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Analkarzinom

Allgemeine Informationen

​Das Analkarzinom gehört mit einem Anteil von 0,3% zu den seltenen Tumoren. Lediglich 0,5-2 Einwohner pro 100.000 Einwohner pro Jahr erkranken in Deutschland. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Die Grundlage der Erkrankung ist in der Mehrheit der Fälle eine Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV), welches auch für die Entstehung des Gebärmutterhalskarzinoms verantwortlich ist. Die Symptome sind eher unspezifisch und reichen von Juckreiz im Analbereich, über Schmerzen beim Stuhlgang bis hin zu Blutungen.

Bestrahlungsindikationen

​Die Therapie des Analkarzinoms hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Ursprünglich wurde eine Rektumamputation vorgenommen, wodurch die Patienten für den Rest des Lebens auf einen künstlichen Darmausgang (Kolostoma/ Anus praeter) angewiesen waren.

Heute wird nur bei sehr kleinen Tumoren, die lediglich oberflächlich liegen, operiert bzw. der Tumor abgetragen. In allen anderen Fällen erfolgt üblicherweise eine kombinierte Radiochemotherapie mit Mitomycin C und 5-FU. Beim Vorliegen von anderen Erkrankungen, die gegen die Gabe einer Chemotherapie sprechen, kann auch alleinig bestrahlt werden.

Welche Bestrahlungstechniken gibt es?

​Üblicherweise wird von außen, d.h. perkutan bestrahlt. Es handelt sich um Photonenstrahlung, die in einem Linearbeschleuniger erzeugt wird. Zur Anwendung kommen modernste Bestrahlungstechniken, die auf einer computergestützten Bestrahlungsplanung beruhen. Durch die intensitätsmodulierte Radiotherapie erreichen wir eine individuelle Anpassung der Therapiefelder mit dem Ziel einer zuverlässigen Erfassung des Zielgebietes bei gleichzeitiger Schonung Risikoorganen wie zum Beispiel der Harnblase. Es erfolgt immer eine begleitende Lagerungskontrolle während der Strahlenbehandlung durch moderne bildgebende Verfahren. Dabei kann sowohl eine Abweichung der Patientenlagerung als auch eine Lageänderung von Zielorganen dargestellt und ggf. korrigiert werden. Nähere Informationen finden Sie auf der Seite bildgeführte Strahlentherapie – IGRT.

Dosisverteilung IMRT bei Analkarzinom transversal und coronar​ ​


Ergänzend gibt es außerdem die Brachtherapie. Dabei wird eine Sonde in den Analkanal eingeführt und über eine radioaktive Quelle (Iridium 192) eine hohe Einzeldosis appliziert. Weiterführende information en dazu finden Sie auf der Seite Brachytherapie.

Welche Therapiekonzepte gibt es?

​Man unterscheidet kurative und palliative Therapiekonzepte. Bei einem kurativen Konzept ist das Ziel die Heilung des Patienten. In der kurativen Situation werden der Primärtumor und die für den Tumor typischen Lymphabflussgebiete bestrahlt. Diese Lymphabschlussgebiete, in denen sich mikroskopisch kleine Tumorzellnester befinden können, liegen beim Analkarzinom im Bereich der Leisten, um den Enddarm und entlang der großen Beckengefäße. Der Tumor und evtl. Lymphknotenmetastasen erhalten insgesamt eine höhere Dosis. Diese Dosisaufsättigung wird auch Boost genannt und kann sowohl nach der initialen Bestrahlung folgen (sequentieller Boost) oder in diese integriert sein (simultan integrierter Boost). Die Therapie erfolgt 1x täglich an fünf Wochentagen über einen Zeitraum von ca. 5 - 7 Wochen. Außerdem gibt es die Möglichkeit bei einem verbliebenen Tumorrest eine hohe Einzeldosis über die schon erwähnte Brachytherapie direkt im Analkanal zu applizieren.

In der palliativen Situation geht es eher um ein Zurückdrängen des Tumors um die Lebensqualität zu erhalten. Dabei werden hypofraktionierte Konzepte angewendet. Das bedeutet die Einzeldosis ist höher, bei niedrigerer Gesamtdosis. Dadurch wird die Gesamtbehandlungsdauer auf ca. 2 - 4 Wochen verkürzt.

Behandlungsablauf

​Nachdem der Patient zum Erstgespräch bei uns vorstellig wurde und die Indikation zur Bestrahlung mit oder ohne Chemotherapie gestellt wurde, erhält er zunächst einen Termin zur CT-Untersuchung.

Ist die CT-gestützte Planung abgeschlossen, erfolgt ein Simulationstermin, bei dem der Plan und die Lagerung des Patienten überprüft werden.

Am ersten Bestrahlungstag werden Kontrollaufnahmen durchgeführt, um diese mit den in der Simulation angefertigten Bildern zu vergleichen. So wird sichergestellt, dass das Zielgebiet getroffen wird. Der Patient liegt auf einem voll verstellbaren Tisch. Das Bestrahlungsgerät fährt um den Patienten herum und strahlt aus verschiedenen Richtungen einen Teil der Dosis ein. Je nachdem ob ein Patient stationär oder ambulant behandelt wird, wird er entweder täglich durch den Stationsarzt oder aber einmal wöchentlich durch den Gerätearzt befragt. Eventuelle Nebenwirkungen werden dokumentiert und entsprechend behandelt.

Erhält der Patient eine Chemotherapie erhält er außerdem 2 x pro Woche eine Blutentnahme, bei der das Blutbild und weitere Parameter überprüft werden.

Ist die Behandlung abgeschlossen, erhält der Patient einen Abschlussbericht, in dem auch ein Termin zur Nachsorge steht.

In der Nachsorge wird das Therapieergebnis beurteilt – insbesondere auch das Abklingen evtl. Nebenwirkungen. Ist ein Resttumor sichtbar, wird über eine sich anschließende Brachytherapie entschieden.

Verträglichkeit der Behandlung und Verhaltenshinweise

​Bei der Bestrahlung im Analbereich treten am wahrscheinlichsten Hautveränderungen, eine Darm- oder Blasenreaktion auf. Meist sind die Nebenwirkungen durch Medikamente und Salben gut beherrschbar. Selten kommt es zu höhergradigen Nebenwirkungen, die eine Bestrahlungspause nötig machen. Klinische Symptome sind vermehrter Stuhlgang, Durchfälle, vermehrter Harndrang und Brennen beim Wasserlassen. Die simultane Chemotherapie kann die Neigung zu Durchfällen deutlich steigern. Durch die meist oberflächige Lage des Tumors am Analausgang ist eine hohe Bestrahlungsdosis im Hautbereich notwendig. Dadurch treten häufig höhergradige Hautreaktionen auf. Diese zeigen sich zunächst als Hautrötung ähnlich eines Sonnenbrandes. Später  kann sich die Haut schuppig oder blasenartig ablösen.

Durch Einhaltung der folgenden Hinweise können Sie das Risiko für Nebenwirkungen reduzieren. Sie können während der Therapie Ihre gewohnte Lebensführung grundsätzlich beibehalten, sollten jedoch folgende Ratschläge berücksichtigen:

  • Tragen Sie keine Reizstoffe auf die Haut in der Beckenregion auf.
  • Verwenden Sie beim Waschen und Duschen mit warmem Wasser keine Seife, da Ihre Haut vorübergehend die Fähigkeit zur eigenen Schutzstoffbildung verliert.
  • Fette, scharf gebratene sowie schwere Speisen, scharfe Würzungen, frische Salate und rohes, blähendes Obst sollten Sie vermeiden.
  • Tendenziell günstig wirken sich Kartoffeln, Reis und gekochtes Gemüse aus. Auch Bananen und schwarze Schokolade können hilfreich sein.
  • Verzehren Sie Milchprodukte in kleinen Mengen. Die enthaltenen Säurebakterien können Durchfall provozieren.
  • Achten Sie darauf, genügend zu trinken.
  • Vermeiden Sie drückende, beengende sowie aus Synthetikmaterial bestehende Kleidung.
  • Sorgen Sie zur Bestrahlungssitzung für eine gut gefüllte Harnblase.  Bei gefüllter Blase wird ein Großteil der Blasenwand aus dem Bestrahlungsfeld herausgehalten. Dadurch sinkt das Risiko von Nebenwirkungen maßgeblich. Trinken Sie dazu circa 30 Minuten bis eine Stunde vor der Bestrahlung einen halben Liter Flüssigkeit und gehen Sie erst nach der Bestrahlungssitzung zur Toilette. Nähere Informationen erhalten Sie zum Aufklärungsgespräch in Form eines Trinkprotokolls

Treten akute Nebenwirkungen auf,  können  diese medikamentös behandelt werden. Der betreuende Arzt wird Ihnen entsprechende Medikamente oder Salben verschreiben. Die Anwendung von eigenen „Hausmitteln", z.B. Salben, sollte unbedingt mit dem behandelnden Strahlentherapeuten abgesprochen werden. Insbesondere die Hautreaktionen erfordern häufig eine intensive Hautpflege in Form professioneller Säuberung und mit verschiedenen Salben durch unser Pflegepersonal.

Die akuten Nebenwirkungen bilden sich nach Abschluss der Therapie langsam vollständig zurück. Nach Abschluss der Therapie ist eine erste Nachsorge in unserer strahlentherapeutischen Ambulanz vorgesehen, um u.a. die Rückbildung der akuten Nebenwirkungen zu beurteilen.

Spätfolgen, die Monate bis Jahre noch nach der Strahlentherapie auftreten können sind heute seltener geworden. Insbesondere Verengungen des Analkanals können auftreten. Verklebungen von Darmschlingen oder Fistelbildungen sind seltene Spätfolgen. Eine Therapie ist häufig nur symptomatisch möglich.

Nachsorge

​Nach Abschluss der Behandlung wird zunächst die Therapie der Akutnebenwirkungen bis zum vollständigen Abklingen fortgesetzt. Danach erhält der Patient den Nachsorgetermin, der ca. sechs Wochen nach Therapieende stattfindet. Bei diesem Termin wird der Patient untersucht. Die Leisten werden abgetastet und der Analbereich inspiziert und palpiert. Bei einem tast- bzw. sichtbaren Resttumor wird über die Durchführung einer additiven Brachytherapie entschieden. Nachfolgend erfolgen jährliche Kontrollen in unserer Ambulanz. Die Untersuchungen dienen insbesondere der Erkennung, Erfassung und ggf. Behandlung radiogener Spätnebenwirkungen. Zusätzlich wird auch der onkologische Verlauf dokumentiert. Hierzu sollten möglichst Informationen zu anderen Kontrolluntersuchungen (z.B. MRT-/Endoskopiebefunde) mitgebracht werden. Die onkologische Nachsorge selbst erfolgt durch einen Onkologen, onkologisch ausgerichteten Gastroenterologen oder Chirurgen. 

Ansonsten erfolgt die weitere Anbindung bei einem niedergelassenen Onkologen, sowie jährliche strahlentherapeutische Kontrollen für die nächsten fünf Jahre.

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