Vorstellung der Habilitanden / Habilitandinnen

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 22.11.2016

Dr. med. Patrick Stumpp, MME
Stumpp   Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Radiologie
Habilitationsthema: PET/MRT in der onkologischen Diagnostik mit dem Schwerpunkt Kopf-Hals-Tumoren
Einführung in das Thema:

Erst seit 2010 sind kombinierte Positronenemissionstomografie-Magnetresonanztomografie-Geräte (PET/MRT) zur hybriden Bildgebung verfügbar. Die mit der Entwicklung der Geräte verbundenen Hoffnungen bezüglich der onkologischen Diagnostik lagen zunächst auf einer verbesserten Genauigkeit in der Tumordetektion im Vergleich zum PET/CT. Rasch wurde jedoch deutlich, dass insbesondere die Möglichkeit der non-invasiven, multiparametrischen Charakterisierung von Tumorerkrankungen einen wesentlichen Vorteil des PET/MRT gegenüber dem PET/CT darstellt.
Das im Universitätsklinikum Leipzig 2011 installierte PET/MRT war eines der ersten weltweit. In dieser Habilitationsschrift sind die ersten Erfahrungen mit dieser Methode auf dem Gebiet der onkologischen Diagnostik zusammengefasst. Schwerpunkt ist dabei die Diagnostik von Kopf-Hals-Tumoren, da in diesem Bereich das CT aufgrund des im Vergleich zum MRT schlechteren Weichteilkontrastes Einschränkungen aufweist.

In dieser Schrift werden zunächst die unterschiedlichen Konzepte im Gerätedesign der PET/MRT und die Besonderheiten des PET/MRT im Vergleich zum PET/CT erläutert. Auch die kritischen Punkte, die bei der Implementierung eines PET/MRT-Scanners zu beachten sind, werden detailliert dargestellt. Hierbei werden besonders die baulichen und organisatorischen Aspekte berücksichtigt, es werden aber auch Hinweise zur Qualitätskontrolle und zur Entwicklung von Untersuchungsprotokollen gegeben.
In der ersten klinischen Studie zur Anwendung des PET/MRT mit 18F-Fluorodesoxyglucose (18F-FDG) bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren konnten wir hinsichtlich Sensitivität und Spezifität noch keine Unterschiede zum PET/CT nachweisen. Allerdings war hier die untersuchte Patientengruppe heterogen und enthielt sowohl Primär- als auch Rezidivtumore. Aktuell konzentriert sich die onkologische Forschung am PET/MRT auf die Möglichkeiten der multiparametrischen Bildgebung zur Detektion und vor allem Charakterisierung von Tumorerkrankungen. Hier konnten wir signifikante Korrelationen von Glukosestoffwechsel und verschiedenen Perfusionsparametern bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren nachweisen. Bei Patientinnen mit Zervixkarzinom konnte ein inverser Zusammenhang zwischen Glukosestoffwechsel und Diffusionsrestriktion nachgewiesen werden. Die letzte aufgeführte Arbeit zeigt die Korrelationen zwischen der bildgebenden Tumorcharakterisierung und histopathologischen Ergebnissen bei Kopf-Hals-Tumoren, wo wir Zusammenhänge von Kernfläche und dem Proliferationsmarker Ki-67 mit Diffusionseigenschaften bzw. Glukosestoffwechsel im Tumorgewebe nachweisen konnten.


Dr. med. Sven Laudi, M.A.
Laudi_Sven_2   Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Anästhesiologie
Habilitationsthema: Atorvastatin in Modellen des pulmonalarteriellen Hypertonus
Einführung in das Thema:

Die Ursachen der Erhöhung eines dauerhaften pulmonararteriellen Druckanstiegs sind zu Teilen unbekannt. In Tiermodellen des pulmonalarteriellen Hypertonus konnten wichtige kausale Signalkaskaden identifiziert werden, jedoch widersprechen sich die Ergebnisse zu Teilen zwischen als auch innerhalb der verschiedenen Tiermodelle. Daher wurden zwei klassische Modelle des pulmonalarteriellen Hypertonus (chronische Hypoxie und Monocrotalin) und die Behandlung mit Statinen unter Verzicht auf präanalytische Festlegungen mittels einer 2D-Gel basierten Proteom-Analyse verglichen. Unter chronisch hypoxischen Bedingungen scheinen zentral vornehmlich p38-vermittelte Signalkaskaden ursächlich für die pulmonalarterielle Druckerhöhung zu sein, nach Gabe von Monocrotalin ERK-vermittelte Signalkaskaden. Zudem konnte die unfolded protein response als mögliches pathophysiologisches Konzept mit dem pulomalarteriellen Hypertonus in Verbindung gebracht werden.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 25.10.2016

Dr. med. Mirko Döhnert
MD_01   Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Habilitationsthema: Neurophysiologische Befunde und deren therapeutische Anwendung bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und der Majoren Depression (MD) im Kindes- und Jugendalter
Einführung in das Thema:

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und die Majore Depression (MD) sind zwei häufige kinder- und jugendpsychiatrische Störungsbilder. Im Rahmen von EEG-basierten Untersuchungen wurden für beide Störungsbilder spezifische Auffälligkeiten analysiert. Die Möglichkeit diagnostischer oder therapeutischer Anwendung wurde untersucht.
Dem Ruhe-EEG kommt entsprechend der aktuellen wissenschaftlichen Literatur eine diagnostische Relevanz bei ADHS-Abklärungen zu (Erhöhungen der Thetaaktivität und Theta/Beta-Ratio). In unseren Untersuchungen ergaben sich jedoch keine konsistenten Befunde diesbezüglich. Der breite diagnostische Einsatz des Ruhe-EEG bei ADHS-Verdacht muss kritisch diskutiert werden.
Im Zusammenhang mit der ADHS wird eine Entwicklungsverzögerung angenommen. Die vorliegenden longitudinalen Untersuchungen zu verschiedenen ereigniskorrelierten Potenzialen (ERP) haben gezeigt, dass es sich dabei nicht generell um das Problem einer Entwicklungsverzögerung handelt.

EEG-Parameter, wie verminderte Theta-Aktivität oder auffällige ERP, sind therapeutisch über die Methode des Neurofeedback-Trainings beeinflussbar. In den vorliegenden Untersuchungen konnten wir nachweisen, dass das Training sogenannter langsamer Potenziale sehr gut wirksam ist, wobei sowohl spezifische als auch unspezifische Wirkfaktoren eine Rolle spielen. Weitere Forschungsbemühungen sind notwendig, um die spezifische Wirksamkeit des Neurofeedback-Trainings bei ADHS zweifelsfrei nachzuweisen.
Bei depressiven Erkrankungen spielen Verzerrungen der emotionale Wahrnehmung („emotional bias“) eine wichtige Rolle. In unserer EEG-basierten Untersuchung mit einem emotionalen Go-/NoGo-Tests konnten wir kein Muster dieses „emotional bias“ finden. Es zeigte sich jedoch für die MD-Probanden Auffälligkeiten der N170, einem spezifischen ereigniskorrelierten Potenzial der Gesichtserkennung. Dies spricht für eine modifizierte Wahrnehmung und Verarbeitung von emotionalen Gesichtern bei depressiv erkrankten Kindern und Jugendlichen mit vermutlich hoher Relevanz für soziale Interaktionen. Konkrete therapeutische Anwendungen sind noch nicht absehbar.


Dr. med. univ. et scient. med. Julia Sacher
sacher Einrichtung:  Max Planck Institut für Kognitions-und Neurowissenschaften, Abteilung für Neurologie, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Psychiatrie und Psychotherapie
Habilitationsthema: Modulators of individual responses to psychopharmacological intervention
Einführung in das Thema:

Individuelle Ansprechraten auf Antidepressiva zeigen eine große individuelle Bandbreite. Ein besseres Verständnis der Faktoren, die diese Ansprechrate beinflussen, stellt den ersten Schritt dar, um diesen individuellen Differenzen bei der Behandlungsplanung gerecht zu werden. Die gezeigten Daten tragen wesentlich zur Verbesserung von antidepressiven Behandlungsmöglichkeiten für Frauen in hormonellen Übergangsphasen bei. Dazu zählen

  • die Entwicklung eines neurobiologischen Modells von postpartalen Stimmungsschwankungen (der Östrogenabfall nach der Entbindung löst eine akute Erhöhung der Mono-Amino-Oxidase, MAO-A, aus),
  • die Charakterisierung von neurochemischen Veränderungen im präfrontalen Kortex und dem anterioren Cingulum (zentrale Hirnareale für die kognitive Steuerung von Emotionen) in postpartaler und perimenopausaler Depression und
  • die Befunde von Netzwerk-Veränderungen im Hippokampus sowie der Emotionsregulation während einer kognitiven Aufgabe im Verlauf des menstruellen Zyklus.

In einer Gehirnnetzwerkanalyse zeigen wir eine starke und akute Abnahme der intrinsischen Konnektivität in den meisten kortikalen und subkortikalen Regionen wenige Stunden nach Gabe einer Einzeldosis des Antidepressivums Escitalopram, während es zu einer Zunahme in Regionen des Thalamus und des Cerebellums kommt.
Außerdem berichten wir über die ersten Befunde, die eine mangelne Bindung von MAO-A nach Therapie mit dem pflanzlichen Stimmungsaufheller Johanniskraut beschreiben, und etablieren einen Zielbereich für die Bindung von MAO-A-Hemmern im Gehirn, die für den antidepressiven Effekt dieser Medikamente notwendig ist. Zusammenfassend bieten die hier gezeigten Arbeiten Anhaltspunkte für die starke Anpassungsfähigkeit des menschlichen Gehirns auf die hormonelle Umgebung sowie auf monoaminerge Manipulation in struktureller, funktionaler und neurochemischer Konnektivität. Eine klinische Anwendung dieser Erkenntnisse rückt in greifbare Nähe: konkrete Anknüpfungspunkte sind z.B. klinischen Studien zur Testung von Nahrungsergänzungsmitteln zur besseren Vorbeugung oder von MAO-Hemmern zur effektiveren Behandlung der Wochenbettdepression.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 20.09.2016

Dr. med. Sven Kevin Tschöke
Tschöke Einrichtung:  Klinik für Wirbelsäulenchirurgie, Klinikum Dortmund gGmbH
(vorher: Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie, Orthopädisch-Traumatologisches Zentrum, HELIOS Park-Klinikum Leipzig)
Habilitationsgebiet: Orthopädie und Unfallchirurgie
Habilitationsthema: Moderne Behandlungsstrategien in der chirurgischen Therapie der pyogenen Spondylodiszitis der Lendenwirbelsäule
Einführung in das Thema:

Die pyogene Spondylodiszitis ist eine seltene Entität der bakteriell-entzündlichen Pathologien des Stütz- und Bewegungsapparates. Trotz adäquater Behandlungsstrategien wird auch heute noch eine Mortalitätsrate von 5% bis 20% beschrieben. Obwohl die primär konservative Therapie mittels systemischer Antibiotikabehandlung auch weiterhin den Goldstandard darstellt, führen die mangelnde vaskuläre Versorgung der Bandscheibe und oft unspezifische klinische Symptomatik nicht selten zur verzögerten Diagnostik mit Nachweis fortgeschrittener, ossär destruktiven Veränderungen oder einer perifokalen Abszedierung. Die hieraus resultierende segmentale Instabilität und Gefahr der systemischen Ausbreitung des Infektes zwingen dann letztendlich zur chirurgischen Sanierung des entzündlichen Fokus.

Durch die, vor allem in den industrialisierten Ländern immer älter werdende Bevölkerung, wächst auch die Zahl der Patienten, deren degenerative Veränderungen der Wirbelsäule und Anspruch auf Erhalt der Lebensqualität im Behandlungskonzept berücksichtigt werden müssen. Zusätzlich fordert die in diesem Patientenkollektiv deutlich erhöhte Prävalenz an metabolischen oder kardiopulmonalen Komorbiditäten moderne Therapiekonzepte, die eine risikoarme, jedoch effektive Eradifizierung des bakteriell-entzündlichen Fokus mit schneller Wiederherstellung der prämorbiden Mobilität ermöglichen. Mit dem wachsenden Verständnis für die Pathophysiologie der Spondylodiszitis sowie der biomechanischen Folgeerscheinungen, insbesondere an der Lendenwirbelsäule, konnten im Verlauf der letzten beiden Dekaden enorme Fortschritte in der erfolgreichen Behandlung der lumbalen Spondylodiszitis erzielt werden.

In der vorliegenden kumulativen Arbeit werden die Erkenntnisse unserer in den letzten 10 Jahren etablierten operativen Vorgehensweisen zur Behandlung unterschiedlicher Befundkonstellationen der lumbalen Spondylodiszitis anhand von fünf ausgewählten Originalpublikationen erläutert und im Kontext der internationalen Literatur diskutiert.


Dr. rer. nat. Beate Fuchs
neu Foto Beate Fuchs   Einrichtung:  Institut für Medizinische Physik und Biophysik, Medizinische Fakultät Leipzig der Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Medizinische Physik / Biophysik
Habilitationsthema: MALDI-TOF-Massenspektrometrie basierte (Phospho-) Lipidanalytik: Gezieltes Matrix-Engineering und Kopplung mit TLC zur Minimierung des Effekts der Ionenunterdrückung
Einführung in das Thema:

Ziel der vorliegenden Arbeit war die Entwicklung einer direkten Kopplung zwischen Dünnschichtchromatografie (TLC, „thin-layer chromatography“) und MALDI-TOF-MS für die Lipidanalytik und der Einsatz dieser Methode für medizinisch relevante Fragestellungen. Im Verlauf der Arbeiten stellte sich außerdem heraus, dass der gezielte Einsatz bestimmter Matrices mit optimierten Eigenschaften eine nützliche Ergänzung bietet.

Im ersten, mehr Grundlagen orientierten Teil der Arbeit wird an ausgewählten Modellsystemen gezeigt, dass die direkte Kopplung von Dünnschichtchromatografie mit MALDI-TOF-Massenspektrometrie durch direkte Desorption von der TLC-Platte bereits kleine Lipidmengen von weniger als 1% des Gesamtlipidextrakts detektieren und MS/MS-Experimente direkt auf der TLC-Platte durchführen kann. Phospholipide, die nur im picomolaren Bereich im Gemisch vorliegen, können damit zuverlässig nachgewiesen werden.
Im zweiten Teil der Arbeit werden verschiedene Anwendungen der Methode für die Analytik von Gewebeproben und Zellsuspensionen demonstriert. So wird z.B. gezeigt, dass die kombinierte TLC-MALDI-MS-Methode nahezu alle relevanten Lipidklassen in Hirnextrakten identifiziert – auch sehr gering konzentrierte Lipidspezies, wie phosphorylierte Phosphoinositide oder komplexe Glycolipide,wie z.B. Ganglioside. TLC-MALDI-MS liefert weitaus detailliertere Informationen als MALDI-TOF-MS allein, insbesondere hinsichtlich der bisher kaum untersuchten Oxidationsprodukte des Phosphatidylethanolamins (PE).
Der dritte Teil der Arbeit belegt, dass durch die Wahl der optimalen Matrices die MALDI-MS-Detektion bestimmter Verbindungen deutlich verbessert werden kann bzw. überhaupt erst möglich ist. Die Detektion wichtiger Lipidoxidationsprodukte (PE-Chloramine) war bislang nur mit ESI-MS möglich. Bei Anwendung einer neuen Matrix (4-Chlor-α-Cyanozimtsäure) ist die Detektion auch mittels MALDI-TOF-MS möglich.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 23.08.2016

Dr. med. Norman Mangner
_Porträt_Mangner   Einrichtung:  Abteilung für Innere Medizin/Kardiologie, Herzzentrum Leipzig GmbH – Universitätsklinik
Habilitationsgebiet: Innere Medizin und Kardiologie
Habilitationsthema: Veränderungen der peripheren Skelettmuskulatur und des Diaphragmas im Rahmen akuter und chronischer myokardialer Funktionsstörungen – Präventive Effekte eines körperlichen Ausdauertrainings
Einführung in das Thema:

Die Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit ist ein wesentliches Kennzeichen der Herzinsuffizienz. Veränderungen der zentralen Zirkulation erklären dabei nur teilweise die verminderte Leistungsfähigkeit. Hingegen sind Alterationen der Skelettmuskulatur eng mit einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit sowohl bei der systolischen als auch der diastolischen Herzinsuffizienz assoziiert.

Die Aktivierung von katabolen sowie Inhibierung von anabolen Signalwegen durch inflammatorische Zytokine und Angiotensin II trägt zu histologischen und molekularen Veränderungen der Muskulatur bei und resultiert letztendlich in einer eingeschränkten Kraftentwicklung. Eine zentrale Rolle nimmt das Ubiquitin-Proteasom-System ein. Ein genetischer Knock Out eines der Schlüsselenzyme im Ubiquitin-Proteasom-System kann den Kraftverlust der Skelettmuskulatur verhindern. Aber auch Transkriptionsfaktoren, Parameter des Metabolismus, und Myokine, die die Wechselwirkung zwischen Skelettmuskel und Fettgewebe realisieren, sind durch die chronische Inflammation im Rahmen der Herzinsuffizienz in der peripheren Skelettmuskulatur verändert.

Während die periphere Skelettmuskulatur der Hauptfokus der Forschung in den letzten beiden Jahrzehnten war, so ist auch die respiratorische Muskulatur von einer sekundären Myopathie im Rahmen der Herzinsuffizienz betroffen. Durch inflammatorische Zytokine und im Rahmen eines akuten Myokardinfarktes kommt es zur Oxidation von wichtigen Strukturproteinen des Diaphragmas, was letztendlich in einer kontraktilen Dysfunktion endet. Im längerfristigen Verlauf der chronischen Herzinsuffizienz wird die Funktionseinschränkung auch im Diaphragma durch katabole Mechanismen mit Aktivierung des Ubiquitin-Proteasom-Systems bestimmt. Zwischen Diaphragma und der peripheren Skelettmuskulatur zeigen sich, vermutlich bedingt durch die zusätzliche Dekonditionierung der peripheren Skelettmuskulatur, unterschiedliche Verhaltensmuster ihre ROS-produzierenden und -detoxifizierenden Enzymsysteme.

Körperliches Ausdauertraining kann sowohl in der peripheren Skelettmuskulatur als auch im Diaphragma die negativen Effekte der Herzinsuffizienz und Inflammation abschwächen oder teilweise verhindern. Dabei spielen anti-inflammatorische, anti-oxidative, anti-katabole und pro-anabole Mechanismen eine entscheidende Rolle.


Dr. med. Klaus Müller, MBA
müller   Einrichtung:  Klinikum Chemnitz GmbH, Klinik und Praxis für Radioonkologie (bis 06/2015: Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Strahlentherapie
Habilitationsthema: Strahlentherapeutische Behandlungsoptionen bei ausgewählten Hirntumoren des Kindes- und Erwachsenenalters, insbesondere im Falle eines Rezidivs oder einer Metastasierung
Einführung in das Thema:

Die Habilitationsschrift widmet sich ausgewählten Aspekten strahlentherapeutischer Behandlungsoptionen bei Hirntumoren im Kindes- und Erwachsenenalter. Besondere Beachtung finden metastasierende und rezidivierte Erkrankungen.

Beim Medulloblastom bietet eine Bestrahlung der gesamten kraniospinalen Achse in der Rezidivsituation eine zweite Heilungschance, sofern initial noch keine Radiatio erfolgte. Beim pilozytischen Astrozytom wird die Bestrahlung in der Regel erst nach Chemotherapieversagen eingesetzt. Die Prognose metastasierter Glioblastome ist infaust. Zwei Metaanalysen der in der Literatur veröffentlichten Fälle zeigten, dass in den letzten Jahrzehnten keine wesentlichen therapeutischen Fortschritte erzielt werden konnten. Eine Bestrahlung der gesamten kraniospinalen Achse in Kombination mit einer simultanen Chemotherapie ist bei Beschränkung der Metastasierung auf das zentrale Nervensystem als maximal aggressiver Therapieansatz denkbar. Allerdings ist bei dieser Behandlung mit einer starken Myelotoxizität zu rechnen. Bei Erwachsenen ist eine erneute Bestrahlung eine anerkannte Behandlungsoption für rezidivierte hochgradige Gliome. Therapieunabhängige prognostische Modelle können beim Vergleich verschiedener Behandlungsalternativen hilfreich sein, bedürfen allerdings zuvor einer Validierung mit einer unabhängigen Patientenkohorte. Bei Kindern ist der Nutzen einer erneuten Bestrahlung bei rezidivierten hochgradigen Gliomen unklar. Erste Erfahrungen deuten zumindest auf eine gute Verträglichkeit der Behandlung hin.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 21.06.2016

Dr. med. Michael Moche
DSC_0007   Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Radiologie
Habilitationsthema: Implementierung und klinischer Einsatz eines Navigationsverfahrens zur Steuerung von Eingriffen am MRT
Einführung in das Thema:

Die herausragenden diagnostischen Eigenschaften der MRT können auch zur Steuerung und Kontrolle minimal-invasiver Eingriffe genutzt werden. Die räumliche Enge und das hohe Magnetfeld eines konventionellen MRT stellen dabei große Herausforderungen dar.

Offene MRT-Scanner ermöglichten einen deutlich verbesserten Patientenzugang und MR-kompatible Instrumente den sicheren Eingriff im Magnetfeld. Die Qualität, Bildwiederholungsrate und Latenz der eingesetzten kontinuierlichen Bildgebung erwiesen sich allerdings häufig als nicht ausreichend. Durch nachträgliche Implementierung eines dedizierten Navigationsverfahrens konnte eine qualitativ hochwertige, multimodale Navigation mit jetzt auch sehr guter Hand-Auge-Koordination ermöglicht werden. Der Nutzen dieser Technologie wurde nach zahlreichen Eingriffen am Hirn, an der Leber, der Brust und an anderen Organbereichen validiert.

Aus Kostengründen erfolgte eine Einstellung des offenen MRT-Programms durch den Hersteller. Es wurden Strategien entwickelt, um Eingriffe auch in vorhandenen geschlossenen, diagnostischen Scannern durchzuführen. Unsere Arbeitsgruppe sammelte Erfahrungen mit dem einzigen kommerziell erhältlichen, MR-kompatiblen robotischen System bei Eingriffen in unterschiedlichen Körperregionen. Zeitgleich wurden die Erfahrungen aus dem Einsatz im offenen MRT-Scanner vor Ort genutzt, um ein Navigationsverfahren mit optischen Tracking in eine konventionelle MRT-Umgebung zu implementieren. Der Eingriff kann durch eine automatische Patientenregistrierung und mithilfe eines speziellen Instrumentenhaltesystems vollständig außerhalb der Röhre erfolgen. Eine optimierte Planungs- und Kontrollbildgebung in der Röhre gewährleistet die sichere und präzise Durchführung. Im Verlauf konnten umfangreiche Erfahrungen im klinischen Routineeinsatz auch in atemverschieblichen Organbereichen gesammelt werden.


Dr. med. Hans-Michael Hau
Hau   Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Viszeralchirurgie
Habilitationsthema: Aktueller Stellenwert der chirurgischen Therapie in der Behandlung primärer und sekundärer hepato-pankreato-biliärer Tumore
Einführung in das Thema:

In den letzten Jahren gab es einen zunehmenden Trend, chirurgische Eingriffe bei primären und sekundären hepato-pankreato-biliären (HPB) Tumoren durchzuführen. Durch die Verbesserung der chirurgischen Technik, des perioperativen Managements wie auch der diagnostischen Möglichkeiten kam es zu einer Verbesserung des Outcomes in der Behandlung dieser Tumore. Allerdings ist die Datenlage bei einigen Indikationen und Tumorentitäten derzeit noch nicht eindeutig. Ziel dieser Arbeit ist es daher, den möglichen Vorteil einer chirurgischen Therapie in bisher nicht etablierten Grenzbereichen gut- und bösartiger HPB- Tumore zu ermitteln und Patientengruppen zu definieren, die von einer chirurgischen Therapie profitieren.

Wir untersuchten daher 301 Patienten mit primären und sekundären HPB-Tumoren, bei welchen eine chirurgische Therapie durchgeführt wurde. Dabei konnten wir bei Patienten mit einem HCC in Non-Zirrhose bzw. pulmonal metastasiertem HCC nach Resektion eine 5-Jahres-Überlebensrate von 50% bzw. 17,1% beobachten. Die perioperativen Morbiditäts- und Mortalitätsraten waren insgesamt niedrig und mit den Langzeitergebnissen der aktuellen Literatur vergleichbar. Somit ist die chirurgische Therapie dieser Tumore als eine adäquate Behandlungsoption mit sehr guten Ergebnissen einzustufen.

Während die chirurgische Therapie beim hepatisch metastasierten kolorektalen Karzinom mittlerweile etabliert ist, ist dies bei nicht-kolorektalen, nicht neuroendokrinen Lebermetastasen und Pankreasmetastasen nicht der Fall. Wir konnten zeigen, dass die chirurgische Therapie sowohl bei dem aggressiv verlaufenden hepatisch metastasierten malignen Melanom als auch bei Pankreasmetastasen einen Überlebensvorteil erbringt. Unsere Ergebnisse weisen bei insgesamt akzeptablen peri- und postoperativen Morbiditäts- und Mortalitätsraten den möglichen Stellenwert der chirurgischen Therapie als additives Tool im multimodalen Therapiekonzept dieser Patienten auf. Weiterhin konnten wir für die in unseren Studien untersuchten Patientengruppen klinische Prognosefaktoren identifizieren, die zukünftig zeigen könnten, welche Patienten wirklich von einer chirurgischen Therapie profitieren. In diesem Zusammenhang spielen auch immunologische und biologische Parameter eine immer wichtigere Rolle. So konnten wir nachweisen, dass ein erhöhtes Vorkommen von CD68- positiven tumorassoziierten Makrophagen in der Tumorinfiltrationsfront sowohl mit einer erhöhten Rezidivrate als auch einem verminderten Gesamt- und rezidivfreien Überleben bei Patienten mit einem hilären Cholangiokarzinom assoziiert ist. Bei der benignen FNH konnten wir aufzeigen, dass Patienten mit einem symptomatischen Tumor von einer Resektion signifikant profitieren. Die subjektiv wahrgenommenen positiven Effekte der Leberresektion auf das alltägliche Leben und die in vielen Bereichen zurückgewonnene Lebensqualität dokumentieren die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der chirurgischen Intervention, aber auch die Zufriedenheit der Patienten mit der ausgewählten Behandlungsmethode.



Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 24.05.2016

Dr. med. Petra Baum
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Habilitationsgebiet: Neurologie
Habilitationsthema: Elektrophysiologische Untersuchungen verschiedener Nervenfasertypen und des autonomen Nervensystems bei Polyneuropathien des Menschen und bei experimentellen Krankheitsmodellen
Einführung in das Thema:

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Anwendung von elektrophysiologischen Methoden zur Quantifizierung und Differenzierung der Beteiligung unterschiedlicher Nervenfasertypen (sensibel, motorisch, vegetativ/autonom) bei verschiedenen Polyneuropathien beim Menschen und an experimentellen Krankheitsmodellen.

Die experimentellen elektrophysiologischen Untersuchungen des peripheren Nervensystems am Rattenmodell konnten sowohl methodische elektrophysiologische Fragen klären, als auch Antworten zur Pathogenese von Neuropathien geben. An der gesunden Ratte hatten Narkoseart und Stimulationsfrequenz Einfluss auf elektrophysiologische Parameter.
Beim Typ 1 Diabetes der Ratte scheinen sowohl Eisenmangel als auch eine vermehrte Entzündungsreaktion eine wichtige Bedeutung in der Pathogenese zu haben. In den klinischen Arbeiten wurden mit einem breiten Spektrum an elektrophysiologischen Untersuchungsmethoden (Elektroneurografie, Elektromyografie [EMG], quantitative sensorische Testung, Herzfrequenzvariabilität, sympathische Hautreaktion, quantitative Pupillografie sowie Dynamometrie) und z.T. Verlaufsuntersuchungen Störungen an unterschiedlichen Nervenfasern bei verschiedenen Neuropathien unterschiedlicher Genese bei Patienten mit LADA (latent autoimmune diabetes of the adults), kritischer Erkrankung (critical illness neuropathy), Adipositas und Guillain-Barré-Syndrom objektiviert, quantifiziert und Verläufe differenziert. Daraus ließen sich prognostische Aussagen sowie Empfehlungen zur Therapie ableiten.


Dr. med. Stefan Karger
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Habilitationsgebiet: Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie
Habilitationsthema: Molekulare Pathomechanismen benigner und maligner Schilddrüsentumoren – Perspektiven in der Differentialdiagnostik
Einführung in das Thema:

Noduläre Veränderungen der Schilddrüse stellen die mit Abstand häufigste endokrine Erkrankung beim Erwachsenen dar und lassen sich in Deutschland auf eine durchschnittliche Prävalenz von etwa 50% beziffern.

Bis heute besteht die Herausforderung in der rationalen Abklärung eines Schilddrüsentumors nach Ausschluss einer funktionellen Autonomie und eines medullären Schilddrüsenkarzinoms. Als Goldstandard der Abklärung gilt nach wie vor die Feinnadelaspirationsbiopsie zur zytologischen Charakterisierung der abzuklärenden Raumforderung. Dabei finden sich in etwa 15-20% sog. suspekte bzw. auf eine follikuläre Neoplasie hinweisende Befunde. Da in solchen Fällen neben einem follikulären Adenom in ca. 20% ein follikuläres Schilddrüsenkarzinom oder die follikuläre Variante eines papillären Schilddrüsenkarzinoms angenommen werden muss, verbleibt als einzige Option die histologische Sicherung des Befundes, das heißt zumindest die Hemithyreoidektomie. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ca. 80% der Betroffenen einer letztendlich unnötigen Operation unterzogen werden. Um dies zu vermeiden ist vor allem ein besseres Verständnis molekularer Pathomechanismen benigner und maligner Schilddrüsentumoren erforderlich.

Die in dieser Habilitationsschrift kumulativ dargestellten Arbeiten identifizieren molekularbiologische Charakteristika benigner und maligner Schilddrüsentumoren anhand der Untersuchung spezifischer Signaltransduktionswege und differenzieller Protein- und Genexpressionen, insbesondere auch in Antwort auf oxidativen Zellstress. Es wird gezeigt, dass oxidativer Stress mit H2O2 als Hauptinduktor sowie Imbalancen zwischen Bildung und Detoxifikation reaktiver Sauerstoffspezies auslösende Mechanismen einer erhöhten spontanen Mutationsrate der Schilddrüse darstellen. Weiterhin wird eine signifikante Herabregulation von DNA-Reparaturmechanismen in humanen follikulären Schilddrüsenmalignomen im Gegensatz zu einer gesteigerten Regulation in benignen follikulären Schilddrüsenneoplasien beschrieben. Ein weiterer Teil der Habilitationsarbeiten zeigt, dass an Routine-Feinnadelpunktaten neben der etablierten zytologischen Diagnostik überhaupt molekulardiagnostische Verfahren methodisch anwendbar sind. Darauf aufbauend gelang es, sog. Kandidaten-Gene zu identifizieren, die follikuläre Neoplasien bereits anhand von gewonnenem Feinnadelaspirat mit einem hohen Maß an Genauigkeit zu differenzieren vermögen und somit eine potentielle Entscheidungshilfe pro oder contra Operation darstellen könnten.

Zusammenfassend spiegeln die Erkenntnisse der Arbeiten dieser Habilitationsschrift die Gesamtentwicklung der molekularen Analytik von Schilddrüsentumoren sowohl in der Grundlagenforschung als auch bereits in der klinischen Anwendung wider. Für die Zukunft stellt sich nun die Aufgabe, den bisherigen Kenntnisstand zur molekularen Pathogenese von Schilddrüsentumoren in den klinischen bzw. pathodiagnostischen Alltag zu implementieren und dabei sorgfältig die jeweiligen klinischen Verläufe im Rahmen prospektiver, multizentrischer Studien zu dokumentieren. Nur dadurch wird eine Validierung des anwendungsbezogenen Nutzens, das in allererster Linie angestrebte Erreichen einer Verringerung unnötiger diagnostischer Schilddrüsenoperationen zu erreichen sein.



Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 26.04.2016

Dr. rer. med. Claudia Luck-Sikorski
Luck-Sikorski hoch   Einrichtung:  SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera / Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health
Habilitationsgebiet: Sozialmedizin und Public Health
Habilitationsthema: Das Stigma Adipositas – Prävalenz, Ursachen und Auswirkungen
Einführung in das Thema:

Starkes Übergewicht, Adipositas, ist nicht nur mit einer Vielzahl körperlicher Begleiterkrankungen verbunden, sondern geht auch mit einer maßgeblichen psychosozialen Belastung einher. Stigmatisierung, also die Assoziation von Übergewicht mit negativen Eigenschaften, und Diskriminierung, die systematische Benachteiligung von Menschen mit Adipositas, sind Phänomene, deren Auswirkungen erst in der jüngeren Vergangenheit auch in der Forschung eine Rolle spielen.

Im Gegensatz zu früheren Annahmen, dass Stigmatisierung dazu eingesetzt werden könne eine Anpassung an die Norm zu unterstützen, zeigen erste Forschungsergebnisse, dass Stigmatisierung und Diskriminierung negative Folgen für die Betroffenen haben können. Die in der vorliegenden Habilitationsschrift aufgeführten Arbeiten stellen empirische Ergebnisse zu allen Aspekten des Stigma-Prozesses Stigmatisierung, soziale Distanz und Diskriminierung bereit und beleuchten die Auswirkungen dieser Prozesse auf das Individuum und die Gesellschaft. Die Ergebnisse zeigen, dass auch in der deutschen Bevölkerung Stigmatisierung und die damit verbundenen negativen Auswirkungen häufig sind und zu einer erhöhten Morbidität führen können. Erste Arbeiten, die die Einstellungen von Personal in Gesundheitsberufen sowie die Haltungen zu spezifischen Therapiemethoden bei Adipositas untersuchen, verdeutlichen die Notwendigkeit weiterer Forschung in diesem Bereich, um zu ermitteln, welche Rolle Stigma-Erfahrungen beim Hilfesuchverhalten der Betroffenen spielen und inwieweit persönliche Einstellungen professioneller Helfer Auswirkungen auf den Beratungs- und Therapieprozess haben.


Dr. med. Jörg Kempfert
KempfertPhoto   Einrichtung:  Klinik für Herz- Thorax- und Gefäßchirurgie, Deutsches Herzzentrum Berlin
Habilitationsgebiet: Herzchirurgie
Habilitationsthema: Klinische Weiterentwicklung der kathetergestützten transapikalen Klappenimplantationstechniken
Einführung in das Thema:

Die kathetergestütze Implantation einer Aortenklappenprothese über die linke Herzspitze (transapikal) stellt eine minimal-invasive Alternative zum konventionell chirurgischen Klappenersatz dar. Vor allem ältere Risikopatienten profitieren von dieser Methode. Im Rahmen der kumulativen Arbeit wird die Entwicklung dieser Technik vom tierexperimentellen Stadium bis zur Etablierung in die klinische Routine dargestellt. Unter anderem wurden drei neue Klappensysteme erstmalig klinisch angewendet und evaluiert. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Entwicklung der sogenannten Valve-in-Valve Technik. Hierbei wird eine kathetergestützte Prothese innerhalb einer degenerierten biologischen Mitral- oder Aortenklappenprothese verankert. So kann eine konventionelle Re-Operation vermieden werden.

Ein weiterer Fokus lag auf der Weiterentwicklung spezieller bildgebender Verfahren. Zur Auswahl der optimalen Prothesengröße wurde ein CT basierter Algorithmus validiert. Basierend auf einem Softwareprototyp wurde zudem die Anwendung der intraoperativen Rotationsangiographie untersucht. Dieses Konzept erlaubt die Nutzung eines integrierten dreidimensionalen Datensatz als „Live Overlay“ zur besseren Visualisierung der anatomischen Strukturen während der eigentlichen Klappenimplantation.



Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 23.03.2016

Dr. med. Carl Bernhard Siegfried Sehm
42416 Einrichtung:  Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Abteilung Neurologie, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Neurologie
Habilitationsthema: Neuroplastizität des menschlichen Gehirns: Mechanismen und Modulation mittels nicht-invasiver Hirnstimulation
Einführung in das Thema:

Das menschliche Gehirn ist über die Lebensspanne hinweg zu Veränderungen in Struktur und Funktion fähig. Diese Fähigkeit, Neuroplastizität, bildet die Grundlage von Lernprozessen, etwa des Erlernens motorischer Fertigkeiten, aber auch einer Funktionserholung bei neurologischen Erkrankungen. In den Arbeiten zu meiner Habilitation wurden bildgebende Verfahren, insbesondere die Magnetresonanztomografie (MRT) zur Untersuchung möglicher Veränderungen von Hirnstruktur und –funktion durch motorisches Lernen genutzt. Desweiteren wurden Verfahren nicht-invasiver Hirnstimulation, insbesondere der transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS) genutzt, um motorische und perzeptuelle Lernprozesse zu beeinflussen bzw. zu optimieren und – in Kombination mit funktioneller Neurobildgebung – zugrundeliegende Funktionsveränderungen des Gehirns zu charakterisieren.

  • Wir konnten zeigen, dass das menschliche Gehirn bereits nach kurzer Zeit des Erlernens einer motorischen Aufgabe zu Strukturveränderungen in der Lage ist - bei gesunden jungen Probanden, älteren Probanden aber auch bei neurologisch erkrankten Patienten mit M. Parkinson. Die Patienten zeigten veränderte Reorganisationsmuster, ein Befund der für mögliche kompensatorische Prozesse von lerninduzierter Veränderung im neurologisch erkrankten Gehirn spricht und eine mögliche neuronale Grundlage des positiven Effektes von Trainingsinterventionen bei M. Parkinson darstellt. Zusammenfassend verdeutlichen diese Studien, dass das Gehirn „formbar“ und schnell adaptierend ist, nicht nur im jungen Erwachsenenalter, sondern auch über die Lebensspanne und bei Krankheit.
  • Basierend auf diesen Befunden wurden Studien durchgeführt mit denen untersucht wurde, ob neuroplastische Prozesse mittels nicht-invasiver Hirnstimulation beeinflusst und Lernprozesse verstärkt werden können. Die Arbeiten zeigen, dass die Stimulation kortikaler Hirnareale mit anodaler (erregbarkeitssteigender) tDCS zu einer Verstärkung von Lernprozessen in unterschiedlichen Domänen, Motorik und Sprache, führte.
  • Um die Wirkung der tDCS auf die Hirnfunktion besser zu verstehen wurden Methoden etabliert und angewendet, die eine Charakterisierung von Funktionsveränderungen mittels funktioneller MRT und EEG simultan zur tDCS ermöglichen. Es konnte gezeigt werden, dass über dem primären Motorkortex (M1) applizierte tDCS zu dynamischen Veränderungen der funktionellen Konnektivität des stimulierten M1, aber auch entfernter interkonnektierter Hirnareale führt. Dieser Befund eröffnet ein netzwerkbasiertes Verständnis von tDCS-Effekten als Grundlage für eine zielgerichtete Anwendung bei Patienten mit Hirnnetzwerkveränderungen wie zum Beispiel nach einem Schlaganfall.

Dr. med. Miloš Fischer
Fischer_MF Leipzig   Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Habilitationsthema: Bedeutung und technische Weiterentwicklung der diagnostischen und operativen Endoskopie in der HNO-Heilkunde
Einführung in das Thema:

Die Entwicklung der Stablinsenoptiken und der flexiblen Glasfasertechnik sowie die Einführung des Kaltlichts haben dazu beigetragen, dass sich die Endoskopie zu einem unverzichtbaren Untersuchungsverfahren in der HNO-Heilkunde etablieren konnte. Weiteres Entwicklungspotenzial liegt in der Etablierung neuer endoskopischer Verfahren, einschließlich der Entwicklung von für die endoskopische Chirurgie geeigneten Assistenzsystemen.

Die vorliegende Arbeit beschreibt anhand eigener Ergebnisse den Einsatz der Endoskopie als diagnostisches Instrument in der HNO-Heilkunde und schließt hierbei die Entwicklung und Weiterentwicklung endoskopischer Untersuchungsgänge und Operationsverfahren ein. Der Schwerpunkt wird dabei auf die endoskopische endonasale Chirurgie und die Bedeutung des Einsatzes von Assistenzsystemen gelegt.

  • Die endoskopische Diagnostik zur Beurteilung kindlicher obstruktiver Atmungsstörungen konnte zeigen, dass der Grad der dynamischen Obstruktion besser mit dem Ausprägungsgrad der Atmungsstörung korreliert als die alleinige Größenbeurteilung der zugrundeliegenden adenotonsillären Hyperplasie. Das Verfahren der Multipoint-Laservermessung bietet die Möglichkeit der objektiven endoskopischen Vermessung der oberen Atemwege. Trotz technischer Fortschritte konnte bisher die virtuelle Nasen- und Nasennebenhöhlenendoskopie die optische Endoskopie nicht ersetzen. Ihr kommt lediglich eine ergänzende Bedeutung zu. Mithilfe der Oto-Endoskopie können bestehende Nachteile der Binokularmikroskopie ausgeglichen werden, dies kann zur Qualitätsverbesserung z.B. in der Mittelohrchirurgie beitragen. Ferner kann mit miniaturisierten Endoskopen eine Mittelohrinspektion und minimal-invasive Manipulation bzw. Instrumentation erfolgen.
  • Der Einsatz der Endoskopie führt auch zur Erhöhung der symptombezogenen Erfolgsrate in der endonasalen Tränenwegschirurgie im Kindes- und Erwachsenenalter. Assistenzsysteme wie die intraoperative Navigation im Rahmen der endoskopischen endonasalen Chirurgie konnten bisher nicht zu einer nachweisbaren Reduktion der Komplikationsraten führen, jedoch liefern sie weiteres Entwicklungspotenzial, wie am Prinzip navigiert-kontrollierter kraftgetriebener Instrumente gezeigt werden konnte. Desgleichen bieten Telemanipulatoren die Möglichkeit zur assistierten Endoskopführung, die für den Bedarf der endonasalen Chirurgie jedoch noch angepasst werden müssen.
  • Ergänzende optophysikalische Verfahren bieten ferner das Potenzial, die diagnostische Genauigkeit der optischen Endoskopie zu verbessern.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 24.02.2016

Dr. med. Mario Bauer
Mario_Bauer   Einrichtung:  Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ, Department für Umweltimmunologie, UniversitätLeipzig
Habilitationsgebiet: Experimentelle Umweltmedizin
Habilitationsthema: Umweltmedizinische Risikobewertung von Umweltschadstoffen - Realität oder Vision
Einführung in das Thema:

Aufgrund des permanenten Inverkehrbringens von anthropogen erzeugten Fremdstoffen in den globalen Stoffkreislauf muss davon ausgegangen werden, dass der Mensch bewusst oder mehrheitlich unbewusst mit diesen Stoffen in Berührung kommen kann. Mit einer fundierten personalisierten Risikobewertung zu potenziellen Gesundheitsschäden durch Fremdstoffe muss dieser Mensch-Umwelt-Interaktion Rechnung getragen werden. Voraussetzungen für eine realistische Risikobewertung sind allerdings die genauen Kenntnisse zur Umweltsituation, zum individuellen Phänotyp und zu Mechanismen der Mensch-Umwelt-Interaktion.

Die kumulative Arbeit beschreibt exemplarisch die teils unverstandene Komplexität dieser Teilaspekte.

  • Zur Bedeutung der Umweltsituation konnte die Unvorhersehbarkeit von biologischen Effekten gegenüber der Wirkung von Substanzmischungen beobachtet werden.
  • Zur Bedeutung des individuellen Phänotyps für ein Erkrankungsrisiko konnte gezeigt werden, dass Kleinkinder, die spezielle funktionelle Polymorphismen von Enzymen der Biotransformation besitzen, suszeptibler für eine Erkrankung, deren determinierende Schadstoffexposition in utero wirkte, in der frühen Kindheit sind.
    Neben genetisch-basierten funktionellen Polymorphismen konnte die allgemeine phänotypische Vielfalt noch anhand von häufig vorkommenden Splicevarianten von Enzymen der Biotransformation erweiternd beschrieben werden.
  • Zur Bedeutung der Mechanismen der Mensch-Umwelt-Interaktion konnte erstmals eine Tabakrauchen induzierte Überexpression spezifischer T-Lymphozyten, deren physiologische Rolle ungeklärt blieb, im Blut von Tabakrauchern identifiziert werden.

Zusammenfassend belegt die Schrift die unverstandene Komplexität einer derzeit noch visionären personalisierten Risikobewertung von Umweltschadstoffen.



Dr. med. Jan Peter Halbritter
Halbritter_Portrait_Habilitation   Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Endokrinologie und Nephrologie - Sektion Nephrologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Innere Medizin
Habilitationsthema: Ziliopathien und andere monogene Ursachen der chronischen Niereninsuffizienz
Einführung in das Thema:

Die chronische Niereninsuffizienz im Endstadium betrifft in Deutschland rund 100.000 Menschen. In ca. 10% der Fälle wird eine monogene Erkrankung als Ursache des chronischen Nierenversagens angenommen. Den größten Anteil daran haben sogenannte Ziliopathien. Diese bezeichnen eine Reihe von hereditären Erkrankungen, die auf mutierten ziliären oder zentrosomalen Genen beruhen. Die häufigste Ziliopathie ist die autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD). Eine seltenere Form ist die Nephronophthise (NPHP), welche autosomal-rezessiv vererbt wird und sich gewöhnlich im Kindes- und Jugendalter manifestiert. Wie alle Ziliopathien ist auch die NPHP eine Systemerkrankung, die häufig mit extrarenalen Organbeteiligungen (e.g. Retinitis pigmentosa, Leberzirrhose, Kleinhirnatrophie) assoziiert ist. Die NPHP zeichnet sich durch eine enorme genetische Heterogenität aus: seit der Entdeckung des NPHP1-Gens im Jahre 1997 sind bis heute 19 verschiedene NPHP-Krankheitsgene identifiziert worden (NPHP1 – NPHP19). Die vorliegende Arbeit fasst die erfolgreiche Identifikation mehrerer neuer NPHP-Gene mittels eines innovativen Mutationsanalyseverfahrens zusammen.

Unter Anwendung dieses Verfahrens wurden zudem die monogenen Formen der Nierensteinbildung hinsichtlich ihrer Prävalenz untersucht.

Die molekulargenetische Diagnostik mit dem Ziel der umfassenden Detektion zugrundeliegender monogener Erkrankungen hält aufgrund ihrer rasanten Entwicklung in den letzten 20 Jahren zunehmend Einzug in die klinische Praxis. Sinnvoll eingesetzt, repräsentiert sie ein wertvolles Werkzeug zur

  • Verifizierung und Stratifizierung der klinischen Diagnose,
  • Abschätzung der Krankheitsprognose und
  • Entwicklung zielgerichteter Therapieverfahren.

Dr. med. univ. Dr. med. Jedrzej Kosiuk
Kosiuk_foto   Einrichtung:  Abteilung für Rhythmologie, Herzzentrum Leipzig GmbH - Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Innere Medizin und Kardiologie
Habilitationsthema: Catheter ablation of atrial fibrillation in distinct patient subgroups
Einführung in das Thema:

Die katheter-basierte Hochfrequenzablation von Vorhoflimmern hat sich zur Standard-Zweitlinientherapie für Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern entwickelt. Nichtsdestotrotz sind die Erfolgsraten, Erfolgsprediktoren, potenzielle zusätzliche nicht auf Rhythmustherapie beschränkte klinische Vorteile, sowie periinterventionelle Komplikation in speziellen Patientenkollektiven nicht ausreichend untersucht worden.

Die vorliegende Habilitationsschrift gliedert sich in vier Schwerpunkte:

  1. Beschreibung der Erfolgsrate und klinischen Vorteile der Vorhofflimmerablation bei Patienten mit strukturellen Kardiomyopathien
  2. Identifizierung von echokardiografischen Erfolgsprediktoren und potenziellen Spätfolgen einer extensiven linksatrialen Ablation bei Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz
  3. Darstellung von Erfolgsaussichten und elektrophysiologischen Eigenschaften bei Patienten mit metabolischem Syndrom
  4. Untersuchung der Häufigkeit und Risikofaktoren von periinterventionellen thromboembolischen Komplikationen der Ablationsprozedur.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 26.01.2016

Dr. med. Matthias Preuß
Preuss 2011druck   Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Neurochirurgie
Habilitationsthema: Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie der hydrozephalen Hirnwasserzirkulationsstörungen
Einführung in das Thema:

Die Hirnwasserzirkulation sollte als ein Kreislauf der Gesamtheit der intrakraniellen und spinalen Wasserkompartimente – des Liquors und des interstitiellen Wassers – verstanden werden. Hierdurch und durch die Beachtung der pulsatilen Eigenschaften des zentralen Nervensystems kann näherungsweise ein Verständnis für die komplexen Veränderungen erzielt werden, welche sich unter anderem im Symptom «Hydrocephalus» manifestieren.

Das Verständnis für Hydrocephaluserkrankungen als komplexe Störung der Pulsatilität und der Zirkulation sowie als Versagen von Regulationsmechanismen löst zunehmend die rein mechanistischen Vorstellungen ab. Ein normaler intrakranieller Druck schließt keine hydrocephale Hirnwasserzirkulationsstörung aus!
In der vorgelegten Arbeit wurden neben pathophysioligschen Aspekten vor allem auch therapeutische Konzepte untersucht: Die Aquäduktstenose kann in vier Subtypen klassifiziert werden:

  • der kongenitale Typ (< 2. Lebensjahr)
  • der juvenil-chronische Typ (2-15. Lebensjahr)
  • der latent akute Typ (> 15-45 Jahre) und
  • der chronische Typ (Normaldruckhydrocephalustyp, > 40 Jahre).

Hierbei finden sich neben unterschiedlichen Raten des Rückgangs der Ventrikelweite auch Unterschiede im neurologischen Outcome zwischen endoskopisch und konventionell behandelten Patienten. Die sollte künftig in der Wahl der optimalen Therapie Berücksichtigung finden und weiterführend evaluiert werden.

Bei der Diagnostik des Normaldruckhydrocephalus als chronische Form des Hydrocephalus ist die probatorische Lumbaldrainage und klinische Testung des Patienten die einfachste und dennoch effektivste Diagnostik zur Therapieentscheidung. Die Prognose des Patienten ist vor allem von den bestehenden kognitiven Störungen abhängig.

Die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten des Hydrocepahlus sind rein neurochirurgischer Natur im Sinne von inneren oder externen Modifikationen der Zirkulation durch endoskopische Verfahren oder Ableitungsoperationen, welche jedoch keine kausale und ursächliche Therapie darstellen. Zukünftig sollten vor allem Anstrengungen darauf fokussiert werden, die Entstehung pathologischer Zustände gezielt zu verhindern oder zu behandeln.



Dr. med. Haifa Kathrin AI-Ali, M.B. ; Ch.B. (Univ. Bagdad)
Al-Ali_20141211_18_26_08_Pro   Einrichtung:  Selbstständige Abteilung für Hämatologie und Internistische Onkologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Innere Medizin und Hämatologie und Internistische Onkologie
Habilitationsthema: Therapeutic strategies to improve treatment outcome in acute myeloid leukemia
Einführung in das Thema:

Die Therapie der akuten myeloischen Leukämie (AML) ist eine große Herausforderung. Die unbefriedigende Überlebenswahrscheinlichkeit nach Chemotherapie insbesondere bei älteren Patienten ist auf hohe Mortalitäts- und Rezidivraten zurückzuführen.

In dieser kumulativen Habilitation wird ein Konzept vorgestellt, welches ein höheres Ansprechen durch neue Therapien ermöglichen und gleichzeitig eine geringere Toxizität als herkömmliche Chemotherapien aufweisen soll. Dies ist insbesondere für ältere Patienten geeignet, soll aber auch bei jüngeren Patienten Anwendung finden. Zu Grunde dieses Konzepts liegt die Tatsache, dass bei akuten Leukämien eine abnorme Genmethylierung (u.a. auch Suppressorgene) häufig vorliegt, die eine Aktivierung von Genen verhindert. Mittels der hypomethylierenden Substanz Azacitidin erscheint die epigenetische Modulation ein vielversprechender Therapienasatz zu sein. Die Methylierung von “long interspersed elements” (LINE-1) und frühe Reduktion der Knochenmarkblasten haben wir als frühe Ansprechprädiktoren erkannt. Ferner haben wir den Stellenwert immunologischer Mechanismen, wie die allogene haematopoietische Stammzelltransplantation (HCT), zur Verbesserung des Überlebens bei jüngeren Patienten mit hochrisiko AML optimiert.

Schwerpunkt der Arbeit war aber auch die Erweiterung der Transplantationsindikation auf ältere Patienten durch die Einführung der HCT nach reduzierter Konditionierung (RIC-HCT). Trotz nun langanhaltender Remissionen durch den „Graft-versus-Leukämie“ Effekt, bleibt das Rezidiv die Haupttodesursache bei der AML. Die Bestimmung der minimalen Resterkrankung (MRE) und Steuerung der immunsuppressiven Therapie nach HCT sollte dies reduzieren. Es wurde der Spenderchimärismus in sortierten CD34+ Zellen, ein Spender- und nicht AML-spezifischer Marker, als MRE erfolgreich eingesetzt. Eine Verbesserung der Langzeitergebnisse durch Minimierung der therapiebedingten Komplikationen nach HCT wurde durch steroidsparende Behandlungen bei der „Graft-versus-Host” Erkrankung (GvHD) erreicht und Untersuchungen über den Eisenstoffwechsel eingeleitet. Bei einem bisher nicht so bekannten, negativen Einfluss des Eisenstoffwechsels auf das Überleben nach HCT haben wir in klinischen Studien die Sicherheit / Machbarkeit der depletiven Eisentherapien getestet. Die Berücksichtigung der patienten-, leukämie- und therapiespezifischen Charakteristika wird zur Verbesserung der Prognose bei AML führen.


MUDr. Ivan Matia, Ph.D.
2016_Matia_Ivan_foto   Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Gefäßchirurgie
Habilitationsthema: Immunosuppression with tacrolimus after experimental and clinical allovessel transplantation
Einführung in das Thema:

Arterial and venous allografts are used for vascular reconstruction in specific indications. The indication and type of postoperative immunosuppression in these patients is still not clear. The drug most frequently used worldwide is cyclosporine A.
Tacrolimus is a newer and more potent immunosuppressive drug that is routinely used in renal and liver transplant patients. Tacrolimus shows advantages, compared to cyclosporine A, with respect to hypertension, dyslipidaemia, and renal function in transplant patients.
Consequently, we investigated the effect of different tacrolimus immunosuppressive protocols on cell- and antibody-mediated rejection of arterial and venous allografts, using a Brown-Norway rat to Lewis rat experimental allograft model.

We demonstrated that tacrolimus inhibited donor-specific anti-MHC class I and anti-MHC class II antibody production as well as antibody- and cell-mediated destruction of aortic allografts, even when administrated from day 7 posttransplant.
We also confirmed that immunosuppression with tacrolimus was sufficient to inhibit rejection of venous allografts and facilitates adaptation of venous allografts to arterialisation in a rat model.
Our experimental results led us to introduce a new immunosuppressive protocol in human patients, and we found that delayed use of tacrolimus after replacement of an infected vascular prosthesis by arterial allograft showed good results.
Moreover, we initiated use of a standardised tacrolimus immunosuppressive protocol in patients after limb-salvage procedures with venous allografts.
Finally, we were also able to demonstrate the efficacy and safety of the use of cold-stored arterial allografts in the treatment of arterial occlusive disease or abdominal aortic aneurysm simultaneously with renal transplantation.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 17.11.2015

Dr. rer. nat. Markus Eszlinger
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Habilitationsgebiet: Experimentelle Medizin
Habilitationsthema: Die molekulare Diagnostik von zytologisch indeterminierten Schilddrüsenknoten unter Verwendung von Routinezytologiematerial
Einführung in das Thema:

Während Schilddrüsenknoten häufige klinische Befunde darstellen, ist die Inzidenz von Schilddrüsenkarzinomen niedrig. Deshalb erfordern Patienten mit Schilddrüsenknoten evidenzbasierte Strategien zur Differentialdiagnose und Risikostratifizierung für Malignität.

Die Feinnadelaspirationszytologie (FNAZ) stellt dabei die Methode mit der höchsten Sensitivität und Spezifität zur Unterscheidung benigner und maligner Knoten dar. Jedoch treten auch unter optimalen Bedingungen ca. 20% indeterminierte Ergebnisse auf. Diese unbefriedigende Situation ist hauptsächlich auf eine inhärente Limitierung der FNAZ zurückzuführen: Bei indeterminierten FNAZ Proben kann nicht zwischen follikulären Adenomen, adenomatösen Hyperplasien, follikulären Karzinomen und der follikulären Variante des papillären Karzinoms unterschieden werden. Deshalb müssen Patienten mit dieser Zytologiediagnose einer diagnostischen Operation unterzogen werden, die in ca. 20% der Fälle Malignität nachweisen kann. Das heißt, 80% der FNAZ, die als indeterminiert klassifiziert wurden, werden einer unnötigen Thyroidektomie unterzogen. Mit der Entdeckung von somatischen Mutationen in ca. 60% der Schilddrüsenkarzinome eröffneten sich neue Perspektiven für die Diagnose von Schilddrüsentumoren. In allen bisherigen Studien, die das FNAZ Defizit durch die Detektion von mehr als 2 Mutationen zu verbessern versuchten, wurde zusätzlich gewonnenes FNA Material verwandt. Allerdings hat nur die Verwendung des Routine-FNAZ-Materials entscheidende Vorteile: z.B. exakt dasselbe Material, welches vom Zytologen untersucht wurde, wird für die molekulare Analyse verwandt und eine fokussierte molekulare Diagnostik wird nur für die Proben durchgeführt, die nicht zytologisch klassifiziert werden konnten.

Aus diesen Gründen wurde in der vorliegenden Arbeit eine Methode zum Nachweis von BRAF, RAS, RET/PTC und PAX8/PPARG Mutationen unter Verwendung von Routine-FNAZ etabliert und deren diagnostische Bedeutung in zwei unterschiedlichen Kollektiven analysiert. Darüber hinaus wurden miRNA Klassifikatoren identifiziert, die in mutations¬negativen Proben zu einer Verbesserung der präoperativen Diagnostik beitragen können. Zukunftsperspektivisch wird die Analyse einer erweiterten Gruppe von Mutationen und die Quantifizierung von miRNA Klassifikatoren in erhöhten negativ und positiv prädiktiven Werten resultieren, welche eine höhere Zahl primärer Thyreoidektomien für positive Testergebnisse und Nachbeobachtung anstelle von diagnostischen Thyroidektomien für negative Testergebnisse erlauben sollte.


Dr. med. Hans Peter Iseli
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Habilitationsgebiet: Augenheilkunde
Habilitationsthema: Kollagenvernetzung der Sklera – Tierexperimentelle Studien
Einführung in das Thema:

Kurzsichtigkeit (meist bedingt durch ein zu starkes Augenwachstum in der Pubertät) wird zurzeit mit refraktiven Eingriffen (Veränderung der Hornhaut und somit der Optik) korrigiert. Starke Kurzsichtigkeiten und damit auch begleitende Risiken der Netzhaut (Risiko von Netzhautablösungen, Risiko von myopen Makuladegenerationen) können bisher kaum verhindert bzw. reduziert werden.

Die Technik des Crosslinkings (Versteifung von Gewebe mit Riboflavin und UV-Licht) bietet sich auch zur Versteifung der Sklera an. Mit einer Versteifung, so die Idee, könnte eventuell das Augenwachstum und somit die Progression der Myopie reduziert, wenn nicht gar gestoppt werden. Ziel dieser Arbeit war es, diesen neuen Behandlungsansatz mit einer angepassten Lichtquelle (Blaulicht an Stelle von UV-Licht) zu prüfen.

In Tierexperimenten (Kaninchen) wurde zunächst die Schwelle für die Schädigung von Augengewebe (v.a. Sklera, Chroidea und Netzhaut) bei Anwendung von Riboflavinlösung 0,5% und Blaulicht an der Sklera untersucht. In einem weiteren Schritt wurde die biomechanische Antwort der Sklera auf die Behandlung mit verschiedenen Lichtintensitäten mittels rheologischen Messungen bestimmt. Mit dem Wissen um die Schadensschwelle und die biomechanische Wirksamkeit wurden nun Augen junger Kaninchen in der Augenwachstumsphase mit den geeigneten Parametern behandelt und das Augenwachstum drei Wochen und 23 Wochen nach Behandlung mit Kontrollaugen verglichen. Gemäss unseren Resultaten lässt sich das Augenwachstum durch die Behandlung nachhaltig verzögern. Damit wird die Augenlänge des behandelten Auges im Vergleich zum Partnerauge kürzer und damit weniger kurzsichtig. Durch geeignete Parameterwahl wäre in Zukunft auch ein Stoppen des Augenwachstums denkbar.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 06.10.2015

Dr. med. Dr. med. dent. Heike Hümpfner-Hierl
Huempfner-Hierl_photo4   Einrichtung:  Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie
Habilitationsthema: Biomechanische Untersuchungen zur Traumatologie des Mittelgesichts und der Orbita sowie zur anatomisch-funktionellen Versorgung von Orbitawandfrakturen
Einführung in das Thema:

In der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sind Frakturen des Mittelgesichts und der Orbita von hoher klinischer Relevanz. Aufgrund der komplexen anatomischen Gegebenheiten ist es notwendig, valide biomechanische Modelle zur Verfügung zu haben, um Spannungsverläufe bei Auftreffen einwirkender Kräfte und Frakturen simulieren zu können. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde zunächst ein sehr genaues Finite-Elemente-Modell des Schädels ohne Unterkiefer entwickelt. Im weiteren wurden mithilfe dieses Modells verschiedene traumatologische Szenarien gegen die Stirn, das Mittelgesicht und die Orbita transient dynamisch simuliert, die Ergebnisse analysiert und mit der klinischen Realität verglichen. Es zeigte sich, dass die Ergebnisse der Simulationen mit typischen klinischen Frakturmustern übereinstimmen. Mithilfe der Finite-Elemente-Analysen konnten verschiedene Fragestellungen, wie das Auftreten von Erblindungen nach Stirntrauma, Einfluss von Weichgewebe, Zusammenhang zwischen Mittelgesichtsfrakturen und intrakraniellen Verletzungen und Mechanismen der Entstehung von Orbitawandfrakturen beantwortet werden.

Weiterhin wurde eine aus insgesamt 131 computertomografischen Aufnahmen des Gesichtsschädels berechnete Durchschnittsorbita generiert. Kommerziell erhältliche präformierte Titangitter, die zur Versorgung von Orbitawandfrakturen Anwendung finden, wurden mit der Durchschnittsorbita verglichen. Des weiteren soll sie dazu dienen, Hilfsmittel zur Verbesserung der Adaptation von Titangittern herzustellen. Ziel der Finite-Elemente-Simulationen sowie der Erstellung der Durchschnittsorbita ist die Optimierung der operativen Versorgung.


Dr. med. Thomas Karlas
Karlas   Einrichtung:  Department für Innere Medizin, Neurologie und Dermatologie, Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Innere Medizin
Habilitationsthema: Analyse der Gewebeelastizität bei Lebererkrankungen: Etablierung und Anwendung Ultraschall-basierter Verfahren
Einführung in das Thema:

Weltweit ist eine zunehmende Prävalenz chronischer Lebererkrankungen zu verzeichnen. Im Krankheitsverlauf kann es zu einem Umbau des Leberparenchyms kommen, der als Fibrose bezeichnet wird. Die Leberzirrhose stellt den Endpunkt dieses Prozesses dar und führt aufgrund ihrer Komplikationen zu einer deutlich reduzierten Lebenserwartung. Die Leberbiopsie ist die Referenzmethode für die Ermittlung des Fibroseausmaßes, ist aber potenziell risikobehaftet und erlaubt keine engmaschigen Kontrollen im Krankheitsverlauf. Daher werden nicht invasive, risikoarme und effizient anwendbare Methoden zur Charakterisierung des Leberparenchyms benötigt.

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist Evaluation Ultraschall basierter Methoden zur Messung der Gewebesteifigkeit (= Elastografie), die sich die Korrelation von Gewebehärte und fibrotischem Parenchymumbau zu Nutze machen. Techniken wie die Transiente Elastografie (TE) und die auf dem Acoustic Radiation Force Impulse  Imaging (ARFI) basierende Point Shear Wave Elastografie berechnen die Gewebeelastizität anhand des Ausbreitungsverhaltens mechanischer Impulse im Gewebe. Die Ergebnisse korrelieren mit dem histologisch ermittelten Fibrosegrad und weisen eine hohe diagnostische Güte für die Detektion der fortgeschrittenen Fibrose und Leberzirrhose auf. Das breite Spektrum der Lebersteifigkeit erlaubt zudem eine Beurteilung des Risikos für Folgekomplikationen der Leberzirrhose. Neben der Analyse der Gewebesteifigkeit bieten Ultraschall basierte Verfahren auch die Möglichkeit, den Grad der Leberzellverfettung (Steatose) nicht invasiv zu untersuchen. Im Hinblick auf die steigende Prävalenz des metabolischen Syndroms und seiner hepatischen Manifestation, der nicht alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD), hat die Quantifizierung des Leberfettgehalts sowohl für die klinische Forschung als auch für Diagnostik und Therapie betroffener Patienten eine wachsende Bedeutung.

Zukünftig können die in der Habilitationsschrift diskutierten nicht invasiven Methoden dazu beitragen, individualisierte und effiziente Behandlungskonzepte für chronische Lebererkrankungen zu etablieren.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 09.09.2015

Dr. med. Chirojit Mukherjee, MBBS, M.D.
Dr   Einrichtung:  HELIOS Klinik für Herzchirurgie Karlsruhe, Abteilung Anästhesie;
bis 04/2015 Herzzentrum Leipzig, Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Anästhesiologie und Intensivmedizin
Habilitationsthema: Transcatheter and minimal invasive mitral valve surgery (MIMVS): Current implications, perioperative surgical and anesthetic considerations and imaging modalities to avert complications, with special emphasis on transcatheter aortic valve replacement (TAVR)
Einführung in das Thema:

Der Einsatz von kathetergestützten Verfahren wächst exponentiell. Gründe hierfür sind zum einen die minimalinvasive Technik und zum anderen die Möglichkeit, eine Klappe ohne den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine mit all ihren Nachteilen zu ersetzen. Seit der Einführung der kathetergestützten Aortenklappenimplantation (TAVR) im Jahre 2002 als alternative Behandlungsmethode für Hochrisikopatienten mit symptomatischer Aortenklappenstenose und schwerwiegenden Begleiterkrankungen erfuhr die medizinische Welt eine neue Ära der Entwicklung von verschiedenen Klappentypen und deren Implantationssystemen.
Die immer weiter fortschreitende Miniaturisierung der Systeme führte zur einer höheren Erfolgsrate, verbessertem Outcome und einer stetig sinkenden Komplikationsrate. Wichtig für den Entscheidungsprozess und die Auswahl des richtigen Zeitpunktes der Intervention sind Kenntnisse über Pathophysiologie der Aortenklappenstenose.

Patienten, die für eine TAVR in Frage kommen, haben typischerweise multiple andere Erkrankungen, sodass ein operativer Aortenklappenersatz oft ein zu hohes Risiko birgt. Die prä- und intraoperative Bildgebung ist von essentieller Bedeutung für die Bestimmung der Aortenklappenringgröße, für den Informationsgewinn während der Intervention sowie für die postinterventionelle Beurteilung der implantierten Klappe und der angrenzenden Strukturen. Es liegen derzeit noch keine schlüssigen Daten über Verfahrensfragen, Haltbarkeit der Klappen oder Langzeitergebnisse vor. Aus diesem Grund sollte diese Technologie vorerst nicht bei jüngeren Patienten angewendet werden.

Die minimalinvasive Mitralklappenchirurgie (MIMVS) ist ein weiteres Verfahren, das sich in der letzten Dekade als alternative Behandlungsmethode für Hochrisikopatienten etabliert hat. Ziele der MIMVS sind

  • geringere postoperative Schmerzen,
  • verkürzte Krankenhausaufenthaltsdauer,
  • ein besseres kosmetisches Ergebnis und
  • reduzierte Kosten.

Das Hauptziel der Verringerung des Traumas wird zum einen durch die minimalinvasive Technik und zum anderen durch die effektive Zusammenarbeit von Chirurgie, Anästhesie und Kardiotechnik erreicht. Das Verfahren stützt sich hauptsächlich auf videoassistierte direkte Visualisierung des Herzens. Die prä- und postoperativen Befunde werden durch die indirekte Bildgebung der Echokardiografie beurteilt. Deshalb spielt die Bildgebung eine wichtige Rolle, um zufriedenstellende Resultate zu erreichen.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der individualisierten chirurgischen und anästhesiologischen Herangehensweise, um ein optimales Ergebnis für die Patienten zu erzielen. Sie beschreibt die verschiedenen chirurgischen Methoden der TAVR und MIMVS und unterstreicht die Bedeutung der bildgebenden Verfahren, um Komplikationen bei diesen sehr von der Bildgebung abhängigen kardiochirurgischen Prozeduren zu vermeiden.


Dr. rer. nat. Kerstin Hill
Hill 20150829-P8297858   Einrichtung:  Rudolf Boehm Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Pharmakologie und Toxikologie
Habilitationsthema: Biological function and pharmacological modulation of transient receptor potential (TRP) ion channels TRPM2, TRPA1, and TRPC5
Einführung in das Thema:

Die Superfamilie der TRP-Kationenkanäle (TRP, Abk. für „transient receptor potential“) ist eine der größten Ionenkanalfamilien. TRP-Kanäle sind ubiquitär in erregbaren und nicht erregbaren Zellen exprimiert und nehmen im Organismus vielfältige physiologische Funktionen wahr. Darüber hinaus sind TRP-Kanäle aber auch an der Entstehung pathophysiologischer Zustände beteiligt. Für einige Vertreter dieser Kanalfamilie, allen voran TRPV1, ist die physiologische Funktion relativ gut aufgeklärt. TRPV1-selektive Inhibitoren konnten bereits identifiziert werden und befinden sich in unterschiedlichen Phasen klinischer Studien. Über viele andere TRP-Kanäle ist weitaus weniger bekannt.

Die Habilitationsschrift beschäftigt sich mit der Pharmakologie und einer möglichen physiologischen und pathophysiologischen Funktion von drei verschiedenen TRP Kanälen, TRPM2, TRPA1 und TRPC5, die auch die drei thematischen Schwerpunkte bilden.

  • Der erste Teil klärt Mechanismen der TRPM2-Aktivierung durch oxidativen Stress auf und beschäftigt sich mit der pharmakologischen Modulation des Kanals durch neu identifizierte Inhibitoren. Darauf aufbauend wird die Charakterisierung von TRPM2-Strömen in neuronalen Zellen beschrieben und die Bedeutung von TRPM2 bei ischämischen Prozessen im ZNS diskutiert.
  • Im zweiten Teil wird eine mögliche Rolle von TRPA1 bei der Vermittlung unerwünschter Arzneimittelwirkungen untersucht. Es wird diskutiert, ob eine direkte Aktivierung von TRPA1 in sensorischen Neuronen bzw. neuroendokrinen Zellen des Gastrointestinaltraktes durch Pharmaka an der Entstehung von Schmerzen bzw. gastrointestinalen Beschwerden beteiligt sein könnte.
  • Im letzten Teil der Arbeit wird die Identifizierung und Validierung von neuartigen Stoffen beschrieben, die die Aktivität von TRPC5 modulieren. Mithilfe dieser Modulatoren konnten native TRPC5-Ströme charakterisiert werden.

TRPC5 stellt eine vielversprechende Zielstruktur für die Entwicklung neuartiger Therapiekonzepte für verschiedene Krankheiten, wie Angststörungen oder Nierenschädigungen dar. Die neu identifizierten Wirkstoffe erlauben die akute Modulation von TRPC5-Kanälen und eröffnen somit die Möglichkeit, bisher unerkannte, da kompensierte Funktionen von TRPC5 zu erkennen. Darüber hinaus bieten die Modulatoren vielversprechende Ansatzpunkte für die Entwicklung hochselektiver Blocker, die zukünftig zur Therapie TRPC5-assoziierter Erkrankungen einsetzbar sein könnten.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 14.07.2015

Dr. med. Jan Darius Unterlauft
6   Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Augenheilkunde
Habilitationsthema: Die Glaukome: Diagnostik, Therapie und Neuroprotektion
Einführung in das Thema:

Bei den Glaukomen handelt es sich um eine heterogene Gruppe von Augenerkrankungen, denen eine zunehmende Degeneration der retinalen Ganglienzellen und des Sehnerven gemeinsam ist. In der vorgelegten Habilitationsarbeit werden Untersuchungsergebnisse auf verschiedenen Teilgebieten der klinischen und experimentellen Glaukomatologie zusammengefasst.

  • Der Einfluss einer die Hornhaut des Auges verformenden Erkrankung auf die applanatorische Augendruckmessung wurde untersucht und konnte als gering eingestuft werden.
  • Außerdem konnte gezeigt werden wie stark sich die Architektur des vorderen Augenabschnittes beim akuten Winkelblock(glaukom) nach therapeutischer punktueller Durchtrennung der Regenbogenhaut (Iridotomie) verändert.
  • Darüber hinaus wurde die Wirksamkeit einer neuen laserchirurgischen Operationsmethode (Pattern-Laser-Trabekuloplastik) zur Senkung des Augeninnendrucks beim Offenwinkelglaukom untersucht.
  • Abschließend wurden die experimentellen Ergebnisse zur neuroprotektiven Wirkung des Pigmentepithel-assoziierten Faktors (PEDF) vorgestellt. Hier konnten mittels Zellkulturversuchen an primären retinalen Ganglienzellen die neuroprotektiven Eigenschaften von PEDF und die Wirkungsweise über verschiedene intrazelluläre Signalwege nachgewiesen werden.

Dr. med. Dr. rer. medic. Dr. rer. biol. hum. Andreas Oberbach, M.P.H.
DSC09585 - hoch   Einrichtung:  Abteilung für Herzchirurgie, Herzzentrum Leipzig GmbH - Universitätsklinik Leipzig
Habilitationsgebiet: Experimentelle Chirurgie
Habilitationsthema: Proteom-Analysen komplexer Erkrankungen in der experimentellen Chirurgie: Beiträge zur translationalen Adipositasforschung
Einführung in das Thema:

Die Ausbreitung der Volkskrankheit Adipositas und deren Komorbiditäten haben im vergangenen Jahrzehnt pandemischen Charakter angenommen. Insbesondere die metabolische Chirurgie gelangt zunehmend in den Fokus interdisziplinärer Forschungsanstrengungen.
Die vorliegende Habilitationsarbeit befasst sich mit der Suche nach kausalen Zusammenhängen zwischen den Erfolgen der metabolischen Chirurgie und den molekularen Regelmechanismen in den Bereichen:

  • urologische Erkrankungen
  • funktionales Metaproteom der Mikrobiota
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die Proteomik wurde in der vorliegenden Arbeit in verschiedenen Untersuchungen angewandt, um grundlagenwissenschaftliche Erkenntnisse zu generieren oder metabolisch-chirurgische Intervention im Hinblick auf ihre Wirksamkeit zu erforschen.
Die Forschungsergebnisse geben Einblicke in die Pathophysiologie der Adipositas-assoziierten Harnblasenfunktionsstörungen. Hierbei kommt der freien gesättigten Fettsäure Palmitat eine besondere Rolle in der Ausprägung und Entwicklung einer verminderten Kontraktionsfähigkeit der Harnblase sowie den Symptomen einer überaktiven Blase zu. Die chronische Entzündung der Harnblase wird begleitet von einer gesteigerten Fibrosierung des Harnblasengewebes, deren Ausprägungsgrad durch bariatrisch- chirurgische Interventionen reversibel gestaltet werden kann.

Die chronische Entzündungsreaktion ist ein wesentlicher Begleitfaktor der Adipositas und unterliegt einer Vielzahl von inneren und äußeren Einflüssen. Hierbei können Veränderungen der Darmmikrobiota Entzündungsreaktionen im Organismus provozieren. Untersuchungen der Darmflora (Mikrobiom) belegen einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Ausprägung der Adipositas und der Zusammensetzung der Mikroorganismen. Diese Erkenntnisse wurden wegweisend durch Genomanalysen erarbeitet. Die Untersuchung des Mikrobioms auf Proteinebene gestattet zusätzlich zur Identifikation von Bakterien, die Beschreibung des bevorzugten Stoffwechsels der Bakterien und gibt somit tiefere Einblicke in die Regulation der Darmflora. Vertiefende Forschungsansätze untersuchen den Stickstofffluss isotopenmarkierter Proteine in die Mikroflora. Durch diese Methode ist es möglich, stoffwechselaktive Bakterien zu identifizieren und den Einfluss bariatrischer Chirurgie auf das funktionelle Mikrobiom der Darmflora zu prüfen.

Es zeichnet sich zunehmend ab, dass die Darmflora unter dem Einfluss der Adipositas auch die kardio­metabolische Gesundheit beeinflusst. All diese Zusammenhänge werden bis zum heutigen Tag jedoch nur unzureichend verstanden und weitere Forschungsanstrengungen sind notwendig um die Wirkung der bariatrischen Chirurgie auf den Organismus zu prüfen.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 23.06.2015

Dr. rer. nat. Manuela Rossol
Bild_Rossol   Einrichtung:  Department für Innere Medizin, Neurologie und Dermatologie, Sektion Rheumatologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Experimentelle Rheumatologie
Habilitationsthema: Inflammatorische Dysregulation der Monozyten in Patienten mit rheumatoider Arthritis
Einführung in das Thema:

Monozyten zirkulieren im peripheren Blut und gehören zum angeborenen Immunsystem. Diese Zellen spielen eine große Rolle im Entzündungsgeschehen und sie produzieren das für die Pathogenese der rheumatoiden Arthritis wichtige Zytokin TNF. Die experimentellen Untersuchungen der vorliegenden Habilitationsarbeit widmeten sich den Fragestellungen, ob es Veränderungen im Monozyten-Kompartment gibt, welche funktionellen Konsequenzen dies hat und welche Rolle Monozyten in der Pathogenese der Autoimmunerkrankung rheumatoide Arthritis (RA) spielen. Die Ergebnisse der experimentellen Untersuchungen lassen folgende Aussagen zu:

  • In RA-Patienten sind die monozytären Subpopulationen intermediäre Monozyten und die CD56+ Monozyten expandiert. Beide Subpopulationen zeichnen sich durch eine erhöhte Produktion pro-inflammatorischer Zytokine aus, außerdem begünstigten intermediären Monozyten die Expansion von Th17 Zellen, welche eine Rolle in der RA Pathogenese spielen.
  • RA Monozyten zeigten in Kultur ein erhöhtes Überleben, was durch die pathologische Produktion von IL-1β und dessen autokrine Wirkung verursacht wurde. mTNF reverse signaling normalisierte diese dysregulierte von IL-1β Produktion und das erhöhte Überleben.
  • Im dritten Schwerpunkt wurden zwei wichtige monozytäre Gene, DNASE2 und CCR5, in genetischen Assoziationsstudien hinsichtlich ihrer Relevanz in der Pathogenese der RA untersucht. Eine Deletion im CCR5 Gen und der einhergehenden Nichtfunktionalität des Proteins, war protektiv für RA, besonders für erosive RA und RA mit extraartikulären Manifestationen. SNPs in der 5’-regulatorischen Region des DNASE2 Gens waren mit RA assoziiert.
  • Im letzten Schwerpunkt wurde untersucht, ob eine Erhöhung der extrazellulärem Kalziumionenkonzentration als Danger-Signal auf Monozyten wirkt. Kalziumionen wurden von sterbenden Zellen freigesetzt, von zwei G protein-gekoppelten Rezeptoren erkannt, und aktivierten das Nlrp3 Inflammasom in Monozyten, was zur massiven IL-1β Freisetzung führte. Die Kalziumionen-Konzentration kann in Entzündungsherden erhöht sein, möglicherweise auch im erosiven Geschehen im Gelenk von RA-Patienten.

Dr. med. Maria Strauß
Strauß foto   Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Psychiatrie und Psychotherapie
Habilitationsthema: Klinische Differenzierung depressiver Episoden
Einführung in das Thema:

Depressive Störungen gehören weltweit zu den häufigsten und folgereichsten Erkrankungen. Ätiologisch wird von einer multifaktoriellen Genese ausgegangen, mit neurobiologischen, genetischen, umweltbedingten und psychologischen Aspekten.

Die diagnostische Einordnung depressiver Erkrankungen erfolgt symptombezogen und gemäß den etablierten Klassifikationssystemen mittels einer phänomenologisch-deskriptiven Einschätzung, ohne Bezug auf ätiologische Faktoren der Erkrankung. Die breite und variable Symptomkonstellation depressiver Erkrankungen impliziert jedoch auch darüber hinaus existierende klinische Subgruppen und Endophänotypen.

Diese Arbeit legt in kumulativer Form Ergebnisse einer klinischen Charakterisierung depressiver Patienten vor, welche unter Berücksichtigung bislang nicht beachteter klinischer Merkmale erfolgt. Inhaltlich beschäftigt sich die Arbeit unter anderem mit der Reliabilitätsprüfung des klinischen Instrumentes „Onset-of-Depression-Inventory“ (ODI), welches zur systematischen Erfassung der klinischen Merkmale Geschwindigkeit des Depressionsbeginns und der Rückbildung depressiver Episoden konzipiert wurde. Einen weiteren besonderen Schwerpunk bildet die klinische Differenzierung zwischen Patienten mit uni- und bipolarer Depression. Ferner wird auf die klinische und wissenschaftliche Bedeutung des Instrumentes ODI eingegangen.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 19.05.2015

Dr. rer. nat. Yvonne Böttcher
Foto Yvonne Böttcher   Einrichtung:  Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen, Universitätsmedizin Leipzig
Habilitationsgebiet: Experimentelle Medizin
Habilitationsthema: Adipositas und Fettverteilung: Genetische und Epigenetische Analysen
Einführung in das Thema:

Adipositas ist eine komplexe Erkrankung, die weltweit epidemische Ausmaße angenommen hat. Eine besondere Rolle bei der Ausprägung metabolischer Komplikationen kommt dabei der individuellen Fettverteilung zu. Vermehrte Akkumulation viszeralen Fettgewebes führt häufig zu Ko-Morbiditäten wie Typ 2 Diabetes, kardiometabolischen Erkrankungen oder schließlich zum metabolischen Syndrom.

Die vorliegende Habilitationsarbeit befasste sich neben genetischen Analysen auch mit epigenetischen Mechanismen, die höchstwahrscheinlich komplexe Gen-Umwelt-Interaktionen beschreiben und die Ätiologien von Adipositas und Fettverteilung beeinflussen können. Insbesondere denkbar sind hierbei post-translationale epigenetische Modifikationen, wie DNA-Methylierungen, Histon-Modifikationen und damit verbundene Veränderungen der Chromatinstruktur. Die in der vorliegenden Habilitation zusammengefassten Untersuchungen erweitern unser Verständnis für die Ätiologie von Adipositas und der Ausprägung individueller Fettverteilung aus mehreren Perspektiven. Die dargelegten Studien führten zu folgenden Erkenntnissen:

  • Genetische Varianten in Kandidatengenen assoziieren mit klinischen Merkmalen von Adipositas und liefern Evidenz für eine signifikante Beteiligung genetischer Faktoren an der Pathophysiologie von Adipositas sowie des Insulin und Glukose-Metabolismus.
  • Viszerales und subkutanes Fettgewebe weisen unterschiedliche epigenetische DNA Methylierungniveaus auf, wobei das viszerale Depot signifikant stärker methyliert ist. Erstmals konnte die Unterschiedlichkeit der Epigenome dieser zwei Fettdepots beschrieben werden. Globale subkutane Methylierungslevel korrelieren außerdem signifikant mit Merkmalen der Fettverteilung und Glukose-Homeostase.

Zukünftige Analysen werden sich vor allem mit der Erforschung von Umwelteinflüssen wie Ernährung oder Sport und deren Einfluss auf das Epigenom im Fettgewebe und Skelettmuskel befassen, woraus ein tieferes Verständnis für die Rolle der Epigenetik als Bindeglied zwischen Umwelt und Genetik abgeleitet werden soll.


Dr. med. Hoang Minh Do
photo Dr   Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Urologie
Habilitationsthema: Die Entwicklung laparoskopischer Operationstechniken in der Urologie unter besonderer Berücksichtigung der radikalen Prostatektomie
Einführung in das Thema:

In den USA und in Europa ist das Prostatakarzinom die häufigste maligne Erkrankung des Mannes. In Deutschland steht das Prostatakarzinom an dritter Stelle der Todesursachen bei malignen Erkrankungen des Mannes. Beim Vorliegen eines lokal begrenzten Prostatakarzinoms wird die radikale Prostatektomie als Therapie der Wahl eingesetzt.

Laparoskopische Operationsmethoden sind für den Patienten schonende Operationsverfahren (sogenannte minimal-invasive Eingriffe) und haben nachhaltig die Entwicklung der operativen Urologie beeinflusst. Die Etablierung und Standardisierung der extraperitonealen endoskopischen radikalen Prostatektomie (EERPE) wurde Schwerpunkt unserer klinischen Arbeit der letzten Jahre. Eine Auswertung der klinischen Daten nach insgesamt 3500 Eingriffen zeigt, dass die EERPE insgesamt eine niedrige perioperative Morbidität aufweist. Die funktionellen und onkologischen Ergebnisse sind sowohl vergleichbar mit den Ergebnissen der klassischen retropubischen, als auch mit denen der laparoskopischen radikalen Prostatektomie.

Die Frage nach Kontraindikationen für den Eingriff (EERPE) hat uns frühzeitig beschäftigt und war Gegenstand verschiedener klinischer Auswertungen. Von Bedeutung sind dabei vor allem vormals stattgefundene Operationen, wobei insbesondere Operationen an der Prostata (v.a. TUR-Prostata), die die eigentliche Prostatektomie beeinflussen können, aber auch Operationen im Beckenbereich (beispielsweise Hernienplastiken mit Netzeinlage), die den extraperitonealen Zugang beeinflussen können, untersucht worden.

Das Etablieren neuer Operationsmethoden erfordert ein entsprechendes Komplikationsmanagement. Häufige Komplikationen und deren Behandlungen, wie das Auftreten von intraoperativen Blutungen und postoperative Anastomoseninsuffizienzen, sind ebenso Gegenstand dieser Arbeit.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 21.04.2015

Dr. med. univ. Dr. med. Michael Stefan Kendler
Porträt Kendler 2   Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Haut- und Geschlechtskrankheiten
Habilitationsthema: Neues und Bewährtes in der Pathogenese und Behandlung von Krampfadern
Einführung in das Thema:

Krampfadern sind die häufigste klinische Manifestation der chronisch venösen Erkrankung. Diese können isoliert (CEAP, klinische Klasse 2) oder in Verbindung mit weiteren Zeichen der chronisch venösen Insuffizienz auftreten. Die zusammengefassten eigenen 13 peer reviewed Arbeiten geben eine aktuelle Übersicht über neue als auch bewährte Erkenntnisse der Pathogenese und Therapie der Krampfadererkrankung. Besondere Berücksichtigung finden folgende Themenbereiche:

  • Als mögliche Ursachen der Venenerkrankung stehen der Klappeninsuffizienz, welche einen Reflux bewirkt, Erkenntnisse einer primären Schädigung der Venenwand gegenüber.
  • Insbesondere gibt es Hinweise, dass Sexualsteroidhormone auch beim männlichen Geschlecht bei der Varizenentstehung beteiligt sind.
  •  Entsprechend dem Symptomkomplex der Krampfadererkrankung wird gezeigt, dass vermeintlich venöse Beschwerden zu einem eigenständigen „Schweres-Bein-Syndrom“ gehören können.

Als neue Therapieverfahren sind die endoluminalen Techniken zu nennen. Im Besonderen wird die Anwendung einer modifizierten Tumeszenzlokalanästhesie bei endoluminal thermischen Verfahren dargestellt. Hingegen ermöglichen die Flüssig- und die Schaumsklerosierung eine anästhesiefreie Behandlung von Varizen. Die mechanochemische Ablation stellt eine weiterentwickelte endoluminale, anästhesiefreie Behandlung von Stammvarizen dar. Es werden histologische ex-vivo Ergebnisse zum mechanischen Anteil des mechonachemischen Verfahrens vorgestellt. Nach der chirurgischen Krampfaderbehandlung können Rezidive auftreten. Eine histologische Untersuchung von Rezidivvarizen nach endoluminalen thermischen Verfahren kann einen Hinweis auf Verfahrensfehler geben.


Dr. med. Sebastian Olbrich
Olbrich Foto   Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Psychiatrie und Psychotherapie
Habilitationsthema: Die Vigilanzregulation und das Ruhe-Elektroenzephalogramm bei neuropsychiatrischen Erkrankungen: Von der Theorie zur klinischen Anwendung.
Einführung in das Thema:

Mittels des Elektroenzephalogramms können unterschiedliche globale Hirnfunktionszustände mit hoher zeitlicher Auflösung erfasst werden. Die Analyse der zeitlichen Abfolge dieser Vigilanzstadien unter Ruhebedingungen erfolgt mithilfe des Vigilanzalgorithmus Leipzig (VIGALL). Dieser Algorithmus wurde zunächst validiert durch eine simultane EEG-fMRI Studie, weitere Untersuchung über das Zusammenspiel der EEG-Vigilanz und des autonomen Nervensystems und einen Vergleich der Ergebnisse des VIGALL mit denen des „Multiple Sleep Latency Tests“.

Das Konzept der EEG-Vigilanzregulation postuliert, dass die klinischen Korrelate der Depression mit Schlafstörungen, Rückzug und Vermeidung aktivierender Stimuli Folge einer hyperstabilen Vigilanzregulation sind, während manisches Verhalten die wachheitsfördernde Gegenregulation einer instabilen Vigianzregulation darstellt. Auf Basis dieser Annahmen folgte die Untersuchung verschiedener neuropsychiatrischer Patientenpopulationen, wobei bei depressiven Patienten und bei Patienten mit einer Zwangsstörung eine hyperstabile Vigilanzregulation bestätigt wurde, während sich für das Fatigue-Syndrom bei Patienten mit Tumorerkrankungen eine instabile EEG-Vigilanzregulation fand.

Anschließend wird der Wert der EEG-Vigilanzstadien als Kovariable bei neurophysiologischen Untersuchungen diskutiert. Letztendlich wird ein Ausblick gegeben auf die mögliche Verwendung der EEG-Vigilanzregulation zur Prädiktion des Therapieerfolges, z.B. psychopharmakologischer Interventionen, bei psychiatrischen Erkrankungen wie beispielsweise der unipolaren Depression.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 24.03.2015

Dr. med. Stephan Fricke
fricke2 Einrichtung:  Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM), Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Innere Medizin und Immunologie
Habilitationsthema: Entwicklung präklinischer Transplantationsmodelle und innovativer immunologischer Therapien zur Prävention der Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung (GvHD) mit erhaltenem anti-Tumor-Effekt nach hämatopoetischen Stammzelltransplantationen
Einführung in das Thema:

Die allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSCT) ist für viele hämatologische Patienten die einzige kurative Therapiemöglichkeit. Trotz deutlicher Verbesserung in den letzten Jahrzehnten, ist diese immer noch mit zum Teil lebensbedrohlichen Komplikationen vergesellschaftet. Dabei stellt die Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung (Graft-versus-Host-Disease [GvHD]) die Hauptkomplikation dar, die auch eine Anwendung für weitere Indikationen (z. B. bei Autoimmunerkrankungen) erschwert.

Ziel der hier vorgestellten Arbeiten war es, die GvHD ohne die bisherige Immunsuppression durch neue Zelltherapien mit regulatorischen Immunzellen und aus Knochenmark abgeleiteten Stammzellprogenitoren sowie durch die Behandlung mit monoklonalen anti-humanen CD4 Antikörpern in selbst entwickelten Transplantationsmodellen unter besonderer Berücksichtigung der hämatologisch-immunologischen Rekonstitution präventiv zu beeinflussen. Die Transplantation von Zellen mit Eigenschaften hämatopoetischer und mesenchymaler Stammzellen (NA-BMCs) konnte das Überleben verbessern und die Rekonstitution einer endogenen Hämatopoese ohne GvHD-Induktion beschleunigen. Im Gegensatz zur allogenen Transplantation, erleichtert die Co-Transplantation von syngenen regulatorischen T-Zellen (Tregs) und Knochenmarkzellen das Anwachsen hämatopoetischer Stammzellen mit einer beschleunigten Rekonstitution der Hämatopoese.
Die ex vivo Inkubation eines allogenen Transplantates durch Epitop-spezifische anti-humane CD4 Antikörper ermöglichte erstmals gleichzeitig den Transplantat-gegen-Leukämie (GvL)-Effekt und die dauerhafte Suppression der GvHD. Damit wurde experimentell die wichtigste Voraussetzung für die allogene HSCT bei hämatologisch-onkologischen Erkrankungen erreicht: Die Separation des GvL-Effektes von der GvHD.


Dr. med. Christoph Lübbert
Foto Dr Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, Fachbereich Infektions- und Tropenmedizin, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Innere Medizin
Habilitationsthema: Epidemiologie, Klinik, Ausbruchs- und Therapiemanagement von Krankenhausinfektionen durch Carbapenemase bildende Klebsiella pneumoniae und Toxin produzierende Stämme von Clostridium difficile
Einführung in das Thema:

Die Mehrzahl der jährlich 400.000 bis 600.000 Krankenhausinfektionen in Deutschland wird von Erregern der sogenannten ESCAPE-Gruppe verursacht. Besondere Sorge bereitet dabei die Ausbreitung von K. pneumoniae-Stämmen mit enzymvermittelter Resistenz gegenüber Carbapenem-Antibiotika (K. pneumoniae-Carbapenemase, KPC) und die Zunahme von C. difficile-Infektionen (CDI) durch hypervirulente Epidemiestämme (z.B. Ribotyp 027).

In der vorliegenden klinischen Habilitationsschrift werden vor allem die spezifischen Erfahrungen eines prolongierten Ausbruchsgeschehens durch einen KPC-bildenden K. pneumoniae-Stamm (KPC-KP) am Leipziger Universitätsklinikum in den Jahren 2010-2013 analysiert und diskutiert. So ist bei diesem Erregertyp ein hohes Transmissionspotenzial bei enormer Umweltresistenz zu berücksichtigen; Infektionsketten bleiben oftmals unklar. Die Anwendung von Antibiotika ist auf einzelne Substanzen der Reserve (Colistin, Tigecyclin, Gentamicin) beschränkt und bei immunsupprimierten Patienten (z.B. Lebertransplantierte) mit einem relevanten Risiko des Therapieversagens behaftet. Hinsichtlich der Behandlung von CDI wird die steigende Zahl an Rezidiven herausgearbeitet, die teilweise antibiotisch (Vancomycin, Fidaxomicin) nicht beherrschbar sind, sodass alternative Therapieverfahren wie die fäkale Bakterientherapie („Stuhltransplantation“) zur Anwendung kommen. CDI-Rezidive wie persistierende intestinale Besiedelung mit multiresistenten Enterobakterien scheinen neben wirtsspezifischen Faktoren der Immunantwort durch eine Dysregulation der physiologischen intestinalen Standortflora mit Verlust der Kolonisationsresistenz bedingt zu sein. Die intestinale Eradikationsbehandlung von KPC-KP („Darmdekontamination“) mittels oraler Applikation der nicht resorbierbaren Antibiotika Colistin und Gentamicin ist mit einem relevanten Risiko von Sekundärresistenzen behaftet.

Die Erfahrungen der Leipziger KPC-Ausbruchsbewältigung zeigen, dass nahezu lückenlose Compliance bei der Händedesinfektion, rigoros praktizierte und kontrollierte Barriere- und Isolationsmaßnahmen, Optimierung des Gebrauchs von Breitspektrum-Antibiotika (sog. „Antibiotic Stewardship“) und systematisches mikrobiologisches Erregerscreening unabdingbar sind. Da eine Zulassung neuer Antibiotikaklassen für die nächsten Jahre nicht in Sicht ist, kommt der Infektionsprävention überragende Bedeutung zu. Nachhaltige Verbesserungen hinsichtlich der globalen Ausbreitung von multiresistenten Erregern werden sich nur durch grundlegende Umgestaltungen in Umwelt, Landwirtschaft, Tierzucht und Gesundheitswesen mit sparsamer und möglichst gezielter Anwendung von Antibiotika erzielen lassen.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 24.02.2015

Dr. med. Claudia Walther
P59469 Einrichtung:  Kerckhoff Klinik – Bad Nauheim, Abteilung für Kardiologie
Habilitationsgebiet: Innere Medizin / Kardiologie
Habilitationsthema: Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen durch täglichen Sportunterricht bei Schulkindern: Bewertung kardiovaskularer Parameter
Einführung in das Thema:

Die Adipositas im Kindesalter stellt mit einer stetig steigenden Prävalenz ein zunehmendes gesellschaftiches und gesundheitspolitisches Problem dar. Ursächlich hierfür sind ein Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch und insbesondere der Mangel an körperlicher Aktivität. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung wurde das Leipziger Schulprojekt zur Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen mit dem Ziel, durch zusätzlichen Sportunterricht die körperliche Fitness und Aktivität von Schulkindern zu steigern, einen gesundheitsbewussten Lebensstil zu lehren und eine ggf. vorhandene Übergewichtigkeit zu korrigieren, initiiert.

Seit 2005 wurden 14 Klassen der 6. Jahrgansstufe aus verschiedenen Schulen mit unterschiedlichen pädagogischen Profilen untersucht. Dabei wurden die Schüler klassenweise in eine Interventionsgruppe mit täglichem Schulsportunterricht und in eine Kontrollgruppe mit konventionellem Schulsportunterricht (2 Stunden/ Woche) randomisiert. Zu Beginn und am Ende eine jeden Schuljahres wurden verschiedene Parameter bzgl. körperlicher Fitness, Körperzusammensetzung, Lebensqualität und Laboranalysen untersucht.

In der vorliegenden Habilitationsschrift werden die Langzeitergebnisse (3- Jahresergebnisse) dieses Präventionsprojekts analysiert und diskutiert. Die körperliche Fitness (primärer Endpunkt) war nach einem Jahr in der Interventionsgruppe signifikant gebessert, jedoch war dieser Effekt zum Studienendpunkt von drei Jahren nicht mehr vorhanden. Auch bezüglich der Parameter zur Körperzusammensetzung wie Body Mass Index (BMI) und der BMI-Perzentile sowie des systolischen und diastolischen Blutdrucks zeigte sich nach drei Jahren kein signifikanter Interventionseffekt. Die körperliche Aktivität (erfasst anhand eines Fragebogens) sowie die Lebensqualität der Schüler der Interventions- und Kontrollklassen war zu keinem Zeitpunkt signifikant unterschiedlich.

Mögliche Gründe für den fehlenden Langzeiterfolg könnte ein Bias in den Kontrollklassen, die unterschiedliche Trainingsintensität oder persönliche Entwicklungen bis hin zur Pubertät sein, diese werden in der Arbeit diskutiert. Abschliessend wird dennoch auf die Notwendigkeit, Weiterentwicklung und Verbesserung von Präventionsprojekten hingewiesen, damit der steigenden Prävalenz kindlicher und jugendlicher Übergewichtigkeit entgegengewirkt werden kann.


Dr. med. Ulrich Spiegl
Porträt formal Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig
Habilitationsgebiet: Orthopädie und Unfallchirurgie
Habilitationsthema: Biomechanische und klinische Aspekte des regionalen Alignments inkompletter Berstungsfrakturen der thorakolumbalen Wirbelsäule
Einführung in das Thema:

Die Therapie von Frakturen an der Brust- und Lendenwirbelsäule hängt von der Bruchform und der Frakturstabilität ab. Je nach Bruchmorphologie kommen unterschiedliche Therapieansätze zum Einsatz. Bei Frakturen vom inkompletten Berstungstyp reichen die empfohlenen Therapiestrategien vom konservativen Vorgehen bis hin zur komplexen dorsoventralen Versorgung und verbleiben kontrovers diskutiert. Insbesondere die Relevanz des Wirbelsäulenprofils ist noch nicht ausreichend geklärt, da lokale Fehlstellungen möglicherweise erst nach Jahrzehnten klinisch relevant werden. Langfristige Verlaufskontrollen insbesondere nach operativer Versorgung mit modernen Implantaten sind nur in sehr begrenztem Ausmaß vorliegend.

Diese Arbeit befasst sich mit dem lokalen Wirbelsäulenprofil, dem Einfluss der intraoperativen Frakturaufrichtung auf die Bandscheiben, dem postoperativen Repositionsverlust und die klinisch zu erwartenden Ergebnisse nach ventraler Versorgung. Zum einen wurden die Bandscheiben nach intraoperativer Wiederherstellung des Wirbelsäulenprofils und Applikation von Dehnungskräften nach inkompletter Berstungsfrakturen der thorakolumbalen Wirbelsäule und dorsaler Stabilisierung untersucht. Des Weiteren wurden Wirbelkörperersatzimplantate bzgl. der Einbruchgefahr in angrenzende Wirbelkörper biomechanisch analysiert. Zu guter Letzt erfolgten klinische und radiologische 2- bzw. 6-Jahreskontrollen nach dorsoventraler und ventraler Bruchversorgung nach inkompletter Berstungsfraktur beim Erwachsenen bzw. älteren Patienten.

Schlussfolgernd kann festgehalten werden, dass eine intraoperative Distraktion keinen negativen Effekt auf das überbrückte Bandscheibensegment besitzt. Daneben sind anatomisch geformte und stufenlos adaptierbare Endplatten biomechanisch bzgl. der Einbruchgefahr überlegen. Insgesamt scheint die dorsoventrale Versorgung der rein ventralen Stabilisierung bezüglich des Alignments überlegen zu sein. Beim älteren Patienten scheint dabei insbesondere die vorsichtige Präparation der Grund- und Deckplatten eine übergeordnete Rolle zu spielen. Insgesamt wurden nach rein ventralem und dorsoventralem Vorgehen gute bis sehr klinische Langzeitergebnisse beobachtet.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 27.01.2015

Dr. med. Niels Hammer
img0005 Einrichtung:  Institut für Anatomie, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Anatomie
Habilitationsthema: Morphologische und mechanische Untersuchungen zur Funktion des Beckenrings
Einführung in das Thema:

Das Zusammenspiel zwischen den Knochen und Bändern des Beckenrings ist eine mögliche Ursache von Beschwerden am hinteren Beckenring. Die pelvinen Ligamenta spielen auch bei Verletzungen eine entscheidende Rolle. Daher ist das Verständnis der Biomechanik des hinteren Beckenrings von Bedeutung für erfolgreiche Therapiestrategien.

Ziel dieser Arbeit ist die morphologische und mechanische Beschreibung des humanen Beckenrings und der Wirkung der Ligamenta auf die Beckenkinematik mithilfe von Computersimulationen. Für die Identifikation von Faserverläufen der Ligamenta wurde die Magic-Angle-Methode eingesetzt. Durch die Kombination von Plastinationstechniken mit optischen Verfahren konnten Materialeigenschaften für die Beckenbänder erhoben werden. Die Computersimulationen bestätigen, dass die Beckenbänder multiaxial und lokal unterschiedlich belastet sind. Die Lastableitung am hinteren Beckenring erfolgt maßgeblich durch die Ligg. sacroiliaca und durch mechanisch bisher wenig beachtete Bandstrukturen, den Ligg. sacrospinalia und -tuberalia. Der Vergleich zwischen physiologischen Lastfällen und traumatischen Verletzungsszenarien zeigt stark unterschiedliche Wirkrichtungen der Kraftvektoren. Die pelvinen Ligamenta tragen zur Stabilisierung des Beckenrings bei und bestimmen ossäre Verletzungsmuster mit. Folglich sollten die Bänder eine Zielstruktur in der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Beckenrings darstellen. Ihre chirurgische Durchtrennung als schmerztherapeutisches Konzept ist aufgrund der vorliegenden Befunde abzulehnen.

Weiterführende Computersimulationen können beitragen, die Auswirkungen therapeutischer Interventionen auf die Biomechanik des Beckenrings zu erkennen.


Dr. med. Roman Wölfel
Wölfel Einrichtung:  Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr, Medizinische Biologische Aufklärung & Verifikation, Gastwissenschaftler am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie
Habilitationsgebiet: Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
Habilitationsthema: Molekularbiologische Untersuchungen zum Nachweis biologischer Kampfstoffe
Einführung in das Thema:

Biologische (B-) Kampfstoffe werden, trotz des internationalen Verbotes ihrer Herstellung oder ihres Einsatzes, auch heute noch als ständige, wenn auch latente Bedrohung wahrgenommen. Die Erkennung und Eindämmung eines militärischen, terroristischen oder kriminellen Einsatzes eines B-Kampfstoffes ist dabei die Aufgabe des medizinischen B-Schutzes, einem noch verhältnismäßig jungen Zweig der medizinischen Mikrobiologie. In der Habilitationsschrift werden Fragestellungen aus den Gebieten der Bakteriologie, Virologie und Toxinologie untersucht. Ziel war es dabei, über bereits existierende Diagnostikverfahren hinaus, neue molekulardiagnostische Methoden für den Einsatz im medizinischen B-Schutz zu entwickeln.

Im Rahmen der Aufklärung eines Ausbruchs von Bindehautentzündung in Militäreinrichtungen wurden Methoden zu Probennahme und zur molekularen Typisierung von Adenoviren experimentell geprüft und weiterentwickelt. In anderen Studien wurden Verfahren zur Identifizierung von Krim-Kongo Hämorrhagischem Fieber Virus und Hantaviren entwickelt. Dabei konnten theoretische Erkenntnisse zu nicht-typischen Nukleotidpaarungen für die Verbesserung der molekularbiologische Diagnostik genutzt werden. Als Nachweisverfahren für Fleckfiebererreger wurde eine neue Methode zum Echtzeit-Diagnostik von Rickettsieninfektionen entwickelt. Durch die Anwendung dieses Verfahrens in Studien an Zecken konnte das Vorhandensein humanpathogener Rickettsienarten in Teilen Deutschlands und Österreichs belegt werden. Weiterhin konnte ein neues Isolat der Rickettsienart Rickettsia monacensis gewonnen und charakterisiert werden. Zur Erweiterung des Methodenspektrums zum Nachweis der B-Kampfstoffe Rizin und Abrin wurde eine molekularbiologische Methode zur zeitgleichen Detektion der Erbsubstanz dieser beiden Pflanzengifte entwickelt.
Durch die unmittelbare Anwendung der in den Studien neu entstandenen Labormethoden für epidemiologische und epizootologische Fragestellungen konnten Kenntnisse zur Risikobewertung und für den Gesundheitsschutz gefährdeter Populationen gewonnen werden.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 16.12.2014

Dr. med. Yousef Yafai
Yousef_Yafai_1 Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Augenheilkunde
Habilitationsthema: Control of Retinal Angiogenesis by Müller Cells: New Therapy Approaches
Einführung in das Thema:

Die pathologische Bildung von neuen Blutgefäßen im Auge führt zu einer Beeinträchtigung des Sehvermögens, diese Neovaskularisierung stellt die häufigste Ursache für eine Erblindung in den Industriestaaten dar. Unkontrolliert wachsende und funktionell insuffiziente Gefäße (Neovaskularisationen) entstehen überwiegend durch Angiogenese und sind charakteristische Begleiterscheinung von angioproliferativen Netzhauterkrankungen wie der proliferativen diabetischen Retinopathie. Auf zellulärer Ebene profitieren die bei ischämischen Retinopathien von Aktivierung, Wachstum/Proliferation und anhaltender Überlebensfähigkeit mikrovaskulärer Endothelzellen. In Folge der Gewebehypoxie in der Retina kommt es zur Freisetzung von proangiogenen Zytokinen, die das Wachstum neuer Blutgefäße durch Angiogenese begünstigen und auch deren Hyperpermeabilität fördern.

In dieser kumulativen Habilitationsschrift werden 12 Publikationen zusammengefasst. Im ersten Teil wird gezeigt, Müllerzellen produzierten antiangiogenen Faktoren und deren Effekte auf Angiogenese-relevante Aktivitäten retinaler Endothelzellen. In den zweiten Teil der Schrift haben wir untersucht, ob PEDF (Pigment epithelium Growth Factor), einen signifikanten Beitrag zur antiangiogenen Aktivität leistet, die mit Müllerzellen assoziiert ist. Schließlich haben wir die mögliche und die moderne Therapieoptionen in Behandlung der feuchte altersabhängige Makuladegeneration geforscht. Unsere Ergebnisse haben gezeigt dass: topische Applikation von Tyrosine kinasen Hammer (Pazopanib) signifikant unterdrückte der choroidale neovaskularization Ausbreitung.


Dr. med. Skadi Beblo
BebloPortrait Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Kinder- und Jugendmedizin
Habilitationsthema: Die Phenylketonurie: Verbesserungen der Therapie mit Modellcharakter für andere angeborene Stoffwechselerkrankungen
Einführung in das Thema:

Durch einen Defekt der Phenylalaninhydroxylase (PAH) kommt es bei der Phenylketonurie (PKU) zum mangelnden Abbau der Aminosäure Phenylalanin zu Tyrosin und zur Bildung toxischer Phenylketone. Unbehandelt führt die Erkrankung zu schwerster psychomotorischer Retardierung. Bei frühzeitiger Diagnosestellung und Einführung einer streng phenylalaninarmen Diät unter Eiweißsubstitution mit einem phenylalaninfreien Aminosäuregemisch kommt es jedoch zu einer im Wesentlichen normalen Entwicklung der betroffenen Kinder. Die strenge dietätische Therapie hat problematische Folgen, einige sind in den Arbeiten zur vorliegenden Habilitationsschrift untersucht worden.

Durch die Vermeidung von tierischem Eiweiß kommt es zu einer geringen Zufuhr an langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren (LC-PUFA). Diese sind wichtig für die Zusammensetzung, den Erhalt und die Funktion von Zellmembranen und für die Ausreifung des Gehirns. Bei frühzeitig und konsequent behandelten PKU-Patienten zeigt sich eine langsamere Signaltransduktion im ZNS sowie Defizite in der motorischen Funktion im Vergleich zu Gesunden. Beides konnte durch Verabreichung von LC-PUFA in Form von Fischöl signifikant verbessert werden. Eine Erweiterung der PKU-Therapie um die Ergänzung von LC-PUFA in den Aminosäuregemischen ist aufgrund dieser und ähnlicher Daten anderer Arbeitsgruppen inzwischen erfolgt.

Die hochdosierte Verabreichung des PAH-Kofaktors Tetrahydrobiopterin (BH4) führt bei einigen Patienten zu einer deutlichen Steigerung der PAH-Restaktivität. Diese BH4-sensitiven Patienten bedürfen nur noch einer gelockerten diätetischen Therapie. Allerdings konnten wir zeigen, dass es unter BH4-Therapie durch die Veränderung der Ernährungsweise zu einer mangelhaften Versorgung mit einigen Vitaminen und Mikronährstoffen kommt, die kritisch zu sehen ist. Zusätzlich übernehmen viele Patienten unerfreuliche Ernährungsgewohnheiten Gesunder.
Psychische Faktoren spielen im Krankheitsverlauf der PKU eine große Rolle. Erfreulicherweise konnten wir zeigen, dass die globale Lebensqualität (HRQoL) der Patienten im Mittel der stoffwechsel-gesunder Vergleichskinder entspricht. Die Diäterleichterung durch die Einführung von BH4 führte kurzfristig zu keiner weiteren Steigerung der HRQoL. Allerdings wurden Teilaspekte der BH4-Therapie, die bei der Untersuchung der globalen HRQoL nicht berücksichtigt werden, von den Patienten als außerordentlich positiv bewertet.

Die durchgeführten Studien haben zu einem verbesserten Verständnis der vielschichtigen und komplizierten diätetischen Therapie bei PKU-Patienten geführt. Die erhobenen Daten sind nicht nur von akademischem Interesse, sondern haben eine große klinische Relevanz für die Weiterentwicklung der Therapie der PKU. Überdies können die Erkenntnisse auf weitere noch seltenere angeborene Erkrankungen des Intermediärstoffwechsels übertragen werden. Die PKU dient diesbezüglich als Modellerkrankung.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 18.11.2014

Dr. rer. nat. Marina Bigl
Bigl_M22 Einrichtung:  Institut für Biochemie, Medizinische Fakultät der Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Physiologische Chemie / Biochemie
Habilitationsthema: Regulation der Phosphofruktokinase und Fruktose-1,6-Bisphosphatase im gesunden und erkrankten Gehirn, speziell bei der Alzheimerschen Erkrankung
Einführung in das Thema:

Die Habilitationsschrift beschäftigt sich mit der Regulation zweier Schrittmacherenzyme des Kohlenhydratstoffwechsels, die wesentlich dafür verantwortlich sind, ob in einer Zelle Glukose abgebaut oder neu synthetisiert wird und deshalb ein zentrales Target auch für viele Erkrankungen sind. Für beide Enzyme (Phosphofrukto-1-kinase und der Fruktose-1,6-bisphosphatase) existieren verschiedene Isoenzyme, die organ- und zellspezifisch abgelesen werden und über deren Regulation und zellulärer Lokalisation, vor allem im Gehirn, wenig bekannt ist.

Diese Fragestellung wurde auf verschiedenen Ebenen beantwortet. Im ersten Teil der Arbeit wurden die Promotoren der beiden Enzyme hinsichtlich der daran bindenden Transkriptionsfaktoren und die epigenetischen Regulation untersucht. Dabei wurde geklärt, welche grundsätzlichen Faktoren notwendig sind, die zu einer Expression der Enzyme führen.

Im zweiten Teil wurde unter zwei verschiedenen klinischen Fragestellungen untersucht, inwieweit diese Isoenzyme in ihrer Expression verändert werden können. Zum einem wurden die epigenetischen Veränderungen der Fruktose-1,6-bisphosphatase bei Mammakarzinomen, Erkrankungen mit erhöhter Glukosestoffwechselrate untersucht, zum anderen die Phosphofrukto-1-kinase bei der Alzheimerschen Demenz (AD), einer Erkrankung mit erniedrigter Glukosestoffwechselrate. Zur Bearbeitung pathophysiologischer Fragestellungen wurden die so gewonnen Ergebnisse mit verschiedenen Tiermodellen der AD verglichen. Es wurden Wechselwirkungen zwischen den Zellen im Gehirn diskutiert.


Dr. rer. nat. Holger Scheidt
Bild Scheidt Einrichtung:  Institut für Medizinische Physik und Biophysik, Medizinische Fakultät der Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Medizinische Physik / Biophysik
Habilitationsthema: Festkörper-NMR Untersuchungen zur Struktur und Dynamik fibrillen-bildender Proteine
Einführung in das Thema:

Bei einer Reihe von schweren und oft noch nicht heilbaren Krankheiten (Alzheimer, Parkinson, Diabetes II) treten Proteine in einer faserartigen Amyloidstruktur auf, die sich deutlich von ihrer natürlichen funktionellen Molekülstruktur unterscheidet. Diese Proteinfehlfaltungskrankheiten betreffen in einer alternden Gesellschaft eine zunehmende Zahl von Menschen und stellen daher eine besondere Herausforderung für die naturwissenschaftlich-medizinische Forschung dar. Die zur Entwicklung von Therapieansätzen benötigten detaillierten Daten zur molekularen Struktur und Dynamik der Proteinfibrillen und intermediären Strukturen kann vielfach nur die Festkörper-Magnetresonanz (NMR)-Spektroskopie liefern. Hierbei sind Fragen über

  • die Art und Weise der toxischen Wirkung der Amyloidfibrillen,
  • Ursachen und Verlauf der Umwandlung in die für eine große Vielzahl von Proteinen universelle fibrilläre Struktur sowie
  • der Wechselwirkung der Fibrillen mit anderen Molekülen oder Überstrukturen (z.B. Zellmembranen) von höchstem Interesse.

Einen Schwerpunkt der Arbeit bildet daher die erstmalige Untersuchung Protofibrillen von Amyloid β, einen Zwischenzustand im Fibrillierungsprozess dieses mit der Alzheimer-Krankheit verbundenen Moleküls. Hier konnte ein Strukturmodell dieses zelltoxischen Zustandes erarbeitet werden.
Im weiteren standen insbesondere die Wechselwirkungen von fibrillenbildenden Molekülen mit Zellmembranen im Fokus, da hier die Grundlagen für die eigentliche zelltoxische Wirkungen dieser Strukturen mittels Festkörper-NMR untersucht werden können.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 21.10.2014

Dr. med. Peter Thomas Fellmer
_MG_1982 Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Chirurgie
Habilitationsthema: Untersuchungen zur Verwendung biologischer und biosynthetischer Materialien in der Gefäßmedizin
Einführung in das Thema:

Infektiöse oder septische Gefäßprozesse benötigen einen infektresistenten Gefäßersatz. Hierzu eignen sich biologische und biosynthetische Materialien.
Die Verwendung von Allografts/Gefäßtransplantaten unterliegt Vorschriften, die einen regelhaften Einsatz erschweren. Weiterhin unterliegen transplantierte Allografts immunologischen Prozessen, die zu einer Degeneration der Gefäße führen können. Die Gabe von Immunsuppressiva verhindert diese Abstoßungen effektiv. Die begleitende Therapie führt bei arteriellen Allografts zum Erhalt aller histologischen Wandschichten. Venöse Gefäßtransplantate erfahren eine gewünschte "Arterialisierung" mit Ausbildung einer Tunica Media.

Sowohl administrative Hemmnisse, als auch die Notwendigkeit von Immunsuppressiva sind Nachteile biologischer Ersatzmaterialien. Die Entwicklung biosynthetischer Gefäßprothesen hebt diese Nachteile auf. Das Material ist aufgrund herstellungsbedingter Denaturierungsprozesse immunologisch inert. In der Behandlung infektiöser Erkrankungen sind die klinischen Ergebnisse mit Allografts vergleichbar.

Die Therapie septischer Gefäßprozesse erfolgt überwiegend durch offene Verfahren. In der Gefäßmedizin setzen sich jedoch zunehmend interventionelle Verfahren durch. Insbesondere in der Notfallmedizin erzielt die minimalinvasive Technik häufig gegenüber den offenen Verfahren überlegene Ergebnisse. In der Behandlung abdomineller aortaler Erkrankungen sind jedoch die sehr positiven Behandlungserfolge der interventionellen Verfahren teilweise durch einen studienbedingten Bias bedingt.
Die Entwicklung interventionell einzubringender biologischer Materialien wäre hier eine Option. Diese Systeme würden die Vorteile der Materialien in Infektsituationen mit denen des geringen Zugangstraumas verbinden.


Dr. med. Christian Mozet
I_20140519002731 Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Habilitationsthema: Aktuelle Targets und deren klinische Bedeutung bei Kopf-Hals-Tumoren – Stellenwert des Hedgehog-Signalwegs
Einführung in das Thema:

Die Habilitationsarbeit beschreibt neben den Risikofaktoren für die Entstehung von Plattenepithelkarzinomen des Kopf-Hals-Bereichs (HNSCC) die bis zum jetzigen Zeitpunkt bekannten molekularpathologischen Veränderungen innerhalb der Tumorzellen, die sowohl für die Entstehung als auch für das Fortschreiten dieser Erkrankung verantwortlich gemacht werden. Sie gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung und die klinische Bedeutung zielgerichteter Tumortherapie ("targeted-therapy") in HNSCC. Daneben werden die Ergebnisse eigener Untersuchungen zur Expression der Stickoxydsynthase (eNOS/iNOS) in HNSCC oder der Inhibition der Cholesterolsynthese durch Statine diskutiert und der Kenntnisstand um pluripotente Tumorstammzellen in HNSCC vorgestellt.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Entschlüsselung der Bedeutung des Hedgehog-Signalwegs (HhP) in humanen Malignomen und in HNSCC. Die Untersuchungen dazu an HNSCC ergaben eine Überexpression aller HhP-Komponenten im Vergleich zu gesunder Mukosa mit höchsten Expressionsraten für den Transkriptionsfaktor Gli1, der als negativer Prognosefaktor gilt. Eine Blockade des HhP in HNSCC führte zu einer Wachstumshemmung von HNSCC-Zellkolonien in dem FLAVINO-Assay und verstärkte die inhibierende Wirkung von Cisplatin und Docetaxel auf das Tumorzellwachstum ex vivo. Der Stellenwert des HhP als therapeutisches Target in HNSCC wird dabei im klinischen Zusammenhang diskutiert.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 23.09.2014

Dr. rer. nat. Uta Reibetanz
p 026b Einrichtung:  Institut für Medizinische Physik und Biophysik, Medizinische Fakultät der Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Medizinische Physik / Biophysik
Habilitationsthema: Layer-by-Layer funktionalisierte Microcarrier: Design und biomedizinische Anwendung
Einführung in das Thema:

Wirkstofftransportsysteme, deren modulare Konstruktion auf der Layer-by-Layer-Technik beruht (LbL-Carrier), werden durch ihre multifunktionellen Eigenschaften zunehmend für therapeutische und diagnostische Anwendungen interessant. Der schrittweise Assemblierungsprozess von Biopolymeren auf solide, sphärische Template unterschiedlicher Größe erlaubt es, einen direkten Einfluss auf Größe, Permeabilität, Oberflächenfunktionalisierung und Freisetzungscharakteristika der Carrier zu nehmen. Das Innere der Carrier und die Multischicht können zusätzlich mit verschiedenen Wirkstoffen, funktionellen Molekülen oder Sensoren ausgestattet werden. In dieser Arbeit werden sowohl entwicklungs- als auch anwendungstechnische Aspekte dieser Art Wirkstofftransporter untersucht.
Drei Schwerpunkte bilden den Kern der Arbeit:

  1. die Untersuchung der intrazellulären Prozessierung der Carrier, um mit gezielten Modifikationen Einfluss auf die lokale Wirkstoffabgabe nehmen zu können,
  2. die Funktionalisierung der Oberfläche, um bestimmte Transportfunktionen zu unterstützen,
  3. die Entwicklung eines Transportsystems für anti-inflammatorische Wirkstoffe, um eine effiziente Inhibierung von abbauenden Proteasen zu bewirken.

Dr. med. Michael Bernhard
Passbild_Bernhard Einrichtung:  Zentrale Notaufnahme, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Anästhesiologie und Intensivtherapie
Habilitationsthema: Optimierte Patientenversorgung durch Ausbildungs- und Versorgungskonzepte in der Notfallmedizin
Einführung in das Thema:

Ziel der vorliegenden Habilitationsschrift war es, die Anforderungen an das in die Versorgung von Notfallpatienten eingesetzte Personal zu evaluieren. Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob durch die Anpassung von Behandlungsprozessen die Patientenversorgung optimiert werden kann. Mit den Ergebnissen der durchgeführten Untersuchungen sollte so eine rationale Basis zur Ausgestaltung zukünftiger Ausbildungs- und Versorgungskonzepte geschaffen werden.

Eine retrospektive Analyse über 20 Jahre zeigte eine Vervierfachung der Notarzteinsätze an einem Notarztstandort mit einer Zunahme von Patienten mit hoher Erkrankungs-/Verletzungsschwere und einer gestörten Bewusstseinslage. Weiterführende Untersuchungen zu geburtshilflichen und pädiatrischen Notfällen zeigten, dass geburtshilfliche Notfälle sehr selten sind und sich Kindernotfälle der heutigen Zeit durch eine hohe Erkrankungs-/Verletzungsschwere auszeichnen. Beide Notfallarten stellen hohe Anforderungen an den Notarzt und sollten daher in Ausbildungs- und Versorgungskonzepten berücksichtigt werden.
Die prospektive Untersuchung zum Erlernen der Fertigkeit der endotrachealen Intubation durch unerfahrene Anwender zeigte eine Stabilisation des Intubationserfolges nach 100-150 Intubationen. Ergänzend wurde ein praxisorientiertes Ausbildungskonzept für invasive Notfalltechniken (Thoraxdrainage, intraossäre Punktion, Notfallkoniotomie) entwickelt und die Teilnehmer kursbegleitend evaluiert. Hierbei konnte gezeigt werden, dass praxisorientierte Ausbildungskonzepte sich aus Sicht der Teilnehmer sehr gut für die Vorbereitung auf die drei Notfalltechniken eignen. Als ein Versorgungskonzept wurde die Einführung eines interdisziplinären/interprofessionellen Schockraumalgorithmus an einem Traumazentrum evaluiert. Durch die Einführung des Schockraumalgorithmus konnten diagnostische Maßnahmen und lebensrettende Operationen deutlich frühzeitiger durchgeführt werden. Schockraumalgorithmen sollten daher als Teil eines Versorgungskonzeptes in Traumazentren eingesetzt werden, um die Letalität von Traumapatienten zu reduzieren.

Zusammenfassend bilden die Ergebnisse dieser Untersuchungen eine solide Grundlage für die zukünftige Ausgestaltung von notfallmedizinischen Ausbildungs- und Versorgungskonzepten mit dem Ziel einer optimierten Patientenversorgung in der Notfallmedizin.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 22.07.2014

Dr. med. univ. et scient. med. Martin Werner
foto Einrichtung:  Medizinische Klinik I, Parkkrankenhaus Leipzig (jetzt: Hanusch-Krankenhaus, Klinik für Innere Medizin, Wien)
Habilitationsgebiet: Innere Medizin und Angiologie
Habilitationsthema: Interventionelle Techniken zur Steigerung der Effizienz endovaskulärer Verfahren in der Behandlung arteriosklerotischer Obstruktionen
Einführung in das Thema:

Endovaskuläre Verfahren zur Behandlung arteriosklerotischer Obstruktionen haben sich in den letzten Jahren für eine Vielzahl von Indikationen als Alternative zur klassischen chirurgischen Therapie etabliert. Der Vorteil endovaskulärer Verfahren besteht in der geringeren Invasivität und der dadurch möglichen besseren Verträglichkeit insbesondere bei älteren bzw. polymorbiden Patienten. Die Datenlage zur Effizienz und Sicherheit dieser häufig erst seit wenigen Jahren praktizierten Verfahren ist jedoch spärlich.

In der vorliegenden Habilitationsschrift werden zunächst verschiedene Verfahren, die in der endovaskulären Behandlung der peripheren arteriellen Verschlußkrankheit zum Einsatz kommen, diskutiert. Die Effizienz verschiedener selbstexpandierender Nitinolstents sowie die Erstbeschreibung von resorbierbaren Stents in der Behandlung von Obstruktionen der Femoralarterie werden dargelegt. Die Sicherheit und Effektivität der Therapie von Instent - Restenosen durch endovaskuläre Brachytherapie mittels eines Betastrahlers wird beschrieben. Erste Langzeitergebnisse von medikamenten-beschichteten Stents (drug eluting stents – DES) im Bereich der Unterschenkelgefäße und deren Anwendung im Bereich von Gefäßbifurkationen werden diskutiert.
Medikamentenbeschichtete Stents können auch in der Behandlung von arteriosklerotischen Obstruktionen der supraaortalen Gefäße zur Anwendung kommen. Sowohl für die Therapie von arteriosklerotischen Erkrankung der Vertebralarterie, als auch der Karotisstenose werden Ergebnisse neuer Therapiemodalitäten und Anwendungsbeobachtungen erörtert.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 17.06.2014

Dr. med. Jörg Böhme
Böhme Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Orthopädie und Unfallchirurgie
Habilitationsthema: Entwicklung und Einsatz von Computermodellen in der Unfallchirurgie des Beckens
Einführung in das Thema:

Bei Beckenfrakturen hängen die Bewertung der Gesamtinstabilität und die Auswahl der Therapie maßgeblich von der Erfahrung des Orthopäden/Unfallchirurgen ab. Ergebnisse biomechanischer Testungen an standardisierten Kunststoff- oder Kadaverbecken und klinische Studiendaten können zur Unterstützung der Entscheidungsfindung herangezogen werden, erlauben jedoch keine individuellen Rückschlüsse. In der Technik werden Computerprogramme auf Basis der Finite-Elemente-Methode (FEM) eingesetzt, um das mechanische Verhalten von Strukturen zu bestimmen.

Ziel der Arbeit war es, physiologische und pathophysiologische Veränderungen des Lastabtrages am Becken zu bestimmen und optimale Stabilisierungsvarianten abzuleiten. Dazu wurden FEM-Modelle des Beckens erstellt, die humane anatomische Strukturen mit realen Materialparametern präzise abbildeten. Es wurden numerische Simulationen mit intakten sowie nicht intakten anatomischen Strukturen durchgeführt und der Verletzungsumfang, die Gesamtinstabilität und die optimale Stabilisierungsvariante spezieller Verletzungsarten und Frakturen ermittelt.

Die Ergebnisse wurden mit denen biomechanischer Testungen von Probekörpern oder klinischer Verläufe von Patienten verglichen. Es wurde festgestellt, dass mit der FEM dem Orthopäden/Unfallchirurgen ein neues klinisches Werkzeug zur Individualisierung der Therapie von Beckenfrakturen zu Verfügung steht.


Dr. med. Christoph Engel
Engel_Foto Einrichtung:  Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie (IMISE)
Habilitationsgebiet: Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie
Habilitationsthema: Beiträge der klinischen und genetischen Epidemiologie zum Verständnis des erblichen Darmkrebses ohne Polyposis (HNPCC) und des erblichen Brust- und Eierstockkrebses (HBOC)
Einführung in das Thema:

Der familiäre Darmkrebs (HNPCC) und der familiäre Brust- und Eierstockkrebs (HBOC) sind Krebsdispositionssyndrome, welche auf angeborenen Genmutationen beruhen. Personen aus betroffenen Familien haben ein stark erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Sie bedürfen aufgrund der diagnostischen und klinischen Komplexität dieser Krankheitsbilder einer intensiven und fachgerechten interdisziplinär-ärztlichen Betreuung.

In der Habilitationsschrift werden Forschungsergebnisse aus der klinischen und genetischen Epidemiologie vorgestellt und diskutiert, die Beiträge für die unmittelbare oder künftige Verbesserung der klinischen Versorgung von Risikopersonen liefern. Dies betrifft die Einschätzung von Mutations- und Erkrankungsrisiken, die Optimierung der molekularen Diagnostik, die Validierung von mathematischen Modellen zur Berechnung von Mutationswahrscheinlichkeiten sowie die Nutzenbewertung der koloskopischen Früherkennung. Die Forschungsarbeiten wurden im Rahmen der multizentrischen interdisziplinären Verbundprojekte "Familiärer Darmkrebs" und "Familiärer Brust- und Eierstockkrebs" (beide gefördert durch die Deutsche Krebshilfe) durchgeführt.

Es wird gezeigt, dass die molekulare Diagnostik bei HNPCC durch eine sequentielle Anwendung der Mikrosatellitenanalyse und der Immunhistochemie kostenoptimiert werden kann. Ferner besitzen die meisten der international vorgeschlagenen klinischen HNPCC-Verdachtskriterien einen geeignet hohen prädiktiven Wert, um die Einleitung weiterer diagnostischer Maßnahmen zu rechtfertigen. In Kooperation mit dem niederländischen HNPCC-Register werden Erkrankungsrisiken für seltener auftretende Tumorarten bei HNPCC ermittelt. Die Ergebnisse einer prospektiven Früherkennungsstudie zeigen, dass durch jährliche Koloskopien kolorektale Karzinome in günstigeren Stadien gefunden werden. In zwei weiteren Arbeiten wird das Risiko für kontralaterale Mammakarzinome bei Patientinnen aus HBOC-Risikofamilien mit und ohne Mutationsnachweis untersucht. Es wird gezeigt, dass gebräuchliche Modelle zur Berechnung von Mutationswahrscheinlichkeiten bei HBOC starke Unterschiede hinsichtlich ihrer Kalibrierung und Diskriminanz aufweisen. In weiteren Arbeiten wird die Assoziationen häufiger Genvarianten mit dem Erkrankungsrisiko charakterisiert.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 20.05.2014

Dr. med. Bastian Marquaß
140414_TRM-2749 - Kopie3 Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Orthopädie und Unfallchirurgie
Habilitationsthema: Regeneration fokaler Knorpeldefekte unter Verwendung autologer mesenchymaler Stammzellen
Einführung in das Thema:

Die vorliegende Habilitationsschrift befasst sich mit der chondrogenen Differenzierung und in-vivo Applikation von autologen mesenchymalen Stammzellen zur Regeneration fokaler Gelenkknorpelschäden. An einem Großtiermodell erfolgte die Untersuchung von zwei unterschiedlichen Therapieansätzen zur Behandlung eines chronischen fokalen Knorpelschadens. Zum einen erfolgte nach in-vitro Expansion und chondrogener Differenzierung in einem Kollagen I-Hydrogel die in-vivo Applikation als stammzellbasierte matrixassoziierte Chondrozytentransplantation. In-vivo Standzeiten nach sechs und zwölf Monaten zeigten verbesserte histologische Ergebnisse, verglichen zu Kontrollgruppen, mit Bildung eines Regeneratknorpels, welcher Zeichen hyalinen Gelenkknorpels aufwies.
Der zweite Therapieansatz kombinierte die oben genannte Knorpelphase mit der gleichzeitigen Implantation eines ebenfalls stammzellbesiedelten Tricalciumphosphat-Zylinders als osteochondrales Konstrukt. Hierbei kam es über die Zeit zu einer fortschreitenden subchondralen Regeneration sowie einer verbesserten Anbindung des Regeneratgewebes an den Umgebungsknorpel.

In keinem der Therapieansätze kam es zu einer ektopen Knochenneubildung als Ausdruck einer hypertrophen Zelldifferenzierung. Autologe mesenchymale Stammzellen bieten somit das Potenzial für eine zukünftige klinische Anwendung im Rahmen einer zellbasierten Knorpeltherapie.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 29.04.2014

Dr. rer. nat. Alexandra Stolzing
Me Einrichtung:  Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM), Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Experimentelle Medizin
Habilitationsthema: Modulation der Alterung mesenchymaler Stammzellen
Einführung in das Thema:

Zelltherapien mit adulten Stammzellen gewinnen in der regenerativen Medizin zunehmend an Bedeutung, vor allem zur Behandlung degenerativer Erkrankungen. Jedoch treten viele der degenerativen Erkrankungen erst bei älteren Patienten auf, weshalb ein Verständnis der Alterung dieser Zellen notwendig ist. Dies gilt insbesondere im Fall von autologen Zelltherapien, aber auch bei der Nutzung allogener Stammzellen, bei denen in vitro-Alterung in Rahmen einer Expansion eine Rolle spielt.

Stammzellen sind die Quelle der Regeneration und des Gewebeerhalts. Es ist unumstritten, dass die Fähigkeit zur Regeneration im Lauf eines Lebens abnimmt. Dies geschieht bei langlebigen Organismen langsamer als bei kurzlebigen. Trotzdem war es zeitweilig in Wissenschaftskreisen umstritten, ob und in welchem Maße mesenchymale Stammzellen überhaupt einem Alterungsprozess unterworfen sind.

In der vorliegenden Arbeit kann ich zeigen, dass mesenchymale Stammzellen altern. Dies geschieht, jedoch – je nach Subtyp, Alterungsimpuls und Faktoren der Stammzellnische - unterschiedlich schnell. Der Verlust an Geweberegeneration im Alter ist also nicht nur auf einen reinen Verlust an der Menge an Stammzellen zurück zu führen, sondern auch auf einen Funktionsverlust der verbleibenden Stammzellen. Die Stammzellnische hat einen großen Einfluss auf den Alterungsprozess der mesenchymalen Stammzellen und kann in vitro die Alterung der Stammzellen verlangsamen. Die Modulation der grundlegenden Parameter der Stammzellnische bieten Ansätze zur Modulation der Stammzellalterung. So konnte ich durch Modulation des zellulären Redoxpotenzials eine partielle „Verjüngung“ gealterter mesenchymaler Stammzellen erreichen. Eine Verminderung des Sauerstoffgehaltes der Stammzellkulturen verbesserte deren pro-angiogene Genexpression, eine der wichtigen Funktion der mesenchymalen Stammzellen die in einer Therapie wichtig ist. Modulation des Energiegehaltes der Stammzellen verlangsamte die in vitro Alterung und verbesserte die Differenzierung in Knochengewebe, was ein wichtiger Faktor im Tissue Engineering ist.

Alterung erscheint so als relativ plastischer Prozess zwischen Regeneration- und Differenzierungssignalen der Stammzellen und der umgebenden Stammzellnische. Allerdings war eine komplette „Verjüngung“ gealterter Zellen nur mittels intensiver epigenetischer Reprogrammierung erreichbar.


Dr. med. Moritz Schmelzle
Schmelzle Foto 5 Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Leipzig AöR, und Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM), Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Viszeralchirurgie
Habilitationsthema: Hämatopoetische Stammzellen als Therapieoption zur Leberaugmentation
Einführung in das Thema:

Die Leberresektion stellt für eine Vielzahl primärer und sekundärer Lebertumore die einzige kurative Therapieoption dar. Die perioperative Sicherheit, insbesondere bei ausgedehnten Leberresektionen, ist entscheidend von der funktionellen Parenchymreserve und der Regenerationsfähigkeit der Leber abhängig. Diese Arbeit klärt grundlegende Mechanismen der Mobilisation, Rekrutierung und Wirkweise hämatopoetischer Stammzellen (HSC) in der Leberregeneration und berichtet über eine erste Translation der Stammzelltherapie als neue Option zur Leberaugmentation.

Wachstumsfaktoren und Lockstoffe sind nach Leberresektionen vermehrt im Blut nachweisbar und lösen eine Mobilisation von HSC aus dem Knochenmark aus. Die Applikation von HSC führt nach experimenteller Leberresektion zu einer signifikant verbesserten Leberregeneration. Dabei können HSC anhand der Expression der Ektonukleotidase CD39 in zwei neue, funktionell unterschiedliche Subpopulationen unterschieden werden. CD39+ HSC verstärken die Leberregeneration und dies vorrangig durch die Modulation vaskulärer Inflammation. Darüber hinaus reagieren HSC auf eine akute Leberschädigung neben einer Mobilisation durch die Abgabe kleinster Zellfragmente, sogenannter CD133+ Mikropartikel (MP) in das Blut. CD133+ MP könnten, ungeachtet ihrer Rolle als potenzielle Biomarker, therapeutische Implikationen besitzen.

Eine erste Translation der Ergebnisse war im Rahmen eines klinischen Heilversuchs möglich, bei dem die Applikation humaner autologer CD133+ HSC zur Augmentation funktionell gleichwertigen Lebergewebes und ohne einen negativen Einfluss auf das Überleben sicher möglich war. Diese weltweit ersten und sehr hoffnungsvollen Ergebnisse in Patienten müssen in weitergehenden randomisierten Studien überprüft werden.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 18.03.2014

Dr. med. Astrid Bertsche
Bertsche Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Kinder- und Jugendmedizin
Habilitationsthema: Verbesserung des Entwicklungspotentials bei Kindern durch Neuroprotektion am unreifen Gehirn und Prävention von Krampfanfällen
Einführung in das Thema:

Frühgeburtlichkeit, Geburtsasphyxie und Krampfanfälle können zu massiven Entwicklungsbeeinträchtigungen führen. Zur Entwicklung von Präventionsstrategien wurden sowohl experimentelle als auch klinische Untersuchungen durchgeführt.

Bei Frühgeborenen wirkt Muttermilch neuroprotektiv. Aufgrund von Schwankungen der darin enthaltenen Nährstoffe kann eine Supplementierung nicht auf Basis von sporadischen Messungen erfolgen. Eine nekrotisierende Enterokolitis(NEC)gefährdet die Entwicklung zusätzlich. Bei Müttern früh geborener Kinder wurden erniedrigte sFas- und sFas-Ligand-Konzentrationen als möglicher Risikofaktor für eine NEC gefunden.
Erythropoietin und hypoxische Präkonditionierung sind neuroprotektive Faktoren bei einer Geburtsasphyxie. Erythropoietin war neuroprotektiv in elektrophysiologischen Untersuchungen an hippocampalen Schnittkulturen junger Ratten. Die Kombination einer Erythropoietingabe mit hypoxischer Präkonditionierung verursachte hier sowie im Zell- und Tiermodell überraschenderweise eine massive neuronale Schädigung.

Ein Ansatz für neue Therapiestrategien von Krampfanfällen ist die Blockade der neuronalen Glutamataufnahme, die unter bestimmten Bedingungen zur Reduktion epileptiformer Aktivität in Rattenhirnschnitten führt. Für den klinischen Einsatz von Antikonvulsiva ist eine ausreichende Effektivität zur Prävention von Krampfanfallen entscheidend, die sich unter Routinebedingungen abhängig vom jeweiligen Antikonvulsivum unterscheidet.
Medikationsfehler und Schwierigkeiten an Versorgungsschnittstellen können die Patientensicherheit in der antikonvulsiven Therapie gefährden. In klinischen Studien fanden wir eine überraschend hohe Anzahl an Krankheits- und Arzneimittel-bezogenen Problemen. Systematische Schulungsstrategien bei Eltern und Pflegedienst beugten dem Auftreten von Medikationsfehlern wirksam vor.


Dr. med. Torsten Prietzel
Prietzel_Torsten_01_2012 Einrichtung:  Orthopädische Klinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Orthopädie
Habilitationsthema: Die hüftstabilisierende Wirkung des atmosphärischen Druckes und resultierende Konsequenzen für die Luxationsprophylaxe nach Hüftendoprothetik - Experimentelle und klinische Untersuchungen
Einführung in das Thema:

Die hüftstabilisierende Wirkung des atmosphärischen Druckes wurde 1836 durch die Gebrüder Weber erstmals beschrieben und seither kontrovers diskutiert, weshalb sie in der Hüftendoprothetik bisher kaum Berücksichtigung fand. Luxationen stellen jedoch eine gefürchtete Komplikation nach Hüftgelenkersatz dar.
Das Ziel dieser Arbeit bestand darin, die hüftstabilisierende Wirkung des atmosphärischen Druckes zu analysieren und gewonnene Erkenntnisse in der Hüftendoprothetik zu nutzen, um die Luxationsrate zu senken.

Der Nachweis der permanenten hüftstabilisierenden Wirkung des atmosphärischen Druckes wurde experimentell mithilfe von Hüftpräparaten und Gelenkmodellen bei verschiedenen Umgebungsdrücken geführt. Anschließend erfolgte eine Messung der resultierenden Kraftbeträge an Gelenkmodellen von 22 - 44 mm Durchmesser, ergänzt durch eine Bestimmung der Range of Motion. Ein Relativvergleich der erhobenen Werte ergab bei Verwendung größerer Köpfe eine geringe Zunahme der Range of Motion sowie einen erheblichen Zuwachs der neu definierten Stabilitätsparameter Luxationskraft und Luxationsarbeit. Die hüftstabilisierende Wirkung des atmosphärischen Druckes ist somit offenbar die entscheidende Ursache der geringeren Luxationsneigung großer Gelenkköpfe. Zur Nutzung dieses Effekts in der Hüftendoprothetik wurde eine neue Kapselrekonstruktionstechnik entwickelt und eingesetzt.

Eine klinische Studie mit Einschluss von 1972 HTEP-Primärimplantationen zeigte, dass dadurch die Luxationsrate signifikant um 88% reduziert werden konnte. Dies unterstreicht die Bedeutung der permanenten hüftstabilisierenden Wirkung des atmosphärischen Druckes für die Luxationsprophylaxe nach Hüftendoprothetik. Dieser Effekt kann gegenwärtig durch Kapselrekonstruktion, Verwendung größerer Gelenkpartner sowie intrakapsuläre Redon-Drainage genutzt werden und sollte bei der Weiterentwicklung der Hüftendoprothetik Berücksichtigung finden.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 18.02.2014

Dr. med. Sascha Stephan Rolf
rolf-auswahl Einrichtung:  Abteilung für Rhythmologie, Herzzentrum Leipzig GmbH – Universitätsklinik
Habilitationsgebiet: Innere Medizin/Kardiologie
Habilitationsthema: Katheterablation von Vorhofflimmern: Technologische und verfahrenstechnische Entwicklungen zur Steigerung von Effektivität und Sicherheit
Einführung in das Thema:

Die manuell geführte Hochfrequenzablation zur Pulmonalvenenisolation hat sich zur Standard-Zweitlinientherapie für Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern entwickelt. Die in der Habilitationsschrift zusammengefassten Publikationen widmen sich allesamt neuen Entwicklungen zur Steigerung von Effektivität und Sicherheit der Prozedur und lassen sich thematisch vier Schwerpunkten zuordnen:

  1. Erste klinische Studien mit einem neuartigen Navigationssystem, welches erstmals eine kontinuierliche elektromagnetische Kathetervisualisierung vor dem Hintergrund einmalig aufgenommener Röntgenfilme ermöglicht. Als erster messbarer Erfolg ergibt sich eine 80-90%ige Reduktion der Strahlenexposition für Patienten und Untersucher auf, ohne dass es zu Einbußen in der Effektivität oder Zunahme der Komplikationen kommt.
  2. Die klinische Evaluierung der Messung der elektrischen Kopplung zwischen Elektrodenspitze und Zielgewebe für die Effektivität von Hochfrequenzstromläsionen; zudem die prospektive, randomisierte Untersuchung einer steuerbaren Katheterschleuse. Sowohl durch die Kontaktmessung als auch durch die stabilere Steuerbarkeit der Katheter wurden die akuten bzw. langfristigen klinischen Erfolgsraten verbessert.
  3. Retrospektive Analyse zur Sicherheit einer tiefen Sedierung des Patienten mittels kontinuierlicher Propofolinfusion: In den Händen von intensivmedizinisch geschultem ärztlichen und nichtärztlichen Personal, sowie unter kontinuierlicher bzw. repetitiver Messung der Vitalparameter und Blutgaswerte war eine für den Patienten tolerable, sichere und technisch durchführbare Katheterablation von Vorhofflimmern auch ohne Anwesenheit eines Anästhesisten jederzeit gewährleistet.
  4. Beschreibung der engen topografischen Nachbarschaft zwischen Vorhofhinterwand und Ösophagus in der konkreten Ablationssituation. Die langfristige Nachsorge zeigt, dass anatomisch-basierte Maßnahmen zur Prävention thermischer Kollateralschäden die klinische Effektivität der Prozedur negativ beeinflussen können. Anhand einer Patientenserie wird zudem gezeigt, dass eine minimal-invasive Therapie einer Ösophagusfistel mittels Ösophagus-Stenting und Perikarddrainage suffizient sein kann, solange die Fistelung noch nicht das Vorhofmyokard durchbrochen hat. Dieses Vorgehen kann eine chirurgische Sanierung unnötig machen und die Heilungsaussichten dieser lebensbedrohlichen Komplikation deutlich erhöhen.

Dr. med. Charlotte Eitel
Foto C Eitel Einrichtung:  Abteilung für Rhythmologie, Herzzentrum Leipzig GmbH – Universitätsklinik
Habilitationsgebiet: Innere Medizin/Kardiologie
Habilitationsthema: Innovative Technologien zur Behandlung von Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz
Einführung in das Thema:

Vorhofflimmern (VHF) und Herzinsuffizienz (HI) treten häufig gemeinsam auf und besitzen eine große klinische und ökonomische Relevanz. Basierend auf pathophysiologischen Überlegungen wurden interventionelle Verfahren zur Therapie beider Erkrankungen entwickelt, welche mittlerweile routinemäßig eingesetzt werden. So stellt die Katheterablation von VHF eine vielversprechende Therapie symptomatischen VHFs dar und die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) ein etabliertes Verfahren zur Therapie der HI. Da es sich bei beiden Verfahren um effektive, aber invasive Prozeduren mit signifikanten Komplikationen und Kosten handelt, sind die Bestrebungen groß, die Erfolgsraten weiter zu verbessern.

Dementsprechend wurden bezüglich der Katheterablation von VHF neue technologische Entwicklungen zur Verbesserung von Katheterstabilität und -kontakt evaluiert. Weitere Anstrengungen richteten sich auf die Umsetzung der Durchführung elektrophysiologischer Untersuchungen unter Echtzeit-Bildgebung mittels Magnetresonanztomografie. Hierdurch bietet sich die einzigartige Möglichkeit der Visualisierung des zugrunde liegenden arrhythmogenen Substrates, der platzierten Ablationsläsionen, sowie verbliebener Leitungslücken bei gleichzeitiger Echtzeitdarstellung der individuellen dreidimensionalen Anatomie und der eingeführter Katheter ohne Röntgenstrahlung.

Die CRT reduziert bei Patienten mit HI und Zeichen der linksventrikulären Asynchronie nachweislich Morbidität und Mortalität. Wir konnten zeigen, dass das Ansprechen auf die CRT durch Analyse der im Oberflächen-EKG vor Implantation bestimmten linksventrikulären Aktivierungszeit vorhergesagt werden kann. Zudem konnte die Sicherheit und Effektivität technologischer Verfahren zur individualisierten CRT-Implantation und Identifikation von Zielarealen der linksventrikulären Sonde nachgewiesen werden.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 21.01.2014

Dr. Sebastian Ulbert
IMG_1663 Einrichtung:  Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Experimentelle Virologie
Habilitationsthema: Entwicklung von Methoden zur Bekämpfung und zum Nachweis von Virus-Infektionen am Beispiel des West-Nil Virus
Einführung in das Thema:

In der Habilitationsschrift geht es um die Entwicklung von Methoden zum Nachweis und zur Bekämpfung von neu auftretenden viralen Krankheitserregern, wobei der Fokus auf dem West-Nil- Virus (WNV) liegt.
Das WNV befällt vor allem Vögel, kann aber über Stechmücken auch auf Menschen übertragen werden. Ungefähr jeder fünfte Infizierte entwickelt grippeähnliche Symptome, jedoch kann es in ca. 1% der Fälle (meist ältere Menschen) auch zu schweren, mitunter auch letal verlaufenden, neurologischen Komplikationen kommen. In den letzten Jahren hat sich das WNV in Europa immer weiter ausgebreitet und gilt in Ländern wie Italien oder Griechenland bereits als endemisch. Maßnahmen zur WNV-Prävention und Diagnose müssen schnell auf neu auftretende Varianten des Virus angepasst werden können, da das WNV eine hohe genetische Diversität aufweist. Bis heute gibt es keinen Impfstoff, um Menschen vor dem WNV zu schützen und herkömmliche Impfstofftechnologien sind für die Risikogruppen in der Bevölkerung nur bedingt geeignet.

Die Arbeit beschreibt zunächst die Entwicklung einer Impfstoffplattform, welche auf einer ersten (Priming) Injektion eines DNA-Impfstoffes mit folgendem Protein-Boost beruht und zu stark synergistischen Effekten bei der Immunisierung führt. Um das DNA-Vakzin effizient zu verabreichen, wurden Nanopartikel entwickelt, die aus einem körpereigenem Protein und einem kationischen Polymer bestehen. Da die serologische Diagnostik von WNV-Infektionen durch eine ausgeprägte Kreuzreaktivität der Antikörper mit verwandten Viren beeinträchtigt wird, wurde die menschliche humorale Immunantwort auf das WNV systematisch untersucht, um neue Epitope für die spezifische Diagnostik zu identifizieren. Schließlich wurden am Beispiel des Equine Arteritis Virus auf RNA-Interferenz beruhende antivirale Wirkstoffe entwickelt. Insgesamt stellen die in der Arbeit gewonnenen Ergebnisse Methoden zur Bekämpfung und Diagnose von viralen Erregern dar, die effizient in der Anwendung und schnell auf Sequenzvariationen im Virusgenom adaptierbar sind.


Dr. rer. med. Tobias Luck
IMG_1666 Einrichtung:  Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) & LIFE – Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Epidemiologie und Public Health
Habilitationsthema: Mild Cognitive Impairment – Inzidenz, Risikofaktoren und Verlauf leichter kognitiver Beeinträchtigungen in der deutschen Altenbevölkerung
Einführung in das Thema:

Im Alter auftretende leichte kognitive Beeinträchtigungen stellen häufig die ersten sichtbaren Anzeichen einer sich entwickelnden Demenz dar und können so den Ansatzpunkt zu deren Früherkennung bieten.
Unter dem Begriff Mild Cognitive Impairment (MCI) liegen internationale Kriterien zur Definition leichter kognitiver Beeinträchtigungen vor, die in besonderer Weise für die Charakterisierung der frühen symptomatischen Phase einer Demenz geeignet erscheinen. Mit den in der Habilitationsschrift aufgeführten Arbeiten werden empirische Ergebnisse zu zentralen epidemiologischen Kenngrößen von MCI in der deutschen Altenbevölkerung bereitgestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass leichte kognitive Beeinträchtigungen, definiert nach den MCI-Kriterien, nicht nur eine hohe Inzidenz im Alter aufweisen, sondern auch mit einem stark erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Demenz sowie – unter bestimmten Voraussetzungen – mit einer erhöhten Mortalität verbunden sind.

Die Ergebnisse verdeutlichen allerdings auch, dass für eine klinisch relevante Vorhersage der Entwicklung einer Demenz der Nachweis von MCI allein nicht ausreichend ist und es hierzu weiterer Prädiktoren bedarf. Wie die Forschungsarbeiten der Habilitationsschrift zeigen, liegt mit Beeinträchtigungen in komplexen Aktivitäten des täglichen Lebens ein entsprechender Prädiktor vor, der darüber hinaus leicht und schnell zu erfassen ist und so insbesondere in der Erstversorgung unter begrenzten Ressourcen einen Ansatzpunkt zur Verbesserung der Vorhersage einer Demenz darstellen könnte. Sowohl die Bereitstellung eines Satzes an einfach zu erhebenden Kriterien, welche eine erste Risikoabschätzung einer möglichen Demenzentwicklung in der Primärversorgung erlauben, als auch die Gewährleistung der bestmöglichen Prädiktion von Demenz unter Einbezug aller relevanten Informationen in spezialisierten Settings wie Gedächtnisambulanzen sollte Ziel zukünftiger Forschung zur Weiterentwicklung des MCI-Konzeptes sein.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 17.12.2013

Dr. med. Yanors Yandiev
IMG_1790 Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Leipzig AöR
Habilitationsgebiet: Augenheilkunde
Habilitationsthema: Role of water- and potassium-channels in retinal edema
Einführung in das Thema:

Das Netzhautödem ist eine wichtige Ursache für eine Verschlechterung des Sehvermögens bei verschiedenen Erkrankungen der Netzhaut. Die grundlegenden Mechanismen der Entstehung eines Netzhautödems sind bis heute nicht vollständig verstanden. Zusätztlich zu einer Gefäßleckage könnte eine Störung des transzellulären Wassertransportes zur Ausbildung eines Netzhautödems beitragen. Aquaporine sind Wasserkanäle, die den Wassertransport über Membranen erleichtern. Bis jetzt wurden die Expression verschiedener Aquaporin-Subtypen in der Netzhaut und ihre Rolle bei der Regulation des retinalen Ionen- und Wasserhaushaltes kaum untersucht.

In dieser kumulativen Habilitationsschrift werden 13 Publikationen zusammengefasst, in denen die Expression von Wasser- und Kaliumkanälen in der normalen und pathologisch veränderten Netzhaut beschrieben wird. Im ersten Teil wird gezeigt, dass die Netzhaut verschiedene Subtypen von Wasserkanälen exprimiert. Dazu zählen neben den bereits beschriebenen Aquaporinen 1 und 4 die Aquaporine 0, 6 und 9. Die mögliche Rolle dieser Wasserkanäle bei verschiedenen physiologischen Prozessen wird diskutiert. Der zweite Teil der Schrift befasst sich mit der Veränderung der Expression von Aquaporinen und Kaliumkanälen bei Tiermodellen verschiedener Netzhauterkrankungen. Aufgrund der Ergebnisse der Tierversuche wird die Hypothese aufgestellt, dass eine retinale Gliose zu einer Störung des transglialen Wasser- und Kaliumtransportes führt. Der Mechanismus der osmotischen Schwellung der Müllerschen Gliazellen der Netzhaut wird vorgestellt.

In der vorliegenden Habilitationsschrift wird gezeigt, dass - neben der Gefäßleckage - Störungen des zellulären Wassertransportes wesentlich zur Entwicklung eines Netzhautödems beitragen können. Daher könnte eine Verbesserung der Ionen- und Wasser-Homöostase ein potenzielles Ziel für die Therapie des Netzhautödems darstellen.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 28.11.2013

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Dr. med. Susann Blüher
IMG_1248 Einrichtung:  IFB AdipositasErkrankungen, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Kinder- und Jugendmedizin
Habilitationsthema: From molecules to miracles: Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter - Epidemiologie, Prävention und Therapieansätze
Einführung in das Thema:

Die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter ist weltweit sehr hoch. Einerseits ist ein Trend zur Stagnation bzw. Abnahme der Prävalenzen bei jüngeren Kindern ersichtlich, andererseits steigt der BMI bei Jugendlichen weiter an, und die Zahl jugendlicher Patienten mit extremer Adipositas hat sich ebenfalls erhöht. Viele betroffene Kinder und Jugendliche weisen bereits Begleiterkrankungen auf: Ab dem Schulalter besteht ein enger Zusammenhang zwischen Körpermassenindex (BMI) und Blutdruck, weiterhin korrelieren sowohl BMI als auch Taillenumfang bereits bei adipösen Kindern und Jugendlichen eng mit kardiometabolischen Risikofaktoren. Diese Assoziationen sind am stärksten während der Pubertät. Adipöse, sonst gesunde Kinder und Jugendliche mit ungestörter Glukosetoleranz weisen mit zunehmendem Grad der Adipositas bereits eine Funktionsstörung des autonomen Nervensystems auf, die sowohl das sympathische als auch das parasympathische Nervensystem zu betreffen scheint und mehrere Organsysteme involviert.

Die Teilnahmerate an Interventionsprogrammen zur Adipositasprävention oder –therapie ist bisher nicht zufriedenstellend. Hauptgründe für Teilnahmebarrieren sind u.a. das fehlende Problembewusstsein von Eltern gegenüber dem Gewichtsstatus ihrer Kinder, die Überzeugung, bereits gesundheitsbewußt zu leben, subjektives Wohlbefinden sowie sozioökonomische Faktoren. Für extrem adipöse Jugendliche, bei denen eine konservative Therapie nicht zur Gewichtsreduktion führt und die bereits signifikante Begleiterkrankungen aufweisen, stellt die bariatrische Chirurgie eine Therapieoption dar. Erste Ergebnisse aus Kurzzeitstudien zeigen einen sehr guten Gewichtsverlust innerhalb des ersten postoperativen Jahres sowie eine deutliche Verbesserung kardiometabolischer Risikofaktoren. Die Indikationsstellung zur bariatrischen Chirurgie im Jugendalter folgt jedoch sehr strengen Kriterien und stellt eine Einzelfallentscheidung dar.

Faktoren, die in die Regulation von Glukosehomeostase und Metabolismus involviert sind, werden peripher sezerniert (viszerales Fettgewebe: Adipokine, z.B. Leptin oder Adiponektin) bzw. zentral exprimiert (Melanocortin, NPY, AgRP). Gabe des Melanocortinrezeptor-Agonisten Melanotan (MTII) reduziert die Nahrungsaufnahme und das Körpergewicht im Mausmodell, u.a. bedingt durch die Hemmung der kompensatorischen hypothalamischen NPY-/AgRP-Expression sowie ein verändertes Expressionsmuster der Adiponektin-Rezeptoren. Fortgeschrittenes Alter und hyperkalorische Ernährung, beides Faktoren, die beim Menschen zur Entwicklung einer Adipositas und Insulinresistenz beitragen, sind im Mausmodell mit verringerten zirkulierenden Adiponektinspiegeln assoziiert.
Die Habilitationsschrift basiert auf Arbeiten zur Grundlagenforschung, klinischen und epidemiologischen Studien auf dem Gebiet der Adipositasforschung und soll einen Beitrag zur Aufklärung der Pathogenese von Adipositas und Begleiterkrankungen sowie zum Aufzeigen von Therapieoptionen der Adipositas im Kindes- und Jugendalter leisten.


Dr. med. Evaldas Girdauskas
IMG_1259 Einrichtung: Klinik für Herzchirurgie, Zentralklinik Bad Berka GmbH
Habilitationsgebiet: Herzchirurgie
Habilitationsthema: Analyse der aortalen Veränderungen bei Patienten mit bikuspider Aortenklappe und assoziierten Erkrankungen
Einführung in das Thema:

Die Arbeit beschäftigte sich mit den aortalen Veränderungen bei Patienten mit bikuspider Aortenklappe und assoziierten Erkrankungen. Die bikuspide Aortenklappe ist die häufigste Anomalie des humanen Herzens. Menschen mit bikuspider Aortenklappe haben einen signifikant größeren Durchmesser der aufsteigenden Aorta im Vergleich zur normalen Population. Dieser Unterschied ist bereits im Kindesalter und ohne relevanten Klappenfehler nachweisbar. Diese Feststellung löste eine Diskussion über Genese und Behandlung der Erweiterung der bikuspiden Aorta aus, welche in dieser Habilitationsschrift analysiert und in ihrer aktuellen Evidenz dargestellt wird.

Innerhalb der Entität der bikuspiden Aortenklappen existieren einzelne Erkrankungsformen, die einen unterschiedlichen Ursprung haben können. Das Patientenkollektiv mit Aortenklappenstenose und einer gering bis mittelgradig erweiterten austeigenden Aorta verkörpert eine eher "benigne" Form der Erkrankung. Die bikuspide Patientengruppe mit Aortenklappeninsuffizienz und einer simultan erweiterten Aortenwurzel ist mit einem signifikant höheren Risiko der aortalen Komplikationen verbunden. Die kongenitale Genese dieser Erkrankungsform wurde durch den Nachweis eines spezifischen Gendefekts (TGFBR2- Mutation) belegt.
In dieser Arbeit werden neue Erkenntnisse zur Genese der aortalen Veränderungen und zur Erstellung der Behandlungsstrategien dargestellt. Diese Erkenntnisse betreffen die Indikationsstellung zur Behandlung der erweiterten Aorta, die chirurgische Vorgehensweise und die Nachverfolgung dieser Patienten im postoperativen Verlauf.


Dr. med. Lukas Lehmkuhl
IMG_1260 Einrichtung:  Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Herzzentrum Leipzig GmbH – Universitätsklinik
Habilitationsgebiet: Diagnostische Radiologie
Habilitationsthema: Periinterventionelle kardiovaskuläre Computertomographie unter besonderer Berücksichtigung von Dosis und dynamischer Bildgebung
Einführung in das Thema:

Die Computertomografie (CT) hat sich in der Diagnostik kardiovaskulärer Erkrankungen fest etabliert und stellt zunehmend auch die Basis zur Planung komplexer Interventionen dar. Sie kann als dynamische Bildgebung durchgeführt werden, in dem mittels EKG-Triggerung der Herzzyklus erfasst oder durch eine Tischverschiebetechnik die Flussverhältnisse in Gefäßen dargestellt werden. Bis vor kurzem stellte die relativ hohe Strahlenexposition von EKG-getriggerten oder dynamischen Aufnahmen eine der Hauptlimitationen für ihre breitere klinische Anwendung dar. Es wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Strahlenexposition der kardiovaskulären CT zu reduzieren, hierbei hat u.a. die Einführung der prospektiven EKG-Triggerung einen entscheidenden Beitrag geleistet.

Ziel der vorgelegten Arbeiten war, dies zum einen durch Phantomuntersuchungen zu belegen und diese neuen Techniken bei in der kardiovaskulären Medizin wichtigen klinischen Fragestellungen, wie Ausschluss einer koronaren Herzkrankheit, präinterventionelle Bildgebung vor perkutanem Aortenklappenersatz (TAVI) und postinterventioneller CT nach endovaskulärer Aortenaneurysmatherapie (EVAR) an Patienten auf Ihre klinische Relevanz hin zu untersuchen.

Durch Messungen am anthropomorphen Phantom konnten wir bestätigen, dass die Strahlenexposition durch eine prospektive EKG-Triggerung um ca. 75% reduziert werden kann. Die Dosisersparnis kann allerdings durch EKG-Alterationen beeinträchtigt werden. Wir konnten weiterhin zeigen, dass die diagnostische Wertigkeit der prospektiven Triggerung, bezogen auf die Koronarstenosedetektion, als gleichwertig mit der bisherigen retrospektiven Technik an-gesehen werden kann. Bei der TAVI-Planung konnten wir mithilfe der EKG-getriggerten CT belegen, dass nur eine flächenbasierte Vermessung des Aortenanulus zu einer optimalen Prothesenwahl führt. Der Vergleich der präprozeduralen CT mit der intraprozeduralen 3D-Rotationsangiographie ergab, dass eine Klappen-Vermessung derzeit in der CT genauer ist. Anhand eines Aortenklappen-kalk-Scorings konnte der Grad der Kalzifizierung als eindeutiger Prädiktor für relevante paravalvuläre Leckagen, die maßgeblich die Prognose des Patienten beeinflussen, identifiziert werden. Bei Patienten nach EVAR konnten wir mithilfe der dynamischen CTA als eine der ersten Arbeitsgruppen zeigen, wie sich die Flussverhältnisse in Aorta und Endoleak unterscheiden und dass bisherige Untersuchungsprotokolle dies nicht ausreichend berücksichtigen. Die dynamische CTA führte zu einer deutlich erhöhten Endoleak-Detektionsrate.


Dr. med. Philipp Sommer
IMG_1265 Einrichtung:  Abteilung für Rhythmologie, Herzzentrum Leipzig GmbH – Universitätsklinik
Habilitationsgebiet: Innere Medizin / Kardiologie
Habilitationsthema: Die Bedeutung bildgebender Verfahren in der invasiven Elektrophysiologie
Einführung in das Thema:

Die Katheterablation stellt heute für viele Rhythmusstörungen die Therapie der ersten Wahl dar. Häufig können hochsymptomatische Erkrankungen in der "Elektrik" des Herzens (wie etwa das Vorhofflimmern) durch diese Eingriffe geheilt werden. Dies geht allerdings mit erheblicher Strahlenbelastung für die Patienten, aber auch für die Ärzte und Pflegekräfte durch die Verwendung von Röntgenstrahlung einher, die zur Darstellung der Katheter verwendet wird. Wir konnten zeigen, dass technologische Alternativen zu dieser konventionellen Art der Katheterdarstellung sicher und ohne Einbußen in Bezug auf die Effektivität der Eingriffe vorhanden sind:

Zum einen ein System, welches kleine Sensoren (etwa 1mm) auf den Kathetern im Raum lokalisieren und den Ort auf ein Durchleuchtungsbild projizieren kann. Mit dem sogenannten MediGuide-System sind wir in der Lage, Untersuchungen, bei denen bislang ca. 30 min Durchleuchtungszeit notwendig waren mit 3-4 min zu bewerkstelligen. Weder die Prozedurzeit noch die Effektivität waren dadurch beeinträchtigt. Die andere Möglichkeit stellt die Verlagerung dieser Eingriffe in einen Kernspintomografen (MRT) dar. Wir konnten zeigen, dass einfache elektrophysiologische Eingriffe wie diagnostische Untersuchungen oder Ablationen bei typischem Vorhofflattern bereits komplett im MRT und somit ohne den Einsatz ionisierender Strahlung umgesetzt werden können. Dabei sind aktuell noch zahlreiche Einschränkungen zu überwinden, wie der eingeschränkte Patientenzugang oder artefaktüberlagerte Elektrogrammqualität. Auch hier konnte in ersten Untersuchungen gezeigt werden, dass prinzipiell ein Arbeiten im MRT möglich scheint.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 19.11.2013

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Dr. med. Sergio-Luis Richter
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05969 Einrichtung:  Abteilung für Rhythmologie, Herzzentrum Leipzig GmbH – Universitätsklinik
Habilitationsgebiet: Innere Medizin / Kardiologie
Habilitationsthema: On the Fascinating Electrocardiographic Manifestations of Brugada Syndrome
Einführung in das Thema:

Das Brugada-Syndrom wird aufgrund des fehlenden Nachweises einer strukturellen Herzerkrankung, der Assoziation mit Natrium- und Kalziumkanalmutationen, sowie der nachgewiesenen Effekte von Natriumkanalblockern als sogenannte Ionenkanalerkrankung den angeborenen primären Kardiomyopathien zugerechnet. Das herausragende Charakteristikum der mit dem plötzlichen Herztod assoziierten Ionenkanalerkrankung ist ein außergewöhnliches EKG, das eine gewölbte (coved-type)≥ 0,2 mV ST-Streckenhebung mit nachfolgend negativer T-Welle in den rechtspräkordialen Ableitungen V1 und V2(V3) zeigt. Dieser als Typ-1 Brugada-EKG bekannt gewordene Phänotyp ist das einzige diagnostische Zeichen der Erkrankung mit den Leitsymptomen Synkope und plötzlicher Herztod als klinisches Korrelat von malignen ventrikulären Herzrhythmusstörungen. Spontane und belastungsinduzierte Typ-1 ST-Streckenhebungen sowie QRS-Fragmentierung sind zudem mit einem deutlich erhöhten Risiko assoziiert und stellen somit wichtige Prognoseindikatoren dar.

Gemäß den diagnostischen Konsensus-Kriterien von 2005 kann die Diagnose eines Brugada-Syndroms nur gestellt werden, wenn eine Typ-1 ST-Streckenhebung in mindestens zwei rechtspräkordialen Ableitungen (V1-V3) vorhanden und mindestens ein klinisches Kriterium zusätzlich erfüllt ist. Diese Kriterien basieren allerdings nur auf Expertenmeinung und sind nicht wissenschaftlich belegt. Unsere Arbeiten zeigen, dass bei nahezu allen Patienten die spontanen ST-Streckenhebungen in den rechtspräkordialen Ableitungen sehr dynamisch sind und viele Patienten nur 12-Kanal-EKGs mit nur einer Typ-1 positiven Ableitung (V1 oder V2) aufweisen. Diese Patienten unterscheiden sich hinsichtlich Klinik und Prognose nicht von Brugada-Patienten, welche die diagnostischen EKG-Kriterien erfüllen. Wir konnten zudem zeigen, dass die klinischen Kriterien für die Diagnose nicht relevant sind, zumal 60-80% der Patienten mit Brugada-Syndrom asymptomatisch sind und in 50-60% der Fälle keine positive Familienanamnese vorliegt. Unsere Ergebnisse stellen die Diagnosestellung und Risikostratifizierung basierend auf den Konsensus-Kriterien von 2005 ernsthaft infrage. Eine Aktualisierung der gegenwärtigen klinischen und elektrokardiographischen Diagnosekriterien ist demnach dringend zu empfehlen.


Dr. med. Sven Möbius-Winkler
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05977 Einrichtung:  Klinik für Kardiologie, Asklepios Klinik Weißenfels
Habilitationsgebiet: Innere Medizin / Kardiologie
Habilitationsthema: Körperliche Aktivität als Grundpfeiler kardiovaskulärer Gesundheit
Einführung in das Thema:

Körperliche Fitness ist sowohl bei Gesunden als auch bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung ein starker Parameter für die Mortalität. Die interventionelle Therapie der koronaren Herzerkrankung mittels PTCA/Stentimplantation ist nach wie vor eine symptomatische Therapie zur Behandlung der Angina pectoris Beschwerden. Körperliches Ausdauertraining bei Patienten mit stabiler koronarer Herzerkrankung kann die Entzündung der Gefäßinnehaut (Endothel) reduzieren und zu einer Verbesserung der Funktion des Endothels über verschieden molekulare Mechanismen beitragen. Durch körperliche Aktivität kann eine vermehrte Freisetzung von endothelialen Vorläuferzellen erreicht werden, die dann zur Reparatur der geschädigten Gefäßinnenhaut beitragen. Der Freisetzung dieser endothelialen Vorläuferzellen wird durch verschiedene Faktoren, wie VEGF, Mikropartikel etc., reguliert. Durch körperliche Aktivität kann die Zahl zirkulierender endothelialer Progenitorzellen gesteigert werden. Diese und andere Mechanismen führen zu einem signifikant besseren Ereignis-freiem Überleben von Patienten mit stabiler koronarer Herzerkrankung, welche trainieren, im Vergleich zu Patienten nach PTCA/Stentimplantation.

Ein weiteres Problem, dem sich die vorliegende Arbeit widmet, ist die wachsende Zahl an Patienten mit Vorhofflimmern. Patienten mit Vorhofflimmern haben ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall, insbesondere dann, wenn zusätzliche Risikofaktoren (z.B. Alter über 65 Jahre, Diabetes, Bluthochdruck) vorliegen. Ursache des erhöhten Schlaganfallriskos ist die vermehrte Gerinnselbildung im linken Vorhofohr. Die neue Methode des interventionellen Vorhofohrverschlusses ist eine Alternative zur oralen Antikoagulationstherapie mit deren Gefahr von Blutungen. Zur Vermeidung vom Komplikationen bei der Implantation eines solchen Verschlusssystems ist eine verstärkte Ausbildung und Schulung der Ärzte notwendig, wozu in der vorliegende Arbeit verschiedene Materialien erarbeitet wurden.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 15.10.2013

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Dr. med. Philipp Christoph Lurz
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05940 Einrichtung:  Klinik für Innere Medizin/Kardiologie, Herzzentrum Leipzig GmbH - Universitätsklinik
Habilitationsgebiet: Innere Medizin / Kardiologie
Habilitationsthema: Wissenschaftliche Weichenstellung und Aufarbeitung der klinischen Etablierung einer innovativen Transkatheter-Klappentechnologie am Beispiel der perkutanen Pulmonalklappenimplantation
Einführung in das Thema:

Die rechtsventrikuläre Ausflusstraktdysfunktion ist ein häufiges Problem bei Jugendlichen und Erwachsenen nach chirurgischer Korrektur eines angeborenen Herzfehlers und bedingt eine hohe Rate an Reoperationen in diesem Patientenkollektiv. Mit der Einführung der perkutanen Pulmonalklappenimplantation steht nun eine nicht-chirurgische Therapieoption zur Behandlung der Pulmonalstenose und/oder -insuffizienz zur Verfügung. In mehreren Studien konnte die Sicherheit, Machbarkeit und Effektivität dieses Verfahrens belegt werden. Die konsequente Fehleranalyse und Modifikation der Behandlungstrategien führte zu einer stetigen Reduktion von Reinterventionen und erneuten Operationen nach dieser Intervention. Dies ist zurückzuführen auf eine verbesserte Patientenselektion und die Vermeidung von residuellen Ausflusstraktgradienten durch eine effektive Nachdilatation.

Das zentrale Problem bei der Behandlung von Patienten mit rechtsventrikulärer Ausflusstraktdysfunktion besteht in dem Fehlen klarer Kritierien zur Indikationsstellung zum Pulmonalklappenersatz. Die Verwendung der perkutanen Pulmonalklappenimplantation als physiologisches Modell erlaubte erstmals eine mechanistische Aufarbeitung der funktionellen Auswirkungen einer Nachlast- bzw. Vorlastsenkung durch die perkutane Pulmonalklappenimplantation. Diese Ergebnisse sollten der Etablierung fundierter Indikationen zum Pulmonalklappenersatz in diesem Patientenkollektiv dienen und eröffnen neue Wege für dringend benötigte zukünftige Studien auf diesem Gebiet.


Dr. med. Tobias Müller
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05949 Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, Sektion Hepatologie, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Innere Medizin / Gastroenterologie
Habilitationsthema: Angeborene Immunität und Barrierefunktion biliärer Epithelzellen bei chronisch-entzündlichen Gallengangserkrankungen
Einführung in das Thema:

Die angeborene Immunität und die Barrierefunktion biliärer Epithelzellen spielen möglicherweise eine Rolle bei der Pathogenese chronisch-entzündlicher Gallengangserkrankungen wie der primär sklerosierenden Cholangitis (PSC) und der Immunglobulin G4 (IgG4)-assoziierten Cholangitis (IAC).

Unsere Arbeiten zeigen, dass pro-entzündliche T-Helferzell Typ 1 (Th1) Zytokine, die im Lebergewebe bei fortgeschrittener PSC dominieren, „Pattern Recognition Rezeptor“ (PRR)-vermittelte Entzündungsreaktionen im Gallengangsepithel stimulieren und die physiologische biliäre Immuntoleranz beeinträchtigen können. Die resultierende Überempfindlichkeit biliärer Epithelzellen gegen intestinale „Pathogen Associated Molecular Patterns“ (PAMPs) könnte zu der chronischen Entzündungsreaktion in den Gallengängen beitragen. Typische T-Helferzell Typ 2 (Th2) Zytokine, die bei Patienten mit IgG4-assoziierter Cholangitis vermehrt im Lebergewebe exprimiert werden, schwächen dagegen die PRR-vermittelte epitheliale Immunität.

Wir konnten zudem erstmalig eine vermehrte Expression von Th2 Zytokinen in der Galle bzw. im Gallengang bei Patienten mit IAC nachweisen, während Patienten mit einer PSC oder einer bakteriellen Cholangitis kein vergleichbares biliäres Zytokin-Profil aufwiesen.
Unsere nachfolgenden Untersuchungen zeigten, dass Th2 Zytokine die Tight junction-assoziierte Barrierefunktion des Gallengangsepithels durch Induktion einer erhöhten parazellulären Permeabiliät beeinträchtigen. Diese Beobachtungen deuten auf eine mögliche Beteiligung einer gestörten Barrierefunktion des Gallengangsepithels bei der Pathogenese chronisch-entzündlicher Gallengangserkrankungen hin.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 24.09.2013

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Dr. med. Sergey Leontyev
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05898 Einrichtung:  Klinik für Herzchirurgie, Herzzentrum Leipzig GmbH – Universitätsklinik
Habilitationsgebiet: Herzchirurgie
Habilitationsthema: Einfluß einer Engineered Heart Tissue Therapie bei Ratten mit Doxorubizin-induzierter Kardiomyophatie
Einführung in das Thema:

Die Behandlung von Patienten mit dilatativer Kardiomyopathie ist und bleibt trotz moderner Therapieverfahren wie differenzierter, medikamentöser Herzinsuffizienztherapie oder mechanischer Kreislaufunterstützung ein wichtiges medizinisches Problem. Die regenerative Medizin, insbesondere das Gebiet des Tissue Engineering, bietet hier eine innovative und vielversprechende Behandlungsoption, die sich aktuell in der präklinischen Entwicklung befindet.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde in einem chronischen Tiermodell der Einfluss der Implantation von künstlichem Herzgewebe, sogenanntem engineered heart tissue (EHT), in Form eines dreidimensionalen Geweberinges, bestehend aus Kardiomyozyten neonataler Ratten, auf die linksventrikuläre Pumpfunktion bei mittels Doxorubizin-induzierter dilatativer Kardiomyopathie untersucht. Besonderes Augenmerk wurde auf die Integration des implantierten EHT in das native Myokard sowie auf die damit einhergehenden strukturellen Veränderungen gelegt.

In der Nachbeobachtungszeit bei den echokardiografischen Untersuchungen wurde eine signifikante Verbesserung der linksventrikulären Pumpfunktion unter EHT Therapie registriert. Die invasiven hämodynamischen Messungen zeigten eine Wiederherstellung der Antwort des Herzens auf eine Stimulation der β-Adrenorezeptoren durch Dobutamin. Ein epikardiales Multi-Elektroden-Mapping am isolierten, nach Langendorff perfundierten, explantierten Herzen dieser Tiere zeigte eine effiziente elektrische Integration des EHT in das native Myokard. Im EHT stieg der prozentuale Anteil der Kardiomyozyten. Zudem bilden sich zusätzliche elastische Fasern und es bildete sich ein vitales Gefäßnetz unterschiedlich differenzierter Gefäße in direkter Kontinuität mit dem nativen Koronarsystem aus. Des Weiteren konnten im EHT nach Implantation Zellen mit typischen Charakteristika des Reizleitungssystems nachgewiesen werden.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Implantation eines zirkulären, dreidimensionalen EHT-Ringes im chronischen Rattenmodel der dilatativen Kardiomyopathie zu einer signifikanten Verbesserung der linksventrikulären Pumpfunktion, zur Wiederherstellung der Antwort des Herzens bei der Stimulation der β-Adrenorezeptoren und damit zu einer gesteigerten Kontraktilität führt. Außerdem findet eine elektro-mechanische Integration zwischen nativen Myokard und implantierten EHT Ring statt.


Dr. med. Dominik Michalski
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05906 Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Experimentelle Neurologie
Habilitationsthema: Untersuchungen am thrombembolischen Schlaganfallmodell der Ratte unter Berücksichtigung der hyperbaren Oxygenierung und systemischer Thrombolyse
Einführung in das Thema:

Der ischämische Schlaganfall gehört zu den häufigsten Todesursachen und besitzt aufgrund des hohen Anteils an dauerhaft pflegebedürftigen Patienten eine große sozioökonomische Bedeutung. Trotz intensiver Bemühungen ist gegenwärtig alleinig die systemische Thrombolyse als Therapie zugelassen; sie birgt jedoch das Risiko intrazerebraler Blutungen. In früheren experimentellen Studien konnte ein positiver Effekt der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO), d.h. der Gabe von 100% Sauerstoff unter erhöhtem Umgebungsdruck, auf das Überleben von Neuronen und die Rate von Blutungen gezeigt werden. Die durchgeführten Untersuchungen beschäftigten sich mit der Frage, ob durch die simultane Anwendung der Thrombolyse (englisch: tissue plasminogen activator, tPA) und HBO ein verbessertes Outcome auf funktioneller und zellulärer Ebene erzielt werden kann.

Unter Verwendung eines thrombembolischen Schlaganfallmodells in der Ratte wurde in einer ersten Studie die kombinierte Gabe von Thrombolyse und HBO im Vergleich zur alleinigen Thrombolyse und zur fehlenden Therapie untersucht. Hierbei fand sich - bezogen auf den kombinierten Endpunkt aus neurologischem Defizit und Tod - über eine Beobachtungszeit von bis zu 4 Wochen zunächst eine Verbesserung in der kombinierten Therapiegruppe, die jedoch nach etwa zweiwöchiger Dauer in eine Verschlechterung umschlug. In weiterführenden histologischen Untersuchungen wurden der für den Schlaganfall typische Verlust von Neuronen und die entzündliche Reaktion quantifiziert; eine wesentliche Beeinflussung durch die Therapie konnte dabei jedoch nicht gezeigt werden.

Nach Etablierung einer Methodik zur Beurteilung der Blut-Hirn-Schranken-Integrität im angewandten thrombembolischen Schlaganfallmodell, bei der sich Fluoresceinisothiocyanat (FITC)-konjugiertes Albumin als geeigneter Schädigungsmarker erwies, folgte eine Untersuchung zum Einfluss von Thrombolyse, HBO und kombinierter Anwendung. Hierbei kam es bei gleichzeitiger Applikation von HBO und tPA nicht wie angenommen zu einer Stabilisierung der Blut-Hirn-Schranke, sondern zu einer tendenziellen Öffnung, was per se mit dem Risiko von Blutungen assoziiert ist. Gestützt werden diese Befunde durch die erhobenen Daten zu Matrixmetalloproteinasen. Die ermittelten Serumspiegel dieser Enzyme, die maßgeblich an der Störung der Blut-Hirn-Schranken-Integrität nach Schlaganfall beteiligt sind, waren nach der kombinierten Therapie mit HBO und tPA ebenfalls tendenziell erhöht.
Die durchgeführten Untersuchungen unter Verwendung eines kliniknahen Schlaganfallmodells konnten den hypothetisch angenommenen positiven Effekt einer simultanen HBO und Thrombolyse nicht bestätigen. Als mögliche Gründe sind einerseits die Anhäufung von freien Sauerstoffradikalen im Sinne eines gesteigerten Reperfusionsschadens und anderseits ungünstige Effekte im Langzeitverlauf der entzündlichen Reaktion zu diskutieren.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 16.07.2013

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Dr. med. Karsten Lenk
IMG_0734a Einrichtung:  Klinik für Kardiologie, Asklepios Klinik Weißenfels
Habilitationsgebiet: Innere Medizin / Kardiologie
Habilitationsthema: Myostatin bei der chronischen Herzinsuffizienz: Einfluss körperlichen Trainings und pharmakologischer Interventionen
Einführung in das Thema:

Die chronische Herzinsuffizienz (CHI) zählt zu den häufigsten Erkrankungen der westlichen Welt. Im Endstadium kommt es bei etwa 15% der Patienten zur Ausbildung einer kardialen Kachexie, einem Auszehrungsprozess, der mit einer besonders hohen Sterberate assoziiert ist. Verantwortlich für den konsumierenden und rasch fortschreitenden Charakter der Erkrankung ist eine Imbalance zwischen Muskelaufbau und –abbau. Ursächlich hierfür scheint die Aktivierung des neuroendokrinen Systems zu sein, welche - vermittelt durch Botenstoffe - zahlreiche Veränderungen auf zellulärer und molekularer Ebene nach sich zieht. Therapieversuche mit Ghrelin, welches unter anderem die Freisetzung von Wachstumshormon bewirkt, zeigten, wie auch körperliches Training, in verschiedenen Kachexie-assoziierten Krankheitsbildern erste vielversprechende Ergebnisse.

Ziel dieser Arbeit war es herauszufinden, ob Myostatin, ein negativer Regulator der Skelettmuskelmasse, in den Prozess der kardialen Kachexie involviert ist und inwieweit körperliches Training und Ghrelin diesen Muskelhemmstoff beeinflussen können.

Sowohl im CHI-Tiermodell als auch bei Patienten mit fortgeschrittener chronischer CHI fand sich eine signifikante Hochregulation von Myostatin im Skelettmuskel. Als ein möglicher Trigger für die vermehrte Expression von Myostatin auch bei nicht-kachektischen CHI-Patienten kommen erhöhte lokale Spiegel des Botenstoffes TNF-α in Betracht. So ist TNF-α in der Lage, über eine Aktivierung von p38MAPK und NF-κB die Expression von Myostatin in Skelettmuskelmyotuben zu induzieren. Die Korrelation zwischen TNF-α und der Myostatin-Expression im Skelettmuskel unterstützt diesen Zusammenhang. Myostatin kann sowohl durch körperliches Training als auch durch Gabe von Ghrelin und deren Analoga positiv beeinflusst werden. Somit ist Myostatin integraler Bestandteil der Veränderungen im Skelettmuskel bei der CHI.


Dr. med. Matthias Pierer
IMG_0740 Einrichtung:  Klinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, Sektion Rheumatologie
Habilitationsgebiet: Rheumatologie
Habilitationsthema: Die Pathogenese der rheumatoiden Arthritis - Wechselspiel zwischen angeborenem und adaptivem Arm des Immunsystems
Einführung in das Thema:

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die zu multiplen Gelenkschädigungen führt. Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren durch die Einführung neuer Therapiestrategien verbessert, jedoch ist bei allen eingesetzten immunsuppressiven Medikamenten mit Nebenwirkungen zu rechnen. Demzufolge besteht ein hohes Interesse, die Mechanismen der Krankheitsentstehung besser zu verstehen, um neue Therapieprinzipien entwickeln zu können.
Die experimentellen Untersuchungen der Arbeit konzentrieren sich auf die prinzipielle Frage nach angeborenen und adaptiven Immunmechanismen und deren Interaktion in der Pathogenese und klinischen Ausprägung der RA.

Im Zentrum der Untersuchungen zum angeborenen Immunsystem standen Studien zur Funktion von Toll-like Rezeptoren (TLR), insbesondere TLR2 und TLR4. Im humanen ex- vivo System konnte eine TLR2- abhängige Aktivierung von Synoviozyten gezeigt werden, die zu einer Produktion von Chemokinen führt und damit Zellen des adaptiven Immunsystems anlocken und im entzündeten Gelenk zurückhalten kann. In genetischen Studien zu TLR4 im Tiermodell ließ sich eine entscheidende Rolle des angeborenen Immunsystems für die Zerstörung von Gelenkstrukturen belegen. In weiteren Untersuchungen zum adaptiven LIGHT-HVEM System wurde sowohl im Tiermodell als auch in der menschlichen Erkrankung dieses auch als Bindeglied zwischen angeborenem und erworbenem Immunsystem agierende System in der Pathogenese der RA analysiert.

Durch genetische Untersuchung einer Kohorte von RA Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollen wurde die Assoziation eines SNP (PTPN22) mit Funktion im adaptiven Arm des Immunsystems bestätigt und mit bestimmten Krankheitsmerkmalen in Verbindung gebracht. Den Abschluss bildet eine Untersuchung zur Prävalenz und immunologischen Einflussnahme einer durchgemachten Cytomegalievirus- Infektion bei RA-Patienten. Die profunden Auswirkungen insbesondere im Bereich des T- Zell- Pools sind bei Patienten mit RA stark ausgeprägt und mit einem gelenkdestruktiven Verlauf assoziiert.

Zusammenfassend wurden in der Arbeit ein vielfältiges Ineinandergreifen von angeborenem und adaptivem Immunsystem als Voraussetzung für die Entstehung einer RA herausgearbeitet und Ansatzpunkte für therapeutische Interventionen aufgezeigt.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 18.06.2013

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Dr. rer. med. Nora Klöting-Blüher
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05697 Einrichtung:  Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Experimentelle Medizin
Habilitationsthema: Rolle von Repin1 in der Ausprägung einer Adipositas
Einführung in das Thema:

In Kreuzungsstudien durch Geno- und Phänotypenvergleich konnten quantitative Merkmalsloci (QTLs) für Facetten des Metabolischen Syndroms wie Adipositas, Dyslipidämie, Hyperinsulinämie und Glukoseintoleranz auf dem Rattenchromosm 4 identifiziert werden (Kovacs P. et al., 1998). Ausgehend vom QTL konnte über kongene und subkongene Rattenstämme in tierexperimentellen Kreuzungsstudien ein neuer Faktor, Replikationsinitiator (Repin1), identifiziert werden, der im Zusammenhang mit der Ausprägung einer Dyslipidämie und Adipositaserkrankung steht (Klöting N. et al., 2004, 2005, 2006).

Funktionelle Studien im 3T3-L1 Zellmodell zeigten, das Repin1 an der Regulation der Adipozytengröße und des Glukosestoffwechsels wesentlich beteiligt ist (Ruschke K et al., 2010). Dabei reguliert Repin1 die Gene für Glukoseaufnahme und Lipidaufnahme in den Fettzellen. Im humanem Fettgewebe konnte darüber hinaus eine signifikante Assoziation zwischen Repin1 Expression und Fettzellgröße und Körperfettgehalt der Probanden gezeigt werden (Ruschke K et al., 2010 und Heiker JT et al., 2013).


Dr. med. Bettina Pfannmüller
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05703 Einrichtung:  Klinik für Herzchirurgie, Herzzentrum Leipzig GmbH -Universitätsklinik
Habilitationsgebiet: Herzchirurgie
Habilitationsthema: Die Trikuspidalklappe – häufig vergessen und zu spät operiert
Analyse von Operationsmethoden
Einführung in das Thema:

Die Trikuspidalklappen (TK)-Chirurgie hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen, nachdem der Einfluss des Schweregrades eines TK-Vitiums auf die Lebenserwartung in der Literatur eindrücklich belegt wurde. Die TK-Operation gilt als der Klappeneingriff mit dem höchsten operativen Risiko. Die Habilitationsschrift widmet sich insgesamt sieben, aus der alltäglichen Praxis der TK-Chirurgie entstehenden Fragen, zu denen in der Literatur keine ausreichenden Antworten zu finden sind:

  • Ist im Falle einer TK-Insuffizienz infolge Ringdilatation für die Ringannuloplastie des in der Regel äußerst zarten Annulus ein starrer Annuloplastiering oder ein flexibles Annuloplastieband besser geeignet?
  • Ist es bei jedem Patienten erforderlich, ein bestehendes, intravenös und trans-trikuspidal angelegtes Schrittmachersystem zu entfernen?
  • Sind die postoperativen Ergebnisse nach TK-Rekonstruktion am schlagenden bzw. stillgelegten Herzen vergleichbar?
  • Gibt es postoperative Unterschiede bei Patienten mit minimalinvasiver Mitralklappenoperation infolge Mitralklappeninsuffizienz und begleitender moderater TK-Insuffizienz mit und ohne TK-Rekonstruktion?
  • Gibt es geschlechtsabhängige Unterschiede bei Patienten mit TK-Insuffizienz, die sich einer TK-Operation unterziehen?
  • Haben Patienten im Falle einer TK-Operation nach Voroperation am Herzen grundsätzlich ein immens erhöhtes perioperatives Mortalitätsrisiko, welches in der Literatur mit bis zu 37 % angegeben wird?
  • Ist eine minimalinvasive Operation für diese Patienten vorteilhaft?

Die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen können einen Baustein für ein erweitertes Verständnis in der TK-Chirurgie liefern und demonstrieren, dass TK-Chirurgie heute nicht mehr pauschal als Hochrisikooperation angesehen werden muss, wenn Patienten zu einem frühen Zeitpunkt der Operation zugeführt werden.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 28.05.2013

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Dr. med. Sabine Löffler, MME
IMG_9939-Ausschnitt Einrichtung:  Institut für Anatomie, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Anatomie
Habilitationsthema: Klinisch-anatomische Studien zur Aufklärung von Struktur-Funktionsbeziehungen
Einführung in das Thema:

Die Arbeit beschäftigt sich mit der angestrebten engen Verbindung zwischen Anatomie und Klinik, primär in der Forschung aber auch in der Aus- und Weiterbildung.

Die in den meisten anatomischen Instituten noch angewandte Formalin-Fixierung wurde in Leipzig wegen ihrer gesundheitsschädigenden Wirkung zugunsten der Alkohol- bzw. der sogenannten Thiel-Fixierung verlassen. An ausgewählten Beispielen wird gezeigt, wie Fragestellungen mit morphologischen Methoden bearbeitet werden können und warum die Ergebnisse sowohl für die Klinik als auch für den Unterricht relevant sind. So spielen die Variabilität der Gefäße an Unterschenkel und Fuß für infrapopliteale Bypässe und die Perforatoren der A. tibialis posterior für den Anschluß von Lappenplastiken eine Rolle. Erstmals wurde langzeit-fixiertes Material genutzt, um histologisch das atherosklerotische Befallsmuster der Arterien unterhalb des Knies zu zeigen, und die Digitale Substraktionsangiografie (DSA) kam an Thiel-fixiertem Material zum Einsatz. Die Demonstration der navigierten Nasennebenhöhlen-Endoskopie in der Vorklinik wurde von den Studierenden der Zahnmedizin nicht nur begeistert aufgenommen, sondern führte auch zu einer Verbesserung der Lernergebnisse.

Das im Institut für Anatomie zur Verfügung stehende breite Methodenspektrum, das klassische makroskopische ebenso wie histomorphologische und zellbiologische Methoden umfasst, ist für die Bearbeitung einer Vielzahl von Fragestellungen geeignet, deren Beantwortung auch für einen klinik-nahen Unterricht relevant ist.


Dr. med. vet. Marcin Szymon Nowicki
IMG_9955 Einrichtung:  Institut für Anatomie, Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Anatomie
Habilitationsthema: Die Rolle des oxidativen Stresses, des Eisens und der oxidierten Lipoproteine in der peripheren Nervenregeneration und der Entwicklung der peripheren diabetischen Neuropathie(PDN)
Einführung in das Thema:

Die häufigste Komplikationsform des Diabetes mellitus vom Typ 1 und 2 ist die periphere diabetische Neuropathie (PDN). Die typischen Symptome einer PDN sind Schmerzen, Kribbel- und Taubheitsgefühl, Schwäche und Gleichgewichtsstörungen. Trotz der schnell wachsenden Anzahl der PDN-Untersuchungen sind die Mechanismen der PDN-Komplikationen im Einzelnen noch nicht geklärt. Bis heute gibt es keine kausale Therapie für diese Störungen.

In der vorliegenden kumulativen Habilitation wurde die Rolle des oxidativen Stresses des Eisens und der oxidierten Lipoproteine in der peripheren Nervendegeneration und der Entwicklung der peripheren diabetischen Neuropathie untersucht. Hier konnten wir zeigen, dass der Eisenabbau mittels eines Eisenchelators Deferoxamin den oxidativen Stress reduziert und zur Förderung der Nervenregeneration führt. Außerdem haben wir nachgewiesen, dass die oxidierten Lipoproteine den von Rezeptoren abhängigen Zelltod der Nervenzellen und die Überlebensautophagie der Schwannzellen induzieren. Als nächstes haben wir die Morphologie des Nervus ischiadicus von Leptin-defizienten ob/ob- und Leptinrezeptor-defizienten db/db-Mäusen, die Modelle für Adipositas und periphere diabetische Neuropathie sind, in Hinblick auf Veränderungen der Nervenfasern und der endoneuralen Mikrogefäße untersucht. Schädigungen der endoneuralen Mikrogefäße stellen ein weiteres Charakteristikum der PDN dar. Die endoneuralen Mikrogefäße in den ob/ob-Tieren zeigten einen größeren Durchmesser und in den db/db-Mäusen einen kleineren Durchmesser als die gesunden Tiere.

Als nächstes vermuteten wir, dass Angiopoietin-1 (Ang-1), als ein neurothrophischer und angiogenetischer Faktor, die Nervenfasernregeneration und auch die periphere Nervenrevaskularisierung unterstützt. Zuerst wurden in vitro Untersuchungen an Spinalganglionzellen durchgeführt. Hier konnten wir unter Gabe von Ang-1 ein verstärktes Neuritenwachstum und auch eine verstärkte Synapsenbildung nachweisen. In den milddiabetischen Mäusen wurde unter der Applikation von Ang-1 die Nervenfasernregeneration beobachtet. Gleichzeitig konnten wir nach einer 21-tägigen Ang-1-Behandlung der ob/ob-Mäuse eine verbesserte Vaskularisierung des Nervus ischiadicus nachweisen. Außerdem zeigten wir, dass die Entzündungsreaktionen gehemmt wurden. Auf molekularbiologischer Ebene wurde ebenfalls dargestellt, dass Ang-1 die Neuropathie des Nervus ischiadicus verhindert.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 23.04.2013

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Dr. P.H. Thomas Lampert
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05637 Einrichtung:  Robert Koch-Institut Berlin, Fachgebiet 27 Gesundheitsberichterstattung
Habilitationsgebiet: Medizinische Soziologie
Habilitationsthema: Soziale Ungleichheit und Gesundheit – Die sozial ungleiche Verteilung der Erkrankungsrisiken und Gesundheitschancen in Deutschland
Einführung in das Thema:

Die Arbeit thematisiert den Zusammenhang zwischen der sozialen und gesundheitlichen Lage in Deutschland. Auf breiter empirischer Datengrundlage wird gezeigt, dass Personen mit niedrigem Sozialstatus häufiger von Krankheiten und Beschwerden betroffen sind und zu einem größeren Anteil vorzeitig sterben als Personen mit höherem Sozialstatus. Zum Teil dürften diese Unterschiede darauf zurückzuführen sein, dass die Angehörigen der niedrigen Statusgruppen häufigen rauchen, weniger Sport treiben, sich seltener gesund ernähren und sich auch ansonsten nicht gleichermaßen gesundheitsbewusst verhalten. Daneben sind weitere Erklärungsansätze zu berücksichtigen, die unter anderem die Arbeitsbedingungen, Umweltbelastungen, Wohnverhältnisse, Inanspruchnahme des Gesundheitswesens und frühkindliche Einflussfaktoren der Gesundheit in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen.

Die Arbeit macht außerdem deutlich, dass seit einigen Jahren vermehrt politische Anstrengungen unternommen werden, um die gesundheitliche Ungleichheit zu verringern, bislang aber keine umfassende, politikbereichsübergreifende Handlungsstrategie entwickelt wurde.


Dr. med. Ingo Eitel
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05646 Einrichtung:  Klinik für Kardiologie, Herzzentrum Leipzig GmbH - Universitätsklinik
Habilitationsgebiet: Innere Medizin/Kardiologie
Habilitationsthema: Differentialdiagnostische und prognostische Wertigkeit der kardialen Magnetresonanztomographie bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom
Einführung in das Thema:

Das akute Koronarsyndrom (ACS) besitzt aufgrund seiner Häufigkeit sowie hohen Morbidität und Mortalität eine große klinische und ökonomische Bedeutung. Die kardiale Magnetresonanztomografie (MRT) als nicht invasives Bildgebungsverfahren ohne Strahlenbelastung kann bei Patienten mit ACS wichtige Beiträge zur Differenzialdiagnose und Diagnosesicherung mit konsekutiver Festlegung der adäquaten Therapie liefern. Besonderer Vorteil der MRT ist die Möglichkeit, in einer multisequenziellen Untersuchung verschiedene pathophysiologisch und prognostisch relevante funktionelle Veränderungen und Gewebeschädigungen im Rahmen eines ACS nachzuweisen. Neben der genauen Analyse der linksventrikulären Funktion und von Wandbewegungsstörungen kann durch T2-gewichtete Sequenzen eine myokardiale Ödembildung als sensitives Zeichen einer akuten myokardialen Schädigung (z.B. Ischämie, Inflammation) detektiert werden. Durch kontrastmittelverstärkte Spätaufnahmen ist eine nicht invasive Gewebecharakterisierung des Myokards möglich, die aufgrund des weitgehend spezifischen Verteilungsmusters der Signalanreicherung zwischen ischämischen und nicht ischämischen Ursachen (z.B. Myokarditis oder Takotsubo Kardiomyopathie) differenzieren kann.

Nach einem Myokardinfarkt erlaubt die kardiale MRT eine genaue Charakterisierung und Quantifizierung des eingetretenen Myokardschadens und ermöglicht somit eine optimierte Risikostratifizierung und Prognoseabschätzung. Zusätzlich zur Infarktgröße kann die kardiale MRT das durch die Revaskularisierung gerettete Myokard („myocardial salvage“) sowie schwere mikrovaskuläre Schädigungen (mikrovaskuläre Obstruktion, intramyokardiale Hämorrhagie) nachweisen. In eigenen klinischen Studien konnte der inkrementelle prognostische Wert dieser im MRT quantifizierbaren Prognosemarker im Vergleich zu traditionellen Prognosemarkern belegt werden.

Aufgrund seiner exzellenten räumlichen Auflösung, Reproduzierbarkeit und hohen prognostischen Relevanz eignet sich die kardiale MRT als Endpunkt in klinischen Studien, um die Effektivität von therapeutischen Reperfusionsstrategien zu evaluieren und wird derzeit in zahlreichen Studien angewandt.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 26.03.2013

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Dr. phil. nat. Marco Koch
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05609 Einrichtung:  Institut für Anatomie der Universität Leipzig (derzeit: Yale School of Medicine, Section of Comparative Medicine, New Haven, CT, USA)
Habilitationsgebiet: Anatomie
Habilitationsthema: Untersuchungen zur funktionellen Bedeutung der Endocannabinoide innerhalb physiologischer und pathologischer Prozesse des Zentralnervensystems (ZNS)
Einführung in das Thema:

Extrakte der Hanfpflanze (Cannabis sativa) werden seit Menschengedenken nicht nur als Rausch-, sondern auch als Heilmittel verwendet. Aufzeichnungen aus dem antiken China (ca. 2000 v. Chr.) belegen, dass Cannabis sativa schon damals zur Therapie von Fieber oder Schmerzen eingesetzt wurde. Heute weiß man, dass die Wirkungen der pflanzlichen Inhaltsstoffe - mit dem wohl bekanntesten Vertreter THC (Tetrahydrocannabinol) - bei uns Menschen u.a. durch die Aktivierung von G-Protein gekoppelten Cannabinoid-1 Rezeptoren auf Nervenzellen vermittelt werden. Interessanter Weise besitzen wir mit den Endocannabinoiden (EC) auch körpereigene Botenstoffe für diese Rezeptoren, welche man zusammen als EC-System bezeichnet.

Im gesunden Gehirn drosseln EC z.B. die Freisetzung klassischer Neurotransmitter wie Glutamat und verhindern dadurch eine Überaktivierung von Nervenzellen (Neuroprotektion). Zusätzlich steuern EC die Hormonfreisetzung, kontrollieren den Energiehaushalt und modulieren Entzündungsreaktionen. Hingegen wird ein aus dem Gleichgewicht geratenes EC-System mit psychiatrischen Erkrankungen oder einer Fettleibigkeit (Adipositas) in Zusammenhang gebracht. Um zukünftig Therapieoptionen aus dem EC-System entwickeln zu können, muss die Arbeitsweise von EC im gesunden und erkrankten Organismus jedoch weitaus besser verstanden werden.

Aus diesem Grund fragten wir uns zunächst, ob das EC-System an der Steuerung der „inneren Uhr“, welche sämtliche Körperfunktionen mit dem aktuellen Tagesgang synchronisiert, beteiligt ist. So belegten unsere Arbeiten erstmalig, dass das EC-System an wichtigen Schaltpunkten des photoneuroendokrinen Systems, dem morphologischen Korrelat der „inneren Uhr“ bei Säugetieren, vorkommt und dort in die tages- und jahreszeitliche Kontrolle der Körperfunktionen eingreift. Wir hoffen nun, dass unsere Befunde mithelfen zu klären, wie Cannabinoide z.B. in den Schlaf/Wach-Rhythmus eingreifen und ob ein aus dem Gleichgewicht geratenes EC-System saisonal-affektive Störungen begünstigen kann.
Zudem stellten wir mithilfe eines exzitotoxischen Schädigungsmodells ein differenzielles neuroprotektives Spektrum für verschiedene Vertreter der EC innerhalb sekundärer neuronaler Schädigungsprozesse auf. Neben dem klassischen Cannabinoid-1 Rezeptor haben wir so weitere Rezeptoren für EC ausmachen können. Da EC über diese neu identifizierten Bindungsstellen jedoch zeit- und konzentrationsabhängig auch schädigende Wirkungen auf Nervenzellen ausübten, machen unsere Befunde deutlich, dass dem EC-System nicht mehr nur generell eine neuroprotektive Funktion zugesprochen werden darf.

Daher bleiben weiterführende systematische Untersuchungen zur Arbeitsweise des EC-Systems in physiologischen und pathologischen Prozessen nicht nur spannend sondern sind auch dringend notwendig.


Dr. med. Andreas Dacho
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05611 Einrichtung:  Deutsches Nasenzentrum, Standort Essen, Klinik für Plastische Chirurgie, Katholische Kliniken Ruhrhalbinsel
Habilitationsgebiet: Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde
Habilitationsthema: Die pharmakologische Einflussnahme auf die Früh- und Spätphase der Präkonditionierung und deren Auswirkung auf die Gewebeschichten des gestielten adipokutanen Lappens der Ratte
Einführung in das Thema:

Die Rekonstruktion der Form und Funktion im Kopf-Halsbereich, z.B. nach Tumorerkrankungen, stellt eine herausfordernde Aufgabe dar. Vor dem Hintergrund zunehmender Tumorerkrankungen im Gesichtsbereich und einer immer älter werdenden Bevölkerung mit multiplen Vorerkrankungen, ist zu berücksichtigen, dass es trotzt technisch korrektem Vorgehen, insbesondere bei Risikopatienten, zur Nekrose des transplantierten Gewebes kommen kann. Eine verbesserte Überlebensfähigkeit des Gewebes wurde in den letzten Jahren an anderen Organen experimentell durch die sogenannte Präkonditionierung erreicht. Diese ist als ein Mechanismus definiert, bei dem kurze Reize durch Sauerstoffmangel bzw. durch Medikamente körpereigene Prozesse anstoßen, die vor den Auswirkungen eines späteren Schadens ähnlicher Art schützen. Im Reaktionsablauf sind hierbei die Früh- und Spätphase im Rahmen der Präkonditionierung als möglicher therapeutischer Ansatzpunkt zu unterscheiden. Ziel der Habilitationsarbeit war die Etablierung einer Versuchsreihe zur Darstellung der physiologischen Abläufe der Präkonditionierung am Lappenmodell bzw. die Einflussnahme mit physikalischen oder pharmakologischen Mitteln.

Hierbei konnte durch die klassische ischämische Präkonditionierung mit Abklemmen des zuführenden Gefäßstiels ein verbessertes Lappenüberleben erreicht werden. Dem deutlich überlegen waren die experimentellen Ansätze in den pharmakologischen Gruppen mit der Einflussnahme auf die Adenosinrezeptor-vermittelte Frühphase durch 2-Chloro-N6-Cyclopentyladenosin (CCPA) bzw. auf die NF-κB-vermittelte Spätphase durch Pyrrolidindithiocarbamat (PDTC) mit jeweils signifikanter Reduzierung der Lappennekrose. Die histologische Aufarbeitung erfolgte unter mikroskopischer Analyse der einzelnen Gewebeschichten und Überprüfung der Zellart und Zahl, sowie der spezifischen Veränderungen im Rahmen der Entzündungsreaktion, welche die Subkutis als sensitivsten Bereich des adipokutanen Lappens verifizierte und unter anderem eine Korrelation zwischen der Nekrosenreduzierung und der verringerten Anzahl von neutrophilen Granulozyten bzw. Plasmazellen ergab.

Die erhobenen Befunde unterstreichen die potenzielle Möglichkeit der positiven pharmakologischen Einflussnahme auf das Überleben von Lappentransplantaten und eröffnen möglicherweise einen neuen therapeutischen Ansatz.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 19.02.2013

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Dr. med. Mirjana Ziemer
IMG_9232a-Auschnitt Einrichtung:  Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Habilitationsgebiet: Dermatologie/Venerologie
Habilitationsthema: Stellenwert der Histomorphologie und neuer histologischer Verfahren in der dermatologischen Diagnostik
Einführung in das Thema:

Naturgemäß entziehen sich dem Pathologen Vorgänge und Prozesse, die nur am Lebenden beobachtet oder beurteilt werden können. Dem Dermatohistopathologen bietet sich jedoch die einzigartige Möglichkeit, die Morphologie der Haut am Patienten und die Histomorphologie entnommenen Gewebes zeitgleich zu studieren. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die vielseitigen Möglichkeiten der histomorphologischen Diagnostik von Hauterkrankungen anhand ausgewählter Beispiele aufzuzeigen. Die Habilitationsschrift will darüber hinaus verdeutlichen, dass Ergebnisse neuer diagnostischer Verfahren an Geweben (wie konfokale in-vivo-Mikroskopie und neue immunhistochemische Methoden) nur in der Korrelation zu Befunden der klassischen Histologie korrekt zu bewerten sind.

Ein Schwerpunkt der Habilitationsschrift lag auf der histomorphologischen Differenzierung von dermatologischen Krankheitsbildern. In einer der zahlreichen Arbeiten, auf die hier nur beispielhaft eingegangen werden kann, wurden die histopathologischen Veränderungen bei Insektenstichreaktionen präzisiert und systematisiert. Dabei konnte erstmals die regelmäßige Beteiligung von Schweißdrüsen am Entzündungsprozess gezeigt werden und als ein Diagnosekriterium definiert werden. Eine weitere Arbeit befasste sich mit einer seltenen Variante eines Lupus erythematosus mit ausgedehnter blasiger Hautbeteiligung, die aufgrund starker Ähnlichkeiten zum Teil als schwere Arzneimittelreaktion fehldiagnostiziert werden kann. Die Arbeit liefert klinische und histomorphologische Unterscheidungskriterien zwischen beiden Krankheitsgruppen, was aus therapeutischer Sicht sehr bedeutsam ist.
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit lag auf neuen histologischen Verfahren – der Focus-floating-Mikroskopie und der Multiphotonenen-Lasertomografie.

Die modifizierte Immunhistochemie kombiniert mit der Focus-floating-Mikroskopie erwies sich als eine schnelle und verlässliche Methode, um Borrelien im Gewebe nachzuweisen. Der entscheidende Aspekt bei dieser Methode ist eine fast holoskopische Herangehensweise an das Mikroskopieren. So werden die Schnittstufen horizontal in Serpentinen und gleichzeitig vertikal unter Fokussierung durch die gesamte Schnittdicke abgesucht. Somit wurde erstmals der bereits in der Vergangenheit erhobene Verdacht, dass das Granuloma anulare durch Borrelienspezies hervorgerufen sein könnte, an einer umfangreichen Fallserie demonstriert. Mit dieser Methode konnten Borrelien darüber hinaus auch bei pseudolymphomatösen Reaktionsmustern anderer Hautkrankheiten nachgewiesen werden und diese so abgegrenzt werden.

Eine Arbeit der Habilitationsschrift befasste sich mit der Multiphoton-Lasertomografie bei melanozytären Läsionen. Diese mikroskopische Methode erlaubt die Aufnahmen von lebenden Geweben. In der Arbeit wurden die morphologischen Charakteristika melanozytärer Nävi und maligner Melanome beschrieben und Differenzierungskriterien definiert. Die erhobenen Befunde unterstreichen die potenzielle Anwendbarkeit der Multiphotonen-Lasertomografie für die frühzeitige Melanomdiagnostik.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 29.01.2013

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Dr. med. Matthias Grothoff
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05568 Einrichtung:  Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Herzzentrum Leipzig GmbH – Universitätsklinik
Habilitationsgebiet: Diagnostische Radiologie
Habilitationsthema: Der rechte Ventrikel in der kardialen Magnetresonanztomographie. Von der Morphologie und Funktion zur Intervention
Einführung in das Thema:

Die Magnetresonanztomografie (MRT) hat sich in der Diagnostik kardialer Erkrankungen fest etabliert. Die Fähigkeit zur Gewebecharakterisierung ohne ionisierende Strahlen und die präzise Darstellung der Herzfunktion unabhängig von der Patientenkonstitution machen die Modalität attraktiv.

Der rechte Ventrikel (RV) ist durch seine retrosternale Lage der Echokardiografie häufig schlecht zugänglich und weist eine komplexe Geometrie auf. Eine Bildgebung, die das gesamte rechtsventrikuläre Volumen erfassen und jede beliebige Winkelung im Raum einnehmen kann, ist daher ein wertvolles Werkzeug. Eine Gruppe, die frühzeitig von den Vorteilen der rechtsventrikulären MRT profitiert hat, sind Patienten mit komplexen angeborenen Herzfehlern. Hier sind mittels der MRT präzise Aussagen zu volumetrischen Veränderungen und zu Veränderungen der Flusskinetik möglich, welche wichtige Parameter für das therapeutische Management und die Prognose sind. Von großem Wert ist die MRT des RV auch bei erworbenen kardialen Pathologien. Beim akuten ST-Hebungsinfarkt lassen sich wie beim linken Ventrikel auch Ödem und Nekrose sowie das Myocardial Salvage bestimmen und daraus prognostische Daten ableiten.

Ein innovatives Gebiet sind MRT-gesteuerte elektrophysiologische Katheteruntersuchungen im rechten Vorhof und RV bei Vorhofflattern. Die MRT bietet hier unter anderem die Vorteile der Visualisierung der Gewebeveränderungen nach Ablation und der Katheterpositionierung ohne Strahlenexposition.


Dr. rer. nat. Antje Grosche
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05578 Einrichtung:  Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung
Habilitationsgebiet: Experimentelle Neurowissenschaften
Habilitationsthema: Gliotransmitterfunktion in der Volumenregulation von Müllerschen Gliazellen der Netzhaut
Einführung in das Thema:

Im zentralen Nervensystem gibt es zwei dominierende Zellpopulationen - natürlich Nervenzellen, welche sich ausschließlich mit Informationsweiterleitung bzw. –verarbeitung beschäftigen, und Gliazellen, denen seit ihrer Entdeckung primär eine Rolle als Stützzellen zugesprochen wurde. In den letzten Jahren rückten allerdings die Gliazellen zunehmend aus dem Schatten der Nervenzellen, denn immer mehr Daten belegen, dass sie mehr sind als passive Elemente im Nervensystem. In der Tat besitzen sie das Handwerkszeug (Ionenkanäle, Botenstoffe und entsprechende Rezeptoren), um aktiv mit Nervenzellen zu kommunizieren und darüber direkt die Prozesse der Informationsverarbeitung im Nervensystem zu beeinflussen.

Müllersche Gliazellen sind die wichtigsten Gliazellen in der Netzhaut. Letztere geht entwicklungsbiologisch als eine Ausstülpung aus der Hirnanlage hervor und wird damit dem zentralen Nervensystem zugeordnet. Aufgrund ihrer guten experimentellen Zugänglichkeit bietet sich die Netzhaut als hervorragendes Modellsystem zur Untersuchung von Nervenzell-Glia-Interaktionen an. Wir konnten zeigen, dass retinale Müllerzellen über eine hocheffiziente Volumenregulation verfügen, welche Grundvoraussetzung ist, um ihrer Funktion hinsichtlich des Ionen- und Wasserhaushaltes in der Netzhaut gerecht werden zu können. Geht die Fähigkeit zur Volumenregulation dieser Zellen verloren, wie ich es in krankhaft veränderten Netzhäuten (diabetische Retinopathie, ischämisch geschädigte Netzhaut) nachweisen konnte, trägt das zur Ödembildung, das heißt zur Flüssigkeitsansammlung im Gewebe bei. Ödematöse Schädigungen der Netzhaut gehören zu den wichtigsten Gründen für eine eingeschränkte Sehfähigkeit, z.B. bei Diabetespatienten. Wir konnten darüber hinaus zeigen, dass die „erkrankten“ Müllerzellen durch Stimulation einer sehr komplexen Signalkaskade wieder eine verbesserte Volumenregulation aufweisen. Das Verständnis der Signalkaskade könnte damit bei weiterer Untersuchung neue Therapiemöglichkeiten für Netzhauterkrankungen, die mit Ödembildung einher gehen, aufzeigen.

Hochinteressant für Neurowissenschaftler ist, dass im Rahmen dieser Signalkaskade eine Vielzahl von Substanzen, sogenannte Gliotransmitter, aus den Müllerschen Gliazellen freigesetzt werden(z.B. Glutamat, ATP, Adenosin). Diese können dann als Botenstoffe für die Kommunikation zwischen Nervenzellen und Gliazellen dienen. Mit einer von mir neu etablierten Nachweismethode konnten wir zudem erstmals demonstrieren, dass die Art der Freisetzung (vor allem von Glutamat) aus Müllerzellen über genau denselben Mechanismus erfolgt, wie er bisher ausschließlich Nervenzellen zugeschrieben worden ist. Damit konnten wir einen weiteren wichtigen Beleg dafür liefern, dass Gliazellen wichtige Partner (und nicht, wie früher angenommen, nur passive Zuschauer) für Nervenzellen im Rahmen der Informationsverarbeitung sein können und diese gar aktiv mitgestalten.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 18.12.2012

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Dr. med. Andrej Schmidt
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05539 Einrichtung:  Medizinische Klinik I, Angiologie, Kardiologie, Parkkrankenhaus Leipzig
Habilitationsgebiet: Innere Medizin mit Schwerpunkt Angiologie
Habilitationsthema: Interventionelle Therapie von komplexen arteriosklerotischen Obstruktionen der infrainguinalen Arterien
Einführung in das Thema:

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (paVK) gehört zu den Erkrankungen mit hoher Inzidenz. Eine Alternative zur klassischen gefäßchirurgischen Behandlung stellt die endovaskuläre Therapie dar. Als wesentlicher Vorteil wird ihre geringere Invasivität betrachtet, was sie insbesondere für die häufig komorbiden und älteren Patienten zur bevorzugten Behandlungsmethode macht. Allerdings werden die begrenzten Erfolgsaussichten, die teilweise für komplexe, häufig stark verkalkte und langstreckige Verschlüsse beschrieben werden und insbesondere die unzureichenden Langzeitergebnisse bemängelt. Diese Problematik betrifft die Arterien des Oberschenkels und insbesondere auch den Unterschenkelbereich, der erst in den letzten Jahren der endovaskulären Therapie geöffnet wurde.

Wir haben uns insbesondere um die Optimierung der endovaskulären Therapie von komplexen infrainguinalen arteriellen Verschlüssen bemüht, bei denen bisher eine Misserfolgsrate von 20% in der Literatur beschrieben wurde. Die hohe Effektivität von neuartigen Kathetern, sogenannte Reentry-Katheter, zur Optimierung der Draht-Passage während endovaskulärer Eingriffe konnte in retrospektiven Analysen dargestellt werden. Neue Methoden, retrograde Zugänge mit Punktion distal des Verschlusses, wurden von uns entwickelt und deren Sicherheit und Effektivität dargestellt.

Das Problem der insbesondere für längere, komplexere Läsionen unzureichenden Offenheitsrate nach endovaskulärer Therapie wurde ebenfalls untersucht und Ansätze zur Optimierung vorgeschlagen. Frakturen von in den Oberschenkel eingebrachten Stents wurden analysiert und eine Verbesserung der Ergebnisse durch neuartige Stentsysteme nachgewiesen. Für den Unterschenkelbereich konnte eine Optimierung der Offenheitsrate durch Einbringen von mit Medikamenten beschichteten Stents, sogenannte Drug-eluting Stents, erzielt werden. Zuletzt konnten erste Hinweise auf die Wirksamkeit von Paclitaxel-beschichteten Ballons in komplexen Unterschenkel-Läsionen dargestellt werden.


Dr. med. Christian D. Etz
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05545 Einrichtung:  Klinik für Herzchirurgie, Herzzentrum Leipzig – Universitätsklinik
Habilitationsgebiet: Herzchirurgie
Habilitationsthema: Spinal Cord Protection during Descending Thoracic (DTA) and Thoraco-abdominal Aortic Aneurysm (TAAA) Repair – The Modern Collateral Network Concept and its Implications: The Staged Repair
Einführung in das Thema:

Eine traumatische Querschnittslähmung bedeutet für den betroffenen Patienten neben der individuellen Tragik ein deutlich verkürztes Langzeitüberleben. Die Rate der Querschnittslähmungen nach lebensrettenden chirurgischen Eingriffen an ausgedehnten thorakoabdominellen Aortenaneurysmen, insbesondere vom Typ Crawford II, liegt seit den Anfängen der thorakalen Aortenchirurgie - also seit nunmehr 50 Jahren - unverändert bei 15% – 20%.

Das Rückenmark verläuft geschützt im Rückenmarkskanal innerhalb der Wirbelsäule, nahezu parallel zur thorakoabdominalen Aorta. Seine Blutversorgung wird durch ein verzweigtes arterielles Netzwerk sichergestellt, welches von den thorakalen Segmentarterien, die kranial auf Höhe des 4. thorakalen Wirbelkörpers erstmals direkt aus der Aorta entspringen, und den lumbalen Segmentarterien versorgt wird. Die Segmentarterien leisten so einen wesentlichen Beitrag zur Blutversorgung des Rückenmarks.

Eingriffe an der deszendierenden thorakalen und thorakoabdominellen Aorta gehen somit immer mit einem erheblichen Risiko, die Blutversorgung durch die Segmentarterien zu kompromittieren, einher. Trotz verschiedener Ansätze - von dem Versuch der Reimplantation aller Segmentarterien nach Aortenersatz bis hin zu dem Versuch präoperativ diejenigen Segmentarterien zu identifizieren, aus denen die 1881 erstmals beschriebene Arterie von Adamkiewicz vermeintlich entspringt, um gezielt nur diese zu reimplantieren - ist es bis dato nicht gelungen, die Inzidenz dieses iatrogenen ischämischen Rückenmarksschadens signifikant zu senken.

Durch seine experimentellen und klinischen Studien legte Dr. Christian Etz erstmals die Grundlagen für eine neuartige Strategie zur Prävention von ischämischen Rückenmarksschäden bei aortenchirurgischen Eingriffen. Durch den selektiven Verschluss von einzelnen Segmentarterien ausgelöst - und vermutlich auf Arteriogenese basierend - kommt es zu einem „Remodeling“ mit räumlicher Umstrukturierung und Neubildung von Arteriolen innerhalb des paraspinalen Kollateralnetzwerks. Diese „Konditionierung“ des arteriellen Kollateralnetzwerks ist im Tierexperiment so effektiv, dass bereits nach 5 Tagen ein Totalverschluss aller aortalen Segmentarterien mit einer Paraplegierate von 0% möglich ist. Dieses von Dr. Etz maßgeblich entwickelte Konzept des „staged-repair“ wird zwischenzeitlich bereits weltweit von renommierten aortenchirurgischen Referenzzentren klinisch angewandt.

Dr. Etz erhielt neben zahlreichen nationalen Auszeichnungen als einziger Forscher weltweit bereits zweimal (2006 und 2008) den Hans G. Borst Preis der Europäischen Gesellschaft für Herzchirurgie (EACTS) für herausragende Forschung auf dem Gebiet der Aortenchirurgie. 2012 erhielt Dr. Etz den Aortenchirurgischen Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Herz-, Thorax und Gefäschirurgie (DGTHG) für seine Grundlagenforschung und den Transfer in die Klinik.

Seit 2008 ist Dr. Etz ununterbrochen Fakultätsmitglied und Research Assistant Professor an der Mount Sinai School of Medicine in New York (USA), wo er jahrelang das renomierte Forschungslabor von Dr. Griepp leitete, bevor er nach seiner US-Lizenzierung klinisch am Mount Sinai arbeitete. Professor Mohr holte ihn 2010 an das Herzzentrum Leipzig. Dr. Etz ist Mitglied der aortenchirurgischen Arbeitsgruppe der DGTHG und der Vascular Domain der EACTS, sowie Vorstandsmitglied des Deutschen Registers für Akute Aortendissektionen (GERAADA, kurz für German Registry for Acute Aortic Dissection Type A), dem weltweit größten klinischen Register mit diesem Schwerpunkt.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 26.11.2012

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Dr. med. Jörg Ender
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05496 Einrichtung:  Herzzentrum Leipzig GmbH - Universitätsklinik, Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin II
Habilitationsgebiet: Anästhesiologie und Intensivmedizin
Habilitationsthema: Die Rolle der intraoperativen Echokardiografie bei herzchirurgischen Operationen mit Schwerpunkt Mitralklappenrekonstruktion
Einführung in das Thema:

Die Echokardiografie ist ein Verfahren, welches mithilfe von Ultraschall die Darstellung des Herzens ermöglicht. In der Kardiologie gehört dieses Verfahren seit Jahrzehnten zu den Standarduntersuchungen des Herzens. In der Anästhesie hat sich dieses Verfahren in Form der sogenannten transösophagealen Echokardiografie (TEE, „Schluckechokardiografie“), vor allem während herzchirurgischer Operationen, etabliert und wird von den Fachgesellschaften, insbesondere bei herzklappenerhaltenden Operationen, empfohlen. Während der Operation können damit vor allem bei Erkrankungen der Mitralklappe die betroffenen Abschnitte der Klappe genau bestimmt und nach dem Eingriff das Ergebnis beurteilt werden. Mögliche Komplikationen, wie z.B. der Verschluss eines Herzkranzgefäßes, lassen sich somit frühzeitig darstellen.

Die erst seit kurzem verfügbare dreidimensionale Echokardiografie in Echtzeit stellt die anatomischen Verhältnisse des Herzens noch verständlicher dar. Es gibt erste Hinweise darauf, dass diese Methode auch eine Größenbestimmung von Klappenringen erlaubt, die während der Operation zur Mitralklappenreparatur häufig eingebaut werden. Auch bei der kathetergestützten Aortenklappenoperation, die bei älteren Patienten mit schwerwiegenden Begleiterkrankung eine alternative Behandlungsform darstellt, ist die intraoperative Echokardiografie eine enorme Hilfe, sowohl bei der Größenbestimmung der einzubauenden Aortenklappe als auch zur Überwachung der Herz-Kreislauffunktion während des Eingriffes. Eine weitere Domäne der TEE ist die genaue Lokalisation von eingebrachten Fremdkörpern, wie z.B. einen Venenkatheter in das Herz bzw in die großen Gefäße.

Eine fundierte Ausbildung und die Einhaltung von Standards während der Untersuchung ist eine unabdingbare Voraussetzung, um dieses Verfahren zum vollen Nutzen des Patienten einsetzen zu können.


Dr. phil. Jochen Ernst
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05502 Einrichtung:  Department für Psychische Gesundheit, Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie
Habilitationsgebiet: Medizinische Soziologie und Medizinische Psychologie
Habilitationsthema: Beteiligung von onkologischen Patienten an medizinischen Entscheidungen – Patientenpräferenzen und Einflussfaktoren aus Sicht von Patienten, Ärzten und Angehörigen
Einführung in das Thema:

Die Mitwirkung von Patienten an medizinischen Entscheidungen, z. B. bei der Therapie, wird seit einigen Jahren intensiv diskutiert. Die vorliegende Habilitationsschrift beschäftigt sich auf der Grundlage von neun Einzelarbeiten des Autors mit der Patientenmitwirkung an medizinischen Entscheidungen (shared decision making), überwiegend für den Bereich der Onkologie. Im Zentrum stehen

  • der Vergleich verschiedener onkologischer Diagnosegruppen (solide Tumorarten, z.B. Brustkrebs, und systemische Krebserkrankungen, z.B. Leukämie),
  • die Rolle unterschiedlicher Akteure (Patienten, ihre Angehörigen, Ärzte) und
  • die Gegenüberstellung zertifizierter und nicht zertifizierter Kliniken.

Es wurden qualitative und quantitative empirische Studien (u.a. auch Wiederholungsbefragungen) durchgeführt.

Der Wunsch, an medizinischen Entscheidungen beteiligt zu sein, ist als moderat einzuschätzen. Es sind 16-50% der Befragten mit soliden Krebserkrankungen; hämato-onkologische Patienten möchten in deutlich geringerem Umfang einbezogen sein. Jeder Zweite war seiner Präferenz entsprechend einbezogen. Jedoch ist der Umfang der Beteiligung als Einflussfaktor für die Patientenzufriedenheit kaum von Bedeutung, die vielmehr stark von dem Vertrauen in den Arzt abhängt. Die befragten Ärzte sind bestrebt, im Kontext von förderlichen und hemmenden Faktoren Patienten bei Entscheidungen einzubeziehen, insbesondere gilt dies für Alternativmediziner. Die Angehörigen der Patienten wollen in der Mehrheit bei Entscheidungen eingebunden sein, was in praxi differenziert umsetzbar ist. Sie selbst wie auch die Patienten nehmen eine Beteiligung als hilfreich wahr. Mit Blick auf die Behandlungsstruktur (Brustzentren vs. nicht- Zentren) konnten bei den Patientinnen keine durchgreifenden Unterschiede im Umfang der Entscheidungsbeteiligung sowie im Ausmaß der Zufriedenheit mit der Behandlung festgestellt werden.


Dr. med. Andreas Reske
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05508 Einrichtung:  Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie
Habilitationsgebiet: Anästhesiologie und Intensivmedizin
Habilitationsthema: Quantitative computertomographische Analysen der Lungenbelüftung bei akutem Lungenversagen – Untersuchungen zur Methodik und klinischer Implementierung
Einführung in das Thema:

Patienten mit akutem Versagen der Lungenfunktion (auch als akutes Atemnotsyndrom oder ARDS bezeichnet) sind durch eine hohe Sterblichkeit und das Auftreten von verschiedenen Komplikationen bedroht. Zu diesen Komplikationen gehören neben den Folgen der Erkrankung selbst auch Komplikationen einer zu wenig an den individuellen Patienten angepassten Therapie. Die auf der Intensivstation zur Verfügung stehenden, lebensrettenden aber zum Teil auch sehr invasiven Therapieverfahren, wie beispielsweise die maschinelle („künstliche“) Beatmung, die Lagerungstherapie oder im Extremfall der Einsatz der extrakorporalen Lungenunterstützung („Herz-Lungen-Maschine“), müssen zu Beginn des akuten Lungenversagens in sehr kurzer Zeit ausgewählt werden. Das Problem hierbei ist, dass die individualisierte Einschätzung des Schweregrades der Lungenschädigung und die Vorhersage der Effektivität von Therapieoptionen bisher ausschließlich auf der subjektiven Einschätzung und Erfahrung der behandelnden Ärzte basierte. Verlässliche und reproduzierbare quantitative Parameter zur Therapieauswahl und -steuerung existierten bisher nicht, weshalb eine individualisierte Therapieplanung und die Nutzen-Risiko-Abwägung bisher nur eingeschränkt möglich waren.

Im Rahmen der vorliegenden Habilitationsarbeit wurde ein Verfahren weiterentwickelt sowie für den klinischen Einsatz optimiert und validiert, mit welchem objektive quantitative Marker (z.B. das Lungengewicht) aus den bei Patienten mit akutem Lungenversagen praktisch regelhaft zu Behandlungsbeginn durchgeführten computertomografischen Schichtaufnahmen berechnet werden können. Die klinische Praktikabilität der Methodik wurde anhand erster klinischer Studien bei schwerverletzten Patienten mit akutem Lungenversagen demonstriert. In diesen Untersuchungen erfolgte anhand der Bestimmung des Lungengewichtes die Unterscheidung verschiedener Ursachen des akuten Versagens der Lungenfunktion; solche Informationen können zukünftig für die oben dargestellte Individualisierung der Therapie hilfreich sein.


Dr. rer. nat. Scholz
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05512 Einrichtung:  Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie (IMISE)
Habilitationsgebiet: Medizinische Bioinformatik
Habilitationsthema: Biomathematische Modellierung von Therapiewirkungen bei Lymphomerkrankungen - Ein Beitrag zur Medizinischen Systembiologie
Einführung in das Thema:

Bei einigen Lymphomerkrankungen (Hodgkin Lymphom, hochmaligne non-Hodgkin Lymphome) konnten in den letzten Jahren erhebliche Therapiefortschritte mittels intensivierter konventioneller Polychemotherapien, Bestrahlungen und immunologischen Therapien erzielt werden. Mittlerweile sind viele Therapieoptionen vorhanden und individuelle Risikofaktoren für Therapiewirkungen bekannt. Allerdings führen diese zu einer hohen Anzahl von prinzipiell variablen Therapieparametern, welche im Rahmen von klinischen Studien nicht mit vertretbarem zeitlichen und finanziellen Aufwand optimiert werden können.

In der Habilitationsschrift werden biomathematische Modelle entwickelt, mit deren Hilfe unterschiedliche Wirkungen von zytotoxischen Chemotherapien beschrieben und vorhergesagt werden können. Den Hauptteil der Arbeit umfassen Modellierungen der Hämatotoxizität einer konventionellen Chemotherapie in Abhängigkeit von der Art, der Dosierung und der zeitlichen Verabfolgung der zytotoxischen Substanzen, dem Einsatz von hämatopoetischen Wachstumsfaktoren und individuellen Risikofaktoren. Hierbei wurde die Hämatopoese im Knochenmark, die Pharmakokinetik und -dynamik hämatopoetischer Wachstumsfaktoren sowie die Wirkung der Chemotherapie mithilfe gewöhnlicher Differenzialgleichungssysteme beschrieben. Ähnliche Modellierungen der murinen Hämatopoese begleitet und beeinflussen diese Arbeiten. Die Modelle ermöglichen eine Reihe von klinisch relevanten Vorhersagen, insbesondere bezüglich risikoadaptierter (individualisierter) Therapien und Optimierung der Gabe von G-CSF. Diese wurden teilweise in später durchgeführten klinischen Studien validiert.

Des Weiteren wurde das Risiko des Auftretens sekundärer hämatologischer Malignitäten in Abhängigkeit von den eingesetzten Primär- und Rezidivtherapien mittels statistischer Modelle beschrieben. Hierbei stand speziell die Frage im Vordergrund, wie diese multiparametrischen Modelle parametrisiert werden können. Schließlich wurde ein Konzept für ein immunologisches Tumormodell vorgeschlagen, mit dessen Hilfe perspektivisch die Tumorkontrolle unter kombinierten Chemo- und Immuntherapien des CD20 positiven B-Zelllymphoms vorhergesagt werden könnte.

Die entwickelten mathematischen Modelle und Modellkonzepte stellen einen Beitrag zur Planung klinischer Studien mittels systembiologischer Modelle dar. Die meisten Anwendungen beziehen sich auf Therapien von Lymphomerkrankungen. Darüber hinaus sind die Konzepte jedoch auch auf Therapien einiger anderer Tumorerkrankungen übertragbar.


Dr. rer. medic. Hanno Steinke
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05515 Einrichtung:  Institut für Anatomie
Habilitationsgebiet: Anatomie
Habilitationsthema: Zur Bedeutung der lumbosakralen Weichteile für die Funktion des lumbosakralen Systems
Einführung in das Thema:

Bei der Bildgebung des Beckens werden vorrangig Kochen beurteilt. Dieser Widerspruch zu den in der Habilitationsschrift postulierten Thesen über das Primat der Weichteile ist banalen Ursprungs: Während das Skelett mit Röntgen und Röntgencomputertomografie gut zu diagnostizieren ist, bleiben Bänder, Muskeln und Nerven - also wasserreiches Gewebe - beinahe unsichtbar. Gemeinsam mit unseren Unfallchirurgen und Orthopäden versuchten wir, uns deren tatsächlicher Bedeutung zu nähern.

Die erste These ist, dass Bänder trotz ihrer Festigkeit sehr elastisch reagieren (Elastizitätsmodul, Abk. EM).

Wir prüften die Elastizität von Bändern und Knochen an frischen, realitätsnahen Proben eines parallelfasrigen Bands (Tractus iliotibialis, TI) und an unfixierten Beckenknochen unserer Körperspender. Die Messwerte wurden mit neuen Plastinationstechniken ermittelt. Der EM des TI ist bei Beginn seiner Belastung gering (273 N/mm2) und steigt bei Belastung auf das Doppelte an (565 N/mm2). Diese Angaben integrierten wir in Rechenmodelle, welche es ermöglichen, die Eigenschaften auch nicht parallelfasriger Bänder im Becken zu simulieren und damit die Funktion des Sakroiliakalgelenks (SIG) besser zu verstehen. Dazu bestimmten wir weiterhin die Richtungen der Bänder. Zur Validierung der These wurden zusätzlich die Knochen in Zusammenarbeit mit unserer orthopädischen Klinik und dem Fraunhofer-Institut Dresden optisch vermessen. Sie weisen ebenfalls eine erstaunliche Elastizität auf.

Die lumbosakralen Muskeln dienen der aktiven Balance des Beckens. An den Bändern rund um das SIG entspringen einige Teile des M. erector spinae (MES). Eine weitere These der vorliegenden Schrift ist, dass die Bänder um das SIG präparatorisch im erweiterten Zugang von vorn mitsamt der Nerven und des MES analysiert werden können. Hierbei lassen sich drei Kompartimente des MES feststellen. Dem entsprechen drei ihn versorgende Nervenäste der hinteren Wurzel des Spinalnervs. Unsere Methoden erlauben, diese Systematik mehrfach zu prüfen: Sie steht im Gegensatz zu gängigem Lehrbuchwissen.

Die Magnetresonanztomografie (MRT) kann die Bänder nicht direkt darstellen. Sichtbar ist vor allem das Wasser, das um die kollagenen Fasern in einem stets gleichem Winkel angeordnet ist. Durch dieses Phänomen konnten wir einen Algorithmus entwickeln, der es mithilfe der MRT erlaubt, durch Drehung des TI die Richtung der Fasern zu bestimmen. Vielleicht wird es durch solch einen Algorithmus möglich sein, die Bänder am Patienten direkt zu diagnostizieren. Dann sind die Versuche an Verstorbenen auch für Lebende nützlich. Unsere Angaben über die lumbosakralen Weichteile zeigen, dass ihnen mehr Beachtung gezollt werden muss, um der Funktion des Gesamtsystems näherzukommen.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 20.11.2012

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Dr. phil. Birgit Wagner
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05478 Einrichtung:  Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Habilitationsgebiet: Medizinische Psychologie und Psychotherapie
Habilitationsthema: Posttraumatische Belastungsstörungen und Komplizierte Trauer: Prävalenzen, Risikofaktoren
Einführung in das Thema:

Traumafolgestörungen können sich als psychische Reaktion auf traumatische Ereignisse oder Verluste nahestehender Personen ausbilden. Sowohl bei der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) als auch bei der komplizierten Trauer ist ein ätiologisches Ereignis, das Trauma bzw. der Tod einer nahestehenden Person, Teil des Syndroms. Im Gegensatz zur PTBS ist die komplizierte Trauer noch ein relativ junger Forschungsbereich. Parallel haben sich in den vergangenen zehn Jahren internetbasierte Psychotherapien als ein neuer Forschungsbereich etabliert. Eine Reihe von Studien belegen der internetbasierten störungsspezifischen Psychotherapie gute Wirksamkeitseffekte, die durchaus mit Psychotherapien im Face-to-Face-Setting vergleichbar sind.

Die vorliegende kumulative Habilitationsschrift widmet sich der Fragestellung,

  • wie häufig die posttraumatische Belastungsstörung und komplizierte Trauer in verschiedenen Populationen auftreten,
  • welche Faktoren deren Entwicklung beeinflussen können und
  • inwieweit neue internetgestützte Interventionen eine wirksame Behandlungsoption darstellen.

Die dargestellten Studien wurden mit Studienteilnehmern aus Deutschland, der Schweiz, dem Irak und Kambodscha durchgeführt. Die Ergebnisse der vorgestellten Prävalenzstudien zeigen auf, dass die bedingten Wahrscheinlichkeit, eine komplizierte Trauer zu entwickeln, in einer deutschen Gesamtbevölkerungsstichprobe bei 6,7% lag und in einer kambodschanischen Stichprobe, 30 Jahre nach dem Ende des Regimes der Khmer Rouge, bei 14,3%. Die Ein-Monats-Prävalenz der posttraumatischen Belastungsstörung in einer deutschen epidemiologischen Studie lag bei 2,3%. Folgende soziokulturelle, inter- und intrapersonelle Risikofaktoren konnten in den vorgelegten Studien identifiziert werden:

  • weibliches Geschlecht, höheres Lebensalter, fehlende gesellschaftliche Wertschätzung;
  • negativ erlebte forensische Untersuchungen;
  • fehlende motivationale Regulation und Verschwiegenheit über das schwierige Lebensereignis.

In den vorgestellten Studien zeigten die internetbasierten Interventionen für Traumafolgestörungen eine signifikante Symptomreduzierung auf, die auch in einer Langzeiterhebung aufrechterhalten werden konnte. Die therapeutische Beziehung als Einflussfaktor auf die Symptomreduzierung konnte in der deutschensprachigen Stichprobe nicht gefunden, dafür aber in der arabischsprachigen Patientengruppe nachgewiesen werden. In beiden Therapiestudien konnte eine stabile und positiv bewertete therapeutische Beziehung aufgebaut werden.


Dr. med. Ralf Regenthal
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05483 Einrichtung:  Rudolf-Boehm-Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Abteilung Klinische Pharmakologie
Habilitationsgebiet: Klinische Pharmakologie
Habilitationsthema: Klinisch-pharmakologische Untersuchungen zur medikamentösen Therapieoptimierung unter besonderer Berücksichtigung zentral wirksamer Arzneimittel
Einführung in das Thema:

Die therapeutische Wirkung von Arzneimitteln am Menschen ist trotz krankheitsspezifischer und an das Alter und Körpergewicht angepasster Dosierung mit einer hohen Variabilität und möglichen Nebenwirkungen verbunden.

Ziel der in der Habilitationsschrift zusammengefassten publizierten Arbeiten war es, zu untersuchen, in wieweit Arzneimittelkonzentrationen von Psychopharmaka im Blutplasma von Patienten und Probanden geeignet sind,

  • zur Verbesserung der Therapieführung,
  • zur Vermeidung von Risiken oder unerwünschten Nebenwirkungen
  • zur Charakterisierung von Patienten beizutragen, welche von Medikamenten besonders profitieren.

Die Ergebnisse weisen die Spannbreite zwischen therapeutisch und toxisch wirksamen Arzneimittelkonzentrationen beim Menschen sowie arzneimittelspezifischen Zielbereichen einer über die Dosis gesteuerten Therapie für moderne Psychopharmaka aus. Wir konnten zeigen, dass eine kombinierte Bewertung der individuellen Medikamentenkonzentration zusammen mit einer Veränderung der Handschrift als klinisches Frühsymptom geeignet ist, das Risiko für das Auftreten schwerwiegender motorischer Nebenwirkungen bei der Behandlung schizophrener Erkrankungen zu minimieren.

Die Ergebnisse von klinischen Medikamentenstudien mit Arzneimitteln, welche Aufmerksamkeit, Informationsverarbeitung und Arbeitsgedächtnisleistungen des Zentralnervensystems bzw. Handlungssteuerungsfunktionen in Testsystemen positiv beeinflussen, verweisen darauf, dass

  • die Messung von Arzneimitteln im Blutplasma dazu beitragen kann, konzentrations- und beanspruchungsabhängige Wirkungen während sogenannter Ereignis korrelierter Bildgebungsstudien des Gehirns besser zu verstehen,
  • die Aussagekraft der Ergebnisse solcher Studien in ihrer Bedeutung für die medizinische Praxis und den potenziellen Patienten erhöht und
  • die Sicherheit und Ergebnisqualität der Daten in Studien mit Psychostimulanzien verbessert werden kann.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 16.10.2012

Dr. med. Christian Benckert
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05416 Einrichtung:  Chirurgische Klinik II - Klinik für Visceral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie
Habilitationsgebiet: Chirurgie
Habilitationsthema: Histomorphologische und molekularbiologische Prognosefaktoren hepato-pankreato-biliärer Malignome
Einführung in das Thema:

Die Abschätzung der Prognose von Patienten bei Diagnosestellung eines bösartigen Tumors hat Bedeutung für die aktuelle Therapieentscheidung und die Entwicklung zukünftiger Therapiekonzepte. In der vorliegenden Habilitationsschrift wurden neue molekularbiologische Prognosefaktoren für Patienten untersucht, die an primär bösartigen Tumoren der Leber (hepatozelluläres Karzinom und cholangiozelluläres Karzinom) und der Bauchspeicheldrüse (Pankreaskarzinom) erkrankt sind.

Der DNA-Index, ein Quotient der die Menge der Erbinformation (DNA) in Tumorzellen wiedergibt, konnte als ein sehr valider biologischer Marker für Patienten, die an einem hepatozellulären Karzinom leiden, beschrieben werden. In der untersuchten Patientengruppe konnte dieser Marker die Prognose nach Lebertransplantation genauer abschätzen als die bekannten und etablierten morphometrischen Faktoren Tumorgröße und Tumorknotenanzahl.
Krebszellen weisen aufgrund des beschleunigten und bösartigen Wachstums eine erhöhte Stoffwechselrate und eine vermehrte Gefäßbildung auf, die für eine ausreichende Versorgung der Tumorzellen mit Nährstoffen notwendig ist. Der Stoffwechsel und die Gefäßneubildung von Tumoren wurden daher untersucht. Als neuer biologischer Prognosemarker bei Patienten mit hepatozellulärem Karzinom konnte die Phosphatgyzeratkinase-1 (PGK-1), ein Schlüsselenzym des Zuckerstoffwechsels, identifiziert werden. Ein vermehrter Nachweis der PGK-1 deutete hierbei auf eine schlechte Prognose hin. Das Ausmaß der Gefäßneubildung kann durch die Bestimmung der mikrovaskulären Gefäßdichte ermittelt werden. Für Patienten, die an einem cholangiozellulären, einem hepatozellulären oder an einem Pankreaskarzinom erkrankt sind, konnte gezeigt werden, dass eine hohe mikrovaskuläre Gefäßdichte mit einer schlechten Prognose korreliert. Der wichtigste und bekannteste biologische Faktor der zur Gefäßneubildung bei bösartigen Tumoren führt ist der vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktor (VEGF). In Zellkulturversuchen mit hepatozellulären Karzinomzellen wurde der molekularbiologische Mechanismus einer Stimulation von VEGF durch das Zytokin Activin A beschrieben. Die gezielte Unterbrechung dieses Mechanismus könnte eine Therapiestrategie darstellen, die zur Verlangsamung des Tumorwachstums führt.

Zusammenfassend konnten in den vorliegenden Studien bei Patienten mit bösartigen Erkrankungen von Leber und Bauchspeicheldrüse neben den bekannten Prognosefaktoren Tumorgröße und Tumorknotenanzahl neue, von diesen Faktoren unabhängige biologische Prognosemarker beschrieben werden, die möglicherweise Ansätze für innovative Behandlungsstrategien eröffnen.


Dr. rer. med. Thomas Neumuth
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05419 Einrichtung:  Innovation Center Computer Assisted Surgery (ICCAS)
Habilitationsgebiet: Medizinische Informatik
Habilitationsthema: Surgical Process Modeling: Theory, Methods, and Applications
Einführung in das Thema:

Die Arbeit „Surgical Process Modeling: Theory, Methods, and Applications" befasst sich mit der Anwendung von Methoden zur strukturierten Abbildung chirurgischer Arbeitsvorgänge mithilfe von chirurgischen Prozessmodellen (Surgical Process Models, Abkürzung SPM).

Zu diesem Zweck werden zur theoretischen Fundierung zunächst Ontologien und Metriken als Voraussetzung für die Beschreibung und die Vergleichbarkeit von SPMs eingeführt. Basierend darauf werden Datenerhebungsmethoden für Einzelprozesse entwickelt und validiert. Diese Datenerhebungsverfahren umfassen

  • die softwaregestützte Prozessmodellierung durch Beobachter,
  • die Modellierung durch Beobachter mithhilfe von Ontologien sowie
  • die automatische Datenerhebung von Modellteilen mithilfe von Messsystemen.

Darauf aufbauend werden Verarbeitungsverfahren zur automatischen Berechnung von generalisierten SPMs aus den Einzelmessungen vorgestellt. Zur praktischen informationstechnischen Anwendung werden Methoden zur Verwendung dieser generalisierten Prozessmodelle als Spezifikation für chirurgische Workflowmanagementsysteme entwickelt und validiert, um die Grundlage für eine Assistenz des Chirurgen im Operationssaal zu schaffen.

Abschließend werden in klinischen Anwendungen Analyseverfahren für SPMs vorgestellt, mit deren Hilfe gezeigt wird, wie durch die Prozessmodelle quantitative prospektive Vorhersagen über Entwicklungsanforderungen an chirurgische Assistenzsystem vorgenommen werden können, wie der Einfluss des Einsatzes neuer technischer Ressourcen auf den chirurgischen Prozess erhoben und technisch bewertet werden kann und wie Prozessmodelle dazu verwendet werden, um den Weiterbildungsbedarf für Chirurgen objektiv zu ermitteln.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 18.09.2012

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Prof. Dr. P.H. Gesine Grande
IMG_8513a Einrichtung:  HTWK Leipzig, Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften
Habilitationsgebiet: Medizinische Psychologie
Habilitationsthema: Das Typ-D-Persönlichkeitsmuster als psychosozialer Risikofaktor bei PatientInnen mit koronarer Herzerkrankung - Diagnostik, Prävalenzen, Kausalmodelle und prognostische Validität.
Einführung in das Thema:

Zusammenhänge zwischen bestimmten Charaktermerkmalen, Temperamenten oder Persönlichkeitseigenschaften und einer erhöhten Anfälligkeit für somatische oder psychische Krankheiten wurden schon sehr früh beschrieben. Besonders häufig wurde der Einfluss der Persönlichkeit auf das Auftreten und den Verlauf koronarer Herzerkrankungen (KHK) untersucht. Vor ungefähr 15 Jahren wurde erstmals über die Typ-D Persönlichkeit als Risikofaktor für eine erhöhte Sterblichkeit bei Herzpatienten berichtet. Dieses Persönlichkeitsmuster kennzeichnet Personen, die chronisch negativ gestimmt sind und zugleich schüchtern und emotional gehemmt im Umgang mit anderen Menschen erscheinen.
Ziel der eigenen, hier zusammengefassten Arbeiten war, zur theoretischen Weiterentwicklung des Konzeptes sowie zu einer systematischen empirischen Überprüfung der vermuteten prognostischen Bedeutung der Typ-D Persönlichkeit bei Herzpatienten beizutragen.

Die Entwicklung einer validierten und normierten deutschsprachigen Version des Typ-D-Fragebogens war die Voraussetzung für bisher mehr als 50 Studien zur Relevanz der Typ-D Persönlichkeit. In Deutschland haben 31% der Bevölkerung, aber nur 25% der Patienten mit KHK eine Typ D Persönlichkeit. In einer eigenen Längsschnittstudie mit über 1.000 Herzpatienten konnte kein Zusammenhang zwischen der Typ D Persönlichkeit und der Mortalität über einen 6 Jahres-Zeitraum nachgewiesen werden. Darüber hinaus zeigte ein systematisches Review von 12 prognostischen Studien, dass seit den ersten Publikationen die Effekte der Typ-D Persönlichkeit auf die Mortalität von Herzpatienten kontinuierlich geringer wurden.

Beispielhaft zeigen die Arbeiten zur Typ-D Persönlichkeit die theoretischen und methodischen Herausforderungen einer systematischen Erforschung von Zusammenhängen zwischen psychosozialen Bedingungen und der Gesundheit.


Dr. med. Woubet Kassahun
IMG_8524a Einrichtung:  Chirurgische Klinik und Poliklinik II - Klinik für Visceral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie
Habilitationsgebiet: Chirurgie
Habilitationsthema: Charakterisierung der ß2- und α1-Adrenozeptoren bei primären und sekundären Lebermalignomen
Einführung in das Thema:

Primäre Leberkarzinome zählen zu den häufigsten Karzinomen. Neben dem hepatozellulären Karzinom (HCC), das mehr als 80% der primären Leberkarzinome ausmacht, ist das Cholangiokarzinom (CC) das zweithäufigste. Metastasen sind die häufigsten bösartigen Tumoren in der Leber. Etwa 50% aller kolorektalen Karzinome metastasieren in die Leber und bei einem Teil dieser Patienten ist die Leber die einzige Lokalisation der Metastasen.

Das adrenerge Rezeptorsystem ist ein wesentlicher Regulator des hepatischen Stoffwechsels. Des Weiteren zeigen die Ergebnisse anderer Studien, dass der adrenerge Rezeptor-Signalweg bei der Regulation von Metastasierung und Progression zahlreicher Malignome eine wichtige Rolle spielt. Dieses System setzt sich aus β- und α-Adrenozeptoren (AR) zusammen. In der menschlichen Leber befinden sich überwiegend β2- und α1-Adrenozeptoren. Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit standen Veränderungen hepatischer AR bei Lebermetastasen des kolorektalen Karzinoms (CRC), intrahepatischen Cholangiokarzinomen (CC), und hepatozellulären Karzinomen (HCC) hinsichtlich der Gesamtrezeptorzahl, Subtypverteilung und Aktivierbarkeit der Signalkomponenten G-Proteine, Adenylatzyklase (AC) und Phospholipase C (PLC). Der Nachweis und die Charakterisierung dieser Rezeptoren in den Lebermembransuspensionen erfolgte in Radioliganden-Bindungsstudien und zum Teil auch durch Western-Blot-Analysen.
Während die Befunde an CRC (β2) und CC (β2- und α1-AR) eine deutliche Abnahme der Rezeptordichte und Inaktivierung der AC zeigen, waren die Veränderungen beim HCC bidirektional. Hier wurde eine signifikante Abnahme der Dichte der α1-AR und Inaktivierung der PLC gezeigt, während die β2-AR zunahmen.

Da die menschliche Leber über das β2- und α1-AR-Effektor-System z.B. an der Bereitstellung von Glucose teilnimmt, bieten die Ergebnisse dieser Arbeit eine Grundlage für zukünftige Studien, die dem Ziel dienen, die Rolle dieser Rezeptoren bei der Pathogenese maligner Erkrankungen der Leber sowie dadurch bedingte Veränderungen des Stoffwechsels und der Tumorprognose aufzuklären.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 17.07.2012

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Dr. rer. med. Melanie Luppa
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05263 (Habilitation Dr. Melanie Luppa) Einrichtung:  Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Medizinische Psychologie und Public Health
Habilitationsthema: Gesellschaftlicher Strukturwandel und Grenzen selbständigen und selbstbestimmten Wohnens im Alter - Eine epidemiologische Perspektive: Prädiktion von Heimübergängen
Einführung in das Thema:

Die demografische Entwicklung wird einen deutlichen Anstieg hilfe- und pflegebedürftiger alter Menschen bei einem gleichzeitigen Rückgang des informellen Pflegepotenzials mit sich bringen, sodass sich der Schwerpunkt der pflegerischen Versorgung zunehmend vom ambulanten auf den stationären Bereich verlagert, was wiederum mit beträchtlichen Folgen für den Einzelnen und die Gesellschaft verbunden sein wird. Infolgedessen sind Informationen über die Risiken von Heimübergängen für die zukünftige Versorgungsplanung und die Aufdeckung von Potenzialen zur Verzögerung oder Verhinderung von Heimübergängen unerlässlich.

Die vorliegende Schrift beschäftigt sich ausführlich und differenziert mit den individuellen Risikofaktoren für Heimübergänge, um Ansatzpunkte zur Beeinflussung der Verteilung von häuslichen und stationären Versorgungsarrangements zu identifizieren und die Ableitung von angemessenen Maßnahmen zur Verzögerung oder Verhinderung von Heimübergängen zu gewährleisten.

Zusammengefasst wird aus den vorliegenden Ergebnissen deutlich, dass das Auftreten schwerer physischer und psychischer Erkrankungen in Verbindung mit dem Fehlen adäquater Unterstützung dazu führt, dass Heimübergänge stattfinden. Da insbesondere Demenzerkrankungen, (kardio-)vaskulär verursachte Ereignisse sowie depressive Störungen das Heimübergangsrisiko deutlich erhöhen, gelten die Früherkennung von eben diesen Erkrankungen sowie deren Therapie und Rehabilitation auch im höheren Lebensalter als notwendige sekundärpräventive Maßnahmen. Die Aufrechterhaltung eines selbstständigen und selbstverantwortlichen Lebens älterer Menschen im häuslichen Umfeld, auch derer mit kognitiven und/ oder funktionellen Beeinträchtigungen, sollte übergeordnetes Ziel geriatrischer und gerontopsychiatrischer Versorgungskonzepte der Zukunft sein.

Frau Dr. Luppa erhielt für Ihre Forschungen zum Thema "Depression im Alter" 2011 von der Universität Leipzig den Emanuela-Dalla-Vecchia-Preis.


Dr. med. Joerg Seeburger
Foto_Allgemeines Bildarchiv_05265 Einrichtung:  Herzzentrum Leipzig GmbH - Universitätsklinik, Klinik für Herzchirurgie
Habilitationsgebiet: Herzchirurgie
Habilitationsthema: Klinische Implementierung und weiterführende Entwicklungen der minimal invasiven Mitralklappenrekonstruktion
Einführung in das Thema:

Die Mitralklappe des Herzens liegt zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer. Die Mitralklappe übernimmt eine sogenannte Ventilfunktion, in dem sie den Blutfluss in Richtung der Herzkammer ermöglicht und einen Rückfluss in den linken Vorhof verhindert. Im Rahmen von kardialen Erkrankungen kann die Mitralklappe in ihrer Struktur und Funktion beeinträchtigt sein: Die Klappe wird undicht und es entsteht eine Mitralklappeninsuffizienz. Dies führt zu schweren Symptomen für Patienten und im Falle einer Nichtbehandlung zu schwerer Herzinsuffizienz.

Die Behandlung der Mitralinsuffizienz besteht in einer Operation am offenen Herzen. Die erkrankte Mitralklappe muss durch eine künstliche Herzklappe ersetzt werden oder kann im besseren Falle im Rahmen der Operation „repariert" werden. Der klassische operative Zugang zur Mitralklappe erfolgt über eine Sternotomie, das heißt die Brusthöhle eines Patienten wird vollständig eröffnet. Zu Beginn der 2000-er Jahre wurde eine minimal invasive Operationsmethode über einen kleinen Schnitt an der rechten Brustwand entwickelt.

Die vorliegende Habilitationsschrift stellt die Ergebnisse dieser neuen Methode an einer großen Anzahl an Patienten dar und vergleicht diese zu der Standardoperation mit vollständiger Eröffnung des Brustkorbes. Des Weiteren wird die Effektivität dieser „neuen" Operationsmethode in Anbetracht unterschiedlicher Komplexität der Klappenerkrankung und auch Spezialfälle wie Reoperationen oder die Behandlung älterer Patienten untersucht. Es wird gezeigt, dass die neue Technik in keinem Fall einer „großen" Operation unterlegen ist, im Gegenteil, es finden sich sogar Vorteile dieser Methode insbesondere in Bezug auf die Anwendung verschiedener Rekonstruktionstechniken.

Die aktuellen Entwicklungen der Mitralklappenchirurgie gehen indes über das Stadium dieser minimal invasiven Technik hinaus. Aktuelle Ansätze gehen dahin, die chirurgische Therapie durch Katheter basierte Verfahren in unbestimmter Zeit vollständig zu ersetzen. Ein weiterer Entwicklungsschritt stellt die Rekonstruktion der Mitralklappe über die Herzspitze dar. Hierfür ist ein noch kleinerer Schnitt nötig, und auch die Herz-Lungen-Maschine ist nicht mehr notwendig. Die vorliegende Habilitationsschrift beschreibt die präklinische Entwicklung dieser Methode und zeigt die erste erfolgreiche Anwendung am Menschen. Darüber hinaus werden die für die Zukunft notwendigen Voraussetzungen für eine vollständig Katheter basierte Therapie der Mitralklappe diskutiert.


Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 19.06.2012

19062012_mit-Dekan 1906012_Habilitanden

Dr. P.H. Heide Glasemer
IMG_8093 Einrichtung:  Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig
Habilitationsgebiet: Medizinische Psychologie
Habilitationsthema: Traumatische Erfahrungen und Posttraumatische Belastungsstörungen in der Altenbevölkerung - Zusammenhänge mit psychischen und körperlichen Erkrankungen sowie mit medizinischer Inanspruchnahme
Einführung in das Thema:

Die Habilitationsschrift fast mehrere Publikationen zusammen, die sich dem Auftreten von traumatischen Erfahrungen in der deutschen Bevölkerung und der Folgen dieser Erfahrungen für die psychischen und körperliche Gesundheit widmen. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der älteren Bevölkerung und damit der Generation, die bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges geboren wurde und beschreibt damit die Langzeitfolgen des Zweiten Weltkrieges.

Etwa 40-50% der Älteren berichten mindestens ein traumatisches Ereignis, wobei kriegsbezogene traumatische Ereignisse, wie Ausbombung, Vertreibung und Kriegshandlungen, eine wesentliche Rolle spielen. Der Anteil der Älteren mit kriegsbezogenen traumatischen Erfahrungen steigt dabei von 20% bei denen, die am Ende des Krieges geboren wurden bis hin zu 60% in der höchsten Altersgruppe.

Traumatische Erfahrungen sind sowohl mit dem Auftreten psychischer Erkrankungen, als auch mit dem Auftreten körperlicher Erkrankungen assoziiert. 3,9% der untersuchten Älteren leiden an posttraumatischen Belastungsstörungen. Sowohl traumatische Erfahrungen, als auch posttraumatische Belastungsstörungen gehen häufig mit weiteren psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder somatoformen Störungen einher. Neben den psychischen Langzeitfolgen zeigten sich auch Zusammenhänge mit dem Auftreten körperlicher Erkrankungen, wie kardiovaskulären Erkrankungen und Risikofaktoren sowie ein erhöhtes medizinisches Inanspruchnahmeverhalten bei den Betroffenen.

Obwohl die kriegsbezogenen traumatischen Erfahrungen sehr häufig in dieser Altersgruppe berichtet werden, wurden diese in der wissenschaftlichen Forschung, aber auch in der klinischen Versorgung, lange vernachlässigt. Die der Habilitation zugrundeliegenden Arbeiten haben das Auftreten traumatischer Erfahrungen und deren Folgen erstmals umfassend an großen bevölkerungsrepräsentativen Stichproben untersucht. Die große Bedeutung der kriegsbezogenen traumatischen Erfahrungen und deren Folgen über sechs Jahrzehnte nach dem Krieg werden damit erstmals umfassend auf Bevölkerungsebene belegt.

Frau Dr. Glaesmer hat für Ihre Habilitationsschrift den Gert-Sommer-Preis des Forums Friedenspsychologie erhalten. Die Preisverleihung fand im Rahmen der 25. Jahrestagung des Forums Friedenspsychologie am 1. Juni 2012 in Konstanz statt.


Dr. med. David Michael Holzhey
19062012_Holzhey Einrichtung:  Klinik für Herzchirurgie am Herzzentrum Leipzig - Universitätsklinik
Habilitationsgebiet: Herzchirurgie
Habilitationsthema: Lernprozesse und Qualitätssicherung in der Herzchirurgie unter besonderer Berücksichtigung minimal-invasiver Verfahren
Einführung in das Thema:

Herzchirurgische Operationen sollten in besonderem Maße qualitätssichernden Maßnahmen unterliegen. Nicht nur, dass ein koordiniertes Zusammenspiel von Ärzten verschiedener Fachrichtungen, OP-Personal und Kardiotechnikern für das Gelingen jeder Operation notwendig ist, auch können schon kleine Fehler zu schwerwiegenden Einschränkungen der Lebensqualität oder zum Tod des Patienten führen. Diese Wichtigkeit ist in der bisherigen Literatur und Forschung aber nur unzureichend abgebildet. Auch das Training von chirurgischen Anfängern und deren Lernkurven sowie das Lernverhalten von erfahrenen Operateuren bei neuen minimal-invasiven Techniken sind unzureichend beleuchtet worden.

In der vorliegenden Arbeit wurden von einem großen herzchirurgischen Zentrum konsequent die Daten aller Operateure ausgewertet und Lernkurven für alle Anfänger sowie alle Neueinsteiger in minimal-invasive Techniken beschrieben.
Folgende Schlussfolgerungen sind aus den Daten möglich:

  • Die klassischen Anfängeroperationen Aortenklappenersatz und aortokoronarer Bypass sind tatsächlich als Anfängeroperationen gut geeignet. Der minimal-invasive Aortenklappenersatz über partielle obere Sternotomie stellt für Anfänger keine große Hürde dar. Die Bypasschirurgie am schlagenden Herzen (OPCAB-Chirurgie) kann auch von Anfängern gut erlernt werden Es wurden keinerlei Beeinträchtigungen der Ergebnisse festgestellt, auch wenn die Anfänger schon früh, d.h. nach etwa zehn eigenen Bypassoperationen, mit OPCAB begannen.
  • Als besondere Variante wurde noch die MIDCAB-Operation (Einfachbybass über Minithorakotomie) untersucht. Diese stellt tatsächlich ein anspruchsvolleres Verfahren dar. Selbst erfahrene Chirurgen brauchen noch durchschnittlich 100 bis 150 MIDCAB-Operationen, um die erwünschten sehr niedrigen Konversions- und Komplikationsraten zu erreichen. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass auch nach dem Überwinden der Lernkurve stetes Training in dieser Methode wichtig ist. Sinkt die Anzahl der MIDCAB Operationen unter eine Operation pro Woche, steigt die Komplikationsrate wieder an. Im Umkehrschluss kann man also sagen, dass sich bei ca. 100 MIDCAB pro Jahr ein bis zwei Operateure in dieses Programm teilen sollten und die Konzentration solcher spezialisierter Operationen auf High-Volume-Zentren sinnvoll ist.
  • Die minimal-invasive Mitralklappenoperation über rechtslaterale Minithorakotomie zeigt eine Besonderheit bezüglich der vorliegenden Lernkurven. Mindestens 50 bis 100 Operationen sind notwendig, um durchschnittliche Ergebnisse zu erreichen. Bei einigen Operateuren wurde dieses Stadium auch nach über 200 Operationen nicht erreicht. Hier zeigt sich der Wert der CUSUM-Analyse als Screening-Methode, welche solche Entwicklungen zeitnah aufdecken und einen erneuten Trainingszyklus für den entsprechenden Chirurgen initiieren kann. Anhand der zusätzlich durchgeführten Untersuchungen zur notwendigen Operationsfrequenz sollte für die minimal-invasive Mitralchirurgie eine Zahl von zwei Operationen pro Woche pro Operateur angestrebt werden.

Verleihungsbeschluss in der Fakultätsratssitzung vom 22.05.2012

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Dr. rer. nat. Ute  Krügel
05-22-2012_Krügel (Habilitationsvortrag 22.05.2012 Frau Dr. Ute Krügel)   Einrichtung:  Rudolf-Boehm-Institut für Pharmakologie und Toxikologie
Habilitationsgebiet: Pharmakologie und Toxikologie
Habilitationsthema: Purinerge Modulation der neuronalen Aktivität des mesocorticolimbischen Systems in vivo
Einführung in das Thema:

Purinnukleotide wie ATP und ADP und ihr Metabolit Adenosin sind phylogenetisch alte intra- und extrazelluläre Signalmoleküle. Untersuchungen am Zentralnervensystem von Säugern in Zellkulturen und Hirnschnitten zeigen, dass extrazelluläre Nukleotide als schnelle Transmitter, Cotransmitter oder Wachstumsfaktoren über P2-Rezeptoren, ionotrope P2X- und metabotrope G-Protein gekoppelte P2Y-Subtypen agieren.
Hirnstrukturen des limbischen Systems prozessieren exogene und endogene Stimuli und generieren daraus angepasste Verhaltensweisen. Die Mechanismen der purinergen Signalübertragung in diesen Strukturen ist nahezu unbekannt, scheinen aber zu einer Reihe psychomotorischer Störungen beizutragen, die von Depression, Schizophrenie bis hin zu Abhängigkeit („Sucht") von stofflichen und nichtstofflichen Stimuli reicht.

In tierexperimentellen Ansätzen wird die Bedeutung der Informationsvermittlung über P2-Rezeptoren für die kognitive Leistungsfähigkeit, Antrieb und Impulskontrolle untersucht, um mögliche neue Angriffspunkte für die Therapie psychiatrischer Erkrankungen zu identifizieren.


Dr. med. Christiane Roick, MPH
05-22-2012_Roick (Habilitationsvortrag am 22.05.2012 Frau 
Dr. med. Christiane Roick, MPH)   Einrichtung:  Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (Gastwissenschaftlerin)
Habilitationsgebiet: Public Health und Versorgungsforschung
Habilitationsthema: Nutzercharakteristika und Systemmerkmale als Prädiktoren der Inanspruchnahme und der Effektivität psychiatrischer Versorgung
Einführung in das Thema:

Psychische Erkrankungen sind mit hohen Gesundheitsausgaben und einer erheblichen Krankheitslast für die Betroffenen und die Gesellschaft verbunden. Die psychiatrische Versorgungsforschung zielt darauf, Ansätze zur Optimierung der aktuellen Versorgungssituation aufzuzeigen. Deshalb wurde untersucht, wie sich Charakteristika der Nutzer psychiatrischer Dienste und Merkmale des Gesundheitssystems auf die Inanspruchnahme und die Effektivität der psychiatrischen Versorgung auswirken.

Dazu erfolgte zunächst eine Weiterentwicklung der Methoden der psychiatrischen Versorgungsforschung. So wurde die Eignung unterschiedlicher präferenzbasierter Lebensqualitätsmessmethoden bei psychischen Erkrankungen geprüft und ein Instrument zur Erhebung psychiatrischer Versorgungskosten für die Angebots- und Vergütungsspezifika des deutschen Gesundheitssystems adaptiert.
Der Einfluss medizinischer, sozialer aber auch systembedingter Aspekte auf die Inanspruchnahme stationärer Versorgung wurde auf Basis von Krankenkassendaten und standardisierten Längsschnittbefragungen psychiatrischer Patienten untersucht. Vertiefend erfolgten qualitative Befragungen der Patienten und psychiatrischer Experten. Um den Einfluss des Versorgungssystems auf die Belastungen von Angehörigen psychisch Kranker zu analysieren, wurden Patienten- und Angehörigenbefragungen in unterschiedlichen Versorgungsregionen durchgeführt. Die Auswirkungen psychiatrischer Weiterbildungs- und Konsultationsangebote für Hausärzte wurden in einer clusterrandomisierten Längsschnittstudie überprüft. Zudem wurde in einer kontrollierten Längsschnittstudie untersucht, wie sich innovative Vergütungsanreize für psychiatrische Kliniken auf die Versorgungsinanspruchnahme und Versorgungseffektivität auswirken.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen vermitteln Ansatzpunkte für Verbesserungen der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und zeigen gleichzeitig auf, wo weiterer Versorgungsforschungsbedarf besteht.


Dr. rer. nat. Dr. rer. med. Markus Morawski (MD/PhD)
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Habilitationsgebiet: Experimentelle Neurowissenschaften
Habilitationsthema: Perineuronale Netze: Rätselhafte Strukturen im Gehirn
Einführung in das Thema:

Aggrecan findet sich im Körper hauptsächlich im Bindegewebe. Dieses Protein, bestehend aus über 2000 Aminosäuren, wurde erst kürzlich als Hauptkomponente der spezialisierten extrazellulären Matrix (EZM) im Gehirn identifiziert und bildet zusammen mit weiteren Elementen (Brevican, Hyaluronsäure, Tenascin-R und Link Protein) eine ausgeprägte Ummantelung um bestimmte Nervenzellen, die als perineuronale Netze (PNs)bezeichnet werden. Diese Umhüllung zeigt sich in einem Bereich zwischen Nervenzellen, dem sogenannten extrazellulären Raum.

In den letzten zehn Jahren konnten wir die phylogenetische und ontogenetische Entwicklung, die Funktion, chemische und strukturelle Heterogenität sowie die Verteilung der spezialisierten extrazellulären Matrix der perineuronalen Netze und der axonalen Ummantelungen (ACs) in Säugetier-Spezies einschließlich des Menschen unter normalen als auch erkrankungsbedingten Zuständen (Alzheimersche Erkrankung) mit verschiedenen Methoden untersuchen.
Basierend auf der Vorstellung, dass PNs eine Rolle bei der Kommunikation der Nervenzellen untereinander und bei der Regulierung plastischer Veränderungen spielen könnten, untersuchten wir, wie einzelne PN-Komponenten im Gehirn des Menschen verteilt sind. Zwei vorherrschende Phänotypen der spezialisierten Matrix konnten erstmalig unterschieden werden: (1) PNs und (2) ACs, welche Nervenfasern und synaptische Endfüße umhüllen. Wir schließen aus dieser regionenspezifischen Verteilung, dass die spezialisierte extrazelluläre Matrix an die schnelle Verarbeitung von sensomotorischer Aktivität angepasst ist.

Bedingt durch die Zusammensetzung der spezialisierten extrazellulären Matrix stellen die PNs eine hoch negativ geladene Struktur in der direkten Umgebung von Neuronen und Synapsen dar. Dieses negative Milieu involviert die PNs potenziell in die lokale Ionen-Homöostase und fungiert möglicherweise auch als Bindungspartner und Puffer für positiv geladene Moleküle (z.B. Spurenelemente wie Eisen und Wachstumsfaktoren). Unsere Untersuchungen zeigten eine bis dreifach höhere Anbindung von Kationen (Fe3+) an PN gegenüber jeder anderen EZM-Struktur. Dies könnte dafür sprechen, dass PN-tragende Neurone effektivere Mechanismen zur Kompensation von Eisen-induziertem schädlichem oxidativen Stress aufweisen als Neurone ohne PN. Diese Eigenschaften führen möglicherweise zu einer geringeren Anfälligkeit der PN-tragenden Neurone und könnten eine zentrale Rolle bei der sogenannten selektiven neuronalen Vulnerabilität der neurodegenerativen Erkrankungen spielen. Veränderungen in der molekularen Organisation der EZM sind Schlüsselfaktoren in der Neuropathologie. Allerdings ist die Beteiligung der PNs an der Neuropathologie weitgehend unbekannt. Wir untersuchten die PNs in Bezug auf die Neurodegeneration und Aktivierung von Gliazellen sowohl in humanen, von Alzheimerscher Erkrankung betroffenen Gehirnen als auch in einem Mausmodell der Alzheimerschen Erkrankung.

Wir konnten zeigen, dass PNs einen selektiven Schutz gegen die Alzheimer-Krankheit bieten. Verschiedene Nervenzellen mit PNs werden von der Alzheimer-typischen Bildung der Tau-Fibrillen, Ablagerungen von Beta-Amyloid und Neurodegeneration praktisch verschont.
Diese Daten legen nahe, dass die PNs zur selektiven Resistenz bestimmter neuronaler Systeme bei der Degeneration in der Alzheimerschen Erkrankung beitragen.