Sachsen in Europa - Demografische Politik als europäische Standortfrage?

22.01.2009, 19:00 Uhr - Jubiläumsveranstaltung
Welche Folgen hat die demografische Entwicklung für Sachsens Rolle in einem Europa der Regionen? Ist es um die Bevölkerung des Freistaats wirklich so schlimm bestellt, wie es immer prophezeit wird?

Oder werden Prognosen instrumentalisiert, um ganz andere politische Interessen durchzusetzen? Diese und andere Fragen diskutieren auf einem öffentlichen Podium die bündnisgrüne Europa-Abgeordnete Gisela Kallenbach, der Bevölkerungshistoriker Joseph Ehmer, Oliver Pape, Mitarbeiter der SPD-Landtagsfraktion, sowie Joachim Ragnitz vom ifo-Institut. "In den kommenden Jahrzehnten wird sich Europas demografischer Aufbau dramatisch verändern", prophezeit EU-Kommissar Vladimir Spidla. Erstens würden die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge ins Rentenalter vorrücken. Zweitens lägen die Geburtenraten seit vielen Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau. Und drittens würden die Menschen immer länger leben. Alles zusammen würde, so Spidla, zu einer "ergrauenden" Bevölkerung Europas führen. Diese Entwicklung habe tiefgreifende Konsequenzen für den Arbeitsmarkt, für die sozialen Sicherungssysteme, für die öffentlichen Finanzen und auch für zukünftige Migrationsbewegungen. Sie stellen also eine politische Herausforderung dar, zugleich eine Chance für nachhaltige politische Weichenstellungen. Auch Sachsen bleibt vom demografischen Wandel nicht verschont. Eine Enquete-Kommission des Landtags hat die Folgen für den Freistaat analysiert: Ein deutlicher Rückgang der absoluten Bevölkerungszahl durch Geburtendefizite und Abwanderung und ein noch stärkerer Rückgang des Anteils der erwerbstätigen Menschen könnte, so die Prognose, zu schwerwiegenden strukturellen Problemen führen, bis hin zum sogenannten "Ausbluten" ländlich geprägter Regionen. Sachsen ist möglicherweise eine Art europäischer "Pionier", was die Folgen des demografischen Wandels angeht. In einigen Kommunen, wie etwa Johanngeorgenstadt oder Hoyerswerda, kann man heute schon besichtigen, wie das konkret aussieht. Die öffentliche Podiumsdiskussion ist Teil einer internationalen wissenschaftlichen Tagung an der Universität Leipzig. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der dreitägigen Konferenz ergründen "die vergangene Zukunft Europas"; es geht dabei um die Funktion und Bedeutung von demografischem Wissen und Bevölkerungsprognosen seit dem frühen 20. Jahrhundert. Die Konferenz findet vom 22.01. bis 24.01.2009 im Neuen Senatssaal, Ritterstr. 26 statt. Zur Anmeldung für die Konferenz senden Sie bitte eine Email an: vergangene_zukunft@uni-leipzig.de.

 

Veranstaltungsort