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Lungentumore

Allgemeine Information

​Lungenkarzinome sind primär in der Lunge entstandene, epitheliale Malignome. Bei Männern und Frauen sind sie die dritthäufigste Krebserkrankung. Bei den Krebssterbefällen steht es bei Männern an erster und bei Frauen an dritter Position. Der Häufigkeitsgipfel liegt im 6. Lebensjahrzehnt.

Hauptrisikofaktor ist das Rauchen, Raucher haben gegenüber Nichtrauchern ein um das 12- bis 22-fach erhöhte Risiko, an einem Lungentumor zu erkranken. Weitere Risikofaktoren sind berufliche Karzinogene (z.B. Asbest, Nickel u.a.), familiäre Tumorhäufigkeit, Vorerkrankungen der Lunge. Die Einteilung der Lungentumore erfolgt überwiegend über den histologischen Differenzierungsgrad, da dieser wichtigen Einfluss auf die Therapieplanung hat.

Man unterscheidet zwei große Untergruppen, kleinzellige und nichtkleinzellige Lungentumore. Kleinzellige Lungenkarzinome (SCLC - Small Cell Lung Cancer) machen etwa 15 - 20 Prozent der Lungenkarzinome aus. Die Erkrankung ist charakterisiert durch eine hohe Zellteilungsrate und rasches Wachstum. Häufig liegt bei Diagnosestellung, aufgrund der sehr frühen lymphogenen und hämatogenen Metastasierung, bereits eine metastatische Erkrankung vor. Nichtkleinzellige Lungenkarzinome (NSCLC - Non-Small Cell Lung Cancer) machen etwa 80 - 85 Prozent der Lungenkarzinome aus. Diese Form der Lungenkarzinome wächst deutlich langsamer und wird u.a. deshalb häufiger im lokalisierten Stadien entdeckt.

Bestrahlungsindikation

​Aufgrund der Komplexität der Lungentumorerkrankungen kann die Strahlentherapie in den verschiedensten Konstellationen zum Einsatz kommen. Dies betrifft insbesondere:

Kleinzelliges Lungenkarzinom

  • Primäre Radiochemotherapie bei lokalisierter Tumorerkrankung (Erkrankung auf die Brusthöhle beschränkt sog. limited disease)
  • prophylaktische Ganzhirnbestrahlung aufgrund des hohen Risikos für Hirnmetastasen bei Ansprechen auf die Chemotherapie (individuelle Abwägung gegenüber engmaschiger MRT-Kontrolle und Einsatz bei Metastasennachweis)
  • additive Bestrahlung des Primärtumors und Region der Lymphknotenmetastasierung im Mittelfellraum (Mediastinum) bei metastasierter Erkrankung mit Ansprechen auf eine vorherige Chemotherapie
  • palliative Bestrahlung zur Symptomlinderung bei z.B. Einflussstauung oder schmerzhaften Metastasen

Nichtkleinzelliges Lungenkarzinom

  • adjuvante Radiotherapie: nach erfolgter Operation (ggf. in Verbindung mit einer Chemotherapie)
  • definitive Radiochemotherapie bei lokoregionär fortgeschrittener Erkrankung / Inoperabilität des Tumors
  • alleinige Radiotherapie insbesondere stereotaktische Bestrahlung als Alternative zur Operation z.B. bei Tumoren im Frühstadium aber funktioneller Inoperabilität wegen Lungenvorerkrankung
  • palliative Bestrahlung zur Symptomlinderung bei z.B. Einflussstauung, Tumorblutung, Verschluss der Luftwege oder schmerzhaften Metastasen

Welche Bestrahlungstechniken kommen zum Einsatz?

1. Perkutane konventionelle Photonenteletherapie mit dem Linearbeschleuniger

Bei dieser Bestrahlungstechnik wird der Patient unter einem Linearbschleuniger-Bestrahlungsgerät gelagert und das Zielgebiet von außen, „durch die Haut" aus verschiedenen Einstrahlrichtungen mit Strahlen behandelt. Zur Anwendung kommen modernste Bestrahlungstechniken, die auf einer computergestützten Bestrahlungsplanung beruhen. Durch die intensitätsmodulierte Radiotherapie erreichen wir eine individuelle Anpassung der Therapiefelder mit dem Ziel einer zuverlässigen Erfassung des Zielgebietes bei gleichzeitiger Schonung Risikoorganen wie zum Beispiel der Herz, gesunde Lunge. Es erfolgt immer eine begleitende Lagerungskontrolle während der Strahlenbehandlung durch moderne bildgebende Verfahren. Dabei kann sowohl eine Abweichung der Patientenlagerung als auch eine Lageänderung von Zielorganen dargestellt und ggf. korrigiert werden. Besonderes Augenmerk gilt dabei auch der atemanhängigen Bewegung des Lungentumors. Nähere Informationen finden Sie auf der Seite bildgeführte Strahlentherapie – IGRT.

Beispiel Bestrahlungsplanung mit PET-CT und Dosisverteilung​ ​


2. Stereotaktische Hochpräzisionsbestrahlung

Bei dieser Bestrahlungstechnik wird durch aufwendige Fixierung des Patienten, genaue Beachtung der Tumorbeweglichkeit und hochkonformale Bestrahlungsfelder eine sehr exakte Erfassung des Tumors mit minimalem Sicherheitssaum erreicht. Dadurch kann in wenigen Fraktionen eine sehr hohe Strahlendosis mit geringer Belastung des gesunden Gewebes appliziert werden. Details dazu finden Sie auf der Seite Stereotaktische Bestrahlung.

Welche Therapiekonzepte gibt es?

​Es existieren verschiedene Konzepte für die Behandlung des Lungekarzinoms. Die Auswahl des entsprechenden Konzeptes wird für jeden Patienten individuell basierend auf der Entscheidung der Tumorkonferenz getroffen.

Bei der kurativen Behandlung fortgeschrittener nichtkleinzelliger Tumoren kommt in der Regel eine Standardfraktionierung mit einer 1x täglichen Bestrahlung an fünf Wochentagen zur Anwendung. Erfolgte zuvor eine Operation, beträgt der Bestrahlungszeitraum ca. 5 - 6 Wochen. Erfolgte keine Operation beträgt die Bestrahlungszeit zum Teil über 7 Wochen. Parallel zur Bestrahlung kann eine Chemotherapie erfolgen. Dafür gibt es unterschiedliche Schemata. Die Applikation erfolgt in Zyklen von einigen Tagen meist als Infusion direkt vor der Bestrahlung.

Bei der kurativen Therapie der kleinzelligen Lungentumoren kommt häufig eine  hyperfraktionierte Therapie, d.h. 2x tägliche Bestrahlung im Abstand von mindestens 6 - 8 Stunden, zum Einsatz. Der Bestrahlungszeitraum beträgt dann drei Wochen. Diese Therapie erfolgt dann häufig eingebettet in die laufende Chemotherapie, welche an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Abstand von drei Wochen appliziert wird. Der Beginn der Bestrahlung sollte möglichst frühzeitig, spätestens mit Beginn des 2. Zyklus Chemotherapie erfolgen.

Die prophylaktische Ganzhirnbestrahlung erfolgt dagegen nach Abschluss der Chemotherapie 1x täglich über 2 - 3 Wochen.

Bei palliativen Bestrahlungen wird mit höheren Einzeldosen 1x täglich an fünf Wochentagen behandelt. Die Gesamtdosis wird individuell an das Erkrankungsausmaß und Begleitfaktoren wie z.B. Allgemeinzustand des Patienten adaptiert und der Behandlungszeitraum beträgt zwei bis maximal vier Wochen.  

Ein typisches Fraktionierungsschema bei der stereotaktischen Bestrahlung eines Lungenkarzinoms im Frühstadium sind drei Bestrahlungssitzungen mit dazwischen  jeweils mindestens einem Tag Bestrahlungspause.

Behandlungsablauf

Detaillierte Informationen zur Erstvorstellung mit Aufklärungsgespräch und der Bestrahlungsplanung finden Sie auf der Seite „Ihre Behandlung in der Strahlentherapie". Informationen zum Ablauf einer stereotaktischen Bestrahlung finden Sie hier.

1. Termin – Vorbereitung Chemotherapie

  • Blutentnahme, EKG, Hörtest
  • Funktionsprüfung der Nieren mittels nuklearmedizinischer Untersuchung (DTPA  Nieren-Clearence)

2. Termin – Planung

  • Anpassung der Lagerungshilfsmittel, liegt der Tumor in der Lungenspitze oder ligen Lymphknotenmetastasen bis in die Schlüsselbeingrube vor kann die Anpassung einer individuellen Bestrahlungsmaske erfolgen. Ansonsten erfolgt die Lagerung häufig mit den Armen über dem Kopf
  • Durchführung des Planungs-CT in der festgelegten Position mit vorläufigen Farbmarkierungen auf der Haut

3. Termin – Simulation

  • Nach Erstellung des Bestrahlungsplanes durch einen Medizin-Physik-Experten und Prüfung des Planes durch einen Facharzt erfolgt die Kontrolle der einzelnen Therapiefelder mit Hilfe eines Durchleuchtungsgerätes (sog. „Simulation").
  • Anbringen von Markierungen auf der Haut zur späteren Reproduzierbarkeit der Patientenlagerung.

4. Bestrahlung am Linearbeschleuniger

  • Insbesondere bei simultaner Chemotherapie erfolgt meist eine stationäre Aufnahme zur Bestrahlung und ggf. Gabe der Chemotherapie
  • Ersteinstellung am Bestrahlungsgerät mit bildgebender Lagerungskontrolle
  • Fraktionierte Bestrahlungsserie an fünf Wochentagen, Dauer einer Sitzung ca. 10 - 15 Minuten
  • regelmäßige Lagerungskontrolle durch MTRA und bildgebende Verfahren
  • bei guter Verträglichkeit der Therapie ist eine ambulante Bestrahlungsfortsetzung möglich

Verträglichkeit der Behandlung und Verhaltensweisen

​Durch die computergestützte Bestrahlungsplanung mit genauer Abschätzung der Dosisbelastung in den Organen, bei Lungenkrebs in erster Linie die Lunge selbst aber auch z.B. Herz und Speiseröhre sind schwerwiegende Spätfolgen nach Bestrahlung selten geworden. Allerdings können im Behandlungszeitraum akute Nebenwirkungen auftreten. Das Risiko und Ausmaß hängt von Faktoren wie u.a. dem Ausmaß der Erkrankung und damit Größe des bestrahlten Volumens, eventuelle Organvorschädigungen, zusätzliche Noxen (insbesondere Rauchen) und dem Allgemeinzustand des Patienten ab.

Folgende mögliche Nebenwirkungen sind die Relevantesten:

  • Im Bestrahlungsbereich kann es zu Hautrötungen, ähnlich einem Sonnenbrand kommen. In diesem Fall stehen uns verschiedene Salben zur Linderung der Hautreaktion zur Verfügung. Bitte verwenden Sie keine eigenen Salben, da die oftmals darin enthaltenen Parfüme zu einer Verschlimmerung der Hautreaktion führen.
  • Bei Miterfassung der Lymphknoten im Mittelfell (Mediastinum) liegt häufig die Speiseröhre im Bestrahlungsfeld. Es können daher Schluckbeschwerden auftreten. Durch symptomatische Maßnahmen im Sinne einer Anpassung der Schmerzmedikation kann eine Linderung erzielt werden. Während der Behandlung sowie einige Wochen danach sollten zusätzliche Reizungen der Speiseröhre vermieden werden. Deshalb ist zu empfehlen, auf heiße, stark gewürzte, saure oder fettige Nahrung zu verzichten.
  • Durch die Bestrahlung der Luftwege und Anteile der Lunge kann es zu Reizungen dieser Organe kommen. Dies äußert sich durch Reizhusten ggf. mit Auswurf, evtl. Schmerzen und vermehrter Luftnot bei Belastung. Es kann auch zu einer durch Strahlung ausgelösten Entzündung der Lunge kommen (sog. Pneumonitis). Allerdings ist diese schwerwiegende Nebenwirkung durch die Einführung obligater Grenzwerte für die Strahlendosis der gesunden Lunge sehr selten geworden. Durch regelmäßige Inhalation kann eine Reizung der Lunge und Luftwege vorgebeugt beziehungsweise diese therapiert werden.

Nachsorge

​Die Nachsorge wird durch die strahlentherapeutische Gesetzgebung vorgeschrieben. Sie erfolgt in enger Kooperation mit dem überweisenden Arzt.

Nach Abschluss der Strahlentherapiebehandlung erfolgen zunächst Kontrolluntersuchungen bis zum Abklingen eventueller akuten Nebenwirkungen. Anzahl und Freequenz dieser Kontrollen richten sich nach Art und Ausmaß der Beschwerden. Der erste Termin wird Ihnen zum Bestrahlungsabschluss mitgeteilt. Danach erfolgen einmal jährlich weitere Kontrolluntersuchungen in der Strahlentherapie-Ambulanz. Diese Untersuchungen dienen insbesondere der Erkennung, Erfassung und ggf. Behandlung radiogener Spätnebenwirkungen. Zusätzlich wird auch der onkologische Verlauf dokumentiert. Hierzu sollten möglichst Informationen zu anderen Kontrolluntersuchungen (z.B. CT-Befunde) mitgebracht werden. Die onkologische Nachsorge selbst erfolgt durch den betreuenden Onkologen oder Pulmologen.

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