Sinologie in Leipzig (1848 - 2009) - Das Interesse am Fernen Osten in der Messestadt

03.11.2009 bis 29.01.2010 - Wissenschaftliche Veranstaltung
Seit 160 Jahren ist das Studium Ostasiens Bestandteil der Universität Leipzig und ihrer Geschichte. Die Ausstellung stellt diese 160 Jahre dar, zeichnet Höhen und Tiefen nach und geht auf die Besonderheiten des Fachbereichs ein.

Die Leipziger Sinologie hat sich wissenschaftshistorisch ganz anders als z. B. Berlin oder Hamburg entwickelt und hatte bis in die 1950er Jahre einen weiten, auch internationalen Wirkungskreis. Sie gehört traditionell zu den ältesten Professuren für Sinologie/Ostasienkunde im gesamten deutschsprachigen Raum und bis heute zu den größeren Zentren für die akademische Ausbildung von Sinologen in Deutschland. Die Entwicklung und Ausstrahlung der Sinologie an der Universität Leipzig wird über mehrere politische Umbrüche und durch verschiedene Systeme bis heute vorgestellt. Dabei spielen die ideologischen Einflüsse der beiden deutschen totalitären Systeme ebenso eine Rolle wie die fast komplette Zerstörung des Ostasiatischen Seminars im Zweiten Weltkrieg, die die ostasiatischen Fächer durch die Vernichtung von Forschungsergebnissen, Bibliotheksbeständen und Räumlichkeiten ganz erheblich traf. Während der Spaltung Deutschlands durch zwei sich gegenüberstehende politische Lager wurde die DDR-Sinologie in Berlin zentralisiert und grundlegend auf das moderne China ausgerichtet, daher wurde das Fach in Leipzig stark reduziert und das Ostasiatische Institut 1969 vorübergehend aufgelöst. Nach der Wende kann nach einer grundlegenden Neustrukturierung das Fach Sinologie wieder im Hauptfach unterrichtet werden, die Sinologie wieder am internationalen Wissenschaftsdiskurs partizipieren. Neben den Professoren und dem wissenschaftlichen Mittelbau werden die wichtigsten wissenschaftlichen Ergebnisse und die Einwirkungen der gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen über Wissenschaftsorganisation und Finanzierung auf die personelle Vertretung des Fachs und seine Forschung und Lehre vorgestellt. Besonders interessant ist die Darstellung der internationalen Netzwerke der Leipziger Sinologie über Lehrer-Schüler-Bindungen und gemeinsame Forschungen, wie der Leipziger Orientalistik, anderen Ost- und Zentralasiatischen Disziplinen wie der immer eng verflochtene Japanologie, Mongolistik, Tibetologie sowie weltweit tätigen Sinologen bzw. Ostasienwissenschaftlern, die ihr akademisches Rüstzeug durch Leipziger Sinologen vermittelt bekamen. So z. B. der spätere Rektor der ersten chinesischen Universität in Beijing, Cai Yuanpei (1868-1940), der chinesische Schriftsteller Lin Yutang (1895-1976) und der spätere Direktor der ersten chinesischen Musikhochschule in Shanghai Xiao Youmei. Öffnungszeiten: Mo - Do 14:00 - 18:00 Uhr Ausstellungseröffnung: 2. November 2009, 19:00 Uhr

 

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