Speiseröhrenkrebs

Allgemeine Informationen

​Speiseröhrenkrebs tritt mit einer Häufigkeit von drei Prozent bei Männern und einem Prozent bei Frauen in Deutschland relativ selten auf. Dabei müssen zwei Entitäten voneinander unterschieden werden, denen zum Teil auch unterschiedliche Risikofaktoren zugrunde liegen. Es gibt Tumore, die von der oberen Schicht der Schleimhaut ausgehen und meistens im oberen und mittleren Drittel der Speiseröhre lokalisiert sind. Deren Entstehung wird durch Nikotin sowie regelmäßigen Alkoholkonsum begünstigt. Die von den Drüsen der Schleimhaut ausgehenden Karzinome finden sich dagegen häufiger im unteren Drittel der Speiseröhre sowie am Übergang der Speiseröhre in den Magen.

Zu deren wichtigsten Risikofaktoren gehört der Rückfluss von Magen- und Gallensäureninhalt in die Speiseröhre. Das häufigste Erstsymptom sind Beschwerden beim Schlucken, insbesondere fester Nahrung. Die Therapie ist in aller Regel eine Kombination aus Chemotherapie, Strahlentherapie und Operation. In Tumorkonferenzen wird auf der Grundlage der S3-Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft ein individuelles Behandlungskonzept für jeden Patienten in Abhängigkeit des Tumorstadiums sowie seines Gesundheitszustandes festgelegt.

Bestrahlungsindikationen

​Die Möglichkeiten der Anwendung der Strahlentherapie zur Behandlung von Speiseröhrenkrebs bestehen aus folgenden Optionen:

  1. Häufig wird die Strahlentherapie mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie) vor einer geplanten Operation, mit dem Ziel der Tumorverkleinerung und Abtötung mikroskopisch kleiner Tumorzellnester in der Umgebung des Tumors, angewandt (neoadjuvant).
  2. Wenn eine Operation aus verschiedenen Gründen nicht möglich, beziehungsweise nicht sinnvoll oder gewünscht ist, kann eine Strahlentherapie, kombiniert mit einer Chemotherapie, auch ohne sich anschließende Operation erfolgen (definitiv).
  3. Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung kann eine Strahlenbehandlung auch alleinig zur Linderung von Beschwerden und Schmerzen eingesetzt werden (palliativ).

Welche Bestrahlungstechniken kommen zum Einsatz?

​Bei der Strahlentherapie des Speiseröhrenkrebses (Ösophaguskarzinoms) werden grundsätzlich zwei Bestrahlungstechniken angewandt. Wichtigstes Element ist die Bestrahlung von außen am Linearbeschleuniger (Photonenteletherapie). Erfolgt keine anschließend keine Operation kann diese in ausgewählten Fällen mit einer Bestrahlung von innen, der sogenannten Brachytherapie, kombiniert werden. In seltenen Fällen kann auch eine alleinige Bestrahlung von „innen" erfolgen.

1. Perkutane Photonenteletherapie mit einem Linearbeschleuniger

Zur Anwendung kommen modernste Bestrahlungstechniken, die auf einer computergestützten Bestrahlungsplanung beruhen. Zur Planung der Bestrahlung erfolgt die Durchführung einer Positronenemissionstomographie, kombiniert mit einer Computertomogtaphie (PET-CT), anhand derer das stoffwechselaktive, bösartige Gewebe, als Zielvolumen definiert werden kann. Mithilfe der intensitätsmodulierenden Strahlentherapie kann der Tumor maximal erfasst werden bei gleichzeitiger Schonung des umgebenden Gewebes z.B. der Lunge und des Herzens. Während der Bestrahlung werden Lagerungskontrollen durchgeführt. Nähere Informationen dazu finden Sie auf der Seite bildgeführte Strahlentherapie – IGRT. Die Bestrahlung erfolgt dann mit elektromagnetischen Strahlen, die von außen eingestrahlt werden.

Beispiele Dosisverteilung und Tumordarstellung mit PET-CT ​ ​


2. Intraluminale HDR-Brachytherapie

Bei dieser Technik wird ein sogenannter Applikator über den Mund direkt am Zielgebiet im Bereich der Speiseröhre positioniert. Nach korrekter Lageüberprüfung des Applikators sowie der Messsonden und erstelltem Bestrahlungsplan wird der Applikator im Nachladeverfahren (sog. Afterloading) für wenige Minuten mit einer radioaktiven Strahlenquelle bestückt, so dass die Geschwulst „von innen" bestrahlt. Auf diese Weise kann Dosis direkt am Tumor wirken und umliegendes Gewebe bestmöglich geschont werden. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite Brachytherapie.

Welche Therapiekonzepte gibt es?

​Es existieren verschiedene Konzepte für die Behandlung von Speiseröhrenkrebs. Die Auswahl des entsprechenden Konzeptes wird für jeden Patienten individuell basierend auf der Entscheidung der Tumorkonferenz getroffen.

Prinzipiell ist eine Standardfraktionierung vorgesehen mit einer Bestrahlung an fünf Wochentagen über einen Zeitraum von etwa fünf bis sechs Wochen. Falls eine Dosisaufsättigung im Bereich des Tumors geplant ist, verlängert sich die Gesamttherapiezeit um etwa eine Woche. Parallel dazu erfolgt einmal wöchentlich die Gabe einer Chemotherapie über sechs Wochen, in Abhängigkeit der Blutwerte sowie des Allgemeinbefindens des Patienten. Unter bestimmten Umständen kann sich daran eine Bestrahlung von innen anschließen.

Sollte eine Operation Ihres Speiseröhrenkrebses geplant sein, wird der Tumor mit einer Bestrahlung in Kombination mit einer Chemotherapie vorbehandelt (neoadjuvante Radiochemotherapie). Dann verkürzt sich die Therapiedauer auf vier bis fünf Wochen. Die Gabe der Chemotherapie erfolgt ebenfalls einmal wöchentlich im gesamten Bestrahlungszeitraum. Nach sechs bis acht Wochen wird dann die geplante Operation stattfinden.

Für Patienten, die bestimmte Kriterien erfüllen und die eine Operation erhalten sollen, besteht die Möglichkeit des Einschlusses in klinische Studien. Wenn im Rahmen dessen die Kombination von Chemotherapie und Bestrahlung Therapiegrundlage bildet, ergeben sich verglichen mit der Behandlung vor einer geplanten Operation keine Änderungen.

Bei fortgeschrittenen Tumoren oder bei nicht bestehender Chemotherapiefähigkeit kann die Bestrahlung an fünf Tagen der Woche kombiniert mit einer integrierten Dosisaufsättigung erfolgen. Daraus ergibt sich eine Gesamttherapiedauer von etwa fünf bis sechs Wochen.

Behandlungsablauf

Detaillierte Informationen zur Erstvorstellung mit Aufklärungsgespräch und der Bestrahlungsplanung finden Sie auf der Seite „Ihre Behandlung in der Strahlentherapie".

1. Termin – Vorbereitung Chemotherapie

  • Blutentnahme, EKG, Hörtest
  • Funktionsprüfung der Nieren mittels nuklearmedizinischer Untersuchung (DTPA  Nieren-Clearence)

2. Termin – Planung

  • Anpassung der Lagerungshilfsmittel, liegt der Tumor im oberen Drittel der Speiseröhre kann die Anpassung einer individuellen Bestrahlungsmaske erfolgen. Bei tiefer gelegenen Tumoren erfolgt die Lagerung häufig mit den Armen über dem Kopf
  • Durchführung des Planungs-CT in der festgelegten Position mit vorläufigen Farbmarkierungen auf der Haut

3. Termin – Simulation

  • Nach Erstellung des Bestrahlungsplanes durch einen Medizin-Physik-Experten und Prüfung des Planes durch einen Facharzt erfolgt die Kontrolle der einzelnen Therapiefelder mit Hilfe eines Durchleuchtungsgerätes (sog. „Simulation").
  • Anbringen von Markierungen auf der Haut zur späteren Reproduzierbarkeit der Patientenlagerung.

4. Stationäre Aufnahme und Bestrahlung am Linearbeschleuniger

  • Stationäre Aufnahme zur Bestrahlung und ggf. Gabe der Chemotherapie (mit Monitorüberwachung bei den ersten beiden Malen)
  • Ersteinstellung am Bestrahlungsgerät mit bildgebender Lagerungskontrolle
  • Fraktionierte Bestrahlungsserie 5x wöchentlich
  • regelmäßige Lagerungskontrolle durch MTRA und bildgebende Verfahren
  • während des stationären Aufenthaltes Einbindung des Sozialdienstes sowie des Ernährungsteams bei Bestehen einer Magensonde
  • bei guter Verträglichkeit der Therapie ist eine ambulante Bestrahlung in den Behandlungswochen 3 und 4 möglich (nur bei Strahlenchemotherapie)

4. Bestrahlung von innen

  • wenn sich der Radiochemotherapie keine Operation anschließen soll, erfolgt zwei bis drei Wochen nach Abschluss eine Magenspiegelung in Kooperation mit der Klinik für Gastroenterologie zur Beurteilung des Ansprechens des Tumors auf die Therapie
  • in Abhängigkeit dieses Befundes wird dann die Bestrahlung von innen geplant.

Verträglichkeit der Behandlung und Verhaltenshinweise

​Insgesamt wird die Behandlung des Speiseröhrenkrebses gut toleriert. Allerdings ist mit dem Auftreten von Nebenwirkungen im Verlauf zu rechnen, deren Auftretenswahrscheinlichkeit sowie der Schweregrad des Auftretens variieren.

  • Im Bestrahlungsbereich kann es zu Hautrötungen, ähnlich einem Sonnenbrand kommen. In diesem Fall stehen uns verschiedene Salben zur Linderung der Hautreaktion zur Verfügung. Bitte verwenden Sie keine eigenen Salben, da die oftmals darin enthaltenen Parfüme zu einer Verschlimmerung der Hautreaktion führen.
  • Aufgrund der Bestrahlung im Bereich der Speiseröhre können Schluckbeschwerden auftreten beziehungsweise bereits bestehende Schmerzen sich verschlimmern. Durch symptomatische Maßnahmen im Sinne einer Anpassung der Schmerzmedikation kann eine Linderung erzielt werden. Sollte die orale Nahrungsaufnahme kaum oder gar nicht mehr möglich sein, kann die Anlage einer Magensonde nötig werden, welche auch bereits vor Beginn der Behandlung durch die Radiologie / Endoskopie gelegt werden kann. Bei Bestrahlungen im oberen Drittel der Speiseröhre kann es zu Entzündungen der Mundschleimhaut sowie zu einem Pilzbefall kommen. Aus diesem Grund erhalten Sie bereits prophylaktisch eine Mundspüllösung, die drei bis vier mal täglich vor den Mahlzeiten verwendet werden soll. Im Falle des Auftretens eines Pilzes wird Ihnen eine Suspension / Lutschtabletten verabreicht.

    Während der Behandlung sowie einige Wochen danach sollte deshalb auf heiße, stark gewürzte, saure und fettige Nahrung verzichtet werden.
  • Wenn große Anteile der Luftröhre im Bestrahlungsfeld liegen, kann es auch zu einer Entzündung der Luftröhre kommen, die sich durch Schmerzen im Brustbereich äußert. Durch regelmäßige Inhalation kann einer solchen Entzündung vorgebeugt beziehungsweise diese therapiert werden.
  • Eine weitere Nebenwirkung stellt Sodbrennen dar, welches mit Schmerzen hinter dem Brustbein einhergeht. Achten Sie darauf, Mahlzeiten nicht im Liegen einzunehmen. Der Genuss von Kaffee, Schokolade, Alkohol oder Nikotin fördert das Sodbrennen und sollte deshalb nur in Maßen beziehungsweise gar nicht erfolgen. Bei Persistenz der Beschwerden kann eine medikamentöse Blockierung der Magensäureproduktion nötig sein.
  • Chemotherapiebedingt kann es zu Übelkeit kommen. Dies kann jedoch durch eine prophylaktische medikamentöse Gabe in den meisten Fällen komplett vermieden werden.

Blutbildveränderungen im Rahmen der Chemotherapie werden durch mindestens zweimal wöchentliche Blutbildkontrollen festgestellt.

Nachsorge

​Der behandelnde Strahlentherapeut ist gesetzlich verpflichtet, jeden Patienten fünf Jahre lang nachzusorgen. Sechs Wochen nach Abschluss der Behandlung wird die erste strahlentherapeutische Nachsorge zur Kontrolle der Akuttoxizität in unserer Ambulanz durchgeführt. Danach sind jährliche Kontrolluntersuchungen, auch zur Erfassung der späteren Nebenwirkungen, vorgesehen. Sollte nach Abschluss der Radiochemotherapie noch eine Operation geplant sein, wird die erste strahlentherapeutische Nachsorge etwa vier Wochen danach stattfinden. Falls Sie eine Chemotherapie erhalten haben, empfehlen wir in den ersten Wochen danach regelmäßige Blutwertkontrollen. Die onkologische Nachsorge selbst übernimmt ein niedergelassener Onkologe oder die operierende Klinik.

Stephanstr. 9a, Haus 5.2
04103 Leipzig
Telefon:
0341 - 97 18400 (Sekretariat)
Leitstelle:
0341 - 97 18471
Fax:
0341 - 97 18409
Map