Vom Umgang mit der Lücke II

09.09.2016, 08:00 - 19:00 Uhr - Kolloquium
Nur vier Sekunden dauerte die Sprengung der über 700 Jahre alten Universitätskirche St. Pauli in Leipzig am 30. Mai 1968. Der Großteil der darin enthaltenen Kunstwerke konnte in einer Notbergung vor der Zerstörung gerettet werden. Während einige der Kunstwerke, zum Großteil Epitaphien, bemerkenswert vollständig erhalten sind, ist es an anderen zu großen Verlusten gekommen. Seit Mitte 2014 erfolgt nun Stück für Stück die Montage der Epitaphien im neu erbauten Paulinum der Universität Leipzig, das im Hauptraum und in der Fassade architektonisch an die verlorene Kirche erinnert. Im Mai 2009 beschäftigten wir uns beim gleichnamigen Kolloquium mit Fragen zur Ergänzung: In welchem Umfang sollen oder müssen verloren gegangene Teile von Kunstwerken aus ästhetischen oder statischen Gründen rekonstruiert und ergänzt werden? In welchen Fällen ist darauf ganz zu verzichten?

Das Folge-Kolloquium befasst sich nun mit Lösungsmöglichkeiten: In einem ersten Themenblock wird die Universität Leipzig mit den beteiligten Akteuren das Gesamtprojekt zur Wiederaufstellung der geborgenen Epitaphien aus der 1968 gesprengten Universitätskirche St. Pauli vorstellen. Die Rekonstruktionen oder Nicht-Rekonstruktionen in den spezifischen Fällen werden präsentiert und können im Original besichtigt werden. Im Anschluss an diesen Vormittag mit dem Schwerpunkt Epitaphien werden die Restauratoren der anderen drei universitären Sammlungen (Museum für Musikinstrumente, Antikenmuseum, Ägyptisches Museum) über ihre Arbeit berichten. Im dritten Themenblock stellen externe Referenten weitere Herangehensweisen zum Thema Ergänzung/Rekonstruktion/Nicht-Rekonstruktion in den Fachgebieten Gemälde-, Stein- und Skulpturrestaurierung vor. Eine große Bandbreite von Vorgehensweisen zur Frage der Rekonstruktion fehlender Bauteile und der Ergänzung von Fehlstellen an konkreten sowie fachübergreifenden Fallbeispielen wird aufgezeigt. Zusätzlich werden verschiedene Führungen angeboten: ein Rundgang durch das Paulinum, eine Führung durch den Neubau unter dem Motto „Kunst auf dem Campus“ sowie eine Führung zu Max Klingers „Christus im Olymp“ im Museum der Bildenden Künste Leipzig.

 

Veranstaltungsort