Tumoren des zentralen Nervensystems

Allgemeine Informationen

​Tumoren des zentralen Nervensystems sind schwere Erkrankungen von Gehirn oder Rückenmark. Sie werden meist durch neurologische Symptome  (z.B. Lähmungen, Taubheitsgefühle, Wesensänderungen, epileptische Anfälle) auffällig. Am Anfang der Diagnostik stehen neurologische Untersuchung, CT und MRT. In vielen Fällen ist dann eine chirurgische Entfernung des Tumors oder eine Biopsie zur Diagnosesicherung erforderlich.

Wenn die Art des Tumors sicher geklärt ist, erfolgt bei Tumoren, die wachsen oder Hirngewebe zerstören, meist eine Bestrahlung. Unsere Klinik besitzt über Jahrzehnte gewachsene Expertise im Bereich der Behandlung von Hirntumoren bei Erwachsenen und Kindern. Seit einigen Jahren sind wir von der Deutschen Krebsgesellschaft als neuroonkologisches Zentrum zertifiziert. Ein Schwerpunkt unseres Studienbüros ist die Koordination von Therapiestudien bei Gliomen.

Welche Erkrankungen werden behandelt?

​Meist werden bösärtige Tumore (z.B. Gliome oder Hirnmetastasen anderer Tumore) bestrahlt. Seltener werden gutartige Tumoren (z. B. Meningeome oder Neurinome) mit einer Strahlentherapie behandelt.

Auch Kinder mit bösartigen Tumoren (z.B. Medullblastomen) werden in enger Kooperation mit unserer Kinderklinik therapiert.

 

Welche Bestrahlungstechniken kommen zum Einsatz?

​Zur Anwendung kommen Bestrahlungsserien über mehrere Wochen (fraktionierte Bestrahlung mit geringen Einzeldosen am Tag) oder bei kleinen Tumoren Einzeitbestrahlungen mit hoher Bestrahlungsdosis pro Tag. Die fraktionierte Bestrahlung erfolgt meist durch eine zielgerichtete intensitätsmodulierte Bestrahlung mit Photonen. Eine Einzeitbestrahlung wird mit einer speziell fokussierten Technik ebenfalls mit Photonenstrahlen durchgeführt. Bei Patienten mit vielen Hirnmetastasen kommt eine Bestrahlung in Betracht, bei der das gesamte Gehirn bestrahlt wird.


CT-Transversalschnitt mit Zielgebiet und Feldern

MRT-Transversalschnitt mit Zielgebiet und Feldern

3D-Darstellung der Zielgebiete (rot) und Einstrahlrichtungen der Feldgeometrien

 

Welche Therapiekonzepte gibt es?

​Es gibt verschieden Konzepte einer Strahlentherapie. Im Wesentlichen wird zwischen alleiniger Bestrahlung und einer Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie unterschieden.

Eine alleinige Bestrahlung wird bei Neurinomen und Meningeomen verwendet, während die Kombination mit einer Chemotherapie bei Gliomen oder Medulloblastomen zum Einsatz kommt. Im Falle von Hirnmetastasen wird individuell entschieden, ob parallel eine Infusionschemotherapie erfolgen kann.

Wenn es möglich ist, sollte bei bösartigen Hirntumoren der Einschluss in eine Therapiestudie erfolgen.

Behandlungsablauf

​Nach einem umfassenden Aufklärungsgespräch in unserer Ambulanz erfolgt als erster Planungsschritt ein dünnschichtiges CT vom Kopf. Damit die Bestrahlung präzise und sicher durchgeführt werden kann, muss diese mit einer „Maske", die individuell am Tag des Planungs-CTs angepasst wird, erfolgen. Auf Basis der CT-Bilder wird der Bestrahlungsplan erstellt und vor Start der Bestrahlung in seinem Ablauf getestet (simuliert). Dann schließt sich der Start der Bestrahlung an, die einmal pro Werktag durchgeführt wird und etwa 15 Minuten pro Bestrahlungssitzung dauert. Meist erfolgt diese Therapie ambulant von zu Hause aus. Wenn es erforderlich ist, kann aber auch eine stationäre Behandlung erfolgen. Mindestens einmal pro Woche erfolgen Gespräche mit den behandelnden Ärzten um die Verträglichkeit der Therapie einzuschätzen. Im Falle einer Kombinationstherapie bei Gliomen erfolgt parallel eine Chemotherapie in Tablettenform, die auf nüchternen Magen etwa 1 Stunde vor Bestrahlung eingenommen werden sollte.


Bestrahlungsmaske zur Fixierung

Verträglichkeit der Behandlung und Verhaltenshinweise

Meist wird die gezielte und präzise geplante Bestrahlung  eines Hirn- oder Rückenmarkstumors gut vertragen. Insbesondere die intensitätsmodulierte Bestrahlung und die stereotaktische Bestrahlung sind sehr nebenwirkungsarme Techniken. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Haarverlust im Bestrahlungsfeld und Müdigkeit. Bei Kombination mit einer Chemotherapie sind Übelkeit und Veränderungen des Blutbildes, welches regelmäßig kontrolliert werden muss, häufiger.

Langfristig können nach Bestrahlung des Gehirns vermehrte geistige Erschöpfbarbeit und Gedächtnisstörungen auftreten. Bei Verwendung sehr hoher Einzeldosen wie bei der Stereotaxie kann es selten zu lokalen Schäden am Gehirn (Strahlennekrosen) kommen. Zweittumore nach Bestrahlung des Gehirns sind sehr selten. Sie sollten direkt vor der Bestrahlung nicht rauchen und hautreizende Haarwäschen vermeiden. Moderat belastende körperliche Aktivität an den Tagen der Bestrahlung ist günstig und kann sich positiv auf die Verträglichkeit der Therapie auswirken.

Nachsorge

​Eine regelmäßige Nachsorge nach Bestrahlung ist sehr wichtig. Engmaschige MRT-Kontrollen erfolgen meist über die zuweisenden Kliniken, onkologische Praxen oder die Kinderklinik. Zudem ist eine mindestens jährliche Nachsorge bei uns erforderlich, um spezifische Aspekte nach Strahlentherapie einzuschätzen. Sofern Tumore in Nähe der Sehnerven oder Hypophyse  behandelt worden, sollte eine zusätzliche regelmäßige augenärztliche und endokrinologische Kontrolle erfolgen.

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