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"Zeit für Gespräche mit Patienten ist wichtig"

​​Für sie ist ihr Beruf eine Berufung: Kerstin Mey ist Krankenschwester aus Leidenschaft. Neben den pflegerischen Tätigkeiten hat sie immer ein offenes Ohr für ihre Patienten. 

​Schon für die zehnjährige Kerstin war klar: Ich will Krankenschwester werden. "Mir musste damals der Blinddarm herausgenommen werden", erzählt Kerstin Mey. "Und mir hat gefallen, wie liebevoll und fürsorglich die Schwestern mit uns Patienten umgegangen sind." Nun wollen viele Mädchen mal Krankenschwester werden und viele Jungs Lokführer. Aber ihren damaligen Berufswunsch hat die 53-Jährige voll durchgezogen – und arbeitet heute auf der Station Gynäkologische Onkologie der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde.

Dort umsorgen 14 Schwestern, die nicht alle in Vollzeit arbeiten, die Patientinnen in den 32 Betten. Im Frühdienst betreut Schwester Kerstin zehn bis zwölf Patientinnen, im Spät- und Nachtdienst 16. Die Liegezeit der Patientinnen ist ganz unterschiedlich: Manche müssen nur zwei T​age bleiben, andere bis zu zwei Monate. "Eigentlich gehe ich aus der Frauenklinik raus und kann abschalten. Aber die eine oder andere Krankengeschichte nimmt man gedanklich dann doch mit nach Hause. Besonders bei jungen Frauen, die im Alter meiner Tochter sind, entstehen – auch durch den engen und manchmal langen Kon​​takt – besondere Beziehungen."

Besonders schlimm ist es, wenn eine Patientin stirbt. Dann hat wohl jede Krankenschwester mit Trauerarbeit zu tun. Und manche Fälle gehen Kerstin Mey sehr nah. "Aber da muss man drüber hinwegkommen", sagt sie tapfer. "Sonst geht man Fall für Fall, Stück für Stück kaputt."

Besuche und Gespräche sind wichtig für die Patienten

Auch bei den Besuchen gibt es Unterschiede. Manche Patientinnen bekommen gar keinen Besuch. Das ist, so Schwester Kerstin, ganz traurig, wenn man schwer krank ist und jedes Zeichen von Mitgefühl, von Hoffnung und Beistand braucht. Auf der anderen Seite kommt für manche Frauen der Besuch in Scharen. "Wenn die Patientin allein im Zimmer liegt und sich freut, darf die ganze Truppe auf einmal rein. Wenn aber beide Betten belegt sind, halte ich größere Besuchergruppen für unangemessen. Dann darf der Besucherstrom nur ‚in Schüben‘ ans Bett der Angehörigen. Man muss ja Rücksicht auf die andere Patientin nehmen."

Gerade die Ehemänner sind ein Kapitel für sich. Manche kommen gar nicht erst – das ist schlimm. Andere haben Berührungsängste und trauen sich nicht ins Krankenzimmer. Die meisten kommen vorsichtig, aber freundlich auf die Station. Und wenn dann im Krankenzimmer gelacht wird, ist das ein gutes Zeichen. Von manchen kranken Frauen wiederum hören die Schwestern manchmal: "Ich muss schnell gesund werden, damit ich schnell wieder nach Hause gehen kann. Mein Mann kommt ja allein nicht zurecht, er kann nicht kochen und auch nicht die Wäsche waschen." Da denkt sich Schwester Kerstin nur ihren Teil – und hofft, dass die Patientin zu Hause trotzdem die nötige Unterstützung erfährt, um wieder zu genesen.

Eine Schwester auf Station kann sich für Patienten, die reden wollen, nicht viel Zeit nehmen, erzählt Schwester Kerstin weiter. "Eigentlich ist keine Zeit vorgesehen für Gespräche mit den Patienten. Ich möchte mir aber die Zeit nehmen. Das kriegt man auch hin, wenn man das gern macht. Und ich mache das nun mal gern. Man merkt ja auch, wenn eine Patientin Fragen oder Sorgen hat. So etwas will jede Frau bereden, am besten mit der Freundin. Wenn die aber nicht da ist – dann bin ich manchmal diese Freundin. Dann wird eben die Krankenschwester zur Gesprächspartnerin. Und ich merke sehr oft, wie solche Gespräche Sorgen zerstreuen und Last von der Seele nehmen können."

Sehen, wo eine helfende Hand gebraucht wird

Da vorwiegend Patientinnen des operativen Bereiches der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde auf der Station von Schwester Kerstin liegen, gehören Verbände und Drainagen, aber auch die Blutentnahme zu ihrem Alltag. Nach der Operation sind​ die Patientinnen oft sehr schwach, müssen aufgepäppelt und mobilisiert werden. "Das ist für manche starke Frau nicht einfach, wenn sie immer ihren Mann gestanden hat, wie man so sagt, und jetzt plötzlich nicht mehr allein auf die Toilette kommt. Immer wieder für jede Kleinigkeit, die man nicht schafft, um Hilfe bitten zu müssen – das fällt schwer. Deshalb muss man als Schwester auch sehen, wo eine helfende Hand gebraucht wird. Da muss man nicht warten, bis die Patientin sich meldet. So mache ich das jedenfalls. Denn ich liebe meinen Beruf und mache übrigens gern drei Schichten. Vielleicht leide ich unter dem Helfersyndrom“, lacht Schwester Kerstin. „Aber mein Beruf ist meine Berufung. Ich würde für nichts auf der Welt etwas anderes machen wollen."

Schwester Kerstin Mey arbeitet auf der Station Gynäkologische Onkologie der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde.

Schwester Kerstin Mey arbeitet auf der Station Gynäkologische Onkologie der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde.