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Rektumkarzinom

Allgemeine Informationen

​Das Rektumkarzinom eine häufige Tumorerkrankung. Jährlich erkranken in Deutschland 25.000 Menschen an einem Rektumkarzinom. Hierbei sind Männer häufiger betroffen als Frauen. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt in der 7. Lebensdekade.

Einige Risikofaktoren, die zur Entstehung des Rektumkarzinoms beitragen sind bekannt. So ist eine übermäßige Kalorienzufuhr, fett- und fleischreiche Ernährung, insbesondere der tägliche Genuss von rotem Fleisch ein bekannter Risikofaktor.

Über die Bestrahlungsindikation, das Therapiekonzept aus Bestrahlung oder Bestrahlung und Chemotherapie, die Nebenwirkung der Bestrahlung sowie Hinweise zum Verhalten unter der Therapie wird der behandelnde Arzt mit ihnen ausführlich sprechen. Im Folgenden finden sie jedoch zu den wichtigsten Punkten bereits eine kurze Information.

Wann kommt eine Bestrahlung zum Einsatz?

​Die Indikation zur Bestrahlung oder zur Bestrahlung in Kombination mit einer Chemotherapie wird mit jedem Patienten individuell während dem Beratungsgespräch in der strahlentherapeutischen Ambulanz besprochen. Strahlentherapeuten, Chirurgen, Pathologen, Onkologen sowie Internisten beraten zuvor interdisziplinär im sogenannten Tumorboard anhand der aktuellen Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft über die möglichen Therapieoptionen. Auch wird geprüft, ob dem Patienten die Teilnahme an einer Studie angeboten werden kann, in der neue Therapieoptionen untersucht werden.

Welche Bestrahlungstechniken kommen zum Einsatz?

​Es erfolgt eine perkutane Photonenteletherapie mit dem Linearbeschleuniger. Bei dieser Bestrahlungstechnik wird der Patient unter einem Linearbschleuniger-Bestrahlungsgerät gelagert und das Zielgebiet „durch die Haut" aus verschiedenen Einstrahlrichtungen mit Strahlen behandelt.

Zur Anwendung kommen modernste Bestrahlungstechniken, die auf einer computergestützten Bestrahlungsplanung beruhen. Durch die intensitätsmodulierte Radiotherapie erreichen wir eine individuelle Anpassung der Therapiefelder mit dem Ziel einer zuverlässigen Erfassung des Zielgebietes bei gleichzeitiger Schonung Risikoorganen wie zum Beispiel der Harnblase. Es erfolgt immer eine begleitende Lagerungskontrolle während der Strahlenbehandlung durch moderne bildgebende Verfahren. Dabei kann sowohl eine Abweichung der Patientenlagerung als auch eine Lageänderung von Zielorganen dargestellt und ggf. korrigiert werden. Nähere Informationen finden Sie auf der Seite bildgeführte Strahlentherapie – IGRT.

​ ​IMRT 3D- Bestrahlungsplan beim Rektumkarzinom

 

Welche Therapiekonzepte gibt es?

​Es können drei Therapiekonzepte unterschieden werden. Die neoadjuvante Radiochemotherapie, die neoadjuvante Radiotherapie (Kurzzeit-Konzept) und die adjuvante Radiochemotherapie.

Besteht ein lokal fortgeschrittenes Rektumkarzinom wird eine Strahlentherapie in Kombination mit einer Chemotherapie vor der Operation empfohlen. Die neoadjuvante Radiochemotherapie kann in vielen Fällen eine Verkleinerung des Tumor (Downstaging) sowie befallener Lymphknoten erreichen. Unter dem Mikroskop betrachtet konnte unterschiedlich ausgeprägt eine Tumorrückbildung gesehen werden (Regressionsgrad). Je ausgeprägter die Rückbildungstendenz war, umso besser scheint nicht nur eine Tumorkontrolle im Bereich der Beckenregion erreicht zu werden, sondern das Risiko für eine Fernmetastasierung scheint ebenso abgesenkt werden zu können.

Die neoadjuvante Therapie besteht aus 28 Bestrahlungen mit einer Einzeldosis von 1,8 Gy, 5x pro Woche bis zu einer Gesamtdosis von 50,4 Gy. Der Therapiezeitraum beträgt sechs Wochen. Parallel zur Bestrahlung erfolgt eine Chemotherapie. Diese kann entweder als Infusion oder in Tablettenform erfolgen. Nach Abschluss der Radiochemotherapie erfolgt die Operation mit einem Intervall von 6 - 8 Wochen.

Die zukünftigen Strategien sind darauf ausgerichtet, die Tumorrückbildung zu verstärken. Hierzu werden zusätzliche, intensivere Chemotherapien eingesetzt. Um diese Fragestellung zu beantworten, führt die Arbeitsgemeinschaft Radioonkologie zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie und Chirurgische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft ein prospektives Behandlungsprotokoll durch, das ebenso nach dem Zufallsprinzip zwei unterschiedliche Therapiemodalitäten untersucht.

Die alleinige neoadjuvante Radiotherapie (Kurzzeitbestrahlung) kann ebenso eine Senkung des lokalen Rückfallrisikos erreichen. Ein Einfluss auf die Fernmetastasierungsrate konnte jedoch nicht erkannt werden. Ferner ist die Frage unbeantwortet, ob durch eine intensivere Behandlung ein sogenanntes Downstaging besser erreicht werden und ob hierdurch die Fernmetastasierungsrate abgesenkt werden kann. Demzufolge kann das Kurzzeitkonzept derzeit nicht als genereller Standard empfohlen werden. Sie stellt jedoch eine Alternative für Patienten dar, die z.B. aufgrund des Alters oder Nebenerkrankungen nicht für eine kombinierte Radiochemotherapie in Frage kommen.

Die neoadjuvante Radiotherapie besteht aus 5 Bestrahlungen mit einer Einzeldosis von 5 Gy, 5x pro Woche bis zu einer Gesamtdosis von 25 Gy. Der Therapiezeitraum beträgt eine Woche. Alternativ kann mit dem Ziel der besseren Verträglichkeit diese Therapie auch auf zweimal tägliche Fraktionen aufgeteilt werden. Während der Bestrahlung erfolgt keine Chemotherapie. Nach Kurzzeitbestrahlung sollte die Operation entweder innerhalb von 10 Tagen nach Beginn der Radiotherapie oder nach 4 - 8 Wochen erfolgen.

Das Rektumkarzinom im frühen Stadium wird alleinig operativ versorgt. Zeigt sich bei der Untersuchung des Operationspräparates ein fortgeschrittenes Stadium (T3/4; befallene Lymphknoten, R1-Resektion) besteht die Indikation zur adjuvanten Radiochemotherapie.

Die adjuvante Therapie besteht aus bis zu 28 Bestrahlungen mit einer Einzeldosis von 2,0 Gy bis zu einer Gesamtdosis von 54 - 56 Gy. Der Therapiezeitraum beträgt sechs Wochen. Während der Bestrahlung erfolgen zwei Zyklen Chemotherapie. Abschließend wird eine adjuvante Chemotherapie empfohlen.

Insbesondere in fortgeschrittenen Situationen, in denen eine Operation nicht mehr angestrebt werden kann, ist es wichtig die Behandlungskonzepte den Bedürfnissen und der Krankheitsgeschichte der Patienten anzupassen. Es kann dann eine Radiotherapie in palliativer Intention erfolgen. Ziel ist ein möglichst weitgehendes Zurückdrängen des Tumors sowie Linderung bzw. Verhinderung von tumorbedingten Symptomen, wie z.B. Schmerzen und Blutungen. Unser Ziel ist insbesondere in diesen Situationen eine Verkürzung der Behandlungszeit. Die tatsächliche Behandlungsdauer und die verwendeten Techniken werden durch Ausbreitungsstadium, die Symptome sowie die aktuelle Situation und die Wünsche der Patienten bestimmt. In der Regel erfolgt die Behandlung 1x täglich an fünf Wochentagen über einen Zeitraum von 1 - 3 Wochen.

Behandlungsablauf

​Für jeden Patienten ist eine individuelle Planung der Therapie vorgesehen. Ein exakter Bestrahlungsplan und eine optimale Durchführung sind wichtige Punkte für den Therapierfolg.

Bestrahlungsplan

Zur exakten Erfassung des Zielgebietes wird in Bestrahlungsposition eine Computertomographie des Beckens ohne Kontrastmittelgabe durchgeführt. Hautmarkierungen werden angezeichnet, um die Bestrahlungsposition exakt reproduzieren zu können. Eine gefüllte Harnblase entsprechend dem Trinkprotokoll ist erforderlich. Dadurch kann eine optimale Schonung der Harnblase und damit weniger Nebenwirkung erreicht werden.

Der endgültige Bestrahlungsplan wird nach nationalen und internationalen Richtlinien durch Strahlentherapeuten in enger Zusammenarbeit mit medizinischen Physikexperten erstellt. Dies kann einige Tage in Anspruch nehmen.

Durchführung

Während der Lokalisation wird vor dem Bestrahlungsbeginn wird die Bestrahlungsposition reproduziert, auf Plausibilität geprüft und die Hautmarkierungen endgültig angezeichnet. Die Bestrahlung beginnt in der Regel am nächsten Werktag. Anhand der Hautmarkierung wird der Patient nun zur Bestrahlung exakt in die Bestrahlungsposition gebracht. Abhängig vom Bestrahlungsplan dauert die Bestrahlung zwischen 10 - 15 Minuten. Regelmäßig erfolgt eine ärztliche Vorstellung, um Fragen zu klären, Verhaltenshinweise zu besprechen und gezielte supportive Therapien einzuleiten.

Verträglichkeit und Verhaltenshinweise

​In der Regel wird die Therapie gut vertragen. Unter der Therapie entwickeln sich langsam die Nebenwirkungen der Bestrahlung, sogenannte „akute Nebenwirkungen". Bei Anwendung moderner Bestrahlungstechniken ist nur mit gering ausgeprägten Nebenwirkungen zu rechnen. Im Vordergrund stehen Nebenwirkungen am Darm, an der Harnblase und an der Haut im Bestrahlungsfeld. Klinische Symptome wie vermehrter Stuhlgang, Durchfälle, vermehrter Harndrang, Brennen beim Wasserlassen sowie Hautrötung im Bestrahlungsfeld können auftreten. Die simultane Chemotherapie kann die Neigung zu Durchfällen deutlich steigern. Durch Einhaltung der folgenden Hinweise können Sie das Risiko für Nebenwirkungen reduzieren.

Sie können während der Therapie Ihre gewohnte Lebensführung grundsätzlich beibehalten, sollten jedoch folgende Ratschläge berücksichtigen:

  • Tragen Sie keine Reizstoffe auf die Haut in der Beckenregion auf.
  • Verwenden Sie beim Waschen und Duschen mit warmem Wasser keine Seife, da Ihre Haut vorübergehend die Fähigkeit zur eigenen Schutzstoffbildung verliert.
  • Fette, scharf gebratene sowie schwere Speisen, scharfe Würzungen, frische Salate und rohes, blähendes Obst sollten Sie vermeiden.
  • Tendenziell günstig wirken sich Kartoffeln, Reis und gekochtes Gemüse aus. Auch Bananen und schwarze Schokolade können hilfreich sein.
  • Verzehren Sie Milchprodukte in kleinen Mengen. Die enthaltenen Säurebakterien können Durchfall provozieren.
  • Achten Sie darauf, genügend zu trinken.
  • Vermeiden Sie drückende, beengende sowie aus Synthetikmaterial bestehende Kleidung.
  • Sorgen Sie zur Bestrahlungssitzung für eine gut gefüllte Harnblase.  Bei gefüllter Blase wird ein Großteil der Blasenwand aus dem Bestrahlungsfeld herausgehalten. Dadurch sinkt das Risiko von Nebenwirkungen maßgeblich. Trinken Sie dazu circa 30 Minuten bis eine Stunde vor der Bestrahlung einen halben Liter Flüssigkeit und gehen Sie erst nach der Bestrahlungssitzung zur Toilette. Nähere Informationen erhalten Sie zum Aufklärungsgespräch in Form eines Trinkprotokolls

Treten akute Nebenwirkungen auf,  können  diese medikamentös behandelt werden. Der betreuende Arzt wird Ihnen entsprechende Medikamente oder Salben verschreiben. Die Anwendung von eigenen „Hausmitteln", z.B. Salben, sollte unbedingt mit dem behandelnden Strahlentherapeuten abgesprochen werden.

Die akuten Nebenwirkungen bilden sich nach Abschluss der Therapie langsam vollständig zurück. Nach Abschluss der Therapie ist eine erste Nachsorge in unserer strahlentherapeutischen Ambulanz vorgesehen, um u.a. die Rückbildung der akuten Nebenwirkungen zu beurteilen.

Spätfolgen, die Monate bis Jahre noch nach der Strahlentherapie auftreten können sind heute zu einer Seltenheit geworden. Verengungen, Verklebungen von Darmschlingen oder Fistelbildungen sind seltene Spätfolgen. Eine Therapie ist häufig nur symptomatisch möglich.

Nachsorge

​Der behandelnde Strahlentherapeut ist gesetzlich verpflichtet, jeden Patienten fünf Jahre lang nachzusorgen. Sechs Wochen nach Abschluss der Behandlung wird die erste strahlentherapeutische Nachsorge zur Kontrolle der Akuttoxizität in unserer Ambulanz durchgeführt. Danach sind jährliche Kontrolluntersuchungen, auch zur Erfassung der späteren Nebenwirkungen, vorgesehen. Sollte nach Abschluss der Radiochemotherapie noch eine Operation geplant sein, wird die erste strahlentherapeutische Nachsorge etwa vier Wochen danach stattfinden. Falls Sie eine Chemotherapie erhalten haben, empfehlen wir in den ersten Wochen danach regelmäßige Blutwertkontrollen. Die onkologische Nachsorge selbst übernimmt ein niedergelassener Onkologe oder die operierende Klinik.

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