Hypophysentumor – nicht immer muss gleich operiert werden

Interdisziplinäre Spezialsprechstunde von Endokrinologen und Neurochirurgen am Universitätsklinikum Leipzig

Schwindel, Gesichtsfeldeinschränkungen, Kopfschmerzen, unerfüllter Kinderwunsch – es sind die unterschiedlichsten Symptome, die auf einen Tumor an der Hirnanhangdrüse hinweisen können. CT- und MRT-Untersuchungen des Kopfes werden aus den unterschiedlichsten Gründen durchgeführt. Dabei fallen nicht selten zufällig Veränderungen an der Hypophyse auf. Die Patienten werden daraufhin von den niedergelassenen Ärzten zu einer interdisziplinären Spezialsprechstunde am Universitätsklinikum Leipzig überwiesen, in der Endokrinologen und Neurochirurgen die Behandlung abstimmen. Dazu werden die Bilder von Neuroradiologen ausgewertet, es erfolgt eine Labordiagnostik und auch der augenärztliche Befund spielt eine wichtige Rolle.

Jede Woche sitzen in der Spezialsprechstunde für Hypophysentumoren PD Dr. Dirk Lindner, Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, sowie die Endokrinologen Prof. Dr. Anke Tönjes, PD Dr. Konstanze Miehle und Dr. Benjamin Sandner Patienten gegenüber, die große Angst vor dieser Erkrankung in ihrem Kopf haben. „In den meisten Fällen handelt es sich bei Hypophysentumoren um ein Hypophysenadenom, also einer gutartigen Gewebsneubildung", so Dr. Lindner. „Dennoch entstehen Beschwerden, so dass genau abgewogen werden muss, wie im Interesse des Patienten vorzugehen ist."

Jeder einzelne Fall wird unter den unterschiedlichsten Aspekten gesehen, verschiedene medizinische Fachbereiche bringen ihre Kompetenz ein, um am Ende eine wirkungsvolle therapeutische Entscheidung zu treffen. Beispielsweise kann ein kleiner Tumor auch erst einmal beobachtet werden, wenn er die Funktion der Hirnanhangsdrüse nicht beeinträchtigt. Handelt es sich um das häufige Prolaktinom, reicht eine medikamentöse Behandlung meist aus. Bei hormonaktiven Tumoren oder Tumoren, die auf die Sehnervenkreuzung drücken, hilft aber nur die operative Entfernung. Selbst ein kleiner Tumor kann durch eine Hormonausschüttung eine Reihe von medizinischen Problemen, wie auch Zuckerstoffwechselstörungen, hohen Blutdruck oder Störungen des Menstruationszyklus verursachen. Durch eine Operation kann Heilung erzielt werden. Dennoch ist eine langfristige Nachsorge erforderlich.

Durch eine gute Vernetzung mit niedergelassenen Ärzten verschiedener Fachrichtungen und den Kollegen der verschiedenen Fachbereiche der Universitätsklinik können diese Patienten mit häufig komplexen Beschwerdebildern interdisziplinär im Kompetenzzentrum betreut werden.

Im Rahmen der operativen Behandlung ist am Leipziger Universitätsklinikum ein endoskopischer Zugang über die Nase gemeinsam mit den Kollegen aus der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde​ etabliert wurden. Wie Dr. Lindner erläutert, haben die bisherigen durchgeführten Operationen gezeigt, dass diese schonende Methode zu einer relativ geringen Belastung des Patienten führt. Zudem besteht eine große Chance, dass das Riechvermögen und die hormonelle Funktion erhalten bleiben. „Der Einsatz von HD-Videotechnologie bis zur dreidimensionalen Darstellung ermöglicht dem Operateur eine sehr gute anatomische Orientierung und eine verlässliche Differenzierung der verschiedenen Gewebe. Damit können auch kleine Reste des Tumors erkannt und entfernt werden."

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 11​​​/22 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier. ​

Moderne Zahnimplantate auch im Alter noch sinnvoll

Moderne Implantate können heute bis ins hohe Alter Zähne einschließlich der Wurzel ersetzen. „Davon profitieren auch Senioren. Denn das Alter allein ist keine Kontraindikation.", betont Privatdozent Dr. Oliver Schierz, kommissarischer Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde am Universitätsklinikum Leipzig​.

​Implantate haben im Vergleich zur abnehmbaren Prothese den Vorteil, dass sie dem Gebiss insgesamt eine deutlich bessere Funktionalität geben. So wird mit implantatgestütztem Zahnersatz beispielsweise das Beißen in einen Apfel wieder möglich. Auch ermöglichen die Implantate den Zahnersatz sicher im Mund zu befestigen. Im Vergleich zur Brücke wiederum haben Implantate den Vorteil, dass für ihre Verwendung keine benachbarten Zähne beschliffen und damit geschädigt werden müssen. Implantate sind daher auch für Patienten im fortgeschrittenen Alter sinnvoll um ein festes Zubeißen und einen Sicheren Halt des Zahnersatzes zu gewährleisten.

Das Zahnimplantat wird – vereinfacht gesagt – nach dem Dübel-Prinzip eingesetzt: Loch bohren, Dübel einstecken, einheilen lassen, Zahn befestigen. In der überwiegenden Mehrzahl bestehen Implantate aus gewebefreundlichem Titan. Die verschiedensten Implantatsysteme, die in Deutschland Verwendung finden, unterscheiden sich demzufolge im Wesentlichen in Form, Aufbaumöglichkeiten, Oberflächenbeschichtung – und natürlich im Preis. Die richtige Wahl aus den über 200 verfügbaren Systemen treffen sie am bestem gemeinsam mit der Zahnärztin oder dem Zahnarzt Ihres Vertrauens.

Dennoch können leider nicht bei jedem Patienten die dauerhaft haltbaren und biologisch verträglichen Zahnimplantate verwendet werden, so Dr. Schierz. Bei Osteoporose müssen zum Beispiel oft Medikamente eingenommen werden, die das Einheilen von Zahnimplantaten erschweren. Auch bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem schlecht eingestellten Diabetes kommen bedingt durch diese Grunderkrankungen Implantate in der Regel nicht in Frage. Starkes Rauchen stellt ebenfalls eine Kontraindikation dar, da Nikotin ein Zellgift ist, welches die Einheilchancen erheblich vermindert. Im Alter kommt es in den zahnlosen Kieferbereichen darüber hinaus oft zu einem starken Knochenabbau. Ein unzureichendes Knochenangebot verkompliziert das Einpflanzen von Implantaten, da - je nach Ausmaß des Defekts – erst ausreichend Knochen aufgebaut werden muss.

In Leipzig bietet die Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde in Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum das gesamte Spektrum moderner Zahnimplantate. „Das beginnt bei Vorbereitungsoperationen zum Knochenaufbau, reicht über das Setzen eines einzelnen Zahnimplantates bis zur Versorgung gänzlich Zahnloser mit Implantaten", so Dr. Schierz. „Dabei können wir im Interesse des Patienten aus den Systemen der verschiedensten Hersteller dasjenige auswählen, das für den individuellen Fall die besten Ergebnisse bringt. Gerade Patienten mit komplexeren Problemen, bei denen beispielsweise ein Knochenaufbau nötig ist, können am Universitätsklinikum Leipzig von der interdisziplinären Zusammenarbeit der verschiedensten Fächer rings um die Zahnmedizin profitieren."​

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 10​​​/22 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.

„Körperliche Vollständigkeit braucht jede Frau für ihre Identität“

Prof. Dr. Stefan Langer sieht Brustrekonstruktion mit Eigengewebe vom Unterbauch als natürliche und nachhaltige Wiederherstellung des Körpers


„Jede Frau hat das Recht, nach einer Brustkrebsoperation wieder eine natürliche Brust zu bekommen, manchmal sogar schöner als vorher", sagt Prof. Stefan Langer, Leiter des Bereichs Plastische, Ästhetische und Spezielle Handchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig​. „Dies ist vorteilhaft für ihre Identität und Symmetrie, ob sie nun 22 oder 72 Jahre alt ist." Im Gespräch erläutert er, wie er auch Jahre nach einer Brustkrebsoperation helfen kann – mit einem gut verträglichen und patientenfreundlichen Eingriff, den die Krankenkassen bezahlen.

Auch wenn sich die OP-Methoden weiterentwickelt haben und heute deutlich schonender sind: Der Krebs kostet manche Frau ein Teil ihrer Weiblichkeit. Wie kann man den Betroffenen helfen?

Auch die Methoden und das Können der plastischen Operateure haben sich weiterentwickelt. Deshalb kann ich nur raten: Kommen Sie in ein plastisch-chirurgisches Zentrum z. B. wie am Universitätsklinikum Leipzig. Auch wenn hier nicht die Brustkrebs-OP erfolgte, kann unser Team aus Plastischen Chirurgen allen Frauen helfen, wieder zu ihrer körperlichen Gesamtheit zu finden. Denn jede Frau hat das Recht, nach einer Brustkrebsoperation wieder eine natürliche Brust zu erhalten. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sehr die körperliche Vollständigkeit zum seelischen Überwinden der Krebserkrankung beiträgt. Aber auch die Erkrankung dürfen wir nicht vernachlässigen und so werden regelmäßig Nachuntersuchungen des transplantierten Gewebes, z.B. mit Ultraschall gemacht.

Gehen wir vom Extremfall aus: Eine Brust wurde vor zehn Jahren amputiert. Seither hilft eine Prothese mehr schlecht als recht. Was können Sie tun?

Auch dann kann ich den Wiederaufbau der Brust anbieten. Prinzipiell hat die Patientin die Wahl zwischen Silikonimplantaten oder Eigengewebe. Ich würde bei allen Frauen, bei denen das körperlich möglich ist, zum Eigengewebe raten. Dabei wird Fettgewebe vom Unterbauch entnommen, woraus ich die neue Brust modelliere. Dadurch wird übrigens der Bauch flacher und straffer wie bei einer Bauchdeckenstraffung, was viele Frauen als sehr angenehmen Nebeneffekt empfinden. Mit der Patientin wird immer das individuell Machbare besprochen. Wenn nötig wird also auch die vorhandene (gesunde) Brust optimiert. Auch so eine angleichende Brustoperation bezahlen die Krankenkassen.

Welche Rolle spielen das Alter und die Hautbeschaffenheit, beispielsweise bei Bauch-OP- oder Schwangerschaftsnarben?

Keine. Denn die körperliche Vollständigkeit braucht jede Frau für ihre Identität – ob sie nun alt oder jung ist. Zudem ist der Eingriff gut verträglich. Auch kein Problem sind Operations- oder Schwangerschaftsnarben: Aus der Haut, die mit dem Fettgewebe vom Unterbauch entnommen wird, wir die neue Brust geformt. Problematisch ist hingegen, wenn eine Schönheitsoperation (Fettschürzenentfernung) am Bauch vorgenommen wurde. Dann habe ich keine Chance mehr, dort „Material" für die Brustrekonstruktion zu entnehmen. Dann gibt es Möglichkeiten vom Gesäß oder vom Rücken gesundes Gewebe zu verwenden.​

Welche Vorteile hat der Brustaufbau mit Eigengewebe für die Patientin?

Manche Frauen haben Missempfindungen und Schmerzen durch das Silikonimplantat. Auch ist das kosmetische Resultat nicht immer gut und die Brust fühlt sich fest an und ist gefühllos. Beim Eigengewebe ist der Vorteil, das Gewebe ist kein Fremdgewebe, es ist, wie der Name schon sagt, alles eigen. Das Gewebe ist durchblutet, warm und bewegt sich zum Beispiel beim Sport ganz natürlich. Eigengewebe bleibt ein Leben lang, es muss nicht gewechselt werden wie beispielsweise ein Silikonimplantat und es führt Gewichtsveränderungen durch. Am Universitätsklinikum Leipzig führen wir diese Operationen häufig durch und haben eine große Erfahrung mit solchen Operationen. Wir haben bereits vielen Frauen damit zu einem neuen Lebensgefühl verholfen. Außerdem ist es auch möglich beide Brüste in einer Operation zu rekonstruieren.

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 09​​/22 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.

Fünf Kardinalsymptome können Wundinfektion anzeigen

Fachschwester Karen Hoffmann erläutert Hintergründe von Wundheilungsstörungen und Therapiemöglichkeiten​

„Wundinfektionen gab es schon immer. Allerdings hat ihre Häufigkeit in den letzten zehn Jahren zugenommen", sagt Karen Hoffmann, Fachschwester für Anästhesie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Leipzig. „Die Ursachen liegen vor allem in den zunehmenden Antibiotika-Resistenzen und der steigenden Zahl von zugleich alten und mit mehrfachen Krankheiten belastete Menschen."

Wie sie weiter erläutert, ist jede chronische Wunde mit Keimen besiedelt. Solange aber keine Infektionszeichen auftreten, gebe es keinen Grund zur Sorge. Werde aber eine kritische Grenze an Mikroorganismen überschritten, die das Gleichgewicht zwischen Keimbesiedelung und Abwehrreaktion störe, werde von Kolonisation gesprochen. Ein Indiz dafür sei zum Beispiel eine stagnierende Wundheilung. Treten Infektionszeichen auf, sei von einer Infektion auszugehen. Das heiße, dass sich Keime vermehrten und eine massive immunologische Wirtsreaktion erfolge. Bei zusätzlichen deutlichen systemischen Infektionszeichen wie Fieber werde von einer Infektionserkrankung gesprochen.

„Kardinalsymptome für eine Wundinfektion sind Rötung, Schwellung, Schmerz, Bewegungseinschränkung und lokale Überwärmung", so Schwester Karen. „Bei einigen Krankheitsbildern, wie zum Beispiel Diabetes mellitus oder einer Durchblutungsstörung müssen nicht alle Symptome auftreten.  Zudem gibt es weitere Krankheitszeichen, auf die geachtet werden muss: unangenehme Gerüche, eitriges Wundsekret oder ein aufgeworfener Wundrand."

Der Biofilm, in den Mikroorganismen, wie Bakterien, Viren und Pilze, eingebettet sind, sei der „schlimmste Feind", der in der Wundversorgung auftrete. Die Fachschwester erläuterte, dass diese Schleimschicht erst mechanisch entfernt werden müsse, ehe eine Desinfektion erfolgreich sei. Grundsätzlich problematisch in der Versorgung seien oft Stich-, Quetsch-, Pfählungs- und Bisswunden sowie freiliegende Knochen, Knorpel und Sehnen.  

Für Wundinfektionen reiche eine Blickdiagnose keineswegs aus. Vielmehr seien Wundabstrich, Gewebeprobe und Blutuntersuchung nötig. Bei der Therapie von Wundinfektionen gebe es eine breite Palette von Möglichkeiten. Die reichen von Wundspülungen über das Arbeiten mit Antiseptika bis zur Madentherapie, mit der schon manche böse Wunde gute Heilung fand.  Nicht zugelassen sind allerdings Mittel wie Heilerde, Lebensmittel oder Melkfett.

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 08​/22 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.

Konservativ, chirurgisch oder ein Besuch in der Saline: Hilfe bei altersbedingten Stimmstörungen

Prof. Michael Fuchs, Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie und des Zentrums für Musikermedizin: Menschliche Stimme braucht Pflege – Teil 2

Wie das Alter die Haut zeichnet, wirkt es ebenso auf die Stimmlippen – auch die Stimme wird älter. Ursache ist – auch hier Ähnlichkeiten mit der Gesichtshaut – eine nachlassende Elastizität: Stimmlippen schließen nicht vollständig oder nicht lange genug, Feinmotorik und Feinsteuerung gehen mit dem Lebens​alter zurück. Doch diesem Prozess muss sich niemand „kampflos" ergeben.

Vorbeugen können alle, die Wert auf ihre Stimme legen, indem sie diese regelmäßig trainieren. „Gerade alleinstehende Menschen haben leider oft wenig Gelegenheit zum Reden, vom Singen ganz zu schweigen. Gerade in der Pandemie-Zeit ist das durch die eingeschränkten Kontakte und Möglichkeiten zum gemeinsamen Musizieren ein wirkliches Problem", so Prof. Fuchs. „Auf Dauer kann die Stimme geradezu verkümmern." Deshalb übt das Trällern eines Liedchens ungemein und hebt zudem die Stimmung, da sollte man nicht spotten.

Die konservative Therapie für altersbedingte Stimmstörungen besteht also aus Stimmübungen und aus dem Erlernen von Kompensationsstrategien. Medikamentös gebe es wenig Möglichkeiten, aber Prof. Fuchs hat einen Geheimtipp: Den Besuch einer Saline. „Beispielsweise die Saline in Bad Dürrenberg ist für die Stimme ein Genuss. Der Besuch ist kostenlos, und im Frühling ist der Park wunderschön." Eine Dampf-Inhalation oder auch einen Saunabesuch sieht der Leipziger Stimmarzt dagegen eher skeptisch: Die Inhalation bringt zwar etwas bei Schnupfen, weil sie die Schleimhäute abschwellen lässt, aber nichts für den Kehlkopf. Die Sauna sei zwar gut für die Fitness des Körpers, wirke aber nicht unbedingt positiv auf die Stimmorgane. „Besonders die Sauna-Aufgüsse sind eher gefährlich für die Stimme, weil sie im Kehlkopf regelrechte Verbrühungen bewirken können", so Prof. Fuchs. Dagegen sind Kaltinhalationen mit einem speziellen Inhalationsgerät sehr wirksam.

Wenn die Übungsbehandlung und Pflege des Stimmapparates nicht ausreichen, kann chirurgisch mit zwei Eingriffsarten geholfen werden: Einerseits mit einem „Lifting der Stimmbänder", bei dem körpereigenes oder auch Fremdmaterial in die Stimmlippen gespritzt werde, so dass sie sich wieder elastisch schließen können. Alternativ komme die Kehlkopfgerüstchirurgie in Betracht. Hierbei werde zum Beispiel bei einer Thyroplastik der Stimmlippenschluss verbessert, indem die Stimmlippe von außen in die Mittellinie verlagert wird. Beide Operationen werden von der Krankenkasse bezahlt, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht.

„Die menschliche Stimme ist einzigartig", sagt Prof. Fuchs. „Wir können damit alles ausdrücken – was uns freut und ärgert, was uns aufregt und bewegt. Deshalb sollten wir unsere Stimme gut pflegen. Sie ist ja das einzige Instrument, das wir immer bei uns tragen, ohne es ins Futteral stecken und wegpacken zu können. Und eine neue Stimme können wir uns nicht kaufen."​

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 07​/22 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.​​

Bei altersbedingten Stimmstörungen kann gut geholfen werden

Prof. Michael Fuchs, Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie und des Zentrums für Musikermedizin: Menschliche Stimme braucht Pflege – Teil 1

Wie das Alter die Haut zeichnet, wirkt es ebenso auf die Stimmlippen – auch die Stimme wird älter. Ursache ist – auch hier Ähnlichkeiten mit der Gesichtshaut – eine nachlassende Elastizität: Stimmlippen schließen nicht vollständig oder nicht lange genug, Feinmotorik und Feinsteuerung gehen mit dem Lebensalter zurück.

„Ein bis zwei Patienten sind es mindestens pro Woche, die wegen ​altersbedingter Stimmprobleme in unsere Spezialsprechstunde für Stimmstörungen kommen", sagt Prof. Dr. Michael Fuchs, Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie​ an der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Leipzig​. „Ein Paradebeispiel ist die 70-jährige Frau, für die der Chor Lebensmittelpunkt ist, und deren Stimme plötzlich nicht mehr ins Klanggefüge passt. Oder der 65-jährige Stadtführer, der stimmlich nicht mehr in die letzte Reihe seiner Gäste durchdringt. Beiden kann ich sagen: Keine Bange, es kann oft gut geholfen werden."

Wie der Leipziger Phoniater und Pädaudiologe erläutert, muss jedoch zuerst geklärt werden, ob die stimmlichen Veränderungen krankheitsbedingt oder altersbedingt sind: „Jede Heiserkeit, die länger als drei Wochen besteht, kann auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten, beispielsweise eine Lähmung der Stimmlippen oder einen Tumor. Für eine Stimmalterung typisch ist eine langsam zunehmende Heiserkeit. Diese so genannte Presbyphonie tritt meist nach dem Ende der Berufstätigkeit auf, also etwa im Alter von 65 bis 70 Jahren."

Ein logopädisches oder gesangspädagogisches Training kann nicht unbedingt Wunder, aber doch eine ganze Menge bewirken. Da viele Logopäden zwar auf die Sprechstimme, aber nicht auf die Gesangsstimme ausgebildet sind, empfiehlt Prof. Fuchs älteren Hobbysängern, sich bei Problemen an das 2021 am Universitätsklinikum Leipzig neu gegründete Zentrum für Musikermedizin zu wenden. In der Spezialsprechstunde kann beraten und auf der Grundlage des Netzwerkes Musikermedizin Leipzig an geeignete Gesangspädagogen vermittelt werden. Dafür besteht auch eine enge Kooperation mit Hochschulen für Musik und Musikschulen, die oft kostenlose oder preisgünstige Kurse zum Singen im Alter anbieten. „Ziel ist es dabei, ohne eine mechanische Mehrbeanspruchung des Kehlkopfes eine lautere oder tragfähigere Stimme zu erreichen. Die Ansatzräume des Stimmapparates sind dafür ganz wichtig", so der Phoniater, der auch den Leipziger Thomanerchor betreut.

Ursache der Presbyphonie ist – wie bei der Gesichtshaut – eine nachlassende Elastizität: Die Stimmlippen schließen nicht vollständig oder nicht lange genug. Auch gehen Feinmotorik und Feinsteuerung mit dem Lebensalter zurück. „Das Gefühl für die Stimme kann verloren gehen", so Prof. Fuchs. Dazu kommen mit dem Alter Schwerhörigkeit, Kurzatmigkeit, so dass es am Stützvorgang für die Stimmentstehung mangeln kann, oder trockene Schleimhäute. Zudem gibt es rund 200 Medikamente, die die Schleimhäute angreifen können. Eine veränderte Stimme ist dann nicht überraschend.​

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 06​/22 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.

Bewegung ist die beste Prophylaxe gegen Volkskrankheit Rückenschmerzen

Prof. Dr. Christoph-Eckhard Heyde: Der Mensch ist nicht dafür konstruiert, wie er heute mit Auto, Fahrstuhl und Computer lebt​

„Viele Rückenbeschwerden haben einen ganz simplen Hintergrund: Der Mensch ist nicht dafür konstruiert, wie er heute lebt", sagt Prof. Dr. Christoph-Eckhard Heyde, Geschäftsführender Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. „Wir Ärzt:innen helfen gern. Aber ein Stück weit ist jeder für seine Gesundheit mitverantwortlich."

Rückenschmerzen sind heute ja schon eine Volkskrankheit. Warum haben es so viele „im Kreuz"?

Die Mehrzahl der Beschwerden resultiert aus funktionellen Störungen. Das heißt, dass Verspannungen oder Ungleichgewichte in der Muskulatur für Schmerzen sorgen. Ein Teil der Beschwerden entsteht allerdings auch durch Abnutzung und Osteoporose, also altersbedingte Prozesse. Andererseits ist der Mensch für ein aktives Leben konstruiert. Fehlendes Training der Muskulatur, ob durch zu viel Sitzen, Inaktivität, oder auch Übergewicht führt dazu, dass wir die Muskulatur, welche die Wirbelsäule trägt, nicht ausreichend trainieren und es dann zu Beschwerden kommen kann.

Also haben Rückenschmerzen mit den Lebens- und Ernährungsgewohnheiten zu tun und nichts mit den Jahren, die man auf dem Buckel hat?

Ja und nein. Natürlich summieren sich die Jahre, in denen man wenig aktiv war, oder vielleicht auch zu viel gegessen hat. Andererseits kann extreme Aktivität, wie im Extremsport, die Wirbelsäule überfordern. Ausgewogenheit ist auch hier zu empfehlen. Weiterhin bringen wir eine genetisch bedingte Veranlagung mit, d. h. einige Menschen bekommen eher, andere später degenerative Veränderungen. Allerdings kommen auch häufig Kinder und Jugendliche mit Schmerzen zu uns, die dann doch häufig mit der Lebensweise und dem Aktivitätsniveau zu begründen sind.

Apropos Geist: Können auch Stress oder Sorgen zu Rückenschmerzen führen?

Durchaus. Auf lange Sicht wirken seelische Belastungen auch auf den Körper. Denn sie beeinflussen unter anderem die Grundspannung der Muskeln. Man sagt ja auch, dass die Wirbelsäule die Seele zeigt. Oder anders: An der Haltung des Körpers wird oftmals deutlich, wie es um die psychische Befindlichkeit des Menschen bestellt ist.

Das heißt: Wenn der Rücken schmerzt, ist nicht gleich ein orthopädischer Eingriff nötig?

Keinesfalls. Denn erst einmal muss der Arzt herausfinden, wodurch die Schmerzen verursacht werden. Da ist nicht immer eine riesige Diagnostik mit folgender komplexer Therapie nötig. Denn vieles lässt sich schon im Gespräch und bei der körperlichen Untersuchung herausfinden. Oftmals sind die Krankengymnastik und sportliche Aktivität, auch unter Anleitung, die beste Medizin. Was nichts anderes heißt als: Bewegung und Aktivität sind die besten Möglichkeiten, sich vor Rückenschmerzen zu schützen. Natürlich helfen wir Ärzt:innen gern, wenn Patient:innen Beschwerden haben. Aber ein Stück weit ist jeder für seine Gesundheit durchaus mitverantwortlich.  

Was halten Sie eigentlich von Osteopathie und Chiropraktik?

Die Manuelle Medizin (auch Chiropraktik genannt) halte ich für eine echte Bereicherung, vor allem um Beschwerden an der Wirbelsäule besser diagnostizieren zu können. Ich dringe an unserer Klinik darauf, dass alle Kollegin:innen die Manuelle Medizin, für die es klare Ausbildungsrichtlinien gibt, beherrscht. Denn damit lassen sich die häufigen funktionellen Störungen sehr gut diagnostizieren und behandeln. Osteopathie ist eine sehr komplexe Lehre, die den Menschen ganzheitlich betrachtet und eine sehr gute konservative Ergänzung des Diagnose- und Therapiespektrums ist. Aber alle diese Verfahren haben natürlich auch ihre Grenzen.​

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 05​/22 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.   ​

Schmerz lass nach: Nierenkolik und Steintherapie

​​​Urologe Prof. Jens-Uwe Stolzenburg erläutert Ursachen, Behandlung und Vorsorge bei Harnwegssteinen – Teil 2​

Nieren- oder Harnwegssteine entstehen unbemerkt. Erst wenn sie in das Hohlraumsystem gelangen und den Abfluss der Niere oder den Harnleiter verstopfen, machen sie sich durch schmerzhafte Kolikenbemerkbar. Meist können sie mit minimal-invasiven Methoden entfernt werden. „Sie befreien die Patient:innen schmerzarm von den Beschwerden“, sagt Prof. Jens-Uwe Stolzenburg, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL)​. 

Selbst bei hoher Harnkonzentration bildet sich nicht bei allen Menschen ein solcher Stein. Denn im Urin gibt es bestimmte Hemmstoffe (Inhibitoren), die eine Steinbildung verhindern. Erbliche Anlagen, Harntransportstörungen und Stoffwechselstörungen können der Grund dafür sein, dass diese Inhibitoren gegen die Steinbildung fehlen. Es kommt dann meist zurwiederholten Bildung von Harnwegssteinen. Manchmal sind auch anatomische Besonderheiten, wie ein zu enger Übergang vom Nierenbecken zum Harnleiter, eine Ureterabgangsstenose, die Ursache,warum der Urin nicht richtig abfließen kann.In diesen Fällen hilft eine minimal-invasive OP, eine sogenannte Nierenbeckenplastik, um die Ursache zu beseitigen. „Die Steine bereiten dann die kolikartigen Schmerzen, wenn sie beispielsweise vom Nierenbecken in den Harnleiterwandern“,so Prof. Stolzenburg. „Die Schmerzen vergehen, wenn der Stein die Blase erreicht hat. Eine solche Nierenkolik kann sehr lange anhalten, ist meist sehr schmerzhaft, nicht selten wan​​dert der Schmerz während dieser Zeit von der Niere in Richtung Blase und Leiste. Beim Mann kann er bis in den Hoden ziehen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Stein den Harnleiter hinab wandert.“ Zur Behandlung der Nierenkolik wird häufig eine kleine Schiene über die Blase in den Harnleiter bis in die Niere eingelegt. Dies erfolgt in Narkose und befreit die Patient:innen von ihren Schmerzen. Weiterer Vorteil der Schiene: Eine Behandlung mit Entfernung des Steines kann später problemlos erfolgen, ohne dass der an sich sehr dünne Harnleiter vorher „aufgedehnt“ werden muss. 

Endoskope und Laser 

Bei der Behandlung von Nieren- und Harnleitersteinen kommen heute moderne Behandlungsmethoden zum Einsatz. Erste Wahl ist es, sofern der Stein nicht zu groß ist, ihn gleich im Harnleiter oderin der Niere endoskopisch zu entfernen. Dafür kommen dünnste Geräte zum Einsatz, die Ureterorenoskope, mit denen man unter Sicht – der Operateur sieht das Innere in mehrfacher Vergrößerung – über die Harnröhre, die Bla​se in den Harnleiter oder/und die Niere gehen kann, um dort den Stein per Laser zu zertrümmern und dann mittels Schlinge zu entfernen. Große Nierensteine können durch Punktion der Niere von außen und anschließende Ultraschallzertrümmerung und Absaugung der Steinreste entfernt werden. „All das sind minimal-invasive Methoden, die den Patienten schmerzarm von seinen Beschwerden befreit. Nur extrem selten ist eine ‚große‘ chirurgische Nieren- oder Harnleiterstein-Operation notwendig, aber auch solche Operationen führen wir heute minimalinvasiv mittels Operationsroboter da Vinci durch“, so Prof. Stolzenburg. 

Lebensführung und Krankheiten 

Auch nach erfolgreicher Behandlung des Harnwegssteines kann es wieder zur Steinbildung kommen. „Allerdingslässtsich das Risiko durch Vorsorgemaßnahmen verringern“, so der Klinikchef. „Also: viel trinken, viel Obst und Gemüse und viel Bewegung. Das ist die Lebensführung, mit der zumindest teilweise einer Entstehung vorgebeugt werden kann.“

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 04/22​ (PDF). Eine Übersicht all​er Gesundheitsmagazine finden Sie hier.​ ​

Schmerz lass nach: Nierenkolik und Bewegungsmangel

Urologe Prof. Jens-Uwe Stolzenburg erläutert Ursachen, Behandlung und Vorsorge bei Harnwegssteinen – Teil 1​

Nieren- oder Harnwegssteine entstehen unbemerkt. Erst wenn sie in das Hohlraumsystem gelangen und den Abfluss der Niere oder den Harnleiter verstopfen, machen sie sich durch schmerzhafte Koliken bemerkbar. „Wer das einmal erlebt hat – und das sind immerhin bis zu einem Prozent der Bevölkerung – weiß, von welchen Schmerzen wir reden“, sagt Prof. Jens-Uwe Stolzenburg, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL). „Aber keine Angst: Da können wir helfen.“ 

Wie Prof. Stolzenburg erläu​tert, werden zunächst schmerz- und krampflösende Medikamente verabreicht, bevor durch moderne Untersuchungsverfahren Lage und Art des Steines bestimmt werden können. „Glücklicherweise gehen kleine Steine – und das sind die meisten – von alleine ab,wenn der Patient viel Flüssigkeit aufnimmt und therapeutische Infusionen bekommt.“ Übrigens muss es nicht Bier sein, auch normale Blasen-, Nieren- oder Kräutertees sind ausreichend. „Hauptsache, es wird möglichst viel Flüssigkeit aufgenommen“, so der Urologe. „Denn dann bestehen gute Möglichkeiten, dass der Stein förmlich aus dem Körper gespült wird.“ Dauert dieser Prozess jedoch zu lange oder treten Komplikationen wie Dauerschmerz oder Fieber auf oder ist der Stein einfach zu groß, muss gehandelt werden. Dabei spielen minimal-invasive Therapien die Hauptrolle​. 

Ernährung und Bewegung

Die heutige Lebens- und Ernährungsweise gilt nicht als direkte Ursache. „Ein Zusammenhang zwischen der Steinbildung und der Wohlstandsgesellschaft – also ballaststoffarme Ernährung mit viel tierischem Eiweiß oder hoher Alkoholkonsum – ist jedoch bewiesen“, so der Leipziger Klinikchef. „Denn körperlich tätige oder sportlich aktive Menschen entwickeln weniger oft Harnsteine.“ Eine Vorbeugung gegen Harnsteine ist also zumindest eingeschränkt möglich, indem für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens zwei Liter kalziumarmes Wasser pro Tag) gesorgt wird. Zu den Vorbeugemaßnahmen gehört auch eine gesundheitsbewusste Ernährung und die Reduktion von Übergewicht. Da tierisches Eiweiß die Harnsteinbildung fördert, ist es bei Neigung zu Nieren- und Blasensteinen empfehlenswert, denAnteil von Fleisch in der Ernährung vorbeugend zu reduzieren – und vor allem: Bewegung, Bewegung, Bewegung. Wieso bekommen manche einen Stein und andere nicht? „Beim Nieren-, Blasen- oder Harnleiterstein handelt es sich um eine kristallisierte Ablagerung“, erklärt Prof. Stolzenburg. „Denn im Harn, der über das NierenbeckenunddieHarnleiter zur Blase geleitet wird und sich dort sammelt, befinden sich Mineralsalze. Bei einer bestimmten Säurekonzentration des Harns können diese Salze auskristallisieren und größere Ablagerungen bilden.“​​​​

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 03/22 (PDF). Eine Übersicht all​er Gesundheitsmagazine finden Sie hier.​

Lupus erythematodes – das Chamäleon der Inneren Medizin

​Interview mit Prof. Christoph Baerwald, Leiter der Sektion Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig​

Der systemische „Lupus erythematodes" ist eine schwere entzündliche Autoimmunerkrankung des Bindegewebes, die zahlreiche Organsysteme befallen kann. Wie sich die Erkrankung klinisch ausprägt und wie sie verläu​ft, variiert von Patient zu Patient. Daher wird sie auch als „Chamäleon" unter den rheumatischen Erkrankungen bezeichnet. Die Patienten klagen in der Regel über Fieber und Abgeschlagenheit. Wie Prof. Christoph Baerwald, Leiter des Bereiches Rheumatologie der Klinik und Poliklinik für Endokrinologie, Nephrologie, Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig​, im Gespräch sagt, stehen den Ärzten heute gute Möglichkeiten zur Verfügung, Schübe und Komplikationen der Erkrankung zu bekämpfen.

Warum heißt die Krankheit Lupus, also Wolf?

Das ist ein beschreibender Ausdruck, den Ärzte in der Vergangenheit wählten, weil die Gesichtsmanifestation der Erkrankung wolfsähnlich wirkte. Mit einem Wolf hat die Krankheit aber absolut nichts zu tun, auch wenn „Lupus erythematodes" mit „rotem Wolf" übersetzt werden kann.​

Wie entsteht sie?

Der systemische „Lupus erythematodes" gehört zu den Autoimmunerkrankungen, denen Fehlreaktionen des Immunsystems gemeinsam sind. Die genauen Ursachen sind noch weitgehend unbekannt. Was wir wissen: Es ist eine komplexe Erkrankung, bei der gewisse genetische Faktoren eine Rolle spielen. Von einer Erbkrankheit kann aber nicht gesprochen werden. Zudem scheint sie mit Umweltfaktoren zusammenzuhängen, weil sie in städtischer Umgebung häufiger auftritt.

Wie viele Menschen sind betroffen?

Durchschnittlich 15 von 100 000 Menschen sind von „Lupus erythematodes" betroffen. Das sind für die Region Leipzig also 150 bis 170 Patienten, die zum Teil von unserer Sektion Rheumatologie betreut werden.

Es gibt also einen Zusammenhang zu Rheuma?

Nur der Ursache nach, denn entzündliche rheumatische Erkrankungen sind wie der „Lupus erythematodes" Autoimmunerkrankungen, bei der Antikörper gegen das körpereigene Gewebe vorgehen. Wir haben eine Spezialsprechstunde Kollagenosen, also Bindegewebserkrankungen, zu der auch der Lupus gehört.

Ist nur das Gesicht betroffen?

Keineswegs. Nicht umsonst spricht man beim Lupus vom Chamäleon der Inneren Medizin. Der systemische „Lupus erythematodes" kann eine Vielzahl von Organen befallen: Haut, Lunge, Nervensystem. Man spricht auch vom „Rheuma der inneren Organe und der Haut", weil es eben eine entzündliche Erkrankung ist.

Gibt es eine Heilung?

Derzeit kann man noch keine Heilung versprechen, es gibt aber Bestrebungen zur Heilung. Gerade in der letzten Zeit wurden neue Medikamente für die Therapie zugelassen und wir sind an Studien beteiligt, bei denen die neuesten Medikamente untersucht werden. Eine Heilung könnte durch eine gezielte Beeinflussung des Immunsystems erzielt werden, bei der eine Art Knochenmarkspende oder genetisch veränderte Immunzellen Anwendung finden. Insgesamt gibt es mittlerweile gute Möglichkeiten, Schübe oder Komplikationen der Krankheit zu behandeln. Früher sind die Betroffenen relativ schnell verstorben, heute stehen uns Medikamente zur Verfügung, die vielen Patienten helfen.

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 02​/22 (PDF). Eine Übersicht all​er Gesundheitsmagazine finden Sie hier.​

Warum Tabletten so unterschiedlich aussehen

Dr. Yvonne Remane, Direktorin der Krankenhausapotheke im UKL, erläutert die Hintergründe

Manche Tabletten sind so groß, dass man sie kaum schlucken kann. Andere so winzig, dass sie kaum zu fassen sind. Die einen haben eine Kerbe, die anderen sind weiß oder rot oder blau. „Jeder einzelne Hersteller entscheidet selbst, welche Form und Farbe die Tablette bekommt“, erklärt Dr. Yvonne Remane, Direktorin der Krankenhausapotheke des Universitätsklinikums Leipzig (UKL)​. 

Und immerhin gibt es in Deutschland mehr als 300 Pharmahersteller. Deshalb kön​​​​nen die Tabletten rund, länglich, oval und sogar quadratisch sein. In den meisten Fällen sind sie weiß, gern aber auch gelblich, rosa oder blau. Die Oberflächen sind flach oder konvex, die Ränder können abgeschrägt und abgerundet sein. Zudem können die Tabletten Bruchkerben, Prägungen, Schriftzüge und andere Markierungen aufweisen. „Einige Unternehmen verwenden Farben, die zu ihrem Corporate Design gehören. Andere verewigen sich mit einer Prägung, die aus einem Logo oder Buchstaben oder Zahlen oder gar einer Kombination davon bestehen kann. Die Größe der Tablette indes hat mit den Inhaltsstoffen zu tun“, so die Apothekerin. Denn fast alle Tabletten enthalten Hilfsstoffe. Das können Füllmittel sein, die Masse und Volumen der Tablette beeinflussen. Bindemittel wiederum sind für Zusammenhalt und Festigkeit der Pressung verantwortlich. Überzugsmittel sorgen dafür, dass die Tablette gut zu schlucken ist und sich nicht schon im Mund auflöst. Zerfallsmittel dienen dazu, dass sich die Tablette dann im Magen oder Darm zersetzt. 

Geschmackskorrigenzien wiederum verbessern den Geschmack. „Früher hieß es ja oft: Wenn die Medizin bitter ist, dann hilft sie auch“, so Dr. Remane. „Heute steht das Wohlfühlen im Mittelpunkt. Da werden bittere Inhaltsstoffe von Geschmacksmaskierungen, also einem Aroma, überdeckt.“ Das betreffe besonders Medikamente, die auf der Zunge zergehen sollen, weil die Wirkstoffe über die Mundschleimhaut schneller in den Körper gelangen. Eine Kerbe in der Tablette bedeutet übrigens noch nicht, dass das Medikament zum Auseinanderbrechen gedacht ist. „Die Kerbe kann auch ein Schmuck sein, sie ist nicht immer ein Indiz für die Teilbarkeit“, so die Leipziger Apothekerin. Wobei das Teilen einer Tablette durchaus üblich ist, um die Medikation variieren zu können. Allerdings weiß Dr. Remane aus ihrer eigenen Familie, dass das Teilen an der Bruchkerbe gerade alten Menschen Schwierigkeiten bereiten kann. Zum Glück gibt es spezielle Tablettenteiler, die sehr hilfreich sein und nicht nur kleine und große Tabletten, sondern auch solche ohne Bruchkerbe einfach und unkompliziert zerteilen können.

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 01​/22 (PDF). Eine Übersicht all​er Gesundheitsmagazine finden Sie hier.​​

Vorlesungsreihe "​Medizin für Jedermann"
Im Rahmen unserer ​Vorlesungsreihe "Medizin für Jedermann"​ erläutert Frau Dr. Remane an ​praxisnahen Beispielen warum der Medikationsplan wichtig ist. Gelangen Sie hier zum Vortrag​.

„Ernährung dient nicht nur dem Wohlbefinden, sondern auch der Heilung“

Team von Lars Selig screent Patienten, um Mangelernährung zu verhindern

„Mangelernährung entsteht, wenn ein Mensch zu wenig Nährstoffe aufnimmt, um alle Körperfunktionen aufrecht zu erhalten", erklärt Lars Selig, der zusammen mit Dr. Haiko Schlögl das Ernährungsteams am Universitätsklinikum​ leitet. „Das hat vielfältige Ursachen, die von Einsamkeit und Armut über Kauprobleme und Darmerkrankungen bis zu Medikamenten und verschiedenster Therapieformen reichen. Wir als Team haben uns zum Ziel gestellt, gefährdete Patienten zu finden und zu behandeln. Denn die Ernährung im Krankenhaus dient nicht nur dem Wohlbefinden, sondern auch der Heilung."

Mit einem speziellen Ernährungsscreening geht das Team von Lars Selig vor. Schon bei der stationären Aufnahme werden alle Patienten mit vier integrierten Fragen zum Ernährungsstatus eingeschätzt: Wie ist die Größ​​e und das Gewicht? Bestand innerhalb des letzten Quartals ein Gewichtsverlust? Hat es in der letzten Woche eine verminderte Nahrungsaufnahme gegeben und liegt eine schwere Erkrankung vor? „Schon aus diesen vier Antworten können wir ablesen, wen wir in einem sogenannten Hauptscreening weiter befragen sollten", so Lars Selig. „Im Gespräch suchen wir Gründe für bestimmte Daten oder mögliche Veränderungen. Diese müssen ja nicht krankhaft sein. Vielleicht ist jemand schon immer von schlanker Statur oder jemand versucht gerade abzunehmen."

Bei Bedarf wird per Messung der Körperzusammensetzung oder der Handkraft ermittelt, wie es um den Betreffenden körperlich steht. Im Gespräch mit den Patienten wird dann versucht, die Ursachen der Mangelernährung herauszufinden. „Oft kann mit einer entsprechenden Ernährungsberatung, auf Lebensmittel und Gerichte sensibilisiert werden, die vorhandene Defizite zu beseitigen." Zudem hat das Ernährungsteam verschiedene Therapiemöglichkeiten. Dazu zählen verschiedene Trinknahrungen, Ernährungssonden oder gar die Ernährung per Infusion ins Blut.

„Bei allem gilt: Nicht das Gewicht allein ist entscheidend, sondern auch die Leistungsfähigkeit", betont Lars Selig. Schließlich brauchen manche Patienten viel Kraft für anstehende Therapien. „Bei gut ernährten Patienten ist die Komplikationsrate niedriger, auch die Sterblichkeit ist verringert. Außerdem sind die Patienten zufriedener, haben weniger Beschwerden und Therapien müssen nicht pausiert oder gar abgebrochen werden, aufgrund eines schlechten Ernährungszustandes."

Nur drei bis fünf Prozent aller Kliniken in Deutschland haben ein Ernährungsteam, das sich ernährungstherapeutisch um Patienten kümmert. Das bedauert Lars Selig: „Ich halte es für wichtig, dass in allen Kliniken erkannt wird, dass das Thema Ernährung ein wichtiger Therapiebestandteil wird."

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 13​​​​​/21(PDF). Ein​e Übersicht aller Gesu​ndheitsmagazine finden Sie hier.

Weniger Blutungsprobleme dank effektiver Therapie

Prof. Dr. Sirak Petros, Leiter des Zentrums für Hämostaseologie am UKL, zur Behandlung von Gerinnungsstörungen

Rund um die Uhr werden am Zentrum für Hämostaseologie​ Patienten des UKL und anderer Krankenhäuser betreut, die unter Gerinnungsstörungen wie der Hämophilie (Bluterkrankheit) leiden. Der Leiter Prof. Dr. Sirak Petros und seine Mitarbeiter helfen, dass die Betroffenen ein normales Leben führen können. 

Behandelt werden kann die Hämophilie dadurch, dass der fehlende Gerinnungsfaktor durch regelmäßige Spritzen dem Blut zugeführt wird. Die Dosis richtet sich dabei nach der Schwere der Krankheit und der Blutung oder des Eingriffes. Dadurch werden nicht nur Komplikationen durch äußere Verletzungen, sondern vor allem die gefährlichen Gelenkblutungen verhindert, die oft zu schweren, bleibenden Schäden an den großen Gelenken führen. Übrigens spüren es viele Patienten, wenn eine solche Gelenkblutung naht. Man nennt das „Blutungs-Aura".

„Heute sind wir in Deutschland in einem glücklichen Zustand, dass durch die breite Verfügbarkeit sicherer und effektiver Blutgerinnungstherapie die junge Generation mit Blutungsneigung weit weniger Blutungsprobleme hat als die ältere Generation. Darüber hinaus haben wir heute auch Medikamente, die nicht mehr über eine Vene gespritzt werden müssen, sondern unter der Haut mit einer längeren Wirkdauer. Außerdem wird zu weiteren Behandlungsmöglichkeiten, z.B. Gentherapie, intensiv geforscht", so Prof. Petros.​

Wie der Leipziger Gerinnungsspezialist sagt, bringt die Krankheit natürlich Einschränkungen für das Leben der betroffenen Menschen. „Aber Hämophilie-Patienten sind in der Regel verantwortungsbewusste Menschen, die mit ihrer Blutungsneigung gut umgehen können. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Betroffenen und ihren behandelnden Gerinnungsexperten sowohl im ambulanten als auch stationären Bereich bringt für unsere Patienten die erforderliche Versorgungssicherheit. Mit der nötigen Vorsicht können die Betroffenen ein weitgehend normales Leben führen. Sie können auch Sport treiben, was für die Gelenkstabilität und gegen Übergewicht von großer Bedeutung ist. Bluter haben heute die gleiche Lebenserwartung wie andere Menschen. Das heißt auch, dass sie alt genug werden um Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Prostataleiden oder Arthritis zu bekommen. Doch selbst in diesen Fällen können eventuell erforderliche Operationen risikoarm durchgeführt werden, wenn die Blutgerinnungstherapie durch erfahrene Gerinnungsexperte so eingestellt wird, dass der Chirurg arbeiten kann. Genau das ist – neben der Tatsache, dass wir jeden Tag für die Patienten rund um die Uhr erreichbar sind – der wesentliche Vorzug unseres Zentrums."

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 12​​​​​/21(PDF). Eine Übersicht aller Gesu​ndheitsmagazine finden Sie hier.

Trotz Bluterkrankheit ist ein normales Leben möglich

Prof. Dr. Sirak Petros, Leiter des Zentrums für Hämostaseologie am UKL, informiert über Gerinnungsstörungen​

Rund um die Uhr werden am Zentrum für Hämostaseologie​ Patienten des UKL und anderer Krankenhäuser betreut, die unter Gerinnungsstörungen leiden. Prof. Dr. Sirak Petros und seine Mitarbeiter helfen, dass die Betroffenen ein normales Leben führen können. Behandelt werden beispielsweise Patienten mit angeborener Hämophilie (oft als angeborene Bluterkrankheit bezeichnet), mit der von-Willebrand-Erkrankung, mit Thrombozyten-Funktionsstörungen, aber auch Menschen mit unterschiedlichen erworbenen Blutgerinnungsstörungen sowie Schwangere mit Gerinnungsproblemen. Dazu erfolgen ausführliche klinische und labormedizinische Untersuchungen, um das jeweilige Problem genau zu verstehen.

„Von der Hämophilie, die auf einem vererbbaren Gendefekt beruht, sind in Deutschland etwa 8000 Menschen betroffen", erklärt Prof. Petros. „Dabei tritt die Hämophilie in zwei Varianten auf: als Hämophilie A und B. Wenn es am Gerinnungsfaktor VIII mangelt, handelt es sich um die Hämophilie A, die etwa einen von 5000 Jungen trifft. Kann der Gerinnungsfaktor IX nicht ausreichend gebildet werden, sprechen wir von Hämophilie B, die seltener auftritt und dann bei etwa einem von 25 000 Jungen." 

Dass bei der Hämophilie nur Jungen von der Krankheit betroffen sind, liegt daran, dass der für die Krankheit ausschlaggebende Gendefekt nur auf dem X-Chromosom auftritt. Dieser Gendefekt ist eine, einfach formuliert, nicht-dominante Mutation. Ein Junge hat nur ein X-Chromosom, so dass der Gendefekt zum Tragen kommt. Da Mädchen dagegen zwei X-Chromosomen besitzen, werden sie in der Regel nur Trägerinnen des Gendefektes und vererben diese an ihre Kinder. In seltenen Fällen kann es aber vorkommen, dass solche Trägerinnen eine milde Hämophilie erleiden. Außerdem kann es vorkommen, dass dieser Gendefekt auch ohne Vererbung, also ohne dass die Bluterkrankheit in der Familiengeschichte bekannt war, vorkommen kann, so zu sagen als „Quereinsteiger". ​

Die Schwere der Hämophilie ist von der Art des Gendefektes abhängig. „Die schwere Hämophilie wird meist in der Kindheit offenbar", so Prof. Petros. „Eltern sollten also aufpassen: Wenn schon leichte Berührungen zu Blutergüssen führen oder kleine Verletzungen lange nachbluten, dann stimmt etwas nicht. Spezielle Gerinnungstests bringen dann die Gewissheit, ob es sich um Hämophilie handelt und um welchen Schweregrad.

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 11​​​​​/21(PDF). Eine Übersicht aller Gesu​ndheitsmagazine finden Sie hier.

Entzündungen im Mund können sich auf den gesamten Körper auswirken

Prof. Hirsch: Gutes Zähneputzen dient auch der allgemeinen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

Zum Tag der Zahngesundheit am 25. September macht Prof. Dr. Christian Hirsch, Direktor der Poliklinik für Kinderzahnheilkunde und Primärprophylaxe am Universitätsklinikum Leipzig (UKL)​, auf die Zusammenhänge von Entzündungen im Mund und Erkrankungen des Körpers aufmerksam.​

„In diesem Jahr steht beim Tag der Zahngesundheit die Parodontitis im Mittelpunkt – eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparates, durch die sich Zähne lockern oder verloren gehen. Dabei ist die Argumentation meist die: Wer sich nicht ordentlich die Zähne putzt, lässt bakteriellen Zahnbelag entstehen. Der ist der ‚Zündstoff' für akute Entzündungen, die dann später am Zahnbett chronisch werden, so dass die Zähne nicht mehr festsitzen", sagt Prof. Hirsch. „Wir sehen das Thema mittlerweile aber weiter: Entzündungen im Mundraum schädigen nicht nur das Zahnbett, sondern können nach unseren Forschungen auch an Allgemeinerkrankungen wie Blinddarmentzündungen, der Infektion mit dem Keim Helicobacter pylori oder bei Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes beteiligt sein."

Wie der Leipziger Klinikchef erläutert, untersuchte eine interdisziplinäre Forschergruppe des UKL, ob Bakterien der Mundhöhle bei der Entstehung einer Blinddarmentzündung bei Kindern eine Rolle spielen könnten. Dabei wurden verschiedene Bakterienarten als mögliche Erreger genetisch identifiziert – darunter ein Keim, der für verschiedene Erkrankungen der Zähne und des Zahnhalteapparates verantwortlich ist und sich häufig in den untersuchten entzündeten Wurmfortsätzen des Blinddarmes von Kindern fand.

Auch das Stäbchenbakterium Helicobacter pylori – Hauptverdächtiger für Magenerkrankungen vom Sodbrennen bis zum Magengeschwür – scheint auf seinem noch unklaren Weg in den Menschen hinein von Entzündungen im Mund zu profitieren. Mit Wissenschaftlern aus Erlangen fanden die Leipziger Kinderzahnärzte um Prof. Hirsch heraus, dass sich der Keim gern in und an abgestorbenen, entzündeten Milchzähnen versteckt.

„Es zeigt sich an diesen Beispielen also: Die Gesunderhaltung der Mundhöhle wirkt sich positiv auf die Vermeidung, den Verlauf und die Behandlung von Allgemeinerkrankungen aus. Prophylaktische Maßnahmen für orale Erkrankungen, wie ein gutes Zähneputzen, dienen also auch der allgemeinen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen", so Prof. Hirsch.​

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 10​​​​​/21(PDF). Eine Übersicht aller Gesu​ndheitsmagazine finden Sie hier.

Corona-Pandemie macht Hörschädigungen erkennbar

Prof. Fuchs: Gesichtsmaske verbirgt nonverbale Informationen / Das Verstehen wird erschwert

Die Gesichtsmaske, die in der Corona-Pandemie zum ständigen Accessoire geworden ist, nervt nicht nur Brillenträger oder Asthmatiker. Sie macht auch manchem, der bisher meinte, noch ganz gut hören zu können, deutlich, dass er eine leichte Hörschädigung hat. Denn die Maske filtert außer Aerosolpartikeln und Tröpfchen auch hohe Töne und dämmt die Sprachlautstärke. Dazu kommt, dass der Mund des Gegenübers nicht mehr gesehen wird.

„Je höher die Hörminderung und je anspruchsvoller di​​​e Hörumgebung, desto mehr ist der Betreffende auf das Mundbild angewiesen", sagt Prof. Dr. Michael Fuchs, Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie an der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Leipzig. „Denn das eingeschränkte Sprachverstehen können Hörgeschädigte durch das Lippenlesen kompensieren. Völlig Ertaubte können das oft sehr gut. Aber auch leicht Hörgeschädigte nutzen diese Strategie, manchmal völlig unbewusst, um den Satzzusammenhang zu erkennen. Wenn aber der Mund verdeckt ist, gegen Informationen verloren. Damit merkt mancher, dass sein Gehör nachgelassen hat, was im Alter typisch ist."

Gerade für stark Schwerhörige kann es dramatisch sein, den Mund des Gegenübers nicht zu sehen. Deshalb wurden die Behandlungszimmer der Sektion Phoniatrie und Audiologie (Stimm- und Hörheilkunde) mit Plexiglasscheiben ausgestattet, damit sich Patient und Arzt ohne Mundschutz gegenübersitzen können. „Durch eine Maske würde unseren Patienten ja nicht nur das Mundbild, also die Stellungen der Lippen und der Mundregion einschließlich der von außen sichtbaren Zungenstellung, verloren gehen, sondern auch noch weitere nonverbale Informationen", erklärt der Leipziger HNO-Arzt und Phoniater/Pädaudiologe. „Denn Ärger und Wut, Spott oder Ironie werden für Hörgeschädigte oft erst deutlich, wenn sie das Gesicht sehen und dieses Bild mit dem Gehörten in Einklang bringen können."

Ein weiterer Faktor für manche Hörprobleme in Corona-Zeiten ist der vorgeschriebene Mindestabstand. Denn egal, ob bei einer längeren Unterhaltung oder einem kurzen Wortwechsel: Normalerweise halten die Personen einen Abstand von etwa einer Armlänge ein. Durch die Virus-Pandemie werden aber mindestens 1,50 Meter empfohlen; manche halten da lieber noch ein gutes Stück mehr Abstand. „Wenn dann noch Umgebungsgeräusche, wie Straßenverkehr oder Regen, dazukommen, wird es mit dem Hören schwieriger", so Prof. Fuchs.

Er rät allen, die durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf ihre Hördefizite aufmerksam gemacht wurden, einen HNO-Arzt aufzusuchen. Dieser kann mit Tests der Sache auf den Grund gehen und verschiedene technische Möglichkeiten vorstellen, mit denen die Hörschädigung auszugleichen ist. Als Tipp aus seiner Praxis nennt er zudem eine Transkriptions-App, die einfach auf dem Smartphone installiert werden kann. „Man spricht einen Satz ins Mobiltelefon. Der wird dann gut lesbar angezeigt, so dass man dem Gesprächspartner sozusagen schriftlich zeigen kann, was man gesprochen hat. Ich nutze diese kostenlose App gerne bei Gesprächen mit Patienten, wo es ja aufs genaue Wort ankommt."

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 09​​​​/21(PDF). Eine Übersicht aller Gesu​ndheitsmagazine finden Sie hier.

Beschwerdefrei dank richtiger Ernährung

​Ratgeber Zöliakie: Wie geht es nach der Diagnose weiter?

 „Haben wir die Diagnose Zöliakie gesichert, erfolgt ein zweiteiliges Aufklärungsgespräch: Ich erkläre den Eltern, was im Körper des Kindes durch die Krankheit passiert, ein Ernährungstherapeut der Kinderklinik erläutert, wo überall Gluten enthalten ist und welche glutenfreien Alternativen es gibt. Denn lebenslang muss nun Gluten vermieden werden", sagt Dr. Gunter Flemming, Kindergastroenterologe an der Kinderklinik des UKL.

Dies bedeutet für die gesamte Familie natürlich eine einschneidende Veränderung im Alltag. Aber bei den Allermeisten gelingt diese Umstellung sehr gut. Und das Erfreuliche ist, dass die Entzündung und die damit verbundene Schädigung des Dünndarms sich unter der glutenfreien Ernährung komplett zurückbilden.

„Im Verlauf finden regelmäßige Vorstellungen in unserer Sprechstunde statt. Hierbei wird neben der körperlichen Entwicklung auch der Verlauf der spezifischen Zöliakie-Antikörper im Blut kontrolliert." Diese normalisieren sich unter der glutenfreien Ernährung im Lauf der Zeit, können aber auch Hinweise auf systemische Fehler in der Ernährung geben. Zudem werden das Blutbild, Schilddrüsen- und Leberparameter kontrolliert, um mögliche Mangelzustände oder zur Zöliakie assoziierte Autoimmunerkrankungen beispielsweise der Haut, Schilddrüse und Leber frühzeitig zu erkennen.

 „Die Zöliakie geht nicht weg, auch wenn der Betreffende vielleicht keine Beschwerden bekommt, wenn er mal über die Stränge schlägt und einen Hotdog isst", sagt Dr. Flemming. „Das Limit wird gesetzt durch das Regenerierungsvermögen des Darms. Jede noch so kleine Glutenbelastung löst umgehend wieder eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus, auch wenn der Patient nichts davon spürt." Höre die Belastung auf, regeneriere sich die Dünndarmschleimhaut wieder. Aber dieses Regenerierungsvermögen ist nicht unendlich. Kann sich die Schleimhaut nicht mehr erholen, sind Bauchschmerzen, Durchfälle und Mangelernährung die Folge und die therapeutischen Möglichkeiten sehr eingeschränkt.   

Die Diagnose erfolgt meist im Kindesalter, aber auch im höheren Erwachsenenalter kann die Autoimmunerkrankung erstmalig deutlich werden. Manche Patienten sind 30 bis 40 Jahre alt, wenn die Zöliakie erstmals entdeckt wird, sie kann auch jenseits des 60. Lebensjahres noch auftreten. Dann ist Prof. Dr. Albrecht Hoffmeister, Leiter des Bereichs Gastroenterologie am UKL, gefragt. Er behandelt auch die jugendlichen Patienten weiter, die bis zu ihrem 18. Lebensjahr von Dr. Flemming betreut wurden.

„Auch bei den Erwachsenen sind die Symptome sehr vielfältig", so Prof. Hoffmeister. „Sie reichen von Durchfall über Vitaminmangel und Anämie bis zu Leberwerterhöhung. Über Blutuntersuchungen sowie eine Magen- und Zwölffingerdarmspiegelung wird offenbar, wo die Ursache liegen könnte. Der Bluttest auf die Antikörper gegen Transglutaminase gibt häufig einen ersten Hinweis auf eine Zöliakie. Die endgültige Absicherung der Diagnose erfolgt in vielen Fällen durch eine Dünndarmbiopsie."

Mit der Diagnose und dem dringenden Rat, Gluten zu meiden, ist die Versorgung der Patienten natürlich nicht abgeschlossen. Medizinische Verlaufskontrollen anhand von Bluttests geben den Patienten Halt und Gewissheit, dass sie mit ihrer glutenfreien Diät richtig liegen. Zum anderen bietet die Deutsche Zöliakie Gesellschaft (DZG) als Selbsthilfegruppe den Betroffenen viel Wissenswertes. „Beispielsweise werden jährlich Publikationen herausgegeben mit Informationen, was die Patienten essen können", so Prof. Hoffmeister, der sich selbst für die DZG engagiert.

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 08​​​​/21(PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.

Zöliakie – wie Mediziner einem Chamäleon auf die Spur kommen

Durch Gluten ausgelöste Autoimmunerkrankung kann zu dauerhaften Schäden führen

„Die Zöliakie ist ein Chamäleon", sagt Dr. Gunter Flemming, Kindergastroenterologe an der Kinderklinik des Universitätsklinikums Leipzig (UKL)​. „Denn die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein. Und das erschwert das Erkennen der Erkrankung. Mit modernen nicht-invasiven Untersuchungsmöglichkeiten – beispielsweise einer Testung auf spezifische Antikörper im Blutserum, die für die auslösende Glutenunverträglichkeit typisch sind – kommen wir heute der Autoimmunerkrankung aber auf die Spur."

Grundsätzliche steht Zöliakie für eine entzündliche Erkrankung des Dünndarms. Die Besonderheit dabei: Sie wird durch eine fehlgeleitete Immunreaktion auf Gluten ausgelöst, das in vielen Getreidesorten steckt. Wenn also glutenhaltige Nahrungsmittel aufgenommen werden, können die Patienten starke Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfälle bekommen. Und selbst, wenn diese Symptome nicht heftig sind und dem Patienten nicht schwer zu schaffen machen, kommt es zu langfristigen Schäden. Denn bei Zöliakie wird die Schleimhaut des Darms durch die fortwährende Entzündung geschädigt, so dass Nahrungsbestandteile schlechter in den Körper aufgenommen werden können. In der Folge können möglicherweise sogar Mangelzustände entstehen.

„Die Krankheit manifestiert sich in verschiedenen Altersgruppen", erklärt Dr. Flemming. Es gibt ein genetisches Risiko für die Entwicklung einer Zöliakie. Es haben ca. 30 bis 40 Prozent der Normalbevölkerung solch ein Risiko-Gen, allerdings beträgt die Häufigkeit der Zöliakie ca. 1 Prozent in der deutschen Bevölkerung. Welcher weitere Risikofaktor - neben dem genetischen Hintergrund - zu der Entwicklung einer Zöliakie führt, ist bislang noch nicht ausreichend geklärt. „Die erste Bewährungsprobe entsteht, wenn die Babys die erste Beikost bekommen. Dann treffen sie auch das erste Mal auf Gluten – und es entscheidet sich, ob sie dieses Klebereiweiß vertragen oder nicht." Es kann aber auch erst nach Jahren zu der Entwicklung einer Zöliakie kommen. ​​

Wenn die Krankheit schon in der Familie aufgetreten ist, aber auch bei anderen Erkrankungen wie Diabetes Typ 1, Down-Syndrom oder Turner-Syndrom, die häufig mit Zöliakie verbunden sind, sollte im Verlauf eine Untersuchung auf eine Zöliakie durchgeführt werden, auch wenn (noch) keine klinischen Symptome vorliegen.

Wenn der Verdacht auf eine mögliche Zöliakie besteht, dann werden zunächst spezifische Antikörper im Blut des Patienten untersucht. In Abhängigkeit dieser Befunde wird dann gemeinsam mit der Familie entschieden, ob eine Magen-Dünndarm-Spiegelung zur Diagnosesicherung notwendig ist.

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 07​​​/21(PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.

Epiglottitis – früher häufig bei Kindern, heute hauptsächlich bei Erwachsenen

Prof. Dietz erläutert Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Kehldeckel-Entzündung

Fünf- bis zehnmal im Jahr sieht Prof. Dr. Andreas Dietz eine akute Entzündung des Kehldeckels. „Bei dieser seltenen Erkrankung wird der Kehlkopf geradezu abgeschnürt. Es besteht Erstickungsgefahr, das ist ein absoluter Notfall", betont der Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nase- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig​. „Man muss extrem vorsichtig schon beim Untersuchen sein, denn schnell sind ein Krampf – die Stimmlippen schließen den Kehlkopf zu – oder eine plötzliche Verschlechterung der Atmung möglich."

Ursache dieser gefährlichen Entzündung sind oft Bakterien. Manchmal geht der Epiglottitis ein zunächst harmloser Infekt der Atemwege voraus. Aber oft beginnt es mit massiven Halsschmerzen, ansteigendem Fieber, einer starken Speichelproduktion und Geräuschen beim Atmen. „Am offensichtlichsten ist die kloßige Sprache", sagt Prof. Dietz. „Dazu kommen Schluck- und Atembeschwerden. Spätestens dann sollte der Betreffende zu einer Notaufnahme gebracht oder die Notrufnummer gewählt werden."

Gegen die Bakterien wehrt sich die Schleimhaut, mit der der Kehlkopfdeckel überzogen ist, mit einer Entzündungsreaktion. Dadurch schwillt die Schleimhaut und auch die unmittelbare Umgebung an. „Der Kehldeckel hat ja die Aufgabe, beim Schlucken von Nahrung die Luftröhre zu verschließen. Bei einer Epiglottitis wird durch die Schwellungen der Kehldeckel zu einem Korken, der die Luftröhre verengt und sogar verschließen kann. Deshalb muss manchmal sogar ein Luftröhrenschnitt gemacht werden, um die Patienten zu retten."

Bei Kindern sind Schwellungen im Kehlkopfbereich besonders gefährlich, weil dort – im Verhältnis zu Erwachsenen – wenig Platz ist. Deshalb waren früher meist Kinder zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr betroffen. Seit 1990 gibt es für Kleinkinder Schutzimpfungen gegen das Hib-Bakterium, das nicht nur eine Kehldeckelentzündung, sondern auch eine Hirnhautentzündung auslösen kann. Nunmehr tritt die Epiglottitis vor allem bei älteren Menschen auf.

„Ähnliche Krankheitsbilder entstehen beim sogenannten Pseudokrupp oder bei der Diphterie", so Prof. Dietz. „Durch Schutzimpfungen gibt es seit den 80-er Jahren in Deutschland nur noch einzelne Diphterie-Erkrankungen. Wird von der Infektionskrankheit der Kehlkopf befallen, können Schwellungen unterhalb der Stimmlippen entstehen, die zu Hustenanfällen und Luftnot führen. Dann sprechen wir von Krupp. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Erwachsenen, die Impfung gegen Diphtherie alle zehn Jahre aufzufrischen. Pseudokrupp wiederum ist eine durch Viren ausgelöste Atemwegserkrankung, bei der ebenfalls unterhalb der Stimmband-Ebene Schwellungen entstehen, die zu Husten und Atemnot führen können. Wichtig ist, dass ein Pseudokrupp-Anfall von lebensgefährlichen Erkrankungen wie dem echten Krupphusten oder der akuten bakteriellen Epiglottitis unterschieden wird."

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 06​​​/21(PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.

Genetische Ursachen für Erkrankungen – eine Exom-Analyse gibt Aufschluss

Prof. Dr. Johannes Lemke, Leiter des Instituts für Humangenetik, über Möglichkeiten der Erbgut-Sequenzierung

Die Oma hatte Eierstockkrebs, die Tante auch – nun fragt sich manche Frau, wie hoch ihr eigenes Risiko ist, ebenfalls zu erkranken. „Wenn man die Höhe dieses Risikos wirklich wissen will, dann hilft oft nur eine genetische Diagnostik", sagt Prof. Dr. Johannes Lemke, Leiter des Instituts für Humangenetik am Universitätsklinikum Leipzig (UKL).

„Wir führen jährlich hunderte Analysen von Krebsgenen sowie rund​ 2000 Exom-Sequenzierungen durch, bei denen jeweils das gesamte Erbgut analysiert wird. Dadurch können wir nicht nur das Risiko für bestimmte Erkrankungen einschätzen, sondern beispielsweise auch: Kann die genetische Veränderung, die bei meinem geistig behinderten Kind aufgetreten ist, auch bei einem zweiten Kind eintreten? Außerdem kann man aufgrund der genetischen Diagnose manchmal schon sehr früh einschätzen, ob eine leichte oder auch schwerere Behinderung zu erwarten ist. All das hilft vielen Eltern."

Genetische Erkrankungen werden durch Mutationen des Erbgutes (der DNA) verursacht. Eine solche Mutation kann über eine elterliche Keimzelle (Ei- oder Samenzelle) von einer Generation zur anderen weitergegeben werden – wie etwa im Falle des Familiären Brust- und Eierstockkrebses. Auf diesem Prinzip beruht der etwas veraltete Begriff „Erbkrankheit". Eine Mutation kann aber auch jederzeit neu entstehen (Neumutation) und zu einer genetisch bedingten Erkrankung führen, die in der Familie bislang noch nie aufgetreten war.

Eine Erbkrankheit beruht oft auf klaren Veränderungen im Erbgut. Jedoch müssen nicht alle Veränderungen im Erbgut zwangsläufig zu Erkrankungen führen. Viele Veränderungen sind völlig harmlos und andere können auch mit Prädispositionen einhergehen, also lediglich zu einem erhöhten Risiko für bestimmte Erkrankungen führen. Manchmal braucht es zur Krankheitsentstehung auch das Zusammenspiel vieler Faktoren. Besonders bei psychiatrischen und verschiedenen Krebserkrankungen kann die Humangenetik hier oft noch keine Klarheit schaffen, „das ist noch zu komplex", sagt Prof. Lemke.

Alle Eigenschaften, die der individuelle Mensch hat, also auch alle Krankheiten, sind zu großen Teilen genetisch bedingt. „Das trifft auch auf die seltenen Erkrankungen zu", so Prof. Lemke. „80 Prozent dieser Krankheiten, die laut Definition jeweils nicht mehr als 5 von 10 000 Menschen betreffen, sind genetisch bedingt. Allerdings heißt das nicht, dass wir sie alle mit einer Exom-Analyse auch erkennen können. Denn manche Krankheiten haben eine Handvoll Ursachen und manche Erbgutveränderungen können wir technisch nur schwer erkennen."

Auch geistige Behinderungen sind in den allermeisten Fällen genetisch bedingt. Heute ist mit Hilfe der Exom-Analyse in 50 Prozent der Fälle eine Diagnose möglich. In 50 Prozent der Fälle aber nicht. „Vor 15 Jahren, als ich beruflich in die Humangenetik einstieg, haben wir bei geistigen Behinderungen in nur fünf Prozent der Fälle eine Diagnose stellen können", so der Leipziger Humangenetiker. „Ich bin sicher, dass wir in den nächsten 15 Jahren weitere große Fortschritte machen werden. Nötig dafür sind freilich technische Verbesserungen und ein noch besseres Verständnis komplexer genetischen Zusammenhänge."

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 05​​​/21 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.

Chemische Arzneimittel, Generika, Biologicals, Biosimilars, Bioidenticals – was ist das?

Dr. Yvonne Remane, Direktorin der Krankenhausapotheke am UKL, erläutert die Unterschiede

Arzneimittel werden bereits seit Jahrtausenden verwendet. Größtenteils waren es aus Pflanzenbestandteilen gewonnene Heilmittel. Therapeutika wurden in der Antike aber auch aus tierischen und mineralischen Stoffen gewonnen.

„Mit der modernen Pharmazie befasst sich heute eine interdisziplinäre Wissenschaft mit der Beschaffenheit, Wirkung, Entwicklung, Prüfung, Herstellung und Abgabe von Arzneimitteln", sagt Dr. Yvonne Remane, Direktorin der Krankenhausapotheke am UKL​. „Wobei heute Ärzten und Patienten nicht mehr nur herkömmliche Arzneimittel zur Verfügung stehen, sondern auch eine Vielzahl von Neuentwicklungen."
Hier gibt sie einige Erläuterungen zu den unterschiedlichen Bezeichnungen:

Herkömmliche Arzneimittel

Das sind oft chemisch synthetisierte Produkte, so Dr. Remane. Forscher fanden einen Herstellungsweg für einen bestimmten Stoff, erhielten ein Patent und stellten das Originalpräparat her. Nehmen wir das Beispiel Aspirin: 1897 gelang es in Deutschland, nebenproduktfreie Acetylsalicylsäure herzustellen. Unter dem Namen Aspirin trat das schmerzstillende, antirheumatische und entzündungshemmende Medikament seinen Siegeszug an.

Generikum

Heute sind die meisten Präparate, die Acetylsalicylsäure (abgekürzt ASS) enthalten Nachahmerprodukte. Dass es ASS-haltige Arzneimittel sind, erkennt man unter anderem am Namensbestandteil ASS. Nach Ablauf des Patentes, erklärt Dr. Remane, das sind meist 20 Jahre, kann ein Arzneimittel von anderen Firmen hergestellt werden. Das wird dann Generikum genannt. Vom Wirkstoff her stimmt es mit dem Originalpräparat überein. Unterschiede kann es aber bei den enthaltenen Hilfsstoffen und bei der Herstellung geben.

Biological

Eine ganz neue Art von Medikamenten sind Biologicals. Denn es sind Substanzen, die von Zelllinien produziert werden. Sie bestehen im Unterschied zu den „einfachen, herkömmlichen chemischen Arzneimitteln" aus großen, ineinander verschlungenen Eiweiß-Molekülen. Beispiele für biologische Arzneimittel sind Impfstoffe und monoklonale Antikörper.

Biosimilar

Ein Biosimilar ist – vergleichbar dem Generikum – ein Nachahmerprodukt eines originalen Biologicals. Allerdings: Während die klassischen chemischen Generika dem Originalpräparat durch klar definierte chemische Syntheseschritte vollständig gleichen, ähneln sich Biological und Biosimilar lediglich. Wobei die Unterschiede aber nur minimal sind. Sie haben die gleiche Indikation und werden in gleicher Dosierung verordnet.

Bioidentical

Dieser Begriff wird verwendet, wenn ein Hersteller ein biologisches Arzneimittel herstellt und es an zwei Pharmafirmen liefert. Diese Medikamente stammen also aus dem gleichen Werk, aus der gleichen Produktion und sind wirkstoffgleich. Jede Pharmafirma hat aber dann das Recht, dem Präparat einen eigenen Namen zu geben.

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 04​​​/21 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.

Das Richtige tun bei Depressionen

Depressionen sind nicht nur für die Betroffenen eine Belastung – auch Angehörige und Freunde brauchen Hilfe im Umgang mit der Erkrankung. Dies gilt in den heutigen Zeiten dank der Kontaktbeschränkungen noch mehr als sonst. Wie können die wichtigen Helfer ihre eigene Kraft und Gesundheit erhalten? Ein aktueller Ratgeber, mit herausgegeben von der UKL-Psychiaterin Prof. Dr. Christine Rummel-Kluge, widmet sich dieser Frage.

​Erkrankt jemand an einer Depression, sind oft Angehörige und Freunde gefordert - im richtigen Umgang mit der Krankheit und als Helfer für die Betroffenen. Mehr als 5 Millionen Menschen erkranken jährlich in Deutschland an einer behandlungsbedürftigen Depression. Viele von ihnen haben Angehörige, die ebenso unter der Erkrankung leiden. Betroffene können sich stark verändern und ziehen sich aus dem gemeinsamen Alltag​ zurück. Das führt bei Angehörigen oft zu Hilflosigkeit, aber auch Überlastung. „Familienmitglieder können für an Depression Erkrankte eine große Hilfe sein, müssen sich aber auch selbst schützen und vor zu großer Belastung bewahren", erklärt Prof. Dr. Christine Rummel-Kluge. Wie das geht, hat die Leiterin der Psychiatrischen Institutsambulanz am Universitätsklinikum Leipzig gemeinsam mit Dr. Christine Hutterer in einem Ratgeber für Angehörige und Freunde zusammengefasst. Unter dem Titel „Depression - das Richtige tun" zeigt das Buch, dass und was man tun kann - für die Betroffenen und für sich. Leider ist das Thema im Lockdown relevanter denn je: „In der heutigen Situation kann es für Angehörige besonders schwierig sein, den richtigen Umgang mit der Erkrankung zu finden", so Rummel-Kluge. „Durch die Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen, Homeschooling und Homeoffice sind alle Familienmitglieder zu einem intensiven Alltag im gemeinsamen Zuhause gezwungen. Das ständige Zusammensein mit einem depressiven Familienmitglied kann so zu einer großen Belastung für alle werden."

Das erlebe sie aktuell auch in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig, so Prof. Rummel-Kluge. „Als derzeit eine der wenigen Anlaufstellen für Menschen mit psychischen Erkrankungen sehen wir, dass diese in der Pandemie zunehmen und sich verschlimmern." Umso wichtiger ist auch die Unterstützung von Angehörigen. Der Ratgeber bietet dafür eine breite Palette an leicht verständlichen Informationen, von Antworten auf die Frage „Ist es eine Depression?" über einen Überblick über Behandlungsmöglichkeiten bis zu Tipps für den gemeinsamen Alltag und die Selbstfürsorge. 

Prof. Christine Rummle-Kluge: „Uns ist es wichtig, den von einer Depression im Familien- oder Freundeskreis betroffenen Menschen einen Weg zum Umgang mit der Erkrankung zu bieten, der ihnen und ihren erkrankten Angehörigen hilft und sie bei der Bewältigung der Depression unterstützt." 

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 03​​​/21 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.

ADHS: Bei manchen Betroffenen wird die Krankheit erst im Erwachsenenalter deutlich

Priv.-Doz. Dr. Maria Strauß, Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, über die Arbeit in ihrer Spezialambulanz

Ist von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, die Rede, denken viele an den kleinen „Zappelphilipp", der die Nerven von Eltern und Lehrern strapaziert. Doch auch Erwachsene leiden an dieser Störung. Nicht nur, dass die Symptome auch nach der Kindheit nicht verschwinden, sondern oft wird die ADHS-Symptomatik sogar erst im Erwachsenenalter relevant und führt erstmalig zur Diagnosestellung.

AHDS wurde lange Zeit medizinisch nur Kindern zugeordnet. Seit den 90er Jahren wurde aber deutlich, dass sich diese Störung leider nicht „verwächst", erklärt Dr. Maria Strauß, Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL)​ und Leiterin der Ambulanz für Erwachsene mit AHDS. 40 bis 60 Prozent der diagnostizierten AHDS-Kinder leiden auch als Erwachsene an der Krankheit. Dazu kommen dann noch diejenigen, bei denen die Störung erst im Erwachsenenalter deutlich wird.

„Meist kommen die Erwachsenen, bei denen wir dann AHDS diagnostizieren, wegen ganz anderer psychischer Probleme zu uns", so Dr. Strauß. „Da gibt es den Studenten, der sein Studium nicht auf die Reihe bekommt, weil er sich nicht organisieren und auch nicht konzentrieren kann. Hintergrund kann dann sein, dass die protektiven Strukturen der Kindheit jetzt fern der Familie nicht mehr greifen. Da kann die Mama ihn nicht mehr ständig an Wichtiges erinnern, da gibt es die liebevolle Klassenlehrerin nicht mehr, die mit viel Nachsicht unterrichtet. Wenn diese Schutzschilder und Lebensstützen wegfallen, kommt die eigentliche Symptomatik zum Vorschein."

Natürlich hat nicht jeder Student, der durch Vorlesungen und Seminare ins Schwimmen kommt, gleich AHDS. „Ich schaffe das nicht" festigt noch lange keine Diagnose. Es müssen schon eine Reihe von Symptomen zusammenkommen, damit die Oberärztin sich bei ihrer Diagnose sicher sein kann. „Es gibt viele Möglichkeiten, wie sich AHDS zeigt. Diese reichen von Störungen der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit, Impulsivität, motorischer Hyperaktivität über Stimmungsschwankungen bis zu weiteren zusätzlichen psychischen Störungen wie Depressionen oder Angststörungen." Auch ein chaotischer Alltag, Konzentrationsprobleme im Großraumbüro, Überforderung im Straßenverkehr, ständige Unpünktlichkeit oder die Unfähigkeit, Post zu öffnen und die Steuererklärung zu machen können Symptome für AHDS sein.

Dr. Strauß und ihre Mitstreiter in der Ambulanz, ein Assistenzarzt und eine Psychologin, schauen sich auch die Zeugnisse der Grundschule an - um oftmals festzustellen: Da hatte der Patient von heute also schon damals Probleme, konnte nicht stillsitzen und verlor nach zwei, drei Minuten die Konzentration.

„Ein einzelnes Symptom macht noch keine Probleme, sehen wir aber eine Vielzahl von diesen Symptomen, liegt eine psychische Erkrankung nahe", sagt die Leipziger Psychiaterin. „Und ich möchte betonen: ADHS ist keine Modekrankheit, sondern eine ernsthafte Erkrankung, die einer ständigen Behandlung bedarf. Denn heilen kann man die Störung nicht, nur die Symptome mindern. Der Patient lernt in der Behandlung, mit den konkreten Problemen, die die Krankheit bei ihm macht, umzugehen. Der Betroffene muss sozusagen zum Experten seiner Störung werden. Dann kann es seine Lebensqualität verbessern."

Rund 200 Patienten werden in der AHDS-Ambulanz für Erwachsene betreut. Neben der medikamentösen Therapie werden unter anderem eine Psychoedukations-Gruppe für ADHS und eine störungsspezifische verhaltenstherapeutisch orientierte Gruppentherapie angeboten. In der Psychoedukations-Gruppe werden die Betroffenen in 12 Sitzungen umfassend über das Thema ADHS informiert. Hierbei geht e sowohl um Hintergrundwissen als auch um hilfreiche Maßnahmen, welche den Alltag erleichtern sollen.

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 02​​​/21 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.​​

Leben ohne Fleisch – geht das, und ist das gesund?

Lars Selig, Leiter des Ernährungsteams am UKL: Der Mensch ist von Natur aus ein „Allesfresser"

Für die einen ist es schick, sich vegetarisch zu ernähren. Die anderen sehen im Fleischverzicht die einzige Möglichkeit, den Planeten zu retten. Die meisten wollen sich vor allem gesund ernähren und wollen wissen: Funktioniert ein Leben ohne Fleisch, und ist das gesund?

„Ja, man kann ohne Fleisch leben", sagte Lars Selig, Leiter des Ernährungsteams am Universitätsklinikum Leipzig​. „Eigentlich ist der Mensch von Natur aus ein Allesfresser. Aber auch mit rein vegetarischer Ernährung können aus meiner Sicht alle wichtigen Nährstoffe aufgenommen werden." Dennoch ist Fleischkonsum nicht automatisch schlecht. Denn es liefert hochwertiges Protein und es versorgt uns mit B-Vitaminen, Eisen und Zink.

Nicht nur beim Eiweiß, auch wenn es um das Vitamin B12 geht, hat Fleisch die Nase vorn: Dieses wichtige Vitamin, das Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit beeinflusst, steckt fast ausschließlich in tierischen Produkten. Besonders viel B12 ist enthalten in Fleisch, fettigem Seefisch, sowie Eiern und Milchprodukten. Für Vegetarier ist es schwierig, das Vitamin aufzunehmen. Zwar können Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs nach bakterieller Gärung das begehrte Vitamin enthalten – aber nur in geringen Mengen. Dazu zählen beispielsweise Sauerkraut und Bier. Bei Vegetariern, die zumindest Eier und Milchprodukte essen, ist die Chance größer, dass sie sich – bei sorgfältiger Ernährungsplanung – ausreichend B12 zuführen. Denn man kommt auch mit Emmentaler, Camembert und Ei zu B12, allerdings braucht es dafür meist größere Mengen.

Beim Thema Eisen hält sich ja noch immer die Legende, dass Spinat viel von diesem Mineralstoff enthält. Stimmt nicht so ganz: 1890 ermittelte der Physiologe Gustav von Bunge einen Eisengehalt von sensationellen 35 Milligramm pro 100 Gramm Spinat. Er hatte aber den Eisengehalt von getrocknetem Spinat gemessen; im frischen Spinat stecken leider nur 3,4 Milligramm. Noch dazu liegt das Eisen – wie bei allen pflanzlichen Produkten – in einer Form vor, die vom Körper schlechter genutzt werden. Ergebnis: Ein großer Teil des pflanzlichen Eisens wird einfach wieder ausgeschieden. Nur drei bis acht Prozent des pflanzlichen Eisens wird vom Körper aufgenommen. Bei Eisen aus tierischer Nahrung sind es durchschnittlich 20 Prozent.

„Bei einer streng veganen Ernährung kann es zu Mangelerscheinungen kommen, wenn man sich nicht informiert, welche Nährstoffe der Körper braucht", warnt Lars Selig. „Und früher oder später wird man auf Nahrungsergänzungsmittel angewiesen sein. Ob das dann noch eine natürliche Ernährung ist, muss jeder mit sich selbst ausmachen."

Der Leipziger Diätassistent plädiert dafür, Fleisch nicht zu tabuisieren, sondern es mit mehr Bewusstsein und deshalb nicht jeden Tag zu essen. „Mehr Achtsamkeit beim Fleischkonsum – das wäre ein guter Beitrag für die körperliche Gesundheit jedes Einzelnen und für die moralische Gesundheit der Gesellschaft."

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 01​​​/21 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.