Das verborgene Wissen der Kulturgeschichte. Lebensformen, Körpertechniken, Alltagswissen

05.11.2009 bis 07.11.2009 - Wissenschaftliche Veranstaltung
Anhand verschiedener Modelle der Kulturgeschichtsschreibung soll das verborgene Wissen, das sich z. B. in Körpertechniken des Wissens und der Arbeit, Medien oder Artefakten manifestiert, rekonstruiert werden.

Das Verhältnis der Körpertechniken des Wissens zum kollektiven Gedächtnis ist ambivalent. Die westliche Kulturgeschichtsschreibung beruht vor allem auf dem expliziten Schriftwissen, rekurriert jedoch implizit immer auf Körpertechniken. Zwischen diesen elementar verschiedenen Wissensformen besteht jedoch keine Konkurrenz, sondern findet eine permanente Neuverhandlung statt, die gerade in Umbrüchen von Wissenskulturen virulent wird. So wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts, auf dem Höhepunkt des Industrialisierungsschubes, die Körpertechniken der Arbeit neu diskutiert. Und auch im aktuell stattfindenden Wandel der Arbeit, in dem die Konsequenzen des postindustriellen Zeitalters für jeden einzelnen spürbar werden, sind die Körpertechniken (und die verbundenen Implikationen wie Lebensrhythmen, soft skills, Subjektivierung etc.) der Arbeit neu zu verhandeln. In der Konferenz sollen anhand von verschiedenen Modellen der Kulturgeschichtsschreibung Felder rekonstruiert und kartographiert werden, über die jene verborgene Dimension der Kulturgeschichtsschreibung Ausdruck findet. Die französische Mentalitätsgeschichte um die Zeitschrift "Annales", kulturkritische und lebensphilosophische Ansätze des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts von Nietzsche über Klages und Benjamin bis hin zu Spengler bieten ebenso spannende Anknüpfungspunkte wie die Cultural Studies oder die Ethnologie du proche. Zugleich sind aber auch Fallstudien denkbar, die Verbindungen zwischen Dimensionen von Körpertechniken des Wissens und Modellen der Kulturgeschichte herstellen.

 

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