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​Vorstellung der Habilitanden / Habilitandinnen

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung
vom 19.09.2017

Dr. med. Mohamed Ghanem, MBA

Einrichtung: Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Orthopädie und Unfallchirurgie
Habilitationshema: Experimentelle Untersuchungen zur Entwicklung eines thermomechanischen Verfahrens für die Zemententfernung bei Endoprothesen-wechseloperationen

Einführung in das Thema:
In dieser Arbeit konnte mit thermomechanischen Versuchen erstmalig belegt werden, dass mit zunehmender Temperatur die Zugfestigkeit des Knochenzements deutlich abnimmt. Das Verhalten zeigt sich speziell nach Erreichen des Glastransformationspunkts (TG) von > 65 °C. Darüber hinaus konnten die Veränderungen des Gefüges des Zements mit CT-Messungen demonstriert werden. Unter den aus dieser Studie neuen erkannten Gesichtspunkten kann perspektivisch eine thermomechanische Methode zur Entfernung des Knochenzements entwickelt werden, die wesentlich effektiver ist, als die bisher auf dem Markt und im klinischen Einsatz befindlichen Methoden. Bei erfolgreicher Realisierung würde diese Methode eine erhebliche Verbesserung im Rahmen von Endoprothesenwechseloperationen bedeuten, insbesondere eine wesentlich geringere Frakturgefahr und eine deutlich kürzere Operationsdauer.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 15.08.2017

Dr. med. Martin Thomas Gericke

Einrichtung: Institut für Anatomie, Medizinische Fakultät, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Anatomie
Habilitationshema: Die Fettgewebeentzündung im Rahmen der Adipositas

Einführung in das Thema:
Adipositas ist die krankhafte Vermehrung von Fettgewebe und stark mit dem Auftreten von assoziierten Erkrankungen, wie Diabetes mellitus Typ 2, vergesellschaftet. Der entscheidende Wendepunkt in der Entwicklung eines adipositasinduzierten Diabetes mellitus scheint jedoch eine chronische Entzündung im Fettgewebe zu sein.

Die Fettgewebeentzündung ist vor allem durch einen Anstieg und eine Aktivierung von Fettgewebemakrophagen gekennzeichnet. Unsere Daten belegen, dass die Fettgewebeentzündung anderen adipositasbedingten Entzündungen, wie z.B. der Steatohepatitis, vorausgeht. Die genetischen Veränderungen von Makrophagen können die Glukosetoleranz oder das Körpergewicht beeinflussen. Wir konnten ebenfalls zeigen, dass spezifische Botenstoffe, die von aktivierten Makrophagen sezerniert werden, wie das Neuropeptid Y, einen negativen Einfluss auf die Insulinsensitivität von Adipozyten ausüben. Der Anstieg und die Aktivierung von Fettgewebemakrophagen stellen also neue pharmakologische Ansatzpunkte für immunologisch begründete Diabetestherapieverfahren dar. Unsere Arbeitsgruppe konnte zeigen, dass es neben der Rekrutierung von Blutmonozyten einen weiteren Mechanismus gibt, der zum Anstieg der Fettgewebemakrophagen beiträgt: die lokale Proliferation. Weiterhin scheint dieser Prozess von der lokalen Sekretion des Interleukin-6 abhängig zu sein. Letztlich konnten wir mit unserer Forschung aber auch Limitationen etablierter, transgener Mausmodelle zur zellspezifischen Regulation von Zielgenen in Fettgewebemakrophagen aufzeigen.

Inwieweit nicht-inflammatorische Funktionen von Fettgewebemakrophagen im Kontext der adipositasassoziierten Fettgewebeentzündung auch als protektiv zu werten sind, wird derzeit kontrovers diskutiert. Ziel unserer Forschung ist es, homöostatische und protektive Funktionen von Fettgewebemakrophagen im Zuge der Fettgewebeentzündung zu identifizieren und pharmakologisch zu unterstützen.

Dr. med. David Thomas Weise
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Neurologie
Habilitationsthema: Mechanismen kortikaler Plastizität und ihre Bedeutung für die Pathophysiologie fokaler Dystonien

Einführung in das Thema:
Neuronale Plastizität des Gehirns ist Voraussetzung für Lernen, Gedächtnis und Anpassung an sich wechselnde Umweltbedingungen. Zu plastischen Veränderungen kann es dabei auf der Ebene von Synapsen, Neuronen oder auch ganzen Hirnarealen kommen. Die Erkenntnisse über die physiologischen Mechanismen synaptischer Plastizität wurden bisher größtenteils aus in vitro und in vivo Tierstudien gewonnen. Wir konnten in mehreren humanen pharmakologisch-neurophysiologischen Arbeiten in vivo bei gesunden Probanden zeigen, dass sich mittels unterschiedlicher nicht-invasiver Hirnstimulationsprotokolle die Erregbarkeit des Motorkortex modulieren lässt. In Analogie zu in vivo Untersuchungen wird synaptische Plastizität durch Calciumkanal-vermittelte Calcium-Ströme reguliert. Zudem laufen diese Erregbarkeitsänderungen in einem umschriebenen Netzwerk aus erregenden und hemmenden Interneuronen ab, wobei letztere, insbesondere GABA-erg vermittelte Interneurone synaptische Plastizität zu kontrollieren scheinen.

Neuronale Plastizität spielt auch eine wichtige Rolle für die Pathogenese und Kompensation neurologischer Erkrankungen, wie zur Erholung nach Schlaganfall oder eben auch bei Dystonien. Bei der Erkrankung der Dystonie handelt es sich um die dritthäufigste Bewegungsstörung, die durch anhaltende oder intermittierende Muskelverkrampfungen gekennzeichnet und häufig mit überschießender Muskelaktivität assoziiert sind. Die häufigsten Formen sind die fokalen Dystonien mit Erstmanifestation im frühen oder späten Erwachsenenalter unbekannter Ursache („idiopathisch“). Die Dystonie ist Folge einer fehlerhaften Ansteuerung der Muskulatur durch die Gebiete des Gehirns, die normalerweise die feine Abstimmung von Muskelaktivität regulieren. Die Pathogenese der Erkrankung ist bis heute nicht hinreichend erklärt. Wir konnten zeigen, dass (fokale) Dystonien durch eine maladaptive, d.h. unkontrollierte kortikale Plastizität gekennzeichnet sind. Wir folgern, dass sich Dystonien durch ein fehlerhaftes, nicht fokussiertes Erlernen falscher Bewegungsmuster ausbilden. Obwohl es sich um eine Erkrankung mit einem motorischen Phänotyp handelt, konnten wir zeigen, dass auch der somatosensible und der Assoziationskortex maßgeblich beteiligt zu sein. Pathophysiologisch ist also davon auszugehen, dass eine reduzierte Inhibition in unterschiedlichen, auch kortikalen Hirnregionen, sowie eine gestörte Prozessierung sensibler Information und maladaptive Plastizität pathophysiologisch eine wichtige Rolle bei Dystonien spielen.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 23.05.2017

Dr. med. Sotirios Nedios

Einrichtung: Abteilung für Rhythmologie, Herzzentrum Leipzig - Universitätsklinik
Habilitationsgebiet: Innere Medizin und Kardiologie
Habilitationshema: Catheter ablation of atrial fibrillation: the association between atrial anatomy and clinical outcomes

Einführung in das Thema:
Die Katheterablation und die Schlaganfallprävention gehören zu den etablierten Therapien für Vorhofflimmern (VHF). Obwohl die atriale Anatomie eine wichtige pathophysiologische Rolle spielt, ist ihre Assoziation mit den thromboembolischen Ereignissen (TE) und der langfristigen Rhythmusstabilität nach Ablation noch nicht ausreichend untersucht worden. Ziel dieser Habilitationsschrift ist es, die Bedeutung der atrialen Anatomie und der Ablationsergebnisse in den folgenden Fällen zu erarbeiten: die Relevanz des linken Herzohrs (LAA) für TE bei Patienten mit geringem oder unklarem klinischen Risiko, die Merkmale von linksatrialem (LA) Remodeling, seine Bedeutung für die Ablations-Ergebnisse und seine Assoziation mit der diastolischen Dysfunktion oder mit Plasmamarkern sowie auch die Bedeutung der VHF-Ablation für die LV-Funktion bei Patienten mit Herzinsuffizienz.

Für Patienten nach einer VHF-Ablation wird gezeigt, wie die Rezidive und die höhere LAA-Position mit einem erhöhten TE-Risiko einher gehen. Der gleiche Mechanismus wird bei VHF-Patienten mit niedrigem klinischen Risiko bestätigt. Bei Patienten mit peri-prozeduralen TEs zeigt sich aber eine Reservoir-Funktion der Hühnerflügel-LAA-Morphologie.

Das LA-Remodeling wurde mit 3D-Messungen und einen neuen Asymmetrie-Index (ASI) untersucht. Es zeigte sich eine starke Assoziation zwischen ASI und dem VHF-Typ. Der LA-Diameter (echokardiografisch) zeigte einen geringeren prädiktiven Wert als die CT Messungen. Obwohl sich das LA Volumen als der beste Erfolgsprädiktor für paroxysmales VHF zeigte, war nur ASI der wichtigste Prädiktor für Patienten mit persistentem VHF. Darüber hinaus zeigte sich eine Assoziation zwischen ASI, LA-Dilatation, der diastolischen Dysfunktion und Interleukin-6. Schließlich wurde gezeigt, dass die Verbesserung der LV-EF nach VHF-Ablation bei Patienten mit Herzinsuffizienz kurzfristig mit der Frequenzkontrolle aber langfristig mit der Rhythmuskontrolle einher geht. Diese Ergebnisse betonen die Bedeutung der Anatomie und der Ablation bei VHF-Patienten und sollten weiter untersucht werden, um die Therapie von Vorhofflimmern zu verbessern.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 28.02.2017

Dr. rer. nat. Harald Busse

Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Experimentelle Radiologie
Habilitationshema: Flexible Assistenztechnik für MRT-gesteuerte Interventionen in verschiedenen Körperregionen

Einführung in das Thema:
Bildgesteuerte, perkutane Interventionen stellen bei vielen diagnostischen und therapeutischen Fragestellungen eine Alternative zum chirurgischen Vorgehen dar. Zu den Indikationen für ein Vorgehen unter MRT-Kontrolle zählen Befunde, die sich mit anderen Modalitäten (Ultraschall oder CT) nicht ausreichend darstellen lassen, die fehlende Strahlenexposition sowie eine Vielzahl morphologischer und funktioneller Bildkontraste. Nachteilig sind hingegen die langen Messzeiten, die Notwendigkeit MRT-geeigneter Werkzeuge sowie die räumliche Enge in den überwiegend röhrenförmigen Geräten.

Stereotaktische Führungs- und Navigationshilfen ermöglichen oft eine gezieltere Planung, bessere Visualisierung oder vereinfachte Durchführung, insbesondere gegenüber einer rein kognitiven Einbeziehung der MRT-Informationen. Assistenzsysteme für geschlossene MRT-Geräte sind meist rahmenbasiert und beschränken sich auf bestimmte Regionen, z.B. die Mamma, die Prostata oder das muskuloskelettale System. Übergeordnete Zielsetzung war daher eine leistungsstarke rahmenlose Assistenztechnik (Navigation), die sich praktisch in beliebigen Körperregionen einsetzen lässt. Der Operateur orientiert sich dabei anhand von hochwertigen MRT-Ansichten, die gemäß der in Echtzeit erfassten Nadellage aus einem kurz zuvor erhobenen Referenzdatensatz reformatiert werden.

Aufgrund der besonderen Anforderungen wurde eine spezielle Registrierungstechnik entwickelt, die resonante Miniatur-Hochfrequenzspulen als MRT-Positionsmarker verwendet. Gegenüber herkömmlichen Markern mit statischem Kontrast lassen sich mithilfe einer leistungsstarken Objekterkennung auf Projektionsaufnahmen mehrere, beliebig verteilte Marker, praktisch überlagerungsfrei in einem sehr großen Messvolumen automatisch lokalisieren. Zuverlässigkeit, Genauigkeit und Sicherheit dieses Verfahrens wurden umfassend experimentell untersucht. An einer Vielzahl von navigierten Biopsien an einem Gewebephantom konnte die gesamte Assistenztechnik auch unter praktischen Aspekten evaluiert werden. Die klinische Einsetzbarkeit des Systems sowie weitere potenzielle Anwendungen der Lokalisationstechnik werden ebenfalls behandelt.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 24.01.2017

​Dr. med. Georg Dirk Lindner
​Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Neurochirurgie
Habilitationsthema: Intraoperativer (navigierter) Ultraschall in der Neurochirurgie

Einführung in das Thema:
Bei der Operation von Hirntumoren ist eine Komplettresektion unter Beachtung der peri- und postoperativen Morbidität häufig ein angestrebtes Ziel. Präoperativ gibt es in der Neurochirurgie exzellente Bildverfahren, um pathologische Veränderungen intrakraniell abzubilden. Insbesondere die Kernspintomografie ermöglicht regelmäßig die optimale Planung eines Eingriffs. Mit der Akquise von MR-Navigationsdatensätzen ist es dann möglich, den gesamten Kopf einschließlich der Pathologie dreidimensional darzustellen. Das 3D-MRT kann zum Beginn der Operation auf die reale Situation des liegenden Patienten bzw. der Position des eingespannten Kopfes registriert werden. Nach der Kraniotomie und ab Duraeröffnung kommt es aber zu nicht linearen Verlagerungen des Hirngewebes und des Tumors. Diese sogenannte „Brainshift“ tritt nach Duraeröffnung mit Verlagerungen bis 2 cm auf. Die präoperative Bildgebung stimmt nicht mehr mit der intraoperativen Situation überein.
Das Problem lässt sich durch die Anwendung intraoperativer Bildverfahren lösen. Neben dem offenen MRT und Fluoreszenzverfahren bietet sich der Ultraschall an.

Die intraoperative Sonografie wird 2D im B-Mode bereits wird standardisiert eingesetzt. Sie ist aber für die Brainshiftbeurteilung, die genaue Volumetrie und die fortlaufende Resektionskontrolle limitiert. Eine klare Beurteilung der Tumorvolumetrie und der dynamischen Brainshift ist nur mit 3D-Ultraschall (navigiertem 2D-Ultraschall) möglich. Insbesondere das infiltrative Wachstum und die Rezidivhäufigkeit von malignen Gliomen machen eine Resektionskontrolle mit navigierten 2D-Ultraschall sinnvoll. Durch die Digitalisierung und dem Einsatz von 3D Schallköpfen ist die externe Bildqualität dramatisch verbessert wurden. Der Einsatz des kontrastverstärkten Ultraschalls (CEUS) in einer DFG geförderten Studie ermöglichte in 2D und 3D die Beurteilung der Perfusion des Tumors und wird die Kontrolle der Resektion verbessern. Eine internationale Multizenterstudie zum Einsatz bei Glioblastomen ist geplant. Das Zusammenspiel von Navigation, intraoperativer Planung und Bildgebung wurde durch ein spezielles Lernphantom erstmals für den Neurochirurgen in der Ausbildung umgesetzt. Klinische Beispiele dienen dazu, die Techniken erfolgreich vor dem realen Einsatz zu erlernen und werden die Akzeptanz des intraoperativen Ultraschalls weiter steigern. Ein Patent wurde erfolgreich beantragt.

Dr. med. Igor Delvendahl
​Einrichtung: Institut für Molekulare Biologie, Universität Zürich
(bis 05/2016 Carl-Ludwig-Institut für Physiologie, Abteilung I – Neurophysiologie)
Habilitationsgebiet: Physiologie
Habilitationsthema: Mechanismen der synaptischen Übertragung an der zerebellären Moosfaser-Körnerzell-Synapse

Einführung in das Thema:
Die Funktion unseres Zentralnervensystems beruht auf der zeitlich präzisen Übertragung elektrischer Signale zwischen Neuronen. Diese synaptische Übertragung findet in weniger als einer tausendstel Sekunde statt. Eine schnelle und hochfrequente Signalübertragung erweitert die Kodierungskapazität und beschleunigt die Verarbeitung von Informationen. Obwohl viele der an synaptischer Übertragung beteiligten Prozesse und Proteine bekannt sind, ist das Verständnis der Mechanismen, die für eine schnelle und hochfrequente Signalübertragung verantwortlich sind, bisher unvollständig. Um die Mechanismen hochfrequenter synaptischer Übertragung zu untersuchen, wurden in dieser Arbeit prä- und postsynaptische Patch-Clamp Ableitungen an der zerebellären Moosfaser-Körnerzell-Synapse in akuten Hirnschnitten der Maus eingesetzt.

Wir konnten zeigen, dass die Moosfaser-Körnerzell-Synapse präsynaptische Aktionspotenziale mit einer Frequenz über einem Kilohertz feuern kann und dass Informationen in diesem Frequenzbereich an die postsynaptische Zelle übertragen werden können. Eine detaillierte Untersuchung der Mechanismen der synaptischen Übertragung zeigte, dass Spezialisierungen der präsynaptischen Ionenkanäle, ein großer Vorrat an freisetzbaren synaptischen Vesikeln und eine schwache präsynaptische Kalzium-Pufferung für eine präzise Neurotransmitterfreisetzung mit hohen Frequenzen verantwortlich sind. Mit optimierten, hochauflösenden Kapazitätsmessungen konnten wir an der Moosfaser-Körnerzell-Synapse zudem eine sehr schnelle Endozytose nach einzelnen Aktionspotenzialen nachweisen. Diese schnelle Endozytose ist Clathrin-unabhängig und unterstützt eine hochfrequente synaptische Übertragung. Durch die mechanistische Beschreibung hochfrequenter Signalübertragung an einer zentralen Synapse erweitern die Ergebnisse der dieser Arbeit entscheidend unser Verständnis von synaptischer Übertragung und Informationsverarbeitung im Zentralnervensystem.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 14.12.2016

​Dr. med. Georg Jakob Wiltberger
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax-und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Viszeralchirurgie
Habilitationsthema: Perioperative Behandlungsstrategien nach Resektion primärer und sekundärer Pankreastumore - Evaluierung von Prognose- und Risikofaktoren

Einführung in das Thema:
Die onkologische Pankreasresektion ist zentraler Bestandteil bei der Behandlung von primären und sekundären Malignomen des Pankreas und bildet, eingebettet in ein multimodales Therapiekonzept, derzeit die einzige kurative Behandlungsstrategie. Dabei hat der technische Fortschritt die chirurgischen Therapien entscheidend verbessert, die Mortalitätsraten dadurch signifikant gesenkt und die Grenzen des Machbaren verschoben. Gleichzeitig werden die Qualitätsanforderungen und die Erfordernisse eines individualisierten Behandlungskonzeptes aufgrund des demografischen Wandels und der dadurch immer älter werdenden Patienten immer mehr zunehmen, genauso wie die Inzidenz der Pankreaskarzinome. Umso wichtiger erscheint es daher, die konstant hohe Morbidität nach pankreaschirurgischen Eingriffen zu senken.

Im Fokus der vorliegenden Arbeit stand daher die Auseinandersetzung mit dem perioperativen Outcome nach chirurgischen Eingriffen am Pankreas, der Evaluierung von spezifischen Risikofaktoren, den Determinanten für das Langzeitüberleben sowie relevanten Bezügen zur klinischen Behandlung und besseren Aufklärung der Patienten.
Wir untersuchten zunächst Patienten mit primären und sekundären Malignomen des Pankreas und konnten zeigen, dass selbst Multiviszeralresektionen und komplexe kombinierte Leber-Pankreas-Resektionen mit akzeptablen Morbiditäts- und Mortalitätsraten verbunden sind. Weiterhin konnten wir eruieren, dass ein hohes Alter nicht per se als absolute Kontraindikation für eine komplexe Pankreasresektion angesehen werden muss. Viel wichtiger scheint es hierbei, eine individuelle Patientenstratifizierung vorzunehmen. Dann sind auch in einem hohen Alter Morbiditätsraten zu erreichen, die wir bei jüngeren Studienpopulation beobachten.
In einem nächsten Schritt wurde daher ein auf rein präoperativen Parametern basierender Risiko-Score entwickelt, der im klinischen Alltag leicht anwendbar ist und Hoch-Risiko Patienten erkennt, welche nun einer verbesserten Aufklärung bzw. angepassten perioperativen Behandlungsstrategie zugeführt werden können. In dem Fall einer schwerwiegenden Pankreasfistel wurde ein innovatives Behandlungskonzept etabliert, welches die Mortalität bei dieser lebensbedrohlichen Komplikation im Vergleich zur gängigen chirurgischen Therapie signifikant senken konnte.

Dr. med. Florian van Bömmel
​Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Innere Medizin
Habilitationsthema: Optimierung der antiviralen Behandlung chronischer Hepatitis-B-Virus-Infektionen mit Polymerase-Inhibitoren

Einführung in das Thema:
Die vorliegende Habilitationsschrift fasst Arbeiten zusammen, in welchen die Optimierung der antiviralen Behandlung von Patienten mit Hepatitis-B-Virus(HBV)-Infektionen untersucht wurde.
Wir beschrieben erstmalig die hohe Effektivität einer Behandlung von HBV-Infektionen mit dem Nukleotid-Analogon Tenofovir Disoproxil Fumarat (TDF). Darüber hinaus zeigten wir erstmalig, dass eine Behandlung Lamivudin-resistenter HBV-Infektionen mit TDF möglich ist zu einer Zeit, in der hierfür keine Therapieoptionen zur Verfügung standen und es häufig zu schweren Verläufen kam. Die hohe Effektivität einer Monotherapie mit TDF als Gegenmodell zur damals empfohlenen Kombinationsbehandlung mit mehreren antiviralen Substanzen wurde auch bei Patienten mit Resistenz gegen weitere antivirale Substanzen gezeigt. Darüber hinaus wurde mittels molekularbiologischer Untersuchungen eine gering ausgeprägte Kreuzresistenz zwischen TDF und Adefovir nachgewiesen.

Unsere Ergebnisse haben die globale Entwicklung von TDF zu einem HBV-Therapeutikum maßgeblich beeinflusst. Die Option einer Monotherapie mit TDF fand Eingang in aktuelle Behandlungsleitlinien für HBV-Infektionen. Schließlich demonstrierten wir, dass während einer Behandlung mit Nukleos(t)id-Analoga durch einen Rückgang der HBV-RNA-Spiegel im Serum, welche anhand einer von uns neu entwickelten, robusten Methode gemessen werden können, eine frühe und zuverlässige Vorhersage eines serologischen Ansprechens möglich ist. Die Aufdeckung dieses Zusammenhangs fand breite Aufmerksamkeit unter Wissenschaftlern und ist Grundlage für zahlreiche zurzeit laufende klinische und grundlagenwissenschaftliche Forschungsprojekte.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 22.11.2016

​Dr. med. Patrick Stumpp, MME
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Radiologie
Habilitationsthema: PET/MRT in der onkologischen Diagnostik mit dem Schwerpunkt Kopf-Hals-Tumoren

Einführung in das Thema:
Erst seit 2010 sind kombinierte Positronenemissionstomografie-Magnetresonanztomografie-Geräte (PET/MRT) zur hybriden Bildgebung verfügbar. Die mit der Entwicklung der Geräte verbundenen Hoffnungen bezüglich der onkologischen Diagnostik lagen zunächst auf einer verbesserten Genauigkeit in der Tumordetektion im Vergleich zum PET/CT. Rasch wurde jedoch deutlich, dass insbesondere die Möglichkeit der non-invasiven, multiparametrischen Charakterisierung von Tumorerkrankungen einen wesentlichen Vorteil des PET/MRT gegenüber dem PET/CT darstellt.
Das im Universitätsklinikum Leipzig 2011 installierte PET/MRT war eines der ersten weltweit. In dieser Habilitationsschrift sind die ersten Erfahrungen mit dieser Methode auf dem Gebiet der onkologischen Diagnostik zusammengefasst. Schwerpunkt ist dabei die Diagnostik von Kopf-Hals-Tumoren, da in diesem Bereich das CT aufgrund des im Vergleich zum MRT schlechteren Weichteilkontrastes Einschränkungen aufweist.

In dieser Schrift werden zunächst die unterschiedlichen Konzepte im Gerätedesign der PET/MRT und die Besonderheiten des PET/MRT im Vergleich zum PET/CT erläutert. Auch die kritischen Punkte, die bei der Implementierung eines PET/MRT-Scanners zu beachten sind, werden detailliert dargestellt. Hierbei werden besonders die baulichen und organisatorischen Aspekte berücksichtigt, es werden aber auch Hinweise zur Qualitätskontrolle und zur Entwicklung von Untersuchungsprotokollen gegeben.
In der ersten klinischen Studie zur Anwendung des PET/MRT mit 18F-Fluorodesoxyglucose (18F-FDG) bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren konnten wir hinsichtlich Sensitivität und Spezifität noch keine Unterschiede zum PET/CT nachweisen. Allerdings war hier die untersuchte Patientengruppe heterogen und enthielt sowohl Primär- als auch Rezidivtumore. Aktuell konzentriert sich die onkologische Forschung am PET/MRT auf die Möglichkeiten der multiparametrischen Bildgebung zur Detektion und vor allem Charakterisierung von Tumorerkrankungen. Hier konnten wir signifikante Korrelationen von Glukosestoffwechsel und verschiedenen Perfusionsparametern bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren nachweisen. Bei Patientinnen mit Zervixkarzinom konnte ein inverser Zusammenhang zwischen Glukosestoffwechsel und Diffusionsrestriktion nachgewiesen werden. Die letzte aufgeführte Arbeit zeigt die Korrelationen zwischen der bildgebenden Tumorcharakterisierung und histopathologischen Ergebnissen bei Kopf-Hals-Tumoren, wo wir Zusammenhänge von Kernfläche und dem Proliferationsmarker Ki-67 mit Diffusionseigenschaften bzw. Glukosestoffwechsel im Tumorgewebe nachweisen konnten.

​Dr. med. Sven Laudi, M.A.
​Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Anästhesiologie
Habilitationsthema: Atorvastatin in Modellen des pulmonalarteriellen Hypertonus

Einführung in das Thema:
Die Ursachen der Erhöhung eines dauerhaften pulmonararteriellen Druckanstiegs sind zu Teilen unbekannt. In Tiermodellen des pulmonalarteriellen Hypertonus konnten wichtige kausale Signalkaskaden identifiziert werden, jedoch widersprechen sich die Ergebnisse zu Teilen zwischen als auch innerhalb der verschiedenen Tiermodelle. Daher wurden zwei klassische Modelle des pulmonalarteriellen Hypertonus (chronische Hypoxie und Monocrotalin) und die Behandlung mit Statinen unter Verzicht auf präanalytische Festlegungen mittels einer 2D-Gel basierten Proteom-Analyse verglichen. Unter chronisch hypoxischen Bedingungen scheinen zentral vornehmlich p38-vermittelte Signalkaskaden ursächlich für die pulmonalarterielle Druckerhöhung zu sein, nach Gabe von Monocrotalin ERK-vermittelte Signalkaskaden. Zudem konnte die unfolded protein response als mögliches pathophysiologisches Konzept mit dem pulomalarteriellen Hypertonus in Verbindung gebracht werden.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 25.10.2016

Dr. med. Mirko Döhnert
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Habilitationsthema: Neurophysiologische Befunde und deren therapeutische Anwendung bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und der Majoren Depression (MD) im Kindes- und Jugendalter

Einführung in das Thema:
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und die Majore Depression (MD) sind zwei häufige kinder- und jugendpsychiatrische Störungsbilder. Im Rahmen von EEG-basierten Untersuchungen wurden für beide Störungsbilder spezifische Auffälligkeiten analysiert. Die Möglichkeit diagnostischer oder therapeutischer Anwendung wurde untersucht.
Dem Ruhe-EEG kommt entsprechend der aktuellen wissenschaftlichen Literatur eine diagnostische Relevanz bei ADHS-Abklärungen zu (Erhöhungen der Thetaaktivität und Theta/Beta-Ratio). In unseren Untersuchungen ergaben sich jedoch keine konsistenten Befunde diesbezüglich. Der breite diagnostische Einsatz des Ruhe-EEG bei ADHS-Verdacht muss kritisch diskutiert werden.
Im Zusammenhang mit der ADHS wird eine Entwicklungsverzögerung angenommen. Die vorliegenden longitudinalen Untersuchungen zu verschiedenen ereigniskorrelierten Potenzialen (ERP) haben gezeigt, dass es sich dabei nicht generell um das Problem einer Entwicklungsverzögerung handelt.

EEG-Parameter, wie verminderte Theta-Aktivität oder auffällige ERP, sind therapeutisch über die Methode des Neurofeedback-Trainings beeinflussbar. In den vorliegenden Untersuchungen konnten wir nachweisen, dass das Training sogenannter langsamer Potenziale sehr gut wirksam ist, wobei sowohl spezifische als auch unspezifische Wirkfaktoren eine Rolle spielen. Weitere Forschungsbemühungen sind notwendig, um die spezifische Wirksamkeit des Neurofeedback-Trainings bei ADHS zweifelsfrei nachzuweisen.
Bei depressiven Erkrankungen spielen Verzerrungen der emotionale Wahrnehmung („emotional bias“) eine wichtige Rolle. In unserer EEG-basierten Untersuchung mit einem emotionalen Go-/NoGo-Tests konnten wir kein Muster dieses „emotional bias“ finden. Es zeigte sich jedoch für die MD-Probanden Auffälligkeiten der N170, einem spezifischen ereigniskorrelierten Potenzial der Gesichtserkennung. Dies spricht für eine modifizierte Wahrnehmung und Verarbeitung von emotionalen Gesichtern bei depressiv erkrankten Kindern und Jugendlichen mit vermutlich hoher Relevanz für soziale Interaktionen. Konkrete therapeutische Anwendungen sind noch nicht absehbar.

Dr. med. univ. et scient. med. Julia Sacher
​Einrichtung: Max Planck Institut für Kognitions-und Neurowissenschaften, Abteilung für Neurologie, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Psychiatrie und Psychotherapie
Habilitationsthema: Modulators of individual responses to psychopharmacological intervention

Einführung in das Thema:
Individuelle Ansprechraten auf Antidepressiva zeigen eine große individuelle Bandbreite. Ein besseres Verständnis der Faktoren, die diese Ansprechrate beinflussen, stellt den ersten Schritt dar, um diesen individuellen Differenzen bei der Behandlungsplanung gerecht zu werden. Die gezeigten Daten tragen wesentlich zur Verbesserung von antidepressiven Behandlungsmöglichkeiten für Frauen in hormonellen Übergangsphasen bei. Dazu zählen

  • die Entwicklung eines neurobiologischen Modells von postpartalen Stimmungsschwankungen (der Östrogenabfall nach der Entbindung löst eine akute Erhöhung der Mono-Amino-Oxidase, MAO-A, aus),
  • die Charakterisierung von neurochemischen Veränderungen im präfrontalen Kortex und dem anterioren Cingulum (zentrale Hirnareale für die kognitive Steuerung von Emotionen) in postpartaler und perimenopausaler Depression und
  • die Befunde von Netzwerk-Veränderungen im Hippokampus sowie der Emotionsregulation während einer kognitiven Aufgabe im Verlauf des menstruellen Zyklus.

In einer Gehirnnetzwerkanalyse zeigen wir eine starke und akute Abnahme der intrinsischen Konnektivität in den meisten kortikalen und subkortikalen Regionen wenige Stunden nach Gabe einer Einzeldosis des Antidepressivums Escitalopram, während es zu einer Zunahme in Regionen des Thalamus und des Cerebellums kommt.
Außerdem berichten wir über die ersten Befunde, die eine mangelne Bindung von MAO-A nach Therapie mit dem pflanzlichen Stimmungsaufheller Johanniskraut beschreiben, und etablieren einen Zielbereich für die Bindung von MAO-A-Hemmern im Gehirn, die für den antidepressiven Effekt dieser Medikamente notwendig ist. Zusammenfassend bieten die hier gezeigten Arbeiten Anhaltspunkte für die starke Anpassungsfähigkeit des menschlichen Gehirns auf die hormonelle Umgebung sowie auf monoaminerge Manipulation in struktureller, funktionaler und neurochemischer Konnektivität. Eine klinische Anwendung dieser Erkenntnisse rückt in greifbare Nähe: konkrete Anknüpfungspunkte sind z.B. klinischen Studien zur Testung von Nahrungsergänzungsmitteln zur besseren Vorbeugung oder von MAO-Hemmern zur effektiveren Behandlung der Wochenbettdepression.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 20.09.2016 

​Dr. med. Sven Kevin Tschöke
​Einrichtung: Klinik für Wirbelsäulenchirurgie, Klinikum Dortmund gGmbH
(vorher: Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie, Orthopädisch-Traumatologisches Zentrum, HELIOS Park-Klinikum Leipzig)
Habilitationsgebiet: Orthopädie und Unfallchirurgie
Habilitationsthema: Moderne Behandlungsstrategien in der chirurgischen Therapie der pyogenen Spondylodiszitis der Lendenwirbelsäule

Einführung in das Thema:
Die pyogene Spondylodiszitis ist eine seltene Entität der bakteriell-entzündlichen Pathologien des Stütz- und Bewegungsapparates. Trotz adäquater Behandlungsstrategien wird auch heute noch eine Mortalitätsrate von 5% bis 20% beschrieben. Obwohl die primär konservative Therapie mittels systemischer Antibiotikabehandlung auch weiterhin den Goldstandard darstellt, führen die mangelnde vaskuläre Versorgung der Bandscheibe und oft unspezifische klinische Symptomatik nicht selten zur verzögerten Diagnostik mit Nachweis fortgeschrittener, ossär destruktiven Veränderungen oder einer perifokalen Abszedierung. Die hieraus resultierende segmentale Instabilität und Gefahr der systemischen Ausbreitung des Infektes zwingen dann letztendlich zur chirurgischen Sanierung des entzündlichen Fokus.

Durch die, vor allem in den industrialisierten Ländern immer älter werdende Bevölkerung, wächst auch die Zahl der Patienten, deren degenerative Veränderungen der Wirbelsäule und Anspruch auf Erhalt der Lebensqualität im Behandlungskonzept berücksichtigt werden müssen. Zusätzlich fordert die in diesem Patientenkollektiv deutlich erhöhte Prävalenz an metabolischen oder kardiopulmonalen Komorbiditäten moderne Therapiekonzepte, die eine risikoarme, jedoch effektive Eradifizierung des bakteriell-entzündlichen Fokus mit schneller Wiederherstellung der prämorbiden Mobilität ermöglichen. Mit dem wachsenden Verständnis für die Pathophysiologie der Spondylodiszitis sowie der biomechanischen Folgeerscheinungen, insbesondere an der Lendenwirbelsäule, konnten im Verlauf der letzten beiden Dekaden enorme Fortschritte in der erfolgreichen Behandlung der lumbalen Spondylodiszitis erzielt werden.

In der vorliegenden kumulativen Arbeit werden die Erkenntnisse unserer in den letzten 10 Jahren etablierten operativen Vorgehensweisen zur Behandlung unterschiedlicher Befundkonstellationen der lumbalen Spondylodiszitis anhand von fünf ausgewählten Originalpublikationen erläutert und im Kontext der internationalen Literatur diskutiert.

Dr. rer. nat. Beate Fuchs
Einrichtung: Institut für Medizinische Physik und Biophysik, Medizinische Fakultät Leipzig der Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Medizinische Physik / Biophysik
Habilitationsthema: MALDI-TOF-Massenspektrometrie basierte (Phospho-) Lipidanalytik: Gezieltes Matrix-Engineering und Kopplung mit TLC zur Minimierung des Effekts der Ionenunterdrückung

Einführung in das Thema:
Ziel der vorliegenden Arbeit war die Entwicklung einer direkten Kopplung zwischen Dünnschichtchromatografie (TLC, „thin-layer chromatography“) und MALDI-TOF-MS für die Lipidanalytik und der Einsatz dieser Methode für medizinisch relevante Fragestellungen. Im Verlauf der Arbeiten stellte sich außerdem heraus, dass der gezielte Einsatz bestimmter Matrices mit optimierten Eigenschaften eine nützliche Ergänzung bietet.

Im ersten, mehr Grundlagen orientierten Teil der Arbeit wird an ausgewählten Modellsystemen gezeigt, dass die direkte Kopplung von Dünnschichtchromatografie mit MALDI-TOF-Massenspektrometrie durch direkte Desorption von der TLC-Platte bereits kleine Lipidmengen von weniger als 1% des Gesamtlipidextrakts detektieren und MS/MS-Experimente direkt auf der TLC-Platte durchführen kann. Phospholipide, die nur im picomolaren Bereich im Gemisch vorliegen, können damit zuverlässig nachgewiesen werden.
Im zweiten Teil der Arbeit werden verschiedene Anwendungen der Methode für die Analytik von Gewebeproben und Zellsuspensionen demonstriert. So wird z.B. gezeigt, dass die kombinierte TLC-MALDI-MS-Methode nahezu alle relevanten Lipidklassen in Hirnextrakten identifiziert – auch sehr gering konzentrierte Lipidspezies, wie phosphorylierte Phosphoinositide oder komplexe Glycolipide,wie z.B. Ganglioside. TLC-MALDI-MS liefert weitaus detailliertere Informationen als MALDI-TOF-MS allein, insbesondere hinsichtlich der bisher kaum untersuchten Oxidationsprodukte des Phosphatidylethanolamins (PE).
Der dritte Teil der Arbeit belegt, dass durch die Wahl der optimalen Matrices die MALDI-MS-Detektion bestimmter Verbindungen deutlich verbessert werden kann bzw. überhaupt erst möglich ist. Die Detektion wichtiger Lipidoxidationsprodukte (PE-Chloramine) war bislang nur mit ESI-MS möglich. Bei Anwendung einer neuen Matrix (4-Chlor-α-Cyanozimtsäure) ist die Detektion auch mittels MALDI-TOF-MS möglich.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 23.08.2016

​Dr. med. Norman Mangner
Einrichtung: Abteilung für Innere Medizin/Kardiologie, Herzzentrum Leipzig GmbH – Universitätsklinik
Habilitationsgebiet: Innere Medizin und Kardiologie
Habilitationsthema: Veränderungen der peripheren Skelettmuskulatur und des Diaphragmas im Rahmen akuter und chronischer myokardialer Funktionsstörungen – Präventive Effekte eines körperlichen Ausdauertrainings

Einführung in das Thema:
Die Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit ist ein wesentliches Kennzeichen der Herzinsuffizienz. Veränderungen der zentralen Zirkulation erklären dabei nur teilweise die verminderte Leistungsfähigkeit. Hingegen sind Alterationen der Skelettmuskulatur eng mit einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit sowohl bei der systolischen als auch der diastolischen Herzinsuffizienz assoziiert.

Die Aktivierung von katabolen sowie Inhibierung von anabolen Signalwegen durch inflammatorische Zytokine und Angiotensin II trägt zu histologischen und molekularen Veränderungen der Muskulatur bei und resultiert letztendlich in einer eingeschränkten Kraftentwicklung. Eine zentrale Rolle nimmt das Ubiquitin-Proteasom-System ein. Ein genetischer Knock Out eines der Schlüsselenzyme im Ubiquitin-Proteasom-System kann den Kraftverlust der Skelettmuskulatur verhindern. Aber auch Transkriptionsfaktoren, Parameter des Metabolismus, und Myokine, die die Wechselwirkung zwischen Skelettmuskel und Fettgewebe realisieren, sind durch die chronische Inflammation im Rahmen der Herzinsuffizienz in der peripheren Skelettmuskulatur verändert.

Während die periphere Skelettmuskulatur der Hauptfokus der Forschung in den letzten beiden Jahrzehnten war, so ist auch die respiratorische Muskulatur von einer sekundären Myopathie im Rahmen der Herzinsuffizienz betroffen. Durch inflammatorische Zytokine und im Rahmen eines akuten Myokardinfarktes kommt es zur Oxidation von wichtigen Strukturproteinen des Diaphragmas, was letztendlich in einer kontraktilen Dysfunktion endet. Im längerfristigen Verlauf der chronischen Herzinsuffizienz wird die Funktionseinschränkung auch im Diaphragma durch katabole Mechanismen mit Aktivierung des Ubiquitin-Proteasom-Systems bestimmt. Zwischen Diaphragma und der peripheren Skelettmuskulatur zeigen sich, vermutlich bedingt durch die zusätzliche Dekonditionierung der peripheren Skelettmuskulatur, unterschiedliche Verhaltensmuster ihre ROS-produzierenden und -detoxifizierenden Enzymsysteme.

Körperliches Ausdauertraining kann sowohl in der peripheren Skelettmuskulatur als auch im Diaphragma die negativen Effekte der Herzinsuffizienz und Inflammation abschwächen oder teilweise verhindern. Dabei spielen anti-inflammatorische, anti-oxidative, anti-katabole und pro-anabole Mechanismen eine entscheidende Rolle.

​Dr. med. Klaus Müller, MBA
Einrichtung: Klinikum Chemnitz GmbH, Klinik und Praxis für Radioonkologie (bis 06/2015: Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Strahlentherapie
Habilitationsthema: Strahlentherapeutische Behandlungsoptionen bei ausgewählten Hirntumoren des Kindes- und Erwachsenenalters, insbesondere im Falle eines Rezidivs oder einer Metastasierung

Einführung in das Thema:
Die Habilitationsschrift widmet sich ausgewählten Aspekten strahlentherapeutischer Behandlungsoptionen bei Hirntumoren im Kindes- und Erwachsenenalter. Besondere Beachtung finden metastasierende und rezidivierte Erkrankungen.

Beim Medulloblastom bietet eine Bestrahlung der gesamten kraniospinalen Achse in der Rezidivsituation eine zweite Heilungschance, sofern initial noch keine Radiatio erfolgte. Beim pilozytischen Astrozytom wird die Bestrahlung in der Regel erst nach Chemotherapieversagen eingesetzt. Die Prognose metastasierter Glioblastome ist infaust. Zwei Metaanalysen der in der Literatur veröffentlichten Fälle zeigten, dass in den letzten Jahrzehnten keine wesentlichen therapeutischen Fortschritte erzielt werden konnten. Eine Bestrahlung der gesamten kraniospinalen Achse in Kombination mit einer simultanen Chemotherapie ist bei Beschränkung der Metastasierung auf das zentrale Nervensystem als maximal aggressiver Therapieansatz denkbar. Allerdings ist bei dieser Behandlung mit einer starken Myelotoxizität zu rechnen. Bei Erwachsenen ist eine erneute Bestrahlung eine anerkannte Behandlungsoption für rezidivierte hochgradige Gliome. Therapieunabhängige prognostische Modelle können beim Vergleich verschiedener Behandlungsalternativen hilfreich sein, bedürfen allerdings zuvor einer Validierung mit einer unabhängigen Patientenkohorte. Bei Kindern ist der Nutzen einer erneuten Bestrahlung bei rezidivierten hochgradigen Gliomen unklar. Erste Erfahrungen deuten zumindest auf eine gute Verträglichkeit der Behandlung hin.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 21.06.2016

​Dr. med. Michael Moche
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Radiologie
Habilitationsthema: Implementierung und klinischer Einsatz eines Navigationsverfahrens zur Steuerung von Eingriffen am MRT

Einführung in das Thema:
Die herausragenden diagnostischen Eigenschaften der MRT können auch zur Steuerung und Kontrolle minimal-invasiver Eingriffe genutzt werden. Die räumliche Enge und das hohe Magnetfeld eines konventionellen MRT stellen dabei große Herausforderungen dar.

Offene MRT-Scanner ermöglichten einen deutlich verbesserten Patientenzugang und MR-kompatible Instrumente den sicheren Eingriff im Magnetfeld. Die Qualität, Bildwiederholungsrate und Latenz der eingesetzten kontinuierlichen Bildgebung erwiesen sich allerdings häufig als nicht ausreichend. Durch nachträgliche Implementierung eines dedizierten Navigationsverfahrens konnte eine qualitativ hochwertige, multimodale Navigation mit jetzt auch sehr guter Hand-Auge-Koordination ermöglicht werden. Der Nutzen dieser Technologie wurde nach zahlreichen Eingriffen am Hirn, an der Leber, der Brust und an anderen Organbereichen validiert.

Aus Kostengründen erfolgte eine Einstellung des offenen MRT-Programms durch den Hersteller. Es wurden Strategien entwickelt, um Eingriffe auch in vorhandenen geschlossenen, diagnostischen Scannern durchzuführen. Unsere Arbeitsgruppe sammelte Erfahrungen mit dem einzigen kommerziell erhältlichen, MR-kompatiblen robotischen System bei Eingriffen in unterschiedlichen Körperregionen. Zeitgleich wurden die Erfahrungen aus dem Einsatz im offenen MRT-Scanner vor Ort genutzt, um ein Navigationsverfahren mit optischen Tracking in eine konventionelle MRT-Umgebung zu implementieren. Der Eingriff kann durch eine automatische Patientenregistrierung und mithilfe eines speziellen Instrumentenhaltesystems vollständig außerhalb der Röhre erfolgen. Eine optimierte Planungs- und Kontrollbildgebung in der Röhre gewährleistet die sichere und präzise Durchführung. Im Verlauf konnten umfangreiche Erfahrungen im klinischen Routineeinsatz auch in atemverschieblichen Organbereichen gesammelt werden.

​Dr. med. Hans-Michael Hau
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Viszeralchirurgie
Habilitationsthema: Aktueller Stellenwert der chirurgischen Therapie in der Behandlung primärer und sekundärer hepato-pankreato-biliärer Tumore

Einführung in das Thema:
In den letzten Jahren gab es einen zunehmenden Trend, chirurgische Eingriffe bei primären und sekundären hepato-pankreato-biliären (HPB) Tumoren durchzuführen. Durch die Verbesserung der chirurgischen Technik, des perioperativen Managements wie auch der diagnostischen Möglichkeiten kam es zu einer Verbesserung des Outcomes in der Behandlung dieser Tumore. Allerdings ist die Datenlage bei einigen Indikationen und Tumorentitäten derzeit noch nicht eindeutig. Ziel dieser Arbeit ist es daher, den möglichen Vorteil einer chirurgischen Therapie in bisher nicht etablierten Grenzbereichen gut- und bösartiger HPB- Tumore zu ermitteln und Patientengruppen zu definieren, die von einer chirurgischen Therapie profitieren.

Wir untersuchten daher 301 Patienten mit primären und sekundären HPB-Tumoren, bei welchen eine chirurgische Therapie durchgeführt wurde. Dabei konnten wir bei Patienten mit einem HCC in Non-Zirrhose bzw. pulmonal metastasiertem HCC nach Resektion eine 5-Jahres-Überlebensrate von 50% bzw. 17,1% beobachten. Die perioperativen Morbiditäts- und Mortalitätsraten waren insgesamt niedrig und mit den Langzeitergebnissen der aktuellen Literatur vergleichbar. Somit ist die chirurgische Therapie dieser Tumore als eine adäquate Behandlungsoption mit sehr guten Ergebnissen einzustufen.

Während die chirurgische Therapie beim hepatisch metastasierten kolorektalen Karzinom mittlerweile etabliert ist, ist dies bei nicht-kolorektalen, nicht neuroendokrinen Lebermetastasen und Pankreasmetastasen nicht der Fall. Wir konnten zeigen, dass die chirurgische Therapie sowohl bei dem aggressiv verlaufenden hepatisch metastasierten malignen Melanom als auch bei Pankreasmetastasen einen Überlebensvorteil erbringt. Unsere Ergebnisse weisen bei insgesamt akzeptablen peri- und postoperativen Morbiditäts- und Mortalitätsraten den möglichen Stellenwert der chirurgischen Therapie als additives Tool im multimodalen Therapiekonzept dieser Patienten auf. Weiterhin konnten wir für die in unseren Studien untersuchten Patientengruppen klinische Prognosefaktoren identifizieren, die zukünftig zeigen könnten, welche Patienten wirklich von einer chirurgischen Therapie profitieren. In diesem Zusammenhang spielen auch immunologische und biologische Parameter eine immer wichtigere Rolle. So konnten wir nachweisen, dass ein erhöhtes Vorkommen von CD68- positiven tumorassoziierten Makrophagen in der Tumorinfiltrationsfront sowohl mit einer erhöhten Rezidivrate als auch einem verminderten Gesamt- und rezidivfreien Überleben bei Patienten mit einem hilären Cholangiokarzinom assoziiert ist. Bei der benignen FNH konnten wir aufzeigen, dass Patienten mit einem symptomatischen Tumor von einer Resektion signifikant profitieren. Die subjektiv wahrgenommenen positiven Effekte der Leberresektion auf das alltägliche Leben und die in vielen Bereichen zurückgewonnene Lebensqualität dokumentieren die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der chirurgischen Intervention, aber auch die Zufriedenheit der Patienten mit der ausgewählten Behandlungsmethode.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 24.05.2016

​Dr. med. Petra Baum
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Neurologie
Habilitationsthema: Elektrophysiologische Untersuchungen verschiedener Nervenfasertypen und des autonomen Nervensystems bei Polyneuropathien des Menschen und bei experimentellen Krankheitsmodellen

Einführung in das Thema:
Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Anwendung von elektrophysiologischen Methoden zur Quantifizierung und Differenzierung der Beteiligung unterschiedlicher Nervenfasertypen (sensibel, motorisch, vegetativ/autonom) bei verschiedenen Polyneuropathien beim Menschen und an experimentellen Krankheitsmodellen.

Die experimentellen elektrophysiologischen Untersuchungen des peripheren Nervensystems am Rattenmodell konnten sowohl methodische elektrophysiologische Fragen klären, als auch Antworten zur Pathogenese von Neuropathien geben. An der gesunden Ratte hatten Narkoseart und Stimulationsfrequenz Einfluss auf elektrophysiologische Parameter.
Beim Typ 1 Diabetes der Ratte scheinen sowohl Eisenmangel als auch eine vermehrte Entzündungsreaktion eine wichtige Bedeutung in der Pathogenese zu haben. In den klinischen Arbeiten wurden mit einem breiten Spektrum an elektrophysiologischen Untersuchungsmethoden (Elektroneurografie, Elektromyografie [EMG], quantitative sensorische Testung, Herzfrequenzvariabilität, sympathische Hautreaktion, quantitative Pupillografie sowie Dynamometrie) und z.T. Verlaufsuntersuchungen Störungen an unterschiedlichen Nervenfasern bei verschiedenen Neuropathien unterschiedlicher Genese bei Patienten mit LADA (latent autoimmune diabetes of the adults), kritischer Erkrankung (critical illness neuropathy), Adipositas und Guillain-Barré-Syndrom objektiviert, quantifiziert und Verläufe differenziert. Daraus ließen sich prognostische Aussagen sowie Empfehlungen zur Therapie ableiten.

​Dr. med. Stefan Karger
​Einrichtung: Praxis für Endokrinologie / Klinik und Poliklinik für Endokrinologie und Nephrologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie
Habilitationshema: Molekulare Pathomechanismen benigner und maligner Schilddrüsentumoren – Perspektiven in der Differentialdiagnostik

Einführung in das Thema:
Noduläre Veränderungen der Schilddrüse stellen die mit Abstand häufigste endokrine Erkrankung beim Erwachsenen dar und lassen sich in Deutschland auf eine durchschnittliche Prävalenz von etwa 50% beziffern.

Bis heute besteht die Herausforderung in der rationalen Abklärung eines Schilddrüsentumors nach Ausschluss einer funktionellen Autonomie und eines medullären Schilddrüsenkarzinoms. Als Goldstandard der Abklärung gilt nach wie vor die Feinnadelaspirationsbiopsie zur zytologischen Charakterisierung der abzuklärenden Raumforderung. Dabei finden sich in etwa 15-20% sog. suspekte bzw. auf eine follikuläre Neoplasie hinweisende Befunde. Da in solchen Fällen neben einem follikulären Adenom in ca. 20% ein follikuläres Schilddrüsenkarzinom oder die follikuläre Variante eines papillären Schilddrüsenkarzinoms angenommen werden muss, verbleibt als einzige Option die histologische Sicherung des Befundes, das heißt zumindest die Hemithyreoidektomie. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ca. 80% der Betroffenen einer letztendlich unnötigen Operation unterzogen werden. Um dies zu vermeiden ist vor allem ein besseres Verständnis molekularer Pathomechanismen benigner und maligner Schilddrüsentumoren erforderlich.

Die in dieser Habilitationsschrift kumulativ dargestellten Arbeiten identifizieren molekularbiologische Charakteristika benigner und maligner Schilddrüsentumoren anhand der Untersuchung spezifischer Signaltransduktionswege und differenzieller Protein- und Genexpressionen, insbesondere auch in Antwort auf oxidativen Zellstress. Es wird gezeigt, dass oxidativer Stress mit H2O2 als Hauptinduktor sowie Imbalancen zwischen Bildung und Detoxifikation reaktiver Sauerstoffspezies auslösende Mechanismen einer erhöhten spontanen Mutationsrate der Schilddrüse darstellen. Weiterhin wird eine signifikante Herabregulation von DNA-Reparaturmechanismen in humanen follikulären Schilddrüsenmalignomen im Gegensatz zu einer gesteigerten Regulation in benignen follikulären Schilddrüsenneoplasien beschrieben. Ein weiterer Teil der Habilitationsarbeiten zeigt, dass an Routine-Feinnadelpunktaten neben der etablierten zytologischen Diagnostik überhaupt molekulardiagnostische Verfahren methodisch anwendbar sind. Darauf aufbauend gelang es, sog. Kandidaten-Gene zu identifizieren, die follikuläre Neoplasien bereits anhand von gewonnenem Feinnadelaspirat mit einem hohen Maß an Genauigkeit zu differenzieren vermögen und somit eine potentielle Entscheidungshilfe pro oder contra Operation darstellen könnten.

Zusammenfassend spiegeln die Erkenntnisse der Arbeiten dieser Habilitationsschrift die Gesamtentwicklung der molekularen Analytik von Schilddrüsentumoren sowohl in der Grundlagenforschung als auch bereits in der klinischen Anwendung wider. Für die Zukunft stellt sich nun die Aufgabe, den bisherigen Kenntnisstand zur molekularen Pathogenese von Schilddrüsentumoren in den klinischen bzw. pathodiagnostischen Alltag zu implementieren und dabei sorgfältig die jeweiligen klinischen Verläufe im Rahmen prospektiver, multizentrischer Studien zu dokumentieren. Nur dadurch wird eine Validierung des anwendungsbezogenen Nutzens, das in allererster Linie angestrebte Erreichen einer Verringerung unnötiger diagnostischer Schilddrüsenoperationen zu erreichen sein.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 26.04.2016

​Dr. rer. med. Claudia Luck-Sikorski
Einrichtung: SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera / Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health
Habilitationsgebiet: Sozialmedizin und Public Health
Habilitationsthema: Das Stigma Adipositas – Prävalenz, Ursachen und Auswirkungen

Einführung in das Thema:
Starkes Übergewicht, Adipositas, ist nicht nur mit einer Vielzahl körperlicher Begleiterkrankungen verbunden, sondern geht auch mit einer maßgeblichen psychosozialen Belastung einher. Stigmatisierung, also die Assoziation von Übergewicht mit negativen Eigenschaften, und Diskriminierung, die systematische Benachteiligung von Menschen mit Adipositas, sind Phänomene, deren Auswirkungen erst in der jüngeren Vergangenheit auch in der Forschung eine Rolle spielen.

Im Gegensatz zu früheren Annahmen, dass Stigmatisierung dazu eingesetzt werden könne eine Anpassung an die Norm zu unterstützen, zeigen erste Forschungsergebnisse, dass Stigmatisierung und Diskriminierung negative Folgen für die Betroffenen haben können. Die in der vorliegenden Habilitationsschrift aufgeführten Arbeiten stellen empirische Ergebnisse zu allen Aspekten des Stigma-Prozesses Stigmatisierung, soziale Distanz und Diskriminierung bereit und beleuchten die Auswirkungen dieser Prozesse auf das Individuum und die Gesellschaft. Die Ergebnisse zeigen, dass auch in der deutschen Bevölkerung Stigmatisierung und die damit verbundenen negativen Auswirkungen häufig sind und zu einer erhöhten Morbidität führen können. Erste Arbeiten, die die Einstellungen von Personal in Gesundheitsberufen sowie die Haltungen zu spezifischen Therapiemethoden bei Adipositas untersuchen, verdeutlichen die Notwendigkeit weiterer Forschung in diesem Bereich, um zu ermitteln, welche Rolle Stigma-Erfahrungen beim Hilfesuchverhalten der Betroffenen spielen und inwieweit persönliche Einstellungen professioneller Helfer Auswirkungen auf den Beratungs- und Therapieprozess haben.

​Dr. med. Jörg Kempfert 
Einrichtung: Klinik für Herz- Thorax- und Gefäßchirurgie, Deutsches Herzzentrum Berlin
Habilitationsgebiet: Herzchirurgie
Habilitationsthema: Klinische Weiterentwicklung der kathetergestützten transapikalen Klappenimplantationstechniken

Einführung in das Thema:
Die kathetergestütze Implantation einer Aortenklappenprothese über die linke Herzspitze (transapikal) stellt eine minimal-invasive Alternative zum konventionell chirurgischen Klappenersatz dar. Vor allem ältere Risikopatienten profitieren von dieser Methode. Im Rahmen der kumulativen Arbeit wird die Entwicklung dieser Technik vom tierexperimentellen Stadium bis zur Etablierung in die klinische Routine dargestellt. Unter anderem wurden drei neue Klappensysteme erstmalig klinisch angewendet und evaluiert. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Entwicklung der sogenannten Valve-in-Valve Technik. Hierbei wird eine kathetergestützte Prothese innerhalb einer degenerierten biologischen Mitral- oder Aortenklappenprothese verankert. So kann eine konventionelle Re-Operation vermieden werden.

Ein weiterer Fokus lag auf der Weiterentwicklung spezieller bildgebender Verfahren. Zur Auswahl der optimalen Prothesengröße wurde ein CT basierter Algorithmus validiert. Basierend auf einem Softwareprototyp wurde zudem die Anwendung der intraoperativen Rotationsangiographie untersucht. Dieses Konzept erlaubt die Nutzung eines integrierten dreidimensionalen Datensatz als „Live Overlay“ zur besseren Visualisierung der anatomischen Strukturen während der eigentlichen Klappenimplantation.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 23.03.2016

​Dr. med. Carl Bernhard Siegfried Sehm
Einrichtung: Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Abteilung Neurologie, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Neurologie
Habilitationsthema: Neuroplastizität des menschlichen Gehirns: Mechanismen und Modulation mittels nicht-invasiver Hirnstimulation

Einführung in das Thema:
Das menschliche Gehirn ist über die Lebensspanne hinweg zu Veränderungen in Struktur und Funktion fähig. Diese Fähigkeit, Neuroplastizität, bildet die Grundlage von Lernprozessen, etwa des Erlernens motorischer Fertigkeiten, aber auch einer Funktionserholung bei neurologischen Erkrankungen. In den Arbeiten zu meiner Habilitation wurden bildgebende Verfahren, insbesondere die Magnetresonanztomografie (MRT) zur Untersuchung möglicher Veränderungen von Hirnstruktur und –funktion durch motorisches Lernen genutzt. Desweiteren wurden Verfahren nicht-invasiver Hirnstimulation, insbesondere der transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS) genutzt, um motorische und perzeptuelle Lernprozesse zu beeinflussen bzw. zu optimieren und – in Kombination mit funktioneller Neurobildgebung – zugrundeliegende Funktionsveränderungen des Gehirns zu charakterisieren.

  • Wir konnten zeigen, dass das menschliche Gehirn bereits nach kurzer Zeit des Erlernens einer motorischen Aufgabe zu Strukturveränderungen in der Lage ist - bei gesunden jungen Probanden, älteren Probanden aber auch bei neurologisch erkrankten Patienten mit M. Parkinson. Die Patienten zeigten veränderte Reorganisationsmuster, ein Befund der für mögliche kompensatorische Prozesse von lerninduzierter Veränderung im neurologisch erkrankten Gehirn spricht und eine mögliche neuronale Grundlage des positiven Effektes von Trainingsinterventionen bei M. Parkinson darstellt. Zusammenfassend verdeutlichen diese Studien, dass das Gehirn „formbar“ und schnell adaptierend ist, nicht nur im jungen Erwachsenenalter, sondern auch über die Lebensspanne und bei Krankheit.
  • Basierend auf diesen Befunden wurden Studien durchgeführt mit denen untersucht wurde, ob neuroplastische Prozesse mittels nicht-invasiver Hirnstimulation beeinflusst und Lernprozesse verstärkt werden können. Die Arbeiten zeigen, dass die Stimulation kortikaler Hirnareale mit anodaler (erregbarkeitssteigender) tDCS zu einer Verstärkung von Lernprozessen in unterschiedlichen Domänen, Motorik und Sprache, führte.
  • Um die Wirkung der tDCS auf die Hirnfunktion besser zu verstehen wurden Methoden etabliert und angewendet, die eine Charakterisierung von Funktionsveränderungen mittels funktioneller MRT und EEG simultan zur tDCS ermöglichen. Es konnte gezeigt werden, dass über dem primären Motorkortex (M1) applizierte tDCS zu dynamischen Veränderungen der funktionellen Konnektivität des stimulierten M1, aber auch entfernter interkonnektierter Hirnareale führt. Dieser Befund eröffnet ein netzwerkbasiertes Verständnis von tDCS-Effekten als Grundlage für eine zielgerichtete Anwendung bei Patienten mit Hirnnetzwerkveränderungen wie zum Beispiel nach einem Schlaganfall.
​Dr. med. Miloš Fischer
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Habilitationsthema: Bedeutung und technische Weiterentwicklung der diagnostischen und operativen Endoskopie in der HNO-Heilkunde

Einführung in das Thema:
Die Entwicklung der Stablinsenoptiken und der flexiblen Glasfasertechnik sowie die Einführung des Kaltlichts haben dazu beigetragen, dass sich die Endoskopie zu einem unverzichtbaren Untersuchungsverfahren in der HNO-Heilkunde etablieren konnte. Weiteres Entwicklungspotenzial liegt in der Etablierung neuer endoskopischer Verfahren, einschließlich der Entwicklung von für die endoskopische Chirurgie geeigneten Assistenzsystemen.

Die vorliegende Arbeit beschreibt anhand eigener Ergebnisse den Einsatz der Endoskopie als diagnostisches Instrument in der HNO-Heilkunde und schließt hierbei die Entwicklung und Weiterentwicklung endoskopischer Untersuchungsgänge und Operationsverfahren ein. Der Schwerpunkt wird dabei auf die endoskopische endonasale Chirurgie und die Bedeutung des Einsatzes von Assistenzsystemen gelegt.

  • Die endoskopische Diagnostik zur Beurteilung kindlicher obstruktiver Atmungsstörungen konnte zeigen, dass der Grad der dynamischen Obstruktion besser mit dem Ausprägungsgrad der Atmungsstörung korreliert als die alleinige Größenbeurteilung der zugrundeliegenden adenotonsillären Hyperplasie. Das Verfahren der Multipoint-Laservermessung bietet die Möglichkeit der objektiven endoskopischen Vermessung der oberen Atemwege. Trotz technischer Fortschritte konnte bisher die virtuelle Nasen- und Nasennebenhöhlenendoskopie die optische Endoskopie nicht ersetzen. Ihr kommt lediglich eine ergänzende Bedeutung zu. Mithilfe der Oto-Endoskopie können bestehende Nachteile der Binokularmikroskopie ausgeglichen werden, dies kann zur Qualitätsverbesserung z.B. in der Mittelohrchirurgie beitragen. Ferner kann mit miniaturisierten Endoskopen eine Mittelohrinspektion und minimal-invasive Manipulation bzw. Instrumentation erfolgen.
  • Der Einsatz der Endoskopie führt auch zur Erhöhung der symptombezogenen Erfolgsrate in der endonasalen Tränenwegschirurgie im Kindes- und Erwachsenenalter. Assistenzsysteme wie die intraoperative Navigation im Rahmen der endoskopischen endonasalen Chirurgie konnten bisher nicht zu einer nachweisbaren Reduktion der Komplikationsraten führen, jedoch liefern sie weiteres Entwicklungspotenzial, wie am Prinzip navigiert-kontrollierter kraftgetriebener Instrumente gezeigt werden konnte. Desgleichen bieten Telemanipulatoren die Möglichkeit zur assistierten Endoskopführung, die für den Bedarf der endonasalen Chirurgie jedoch noch angepasst werden müssen.
  • Ergänzende optophysikalische Verfahren bieten ferner das Potenzial, die diagnostische Genauigkeit der optischen Endoskopie zu verbessern.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 24.02.2016

Dr. med. Mario Bauer
Einrichtung: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ, Department für Umweltimmunologie, UniversitätLeipzig
Habilitationsgebiet: Experimentelle Umweltmedizin
Habilitationsthema: Umweltmedizinische Risikobewertung von Umweltschadstoffen - Realität oder Vision

Einführung in das Thema:
Aufgrund des permanenten Inverkehrbringens von anthropogen erzeugten Fremdstoffen in den globalen Stoffkreislauf muss davon ausgegangen werden, dass der Mensch bewusst oder mehrheitlich unbewusst mit diesen Stoffen in Berührung kommen kann. Mit einer fundierten personalisierten Risikobewertung zu potenziellen Gesundheitsschäden durch Fremdstoffe muss dieser Mensch-Umwelt-Interaktion Rechnung getragen werden. Voraussetzungen für eine realistische Risikobewertung sind allerdings die genauen Kenntnisse zur Umweltsituation, zum individuellen Phänotyp und zu Mechanismen der Mensch-Umwelt-Interaktion.

Die kumulative Arbeit beschreibt exemplarisch die teils unverstandene Komplexität dieser Teilaspekte.

  • Zur Bedeutung der Umweltsituation konnte die Unvorhersehbarkeit von biologischen Effekten gegenüber der Wirkung von Substanzmischungen beobachtet werden.
  • Zur Bedeutung des individuellen Phänotyps für ein Erkrankungsrisiko konnte gezeigt werden, dass Kleinkinder, die spezielle funktionelle Polymorphismen von Enzymen der Biotransformation besitzen, suszeptibler für eine Erkrankung, deren determinierende Schadstoffexposition in utero wirkte, in der frühen Kindheit sind.
    Neben genetisch-basierten funktionellen Polymorphismen konnte die allgemeine phänotypische Vielfalt noch anhand von häufig vorkommenden Splicevarianten von Enzymen der Biotransformation erweiternd beschrieben werden.
  • Zur Bedeutung der Mechanismen der Mensch-Umwelt-Interaktion konnte erstmals eine Tabakrauchen induzierte Überexpression spezifischer T-Lymphozyten, deren physiologische Rolle ungeklärt blieb, im Blut von Tabakrauchern identifiziert werden.

Zusammenfassend belegt die Schrift die unverstandene Komplexität einer derzeit noch visionären personalisierten Risikobewertung von Umweltschadstoffen.

​Dr. med. Jan Peter Halbritter
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Endokrinologie und Nephrologie - Sektion Nephrologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Innere Medizin
Habilitationsthema: Ziliopathien und andere monogene Ursachen der chronischen Niereninsuffizienz

Einführung in das Thema:
Die chronische Niereninsuffizienz im Endstadium betrifft in Deutschland rund 100.000 Menschen. In ca. 10% der Fälle wird eine monogene Erkrankung als Ursache des chronischen Nierenversagens angenommen. Den größten Anteil daran haben sogenannte Ziliopathien. Diese bezeichnen eine Reihe von hereditären Erkrankungen, die auf mutierten ziliären oder zentrosomalen Genen beruhen. Die häufigste Ziliopathie ist die autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD). Eine seltenere Form ist die Nephronophthise (NPHP), welche autosomal-rezessiv vererbt wird und sich gewöhnlich im Kindes- und Jugendalter manifestiert. Wie alle Ziliopathien ist auch die NPHP eine Systemerkrankung, die häufig mit extrarenalen Organbeteiligungen (e.g. Retinitis pigmentosa, Leberzirrhose, Kleinhirnatrophie) assoziiert ist. Die NPHP zeichnet sich durch eine enorme genetische Heterogenität aus: seit der Entdeckung des NPHP1-Gens im Jahre 1997 sind bis heute 19 verschiedene NPHP-Krankheitsgene identifiziert worden (NPHP1 – NPHP19). Die vorliegende Arbeit fasst die erfolgreiche Identifikation mehrerer neuer NPHP-Gene mittels eines innovativen Mutationsanalyseverfahrens zusammen.

Unter Anwendung dieses Verfahrens wurden zudem die monogenen Formen der Nierensteinbildung hinsichtlich ihrer Prävalenz untersucht.

Die molekulargenetische Diagnostik mit dem Ziel der umfassenden Detektion zugrundeliegender monogener Erkrankungen hält aufgrund ihrer rasanten Entwicklung in den letzten 20 Jahren zunehmend Einzug in die klinische Praxis. Sinnvoll eingesetzt, repräsentiert sie ein wertvolles Werkzeug zur

  • Verifizierung und Stratifizierung der klinischen Diagnose,
  • Abschätzung der Krankheitsprognose und
  • Entwicklung zielgerichteter Therapieverfahren.
Dr. med. univ. Dr. med. Jedrzej Kosiuk
Einrichtung: Abteilung für Rhythmologie, Herzzentrum Leipzig GmbH - Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Innere Medizin und Kardiologie
Habilitationsgebiet: Catheter ablation of atrial fibrillation in distinct patient subgroups

Einführung in das Thema:
Die katheter-basierte Hochfrequenzablation von Vorhoflimmern hat sich zur Standard-Zweitlinientherapie für Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern entwickelt. Nichtsdestotrotz sind die Erfolgsraten, Erfolgsprediktoren, potenzielle zusätzliche nicht auf Rhythmustherapie beschränkte klinische Vorteile, sowie periinterventionelle Komplikation in speziellen Patientenkollektiven nicht ausreichend untersucht worden.

Die vorliegende Habilitationsschrift gliedert sich in vier Schwerpunkte:

  1. Beschreibung der Erfolgsrate und klinischen Vorteile der Vorhofflimmerablation bei Patienten mit strukturellen Kardiomyopathien
  2. Identifizierung von echokardiografischen Erfolgsprediktoren und potenziellen Spätfolgen einer extensiven linksatrialen Ablation bei Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz
  3. Darstellung von Erfolgsaussichten und elektrophysiologischen Eigenschaften bei Patienten mit metabolischem Syndrom
  4. Untersuchung der Häufigkeit und Risikofaktoren von periinterventionellen thromboembolischen Komplikationen der Ablationsprozedur.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 26.01.2016

​Dr. med. Matthias Preuß
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Neurochirurgie
Habilitationsthema: Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie der hydrozephalen Hirnwasserzirkulationsstörungen

Einführung in das Thema:
Die Hirnwasserzirkulation sollte als ein Kreislauf der Gesamtheit der intrakraniellen und spinalen Wasserkompartimente – des Liquors und des interstitiellen Wassers – verstanden werden. Hierdurch und durch die Beachtung der pulsatilen Eigenschaften des zentralen Nervensystems kann näherungsweise ein Verständnis für die komplexen Veränderungen erzielt werden, welche sich unter anderem im Symptom «Hydrocephalus» manifestieren.

Das Verständnis für Hydrocephaluserkrankungen als komplexe Störung der Pulsatilität und der Zirkulation sowie als Versagen von Regulationsmechanismen löst zunehmend die rein mechanistischen Vorstellungen ab. Ein normaler intrakranieller Druck schließt keine hydrocephale Hirnwasserzirkulationsstörung aus!
In der vorgelegten Arbeit wurden neben pathophysioligschen Aspekten vor allem auch therapeutische Konzepte untersucht: Die Aquäduktstenose kann in vier Subtypen klassifiziert werden:

  • der kongenitale Typ (< 2. Lebensjahr)
  • der juvenil-chronische Typ (2-15. Lebensjahr)
  • der latent akute Typ (> 15-45 Jahre) und
  • der chronische Typ (Normaldruckhydrocephalustyp, > 40 Jahre).

Hierbei finden sich neben unterschiedlichen Raten des Rückgangs der Ventrikelweite auch Unterschiede im neurologischen Outcome zwischen endoskopisch und konventionell behandelten Patienten. Die sollte künftig in der Wahl der optimalen Therapie Berücksichtigung finden und weiterführend evaluiert werden.

Bei der Diagnostik des Normaldruckhydrocephalus als chronische Form des Hydrocephalus ist die probatorische Lumbaldrainage und klinische Testung des Patienten die einfachste und dennoch effektivste Diagnostik zur Therapieentscheidung. Die Prognose des Patienten ist vor allem von den bestehenden kognitiven Störungen abhängig.

Die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten des Hydrocepahlus sind rein neurochirurgischer Natur im Sinne von inneren oder externen Modifikationen der Zirkulation durch endoskopische Verfahren oder Ableitungsoperationen, welche jedoch keine kausale und ursächliche Therapie darstellen. Zukünftig sollten vor allem Anstrengungen darauf fokussiert werden, die Entstehung pathologischer Zustände gezielt zu verhindern oder zu behandeln.

​Dr. med. Haifa Kathrin AI-Ali, M.B. ; Ch.B. (Univ. Bagdad)
Einrichtung: Selbstständige Abteilung für Hämatologie und Internistische Onkologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Innere Medizin und Hämatologie und Internistische Onkologie
Habilitationsthema: Therapeutic strategies to improve treatment outcome in acute myeloid leukemia

Einführung in das Thema:
Die Therapie der akuten myeloischen Leukämie (AML) ist eine große Herausforderung. Die unbefriedigende Überlebenswahrscheinlichkeit nach Chemotherapie insbesondere bei älteren Patienten ist auf hohe Mortalitäts- und Rezidivraten zurückzuführen.

In dieser kumulativen Habilitation wird ein Konzept vorgestellt, welches ein höheres Ansprechen durch neue Therapien ermöglichen und gleichzeitig eine geringere Toxizität als herkömmliche Chemotherapien aufweisen soll. Dies ist insbesondere für ältere Patienten geeignet, soll aber auch bei jüngeren Patienten Anwendung finden. Zu Grunde dieses Konzepts liegt die Tatsache, dass bei akuten Leukämien eine abnorme Genmethylierung (u.a. auch Suppressorgene) häufig vorliegt, die eine Aktivierung von Genen verhindert. Mittels der hypomethylierenden Substanz Azacitidin erscheint die epigenetische Modulation ein vielversprechender Therapienasatz zu sein. Die Methylierung von “long interspersed elements” (LINE-1) und frühe Reduktion der Knochenmarkblasten haben wir als frühe Ansprechprädiktoren erkannt. Ferner haben wir den Stellenwert immunologischer Mechanismen, wie die allogene haematopoietische Stammzelltransplantation (HCT), zur Verbesserung des Überlebens bei jüngeren Patienten mit hochrisiko AML optimiert.

Schwerpunkt der Arbeit war aber auch die Erweiterung der Transplantationsindikation auf ältere Patienten durch die Einführung der HCT nach reduzierter Konditionierung (RIC-HCT). Trotz nun langanhaltender Remissionen durch den „Graft-versus-Leukämie“ Effekt, bleibt das Rezidiv die Haupttodesursache bei der AML. Die Bestimmung der minimalen Resterkrankung (MRE) und Steuerung der immunsuppressiven Therapie nach HCT sollte dies reduzieren. Es wurde der Spenderchimärismus in sortierten CD34+ Zellen, ein Spender- und nicht AML-spezifischer Marker, als MRE erfolgreich eingesetzt. Eine Verbesserung der Langzeitergebnisse durch Minimierung der therapiebedingten Komplikationen nach HCT wurde durch steroidsparende Behandlungen bei der „Graft-versus-Host” Erkrankung (GvHD) erreicht und Untersuchungen über den Eisenstoffwechsel eingeleitet. Bei einem bisher nicht so bekannten, negativen Einfluss des Eisenstoffwechsels auf das Überleben nach HCT haben wir in klinischen Studien die Sicherheit / Machbarkeit der depletiven Eisentherapien getestet. Die Berücksichtigung der patienten-, leukämie- und therapiespezifischen Charakteristika wird zur Verbesserung der Prognose bei AML führen.

​MUDr. Ivan Matia, Ph.D.
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Gefäßchirurgie
Habilitationsthema: Immunosuppression with tacrolimus after experimental and clinical allovessel transplantation

Einführung in das Thema:
Arterial and venous allografts are used for vascular reconstruction in specific indications. The indication and type of postoperative immunosuppression in these patients is still not clear. The drug most frequently used worldwide is cyclosporine A.
Tacrolimus is a newer and more potent immunosuppressive drug that is routinely used in renal and liver transplant patients. Tacrolimus shows advantages, compared to cyclosporine A, with respect to hypertension, dyslipidaemia, and renal function in transplant patients.
Consequently, we investigated the effect of different tacrolimus immunosuppressive protocols on cell- and antibody-mediated rejection of arterial and venous allografts, using a Brown-Norway rat to Lewis rat experimental allograft model.

We demonstrated that tacrolimus inhibited donor-specific anti-MHC class I and anti-MHC class II antibody production as well as antibody- and cell-mediated destruction of aortic allografts, even when administrated from day 7 posttransplant.
We also confirmed that immunosuppression with tacrolimus was sufficient to inhibit rejection of venous allografts and facilitates adaptation of venous allografts to arterialisation in a rat model.
Our experimental results led us to introduce a new immunosuppressive protocol in human patients, and we found that delayed use of tacrolimus after replacement of an infected vascular prosthesis by arterial allograft showed good results.
Moreover, we initiated use of a standardised tacrolimus immunosuppressive protocol in patients after limb-salvage procedures with venous allografts.
Finally, we were also able to demonstrate the efficacy and safety of the use of cold-stored arterial allografts in the treatment of arterial occlusive disease or abdominal aortic aneurysm simultaneously with renal transplantation.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 17.11.2015

Dr. rer. nat. Markus Eszlinger
​Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Endokrinologie und Nephrologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Experimentelle Medizin
Habilitationsthema: Die molekulare Diagnostik von zytologisch indeterminierten Schilddrüsenknoten unter Verwendung von Routinezytologiematerial

Einführung in das Thema:
Während Schilddrüsenknoten häufige klinische Befunde darstellen, ist die Inzidenz von Schilddrüsenkarzinomen niedrig. Deshalb erfordern Patienten mit Schilddrüsenknoten evidenzbasierte Strategien zur Differentialdiagnose und Risikostratifizierung für Malignität.

Die Feinnadelaspirationszytologie (FNAZ) stellt dabei die Methode mit der höchsten Sensitivität und Spezifität zur Unterscheidung benigner und maligner Knoten dar. Jedoch treten auch unter optimalen Bedingungen ca. 20% indeterminierte Ergebnisse auf. Diese unbefriedigende Situation ist hauptsächlich auf eine inhärente Limitierung der FNAZ zurückzuführen: Bei indeterminierten FNAZ Proben kann nicht zwischen follikulären Adenomen, adenomatösen Hyperplasien, follikulären Karzinomen und der follikulären Variante des papillären Karzinoms unterschieden werden. Deshalb müssen Patienten mit dieser Zytologiediagnose einer diagnostischen Operation unterzogen werden, die in ca. 20% der Fälle Malignität nachweisen kann. Das heißt, 80% der FNAZ, die als indeterminiert klassifiziert wurden, werden einer unnötigen Thyroidektomie unterzogen. Mit der Entdeckung von somatischen Mutationen in ca. 60% der Schilddrüsenkarzinome eröffneten sich neue Perspektiven für die Diagnose von Schilddrüsentumoren. In allen bisherigen Studien, die das FNAZ Defizit durch die Detektion von mehr als 2 Mutationen zu verbessern versuchten, wurde zusätzlich gewonnenes FNA Material verwandt. Allerdings hat nur die Verwendung des Routine-FNAZ-Materials entscheidende Vorteile: z.B. exakt dasselbe Material, welches vom Zytologen untersucht wurde, wird für die molekulare Analyse verwandt und eine fokussierte molekulare Diagnostik wird nur für die Proben durchgeführt, die nicht zytologisch klassifiziert werden konnten.

Aus diesen Gründen wurde in der vorliegenden Arbeit eine Methode zum Nachweis von BRAF, RAS, RET/PTC und PAX8/PPARG Mutationen unter Verwendung von Routine-FNAZ etabliert und deren diagnostische Bedeutung in zwei unterschiedlichen Kollektiven analysiert. Darüber hinaus wurden miRNA Klassifikatoren identifiziert, die in mutations¬negativen Proben zu einer Verbesserung der präoperativen Diagnostik beitragen können. Zukunftsperspektivisch wird die Analyse einer erweiterten Gruppe von Mutationen und die Quantifizierung von miRNA Klassifikatoren in erhöhten negativ und positiv prädiktiven Werten resultieren, welche eine höhere Zahl primärer Thyreoidektomien für positive Testergebnisse und Nachbeobachtung anstelle von diagnostischen Thyroidektomien für negative Testergebnisse erlauben sollte.

​Dr. med. Hans Peter Iseli
​Einrichtung: Limmat Augenzentrum AG, Zürich; Gastwissenschaftler an der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Augenheilkunde
Habilitationsthema: Kollagenvernetzung der Sklera – Tierexperimentelle Studien

Einführung in das Thema:
Kurzsichtigkeit (meist bedingt durch ein zu starkes Augenwachstum in der Pubertät) wird zurzeit mit refraktiven Eingriffen (Veränderung der Hornhaut und somit der Optik) korrigiert. Starke Kurzsichtigkeiten und damit auch begleitende Risiken der Netzhaut (Risiko von Netzhautablösungen, Risiko von myopen Makuladegenerationen) können bisher kaum verhindert bzw. reduziert werden.

Die Technik des Crosslinkings (Versteifung von Gewebe mit Riboflavin und UV-Licht) bietet sich auch zur Versteifung der Sklera an. Mit einer Versteifung, so die Idee, könnte eventuell das Augenwachstum und somit die Progression der Myopie reduziert, wenn nicht gar gestoppt werden. Ziel dieser Arbeit war es, diesen neuen Behandlungsansatz mit einer angepassten Lichtquelle (Blaulicht an Stelle von UV-Licht) zu prüfen.

In Tierexperimenten (Kaninchen) wurde zunächst die Schwelle für die Schädigung von Augengewebe (v.a. Sklera, Chroidea und Netzhaut) bei Anwendung von Riboflavinlösung 0,5% und Blaulicht an der Sklera untersucht. In einem weiteren Schritt wurde die biomechanische Antwort der Sklera auf die Behandlung mit verschiedenen Lichtintensitäten mittels rheologischen Messungen bestimmt. Mit dem Wissen um die Schadensschwelle und die biomechanische Wirksamkeit wurden nun Augen junger Kaninchen in der Augenwachstumsphase mit den geeigneten Parametern behandelt und das Augenwachstum drei Wochen und 23 Wochen nach Behandlung mit Kontrollaugen verglichen. Gemäss unseren Resultaten lässt sich das Augenwachstum durch die Behandlung nachhaltig verzögern. Damit wird die Augenlänge des behandelten Auges im Vergleich zum Partnerauge kürzer und damit weniger kurzsichtig. Durch geeignete Parameterwahl wäre in Zukunft auch ein Stoppen des Augenwachstums denkbar.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 06.10.2015

Dr. med. Dr. med. dent. Heike Hümpfner-Hierl
Einrichtung: Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie
Habilitationsthema: Biomechanische Untersuchungen zur Traumatologie des Mittelgesichts und der Orbita sowie zur anatomisch-funktionellen Versorgung von Orbitawandfrakturen

Einführung in das Thema:
In der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sind Frakturen des Mittelgesichts und der Orbita von hoher klinischer Relevanz. Aufgrund der komplexen anatomischen Gegebenheiten ist es notwendig, valide biomechanische Modelle zur Verfügung zu haben, um Spannungsverläufe bei Auftreffen einwirkender Kräfte und Frakturen simulieren zu können. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde zunächst ein sehr genaues Finite-Elemente-Modell des Schädels ohne Unterkiefer entwickelt. Im weiteren wurden mithilfe dieses Modells verschiedene traumatologische Szenarien gegen die Stirn, das Mittelgesicht und die Orbita transient dynamisch simuliert, die Ergebnisse analysiert und mit der klinischen Realität verglichen. Es zeigte sich, dass die Ergebnisse der Simulationen mit typischen klinischen Frakturmustern übereinstimmen. Mithilfe der Finite-Elemente-Analysen konnten verschiedene Fragestellungen, wie das Auftreten von Erblindungen nach Stirntrauma, Einfluss von Weichgewebe, Zusammenhang zwischen Mittelgesichtsfrakturen und intrakraniellen Verletzungen und Mechanismen der Entstehung von Orbitawandfrakturen beantwortet werden.

Weiterhin wurde eine aus insgesamt 131 computertomografischen Aufnahmen des Gesichtsschädels berechnete Durchschnittsorbita generiert. Kommerziell erhältliche präformierte Titangitter, die zur Versorgung von Orbitawandfrakturen Anwendung finden, wurden mit der Durchschnittsorbita verglichen. Des weiteren soll sie dazu dienen, Hilfsmittel zur Verbesserung der Adaptation von Titangittern herzustellen. Ziel der Finite-Elemente-Simulationen sowie der Erstellung der Durchschnittsorbita ist die Optimierung der operativen Versorgung.

​Dr. med. Thomas Karlas
Einrichtung: Department für Innere Medizin, Neurologie und Dermatologie, Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Innere Medizin
Habilitationsthema: Analyse der Gewebeelastizität bei Lebererkrankungen: Etablierung und Anwendung Ultraschall-basierter Verfahren

Einführung in das Thema:
Weltweit ist eine zunehmende Prävalenz chronischer Lebererkrankungen zu verzeichnen. Im Krankheitsverlauf kann es zu einem Umbau des Leberparenchyms kommen, der als Fibrose bezeichnet wird. Die Leberzirrhose stellt den Endpunkt dieses Prozesses dar und führt aufgrund ihrer Komplikationen zu einer deutlich reduzierten Lebenserwartung. Die Leberbiopsie ist die Referenzmethode für die Ermittlung des Fibroseausmaßes, ist aber potenziell risikobehaftet und erlaubt keine engmaschigen Kontrollen im Krankheitsverlauf. Daher werden nicht invasive, risikoarme und effizient anwendbare Methoden zur Charakterisierung des Leberparenchyms benötigt.

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist Evaluation Ultraschall basierter Methoden zur Messung der Gewebesteifigkeit (= Elastografie), die sich die Korrelation von Gewebehärte und fibrotischem Parenchymumbau zu Nutze machen. Techniken wie die Transiente Elastografie (TE) und die auf dem Acoustic Radiation Force Impulse  Imaging (ARFI) basierende Point Shear Wave Elastografie berechnen die Gewebeelastizität anhand des Ausbreitungsverhaltens mechanischer Impulse im Gewebe. Die Ergebnisse korrelieren mit dem histologisch ermittelten Fibrosegrad und weisen eine hohe diagnostische Güte für die Detektion der fortgeschrittenen Fibrose und Leberzirrhose auf. Das breite Spektrum der Lebersteifigkeit erlaubt zudem eine Beurteilung des Risikos für Folgekomplikationen der Leberzirrhose. Neben der Analyse der Gewebesteifigkeit bieten Ultraschall basierte Verfahren auch die Möglichkeit, den Grad der Leberzellverfettung (Steatose) nicht invasiv zu untersuchen. Im Hinblick auf die steigende Prävalenz des metabolischen Syndroms und seiner hepatischen Manifestation, der nicht alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD), hat die Quantifizierung des Leberfettgehalts sowohl für die klinische Forschung als auch für Diagnostik und Therapie betroffener Patienten eine wachsende Bedeutung.

Zukünftig können die in der Habilitationsschrift diskutierten nicht invasiven Methoden dazu beitragen, individualisierte und effiziente Behandlungskonzepte für chronische Lebererkrankungen zu etablieren.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 09.09.2015

​Dr. med. Chirojit Mukherjee, MBBS, M.D.
Einrichtung: HELIOS Klinik für Herzchirurgie Karlsruhe, Abteilung Anästhesie;
bis 04/2015 Herzzentrum Leipzig, Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Anästhesiologie und Intensivmedizin
Habilitationsthema: Transcatheter and minimal invasive mitral valve surgery (MIMVS): Current implications, perioperative surgical and anesthetic considerations and imaging modalities to avert complications, with special emphasis on transcatheter aortic valve replacement (TAVR)

Einführung in das Thema:
Der Einsatz von kathetergestützten Verfahren wächst exponentiell. Gründe hierfür sind zum einen die minimalinvasive Technik und zum anderen die Möglichkeit, eine Klappe ohne den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine mit all ihren Nachteilen zu ersetzen. Seit der Einführung der kathetergestützten Aortenklappenimplantation (TAVR) im Jahre 2002 als alternative Behandlungsmethode für Hochrisikopatienten mit symptomatischer Aortenklappenstenose und schwerwiegenden Begleiterkrankungen erfuhr die medizinische Welt eine neue Ära der Entwicklung von verschiedenen Klappentypen und deren Implantationssystemen.
Die immer weiter fortschreitende Miniaturisierung der Systeme führte zur einer höheren Erfolgsrate, verbessertem Outcome und einer stetig sinkenden Komplikationsrate. Wichtig für den Entscheidungsprozess und die Auswahl des richtigen Zeitpunktes der Intervention sind Kenntnisse über Pathophysiologie der Aortenklappenstenose.

Patienten, die für eine TAVR in Frage kommen, haben typischerweise multiple andere Erkrankungen, sodass ein operativer Aortenklappenersatz oft ein zu hohes Risiko birgt. Die prä- und intraoperative Bildgebung ist von essentieller Bedeutung für die Bestimmung der Aortenklappenringgröße, für den Informationsgewinn während der Intervention sowie für die postinterventionelle Beurteilung der implantierten Klappe und der angrenzenden Strukturen. Es liegen derzeit noch keine schlüssigen Daten über Verfahrensfragen, Haltbarkeit der Klappen oder Langzeitergebnisse vor. Aus diesem Grund sollte diese Technologie vorerst nicht bei jüngeren Patienten angewendet werden.

Die minimalinvasive Mitralklappenchirurgie (MIMVS) ist ein weiteres Verfahren, das sich in der letzten Dekade als alternative Behandlungsmethode für Hochrisikopatienten etabliert hat. Ziele der MIMVS sind

  • geringere postoperative Schmerzen,
  • verkürzte Krankenhausaufenthaltsdauer,
  • ein besseres kosmetisches Ergebnis und
  • reduzierte Kosten.

Das Hauptziel der Verringerung des Traumas wird zum einen durch die minimalinvasive Technik und zum anderen durch die effektive Zusammenarbeit von Chirurgie, Anästhesie und Kardiotechnik erreicht. Das Verfahren stützt sich hauptsächlich auf videoassistierte direkte Visualisierung des Herzens. Die prä- und postoperativen Befunde werden durch die indirekte Bildgebung der Echokardiografie beurteilt. Deshalb spielt die Bildgebung eine wichtige Rolle, um zufriedenstellende Resultate zu erreichen.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der individualisierten chirurgischen und anästhesiologischen Herangehensweise, um ein optimales Ergebnis für die Patienten zu erzielen. Sie beschreibt die verschiedenen chirurgischen Methoden der TAVR und MIMVS und unterstreicht die Bedeutung der bildgebenden Verfahren, um Komplikationen bei diesen sehr von der Bildgebung abhängigen kardiochirurgischen Prozeduren zu vermeiden.

Dr. rer. nat. Kerstin Hill
​Einrichtung: Rudolf Boehm Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Pharmakologie und Toxikologie
Habilitationsthema: Biological function and pharmacological modulation of transient receptor potential (TRP) ion channels TRPM2, TRPA1, and TRPC5

Einführung in das Thema:
Die Superfamilie der TRP-Kationenkanäle (TRP, Abk. für „transient receptor potential“) ist eine der größten Ionenkanalfamilien. TRP-Kanäle sind ubiquitär in erregbaren und nicht erregbaren Zellen exprimiert und nehmen im Organismus vielfältige physiologische Funktionen wahr. Darüber hinaus sind TRP-Kanäle aber auch an der Entstehung pathophysiologischer Zustände beteiligt. Für einige Vertreter dieser Kanalfamilie, allen voran TRPV1, ist die physiologische Funktion relativ gut aufgeklärt. TRPV1-selektive Inhibitoren konnten bereits identifiziert werden und befinden sich in unterschiedlichen Phasen klinischer Studien. Über viele andere TRP-Kanäle ist weitaus weniger bekannt.

Die Habilitationsschrift beschäftigt sich mit der Pharmakologie und einer möglichen physiologischen und pathophysiologischen Funktion von drei verschiedenen TRP Kanälen, TRPM2, TRPA1 und TRPC5, die auch die drei thematischen Schwerpunkte bilden.

  • Der erste Teil klärt Mechanismen der TRPM2-Aktivierung durch oxidativen Stress auf und beschäftigt sich mit der pharmakologischen Modulation des Kanals durch neu identifizierte Inhibitoren. Darauf aufbauend wird die Charakterisierung von TRPM2-Strömen in neuronalen Zellen beschrieben und die Bedeutung von TRPM2 bei ischämischen Prozessen im ZNS diskutiert.
  • Im zweiten Teil wird eine mögliche Rolle von TRPA1 bei der Vermittlung unerwünschter Arzneimittelwirkungen untersucht. Es wird diskutiert, ob eine direkte Aktivierung von TRPA1 in sensorischen Neuronen bzw. neuroendokrinen Zellen des Gastrointestinaltraktes durch Pharmaka an der Entstehung von Schmerzen bzw. gastrointestinalen Beschwerden beteiligt sein könnte.
  • Im letzten Teil der Arbeit wird die Identifizierung und Validierung von neuartigen Stoffen beschrieben, die die Aktivität von TRPC5 modulieren. Mithilfe dieser Modulatoren konnten native TRPC5-Ströme charakterisiert werden.

TRPC5 stellt eine vielversprechende Zielstruktur für die Entwicklung neuartiger Therapiekonzepte für verschiedene Krankheiten, wie Angststörungen oder Nierenschädigungen dar. Die neu identifizierten Wirkstoffe erlauben die akute Modulation von TRPC5-Kanälen und eröffnen somit die Möglichkeit, bisher unerkannte, da kompensierte Funktionen von TRPC5 zu erkennen. Darüber hinaus bieten die Modulatoren vielversprechende Ansatzpunkte für die Entwicklung hochselektiver Blocker, die zukünftig zur Therapie TRPC5-assoziierter Erkrankungen einsetzbar sein könnten.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 14.07.2015

Dr. med. Jan Darius Unterlauft
​Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Augenheilkunde
Habilitationsthema: Die Glaukome: Diagnostik, Therapie und Neuroprotektion

Einführung in das Thema:
Bei den Glaukomen handelt es sich um eine heterogene Gruppe von Augenerkrankungen, denen eine zunehmende Degeneration der retinalen Ganglienzellen und des Sehnerven gemeinsam ist. In der vorgelegten Habilitationsarbeit werden Untersuchungsergebnisse auf verschiedenen Teilgebieten der klinischen und experimentellen Glaukomatologie zusammengefasst.

  • Der Einfluss einer die Hornhaut des Auges verformenden Erkrankung auf die applanatorische Augendruckmessung wurde untersucht und konnte als gering eingestuft werden.
  • Außerdem konnte gezeigt werden wie stark sich die Architektur des vorderen Augenabschnittes beim akuten Winkelblock(glaukom) nach therapeutischer punktueller Durchtrennung der Regenbogenhaut (Iridotomie) verändert.
  • Darüber hinaus wurde die Wirksamkeit einer neuen laserchirurgischen Operationsmethode (Pattern-Laser-Trabekuloplastik) zur Senkung des Augeninnendrucks beim Offenwinkelglaukom untersucht.
  • Abschließend wurden die experimentellen Ergebnisse zur neuroprotektiven Wirkung des Pigmentepithel-assoziierten Faktors (PEDF) vorgestellt. Hier konnten mittels Zellkulturversuchen an primären retinalen Ganglienzellen die neuroprotektiven Eigenschaften von PEDF und die Wirkungsweise über verschiedene intrazelluläre Signalwege nachgewiesen werden.
Dr. med. Dr. rer. medic. Dr. rer. biol. hum. Andreas Oberbach, M.P.H.
Einrichtung: Abteilung für Herzchirurgie, Herzzentrum Leipzig GmbH - Universitätsklinik Leipzig
Habilitationsgebiet: Experimentelle Chirurgie
Habilitationsthema: Proteom-Analysen komplexer Erkrankungen in der experimentellen Chirurgie: Beiträge zur translationalen Adipositasforschung

Einführung in das Thema:
Die Ausbreitung der Volkskrankheit Adipositas und deren Komorbiditäten haben im vergangenen Jahrzehnt pandemischen Charakter angenommen. Insbesondere die metabolische Chirurgie gelangt zunehmend in den Fokus interdisziplinärer Forschungsanstrengungen.
Die vorliegende Habilitationsarbeit befasst sich mit der Suche nach kausalen Zusammenhängen zwischen den Erfolgen der metabolischen Chirurgie und den molekularen Regelmechanismen in den Bereichen:

  • urologische Erkrankungen
  • funktionales Metaproteom der Mikrobiota
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die Proteomik wurde in der vorliegenden Arbeit in verschiedenen Untersuchungen angewandt, um grundlagenwissenschaftliche Erkenntnisse zu generieren oder metabolisch-chirurgische Intervention im Hinblick auf ihre Wirksamkeit zu erforschen.
Die Forschungsergebnisse geben Einblicke in die Pathophysiologie der Adipositas-assoziierten Harnblasenfunktionsstörungen. Hierbei kommt der freien gesättigten Fettsäure Palmitat eine besondere Rolle in der Ausprägung und Entwicklung einer verminderten Kontraktionsfähigkeit der Harnblase sowie den Symptomen einer überaktiven Blase zu. Die chronische Entzündung der Harnblase wird begleitet von einer gesteigerten Fibrosierung des Harnblasengewebes, deren Ausprägungsgrad durch bariatrisch- chirurgische Interventionen reversibel gestaltet werden kann.

Die chronische Entzündungsreaktion ist ein wesentlicher Begleitfaktor der Adipositas und unterliegt einer Vielzahl von inneren und äußeren Einflüssen. Hierbei können Veränderungen der Darmmikrobiota Entzündungsreaktionen im Organismus provozieren. Untersuchungen der Darmflora (Mikrobiom) belegen einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Ausprägung der Adipositas und der Zusammensetzung der Mikroorganismen. Diese Erkenntnisse wurden wegweisend durch Genomanalysen erarbeitet. Die Untersuchung des Mikrobioms auf Proteinebene gestattet zusätzlich zur Identifikation von Bakterien, die Beschreibung des bevorzugten Stoffwechsels der Bakterien und gibt somit tiefere Einblicke in die Regulation der Darmflora. Vertiefende Forschungsansätze untersuchen den Stickstofffluss isotopenmarkierter Proteine in die Mikroflora. Durch diese Methode ist es möglich, stoffwechselaktive Bakterien zu identifizieren und den Einfluss bariatrischer Chirurgie auf das funktionelle Mikrobiom der Darmflora zu prüfen.

Es zeichnet sich zunehmend ab, dass die Darmflora unter dem Einfluss der Adipositas auch die kardio­metabolische Gesundheit beeinflusst. All diese Zusammenhänge werden bis zum heutigen Tag jedoch nur unzureichend verstanden und weitere Forschungsanstrengungen sind notwendig um die Wirkung der bariatrischen Chirurgie auf den Organismus zu prüfen.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 23.06.2015

Dr. rer. nat. Manuela Rossol
Einrichtung: Department für Innere Medizin, Neurologie und Dermatologie, Sektion Rheumatologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Experimentelle Rheumatologie
Habilitationsthema: Inflammatorische Dysregulation der Monozyten in Patienten mit rheumatoider Arthritis

Einführung in das Thema:
Monozyten zirkulieren im peripheren Blut und gehören zum angeborenen Immunsystem. Diese Zellen spielen eine große Rolle im Entzündungsgeschehen und sie produzieren das für die Pathogenese der rheumatoiden Arthritis wichtige Zytokin TNF. Die experimentellen Untersuchungen der vorliegenden Habilitationsarbeit widmeten sich den Fragestellungen, ob es Veränderungen im Monozyten-Kompartment gibt, welche funktionellen Konsequenzen dies hat und welche Rolle Monozyten in der Pathogenese der Autoimmunerkrankung rheumatoide Arthritis (RA) spielen. Die Ergebnisse der experimentellen Untersuchungen lassen folgende Aussagen zu:

  • In RA-Patienten sind die monozytären Subpopulationen intermediäre Monozyten und die CD56+ Monozyten expandiert. Beide Subpopulationen zeichnen sich durch eine erhöhte Produktion pro-inflammatorischer Zytokine aus, außerdem begünstigten intermediären Monozyten die Expansion von Th17 Zellen, welche eine Rolle in der RA Pathogenese spielen.
  • RA Monozyten zeigten in Kultur ein erhöhtes Überleben, was durch die pathologische Produktion von IL-1β und dessen autokrine Wirkung verursacht wurde. mTNF reverse signaling normalisierte diese dysregulierte von IL-1β Produktion und das erhöhte Überleben.
  • Im dritten Schwerpunkt wurden zwei wichtige monozytäre Gene, DNASE2 und CCR5, in genetischen Assoziationsstudien hinsichtlich ihrer Relevanz in der Pathogenese der RA untersucht. Eine Deletion im CCR5 Gen und der einhergehenden Nichtfunktionalität des Proteins, war protektiv für RA, besonders für erosive RA und RA mit extraartikulären Manifestationen. SNPs in der 5’-regulatorischen Region des DNASE2 Gens waren mit RA assoziiert.
  • Im letzten Schwerpunkt wurde untersucht, ob eine Erhöhung der extrazellulärem Kalziumionenkonzentration als Danger-Signal auf Monozyten wirkt. Kalziumionen wurden von sterbenden Zellen freigesetzt, von zwei G protein-gekoppelten Rezeptoren erkannt, und aktivierten das Nlrp3 Inflammasom in Monozyten, was zur massiven IL-1β Freisetzung führte. Die Kalziumionen-Konzentration kann in Entzündungsherden erhöht sein, möglicherweise auch im erosiven Geschehen im Gelenk von RA-Patienten.
​Dr. med. Maria Strauß
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Psychiatrie und Psychotherapie
Habilitationsthema: Klinische Differenzierung depressiver Episoden

Einführung in das Thema:
Depressive Störungen gehören weltweit zu den häufigsten und folgereichsten Erkrankungen. Ätiologisch wird von einer multifaktoriellen Genese ausgegangen, mit neurobiologischen, genetischen, umweltbedingten und psychologischen Aspekten.

Die diagnostische Einordnung depressiver Erkrankungen erfolgt symptombezogen und gemäß den etablierten Klassifikationssystemen mittels einer phänomenologisch-deskriptiven Einschätzung, ohne Bezug auf ätiologische Faktoren der Erkrankung. Die breite und variable Symptomkonstellation depressiver Erkrankungen impliziert jedoch auch darüber hinaus existierende klinische Subgruppen und Endophänotypen.

Diese Arbeit legt in kumulativer Form Ergebnisse einer klinischen Charakterisierung depressiver Patienten vor, welche unter Berücksichtigung bislang nicht beachteter klinischer Merkmale erfolgt. Inhaltlich beschäftigt sich die Arbeit unter anderem mit der Reliabilitätsprüfung des klinischen Instrumentes „Onset-of-Depression-Inventory“ (ODI), welches zur systematischen Erfassung der klinischen Merkmale Geschwindigkeit des Depressionsbeginns und der Rückbildung depressiver Episoden konzipiert wurde. Einen weiteren besonderen Schwerpunk bildet die klinische Differenzierung zwischen Patienten mit uni- und bipolarer Depression. Ferner wird auf die klinische und wissenschaftliche Bedeutung des Instrumentes ODI eingegangen.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 19.05.2015

Dr. rer. nat. Yvonne Böttcher
Einrichtung: Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen, Universitätsmedizin Leipzig
Habilitationsgebiet: Experimentelle Medizin
Habilitationsthema: Adipositas und Fettverteilung: Genetische und Epigenetische Analysen

Einführung in das Thema:
Adipositas ist eine komplexe Erkrankung, die weltweit epidemische Ausmaße angenommen hat. Eine besondere Rolle bei der Ausprägung metabolischer Komplikationen kommt dabei der individuellen Fettverteilung zu. Vermehrte Akkumulation viszeralen Fettgewebes führt häufig zu Ko-Morbiditäten wie Typ 2 Diabetes, kardiometabolischen Erkrankungen oder schließlich zum metabolischen Syndrom.

Die vorliegende Habilitationsarbeit befasste sich neben genetischen Analysen auch mit epigenetischen Mechanismen, die höchstwahrscheinlich komplexe Gen-Umwelt-Interaktionen beschreiben und die Ätiologien von Adipositas und Fettverteilung beeinflussen können. Insbesondere denkbar sind hierbei post-translationale epigenetische Modifikationen, wie DNA-Methylierungen, Histon-Modifikationen und damit verbundene Veränderungen der Chromatinstruktur. Die in der vorliegenden Habilitation zusammengefassten Untersuchungen erweitern unser Verständnis für die Ätiologie von Adipositas und der Ausprägung individueller Fettverteilung aus mehreren Perspektiven. Die dargelegten Studien führten zu folgenden Erkenntnissen:

  • Genetische Varianten in Kandidatengenen assoziieren mit klinischen Merkmalen von Adipositas und liefern Evidenz für eine signifikante Beteiligung genetischer Faktoren an der Pathophysiologie von Adipositas sowie des Insulin und Glukose-Metabolismus.
  • Viszerales und subkutanes Fettgewebe weisen unterschiedliche epigenetische DNA Methylierungniveaus auf, wobei das viszerale Depot signifikant stärker methyliert ist. Erstmals konnte die Unterschiedlichkeit der Epigenome dieser zwei Fettdepots beschrieben werden. Globale subkutane Methylierungslevel korrelieren außerdem signifikant mit Merkmalen der Fettverteilung und Glukose-Homeostase.

Zukünftige Analysen werden sich vor allem mit der Erforschung von Umwelteinflüssen wie Ernährung oder Sport und deren Einfluss auf das Epigenom im Fettgewebe und Skelettmuskel befassen, woraus ein tieferes Verständnis für die Rolle der Epigenetik als Bindeglied zwischen Umwelt und Genetik abgeleitet werden soll.

Dr. med. Hoang Minh Do
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Urologie
Habilitationsthema: Die Entwicklung laparoskopischer Operationstechniken in der Urologie unter besonderer Berücksichtigung der radikalen Prostatektomie

Einführung in das Thema:
In den USA und in Europa ist das Prostatakarzinom die häufigste maligne Erkrankung des Mannes. In Deutschland steht das Prostatakarzinom an dritter Stelle der Todesursachen bei malignen Erkrankungen des Mannes. Beim Vorliegen eines lokal begrenzten Prostatakarzinoms wird die radikale Prostatektomie als Therapie der Wahl eingesetzt.

Laparoskopische Operationsmethoden sind für den Patienten schonende Operationsverfahren (sogenannte minimal-invasive Eingriffe) und haben nachhaltig die Entwicklung der operativen Urologie beeinflusst. Die Etablierung und Standardisierung der extraperitonealen endoskopischen radikalen Prostatektomie (EERPE) wurde Schwerpunkt unserer klinischen Arbeit der letzten Jahre. Eine Auswertung der klinischen Daten nach insgesamt 3500 Eingriffen zeigt, dass die EERPE insgesamt eine niedrige perioperative Morbidität aufweist. Die funktionellen und onkologischen Ergebnisse sind sowohl vergleichbar mit den Ergebnissen der klassischen retropubischen, als auch mit denen der laparoskopischen radikalen Prostatektomie.

Die Frage nach Kontraindikationen für den Eingriff (EERPE) hat uns frühzeitig beschäftigt und war Gegenstand verschiedener klinischer Auswertungen. Von Bedeutung sind dabei vor allem vormals stattgefundene Operationen, wobei insbesondere Operationen an der Prostata (v.a. TUR-Prostata), die die eigentliche Prostatektomie beeinflussen können, aber auch Operationen im Beckenbereich (beispielsweise Hernienplastiken mit Netzeinlage), die den extraperitonealen Zugang beeinflussen können, untersucht worden.

Das Etablieren neuer Operationsmethoden erfordert ein entsprechendes Komplikationsmanagement. Häufige Komplikationen und deren Behandlungen, wie das Auftreten von intraoperativen Blutungen und postoperative Anastomoseninsuffizienzen, sind ebenso Gegenstand dieser Arbeit.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 21.04.2015

Dr. med. univ. Dr. med. Michael Stefan Kendler
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Haut- und Geschlechtskrankheiten
Habilitationsthema: Neues und Bewährtes in der Pathogenese und Behandlung von Krampfadern

Einführung in das Thema:
Krampfadern sind die häufigste klinische Manifestation der chronisch venösen Erkrankung. Diese können isoliert (CEAP, klinische Klasse 2) oder in Verbindung mit weiteren Zeichen der chronisch venösen Insuffizienz auftreten. Die zusammengefassten eigenen 13 peer reviewed Arbeiten geben eine aktuelle Übersicht über neue als auch bewährte Erkenntnisse der Pathogenese und Therapie der Krampfadererkrankung. Besondere Berücksichtigung finden folgende Themenbereiche:

  • Als mögliche Ursachen der Venenerkrankung stehen der Klappeninsuffizienz, welche einen Reflux bewirkt, Erkenntnisse einer primären Schädigung der Venenwand gegenüber.
  • Insbesondere gibt es Hinweise, dass Sexualsteroidhormone auch beim männlichen Geschlecht bei der Varizenentstehung beteiligt sind.
  •  Entsprechend dem Symptomkomplex der Krampfadererkrankung wird gezeigt, dass vermeintlich venöse Beschwerden zu einem eigenständigen „Schweres-Bein-Syndrom“ gehören können.

Als neue Therapieverfahren sind die endoluminalen Techniken zu nennen. Im Besonderen wird die Anwendung einer modifizierten Tumeszenzlokalanästhesie bei endoluminal thermischen Verfahren dargestellt. Hingegen ermöglichen die Flüssig- und die Schaumsklerosierung eine anästhesiefreie Behandlung von Varizen. Die mechanochemische Ablation stellt eine weiterentwickelte endoluminale, anästhesiefreie Behandlung von Stammvarizen dar. Es werden histologische ex-vivo Ergebnisse zum mechanischen Anteil des mechonachemischen Verfahrens vorgestellt. Nach der chirurgischen Krampfaderbehandlung können Rezidive auftreten. Eine histologische Untersuchung von Rezidivvarizen nach endoluminalen thermischen Verfahren kann einen Hinweis auf Verfahrensfehler geben.

​Dr. med. Sebastian Olbrich
​Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Psychiatrie und Psychotherapie
Habilitationsthema: Die Vigilanzregulation und das Ruhe-Elektroenzephalogramm bei neuropsychiatrischen Erkrankungen: Von der Theorie zur klinischen Anwendung.

Einführung in das Thema:
Mittels des Elektroenzephalogramms können unterschiedliche globale Hirnfunktionszustände mit hoher zeitlicher Auflösung erfasst werden. Die Analyse der zeitlichen Abfolge dieser Vigilanzstadien unter Ruhebedingungen erfolgt mithilfe des Vigilanzalgorithmus Leipzig (VIGALL). Dieser Algorithmus wurde zunächst validiert durch eine simultane EEG-fMRI Studie, weitere Untersuchung über das Zusammenspiel der EEG-Vigilanz und des autonomen Nervensystems und einen Vergleich der Ergebnisse des VIGALL mit denen des „Multiple Sleep Latency Tests“.

Das Konzept der EEG-Vigilanzregulation postuliert, dass die klinischen Korrelate der Depression mit Schlafstörungen, Rückzug und Vermeidung aktivierender Stimuli Folge einer hyperstabilen Vigilanzregulation sind, während manisches Verhalten die wachheitsfördernde Gegenregulation einer instabilen Vigianzregulation darstellt. Auf Basis dieser Annahmen folgte die Untersuchung verschiedener neuropsychiatrischer Patientenpopulationen, wobei bei depressiven Patienten und bei Patienten mit einer Zwangsstörung eine hyperstabile Vigilanzregulation bestätigt wurde, während sich für das Fatigue-Syndrom bei Patienten mit Tumorerkrankungen eine instabile EEG-Vigilanzregulation fand.

Anschließend wird der Wert der EEG-Vigilanzstadien als Kovariable bei neurophysiologischen Untersuchungen diskutiert. Letztendlich wird ein Ausblick gegeben auf die mögliche Verwendung der EEG-Vigilanzregulation zur Prädiktion des Therapieerfolges, z.B. psychopharmakologischer Interventionen, bei psychiatrischen Erkrankungen wie beispielsweise der unipolaren Depression.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 24.03.2015

​Dr. med. Stephan Fricke
Einrichtung: Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM), Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Innere Medizin und Immunologie
Habilitationsthema: Entwicklung präklinischer Transplantationsmodelle und innovativer immunologischer Therapien zur Prävention der Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung (GvHD) mit erhaltenem anti-Tumor-Effekt nach hämatopoetischen Stammzelltransplantationen

Einführung in das Thema:
Die allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSCT) ist für viele hämatologische Patienten die einzige kurative Therapiemöglichkeit. Trotz deutlicher Verbesserung in den letzten Jahrzehnten, ist diese immer noch mit zum Teil lebensbedrohlichen Komplikationen vergesellschaftet. Dabei stellt die Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung (Graft-versus-Host-Disease [GvHD]) die Hauptkomplikation dar, die auch eine Anwendung für weitere Indikationen (z. B. bei Autoimmunerkrankungen) erschwert.

Ziel der hier vorgestellten Arbeiten war es, die GvHD ohne die bisherige Immunsuppression durch neue Zelltherapien mit regulatorischen Immunzellen und aus Knochenmark abgeleiteten Stammzellprogenitoren sowie durch die Behandlung mit monoklonalen anti-humanen CD4 Antikörpern in selbst entwickelten Transplantationsmodellen unter besonderer Berücksichtigung der hämatologisch-immunologischen Rekonstitution präventiv zu beeinflussen. Die Transplantation von Zellen mit Eigenschaften hämatopoetischer und mesenchymaler Stammzellen (NA-BMCs) konnte das Überleben verbessern und die Rekonstitution einer endogenen Hämatopoese ohne GvHD-Induktion beschleunigen. Im Gegensatz zur allogenen Transplantation, erleichtert die Co-Transplantation von syngenen regulatorischen T-Zellen (Tregs) und Knochenmarkzellen das Anwachsen hämatopoetischer Stammzellen mit einer beschleunigten Rekonstitution der Hämatopoese.
Die ex vivo Inkubation eines allogenen Transplantates durch Epitop-spezifische anti-humane CD4 Antikörper ermöglichte erstmals gleichzeitig den Transplantat-gegen-Leukämie (GvL)-Effekt und die dauerhafte Suppression der GvHD. Damit wurde experimentell die wichtigste Voraussetzung für die allogene HSCT bei hämatologisch-onkologischen Erkrankungen erreicht: Die Separation des GvL-Effektes von der GvHD.

​Dr. med. Christoph Lübbert
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, Fachbereich Infektions- und Tropenmedizin, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Innere Medizin
Habilitationsthema: Epidemiologie, Klinik, Ausbruchs- und Therapiemanagement von Krankenhausinfektionen durch Carbapenemase bildende Klebsiella pneumoniae und Toxin produzierende Stämme von Clostridium difficile

Einführung in das Thema:
Die Mehrzahl der jährlich 400.000 bis 600.000 Krankenhausinfektionen in Deutschland wird von Erregern der sogenannten ESCAPE-Gruppe verursacht. Besondere Sorge bereitet dabei die Ausbreitung von K. pneumoniae-Stämmen mit enzymvermittelter Resistenz gegenüber Carbapenem-Antibiotika (K. pneumoniae-Carbapenemase, KPC) und die Zunahme von C. difficile-Infektionen (CDI) durch hypervirulente Epidemiestämme (z.B. Ribotyp 027).

In der vorliegenden klinischen Habilitationsschrift werden vor allem die spezifischen Erfahrungen eines prolongierten Ausbruchsgeschehens durch einen KPC-bildenden K. pneumoniae-Stamm (KPC-KP) am Leipziger Universitätsklinikum in den Jahren 2010-2013 analysiert und diskutiert. So ist bei diesem Erregertyp ein hohes Transmissionspotenzial bei enormer Umweltresistenz zu berücksichtigen; Infektionsketten bleiben oftmals unklar. Die Anwendung von Antibiotika ist auf einzelne Substanzen der Reserve (Colistin, Tigecyclin, Gentamicin) beschränkt und bei immunsupprimierten Patienten (z.B. Lebertransplantierte) mit einem relevanten Risiko des Therapieversagens behaftet. Hinsichtlich der Behandlung von CDI wird die steigende Zahl an Rezidiven herausgearbeitet, die teilweise antibiotisch (Vancomycin, Fidaxomicin) nicht beherrschbar sind, sodass alternative Therapieverfahren wie die fäkale Bakterientherapie („Stuhltransplantation“) zur Anwendung kommen. CDI-Rezidive wie persistierende intestinale Besiedelung mit multiresistenten Enterobakterien scheinen neben wirtsspezifischen Faktoren der Immunantwort durch eine Dysregulation der physiologischen intestinalen Standortflora mit Verlust der Kolonisationsresistenz bedingt zu sein. Die intestinale Eradikationsbehandlung von KPC-KP („Darmdekontamination“) mittels oraler Applikation der nicht resorbierbaren Antibiotika Colistin und Gentamicin ist mit einem relevanten Risiko von Sekundärresistenzen behaftet.

Die Erfahrungen der Leipziger KPC-Ausbruchsbewältigung zeigen, dass nahezu lückenlose Compliance bei der Händedesinfektion, rigoros praktizierte und kontrollierte Barriere- und Isolationsmaßnahmen, Optimierung des Gebrauchs von Breitspektrum-Antibiotika (sog. „Antibiotic Stewardship“) und systematisches mikrobiologisches Erregerscreening unabdingbar sind. Da eine Zulassung neuer Antibiotikaklassen für die nächsten Jahre nicht in Sicht ist, kommt der Infektionsprävention überragende Bedeutung zu. Nachhaltige Verbesserungen hinsichtlich der globalen Ausbreitung von multiresistenten Erregern werden sich nur durch grundlegende Umgestaltungen in Umwelt, Landwirtschaft, Tierzucht und Gesundheitswesen mit sparsamer und möglichst gezielter Anwendung von Antibiotika erzielen lassen.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 24.02.2015

Dr. med. Claudia Walther
Einrichtung: Kerckhoff Klinik – Bad Nauheim, Abteilung für Kardiologie
Habilitationsgebiet: Innere Medizin / Kardiologie
Habilitationsvortrag: Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen durch täglichen Sportunterricht bei Schulkindern: Bewertung kardiovaskularer Parameter

Einführung in das Thema:
Die Adipositas im Kindesalter stellt mit einer stetig steigenden Prävalenz ein zunehmendes gesellschaftiches und gesundheitspolitisches Problem dar. Ursächlich hierfür sind ein Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch und insbesondere der Mangel an körperlicher Aktivität. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung wurde das Leipziger Schulprojekt zur Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen mit dem Ziel, durch zusätzlichen Sportunterricht die körperliche Fitness und Aktivität von Schulkindern zu steigern, einen gesundheitsbewussten Lebensstil zu lehren und eine ggf. vorhandene Übergewichtigkeit zu korrigieren, initiiert.

Seit 2005 wurden 14 Klassen der 6. Jahrgansstufe aus verschiedenen Schulen mit unterschiedlichen pädagogischen Profilen untersucht. Dabei wurden die Schüler klassenweise in eine Interventionsgruppe mit täglichem Schulsportunterricht und in eine Kontrollgruppe mit konventionellem Schulsportunterricht (2 Stunden/ Woche) randomisiert. Zu Beginn und am Ende eine jeden Schuljahres wurden verschiedene Parameter bzgl. körperlicher Fitness, Körperzusammensetzung, Lebensqualität und Laboranalysen untersucht.

In der vorliegenden Habilitationsschrift werden die Langzeitergebnisse (3- Jahresergebnisse) dieses Präventionsprojekts analysiert und diskutiert. Die körperliche Fitness (primärer Endpunkt) war nach einem Jahr in der Interventionsgruppe signifikant gebessert, jedoch war dieser Effekt zum Studienendpunkt von drei Jahren nicht mehr vorhanden. Auch bezüglich der Parameter zur Körperzusammensetzung wie Body Mass Index (BMI) und der BMI-Perzentile sowie des systolischen und diastolischen Blutdrucks zeigte sich nach drei Jahren kein signifikanter Interventionseffekt. Die körperliche Aktivität (erfasst anhand eines Fragebogens) sowie die Lebensqualität der Schüler der Interventions- und Kontrollklassen war zu keinem Zeitpunkt signifikant unterschiedlich.

Mögliche Gründe für den fehlenden Langzeiterfolg könnte ein Bias in den Kontrollklassen, die unterschiedliche Trainingsintensität oder persönliche Entwicklungen bis hin zur Pubertät sein, diese werden in der Arbeit diskutiert. Abschliessend wird dennoch auf die Notwendigkeit, Weiterentwicklung und Verbesserung von Präventionsprojekten hingewiesen, damit der steigenden Prävalenz kindlicher und jugendlicher Übergewichtigkeit entgegengewirkt werden kann.

​Dr. med. Ulrich Spiegl
Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Orthopädie und Unfallchirurgie
Habilitationsthema: Biomechanische und klinische Aspekte des regionalen Alignments inkompletter Berstungsfrakturen der thorakolumbalen Wirbelsäule

Einführung in das Thema:
Die Therapie von Frakturen an der Brust- und Lendenwirbelsäule hängt von der Bruchform und der Frakturstabilität ab. Je nach Bruchmorphologie kommen unterschiedliche Therapieansätze zum Einsatz. Bei Frakturen vom inkompletten Berstungstyp reichen die empfohlenen Therapiestrategien vom konservativen Vorgehen bis hin zur komplexen dorsoventralen Versorgung und verbleiben kontrovers diskutiert. Insbesondere die Relevanz des Wirbelsäulenprofils ist noch nicht ausreichend geklärt, da lokale Fehlstellungen möglicherweise erst nach Jahrzehnten klinisch relevant werden. Langfristige Verlaufskontrollen insbesondere nach operativer Versorgung mit modernen Implantaten sind nur in sehr begrenztem Ausmaß vorliegend.

Diese Arbeit befasst sich mit dem lokalen Wirbelsäulenprofil, dem Einfluss der intraoperativen Frakturaufrichtung auf die Bandscheiben, dem postoperativen Repositionsverlust und die klinisch zu erwartenden Ergebnisse nach ventraler Versorgung. Zum einen wurden die Bandscheiben nach intraoperativer Wiederherstellung des Wirbelsäulenprofils und Applikation von Dehnungskräften nach inkompletter Berstungsfrakturen der thorakolumbalen Wirbelsäule und dorsaler Stabilisierung untersucht. Des Weiteren wurden Wirbelkörperersatzimplantate bzgl. der Einbruchgefahr in angrenzende Wirbelkörper biomechanisch analysiert. Zu guter Letzt erfolgten klinische und radiologische 2- bzw. 6-Jahreskontrollen nach dorsoventraler und ventraler Bruchversorgung nach inkompletter Berstungsfraktur beim Erwachsenen bzw. älteren Patienten.

Schlussfolgernd kann festgehalten werden, dass eine intraoperative Distraktion keinen negativen Effekt auf das überbrückte Bandscheibensegment besitzt. Daneben sind anatomisch geformte und stufenlos adaptierbare Endplatten biomechanisch bzgl. der Einbruchgefahr überlegen. Insgesamt scheint die dorsoventrale Versorgung der rein ventralen Stabilisierung bezüglich des Alignments überlegen zu sein. Beim älteren Patienten scheint dabei insbesondere die vorsichtige Präparation der Grund- und Deckplatten eine übergeordnete Rolle zu spielen. Insgesamt wurden nach rein ventralem und dorsoventralem Vorgehen gute bis sehr klinische Langzeitergebnisse beobachtet.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 27.01.2015

​Dr. med. Niels Hammer
Einrichtung: Institut für Anatomie, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Anatomie
Habilitationsthema: Morphologische und mechanische Untersuchungen zur Funktion des Beckenrings

Einführung in das Thema:
Das Zusammenspiel zwischen den Knochen und Bändern des Beckenrings ist eine mögliche Ursache von Beschwerden am hinteren Beckenring. Die pelvinen Ligamenta spielen auch bei Verletzungen eine entscheidende Rolle. Daher ist das Verständnis der Biomechanik des hinteren Beckenrings von Bedeutung für erfolgreiche Therapiestrategien.

Ziel dieser Arbeit ist die morphologische und mechanische Beschreibung des humanen Beckenrings und der Wirkung der Ligamenta auf die Beckenkinematik mithilfe von Computersimulationen. Für die Identifikation von Faserverläufen der Ligamenta wurde die Magic-Angle-Methode eingesetzt. Durch die Kombination von Plastinationstechniken mit optischen Verfahren konnten Materialeigenschaften für die Beckenbänder erhoben werden. Die Computersimulationen bestätigen, dass die Beckenbänder multiaxial und lokal unterschiedlich belastet sind. Die Lastableitung am hinteren Beckenring erfolgt maßgeblich durch die Ligg. sacroiliaca und durch mechanisch bisher wenig beachtete Bandstrukturen, den Ligg. sacrospinalia und -tuberalia. Der Vergleich zwischen physiologischen Lastfällen und traumatischen Verletzungsszenarien zeigt stark unterschiedliche Wirkrichtungen der Kraftvektoren. Die pelvinen Ligamenta tragen zur Stabilisierung des Beckenrings bei und bestimmen ossäre Verletzungsmuster mit. Folglich sollten die Bänder eine Zielstruktur in der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Beckenrings darstellen. Ihre chirurgische Durchtrennung als schmerztherapeutisches Konzept ist aufgrund der vorliegenden Befunde abzulehnen.

Weiterführende Computersimulationen können beitragen, die Auswirkungen therapeutischer Interventionen auf die Biomechanik des Beckenrings zu erkennen.

Dr. med. Roman Wölfel
Einrichtung: Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr, Medizinische Biologische Aufklärung & Verifikation, Gastwissenschaftler am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie
Habilitationsgebiet: Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
Habilitationsthema: Molekularbiologische Untersuchungen zum Nachweis biologischer Kampfstoffe

Einführung in das Thema:
Biologische (B-) Kampfstoffe werden, trotz des internationalen Verbotes ihrer Herstellung oder ihres Einsatzes, auch heute noch als ständige, wenn auch latente Bedrohung wahrgenommen. Die Erkennung und Eindämmung eines militärischen, terroristischen oder kriminellen Einsatzes eines B-Kampfstoffes ist dabei die Aufgabe des medizinischen B-Schutzes, einem noch verhältnismäßig jungen Zweig der medizinischen Mikrobiologie. In der Habilitationsschrift werden Fragestellungen aus den Gebieten der Bakteriologie, Virologie und Toxinologie untersucht. Ziel war es dabei, über bereits existierende Diagnostikverfahren hinaus, neue molekulardiagnostische Methoden für den Einsatz im medizinischen B-Schutz zu entwickeln.

Im Rahmen der Aufklärung eines Ausbruchs von Bindehautentzündung in Militäreinrichtungen wurden Methoden zu Probennahme und zur molekularen Typisierung von Adenoviren experimentell geprüft und weiterentwickelt. In anderen Studien wurden Verfahren zur Identifizierung von Krim-Kongo Hämorrhagischem Fieber Virus und Hantaviren entwickelt. Dabei konnten theoretische Erkenntnisse zu nicht-typischen Nukleotidpaarungen für die Verbesserung der molekularbiologische Diagnostik genutzt werden. Als Nachweisverfahren für Fleckfiebererreger wurde eine neue Methode zum Echtzeit-Diagnostik von Rickettsieninfektionen entwickelt. Durch die Anwendung dieses Verfahrens in Studien an Zecken konnte das Vorhandensein humanpathogener Rickettsienarten in Teilen Deutschlands und Österreichs belegt werden. Weiterhin konnte ein neues Isolat der Rickettsienart Rickettsia monacensis gewonnen und charakterisiert werden. Zur Erweiterung des Methodenspektrums zum Nachweis der B-Kampfstoffe Rizin und Abrin wurde eine molekularbiologische Methode zur zeitgleichen Detektion der Erbsubstanz dieser beiden Pflanzengifte entwickelt.
Durch die unmittelbare Anwendung der in den Studien neu entstandenen Labormethoden für epidemiologische und epizootologische Fragestellungen konnten Kenntnisse zur Risikobewertung und für den Gesundheitsschutz gefährdeter Populationen gewonnen werden.