Master Pongo. Ein Gorillaschicksal zwischen Spektakel und Wissenschaft

11.08.2016, 19:00 Uhr - Lesung

Im Juli 1876 trifft in Berlin der Arzt Julius Falkenstein ein, der drei Jahre in Afrika verbracht hat. In seiner Begleitung befindet sich der Gorilla M’Pungu, ein kaum zweieinhalb Jahre altes Jungtier von großer Anhänglichkeit. Nach heftigem Tauziehen verschiedener Interessenten wird der Gorilla für 20 000 Mark an das Berliner Aquarium "Unter den Linden" verkauft. Hier entwickelt er sich in kurzer Zeit zum Liebling des deutschen Feuilletons. Bereits gegen Ende des Jahres gibt es Anfragen aus Wien, Paris, London und New York, wo sich verschiedene Institutionen um eine Schaustellung bewerben. Mustafa Haikal hat die Geschichte M’Pungus anhand von Originaldokumenten recherchiert. Auf spannende und ungewöhnliche Weise erzählt er von "Gorillasehnsüchten" und Spekulationen um gewaltige "Ungeheuer", von Darwin und der deutschen Expedition nach Äquatorial-Afrika, von der Neugier der bedeutendsten Naturwissenschaftler jener Zeit sowie der Ratlosigkeit der Ärzte als der Gorilla erkrankt. Deutlich wird, wie wenig man über Menschenaffen wusste und wie widersprüchlich der Weg zu ihrem besseren Verständnis war. Die Veranstaltung findet im Rahmen der in der Bibliotheca Albertina gezeigten Ausstellung "Unheimliche Nähe. Menschenaffen als europäische Sensation" statt. Die Ausstellung ist geöffnet und kann vor oder im Anschluss an den Vortrag besucht werden.

 

Referenten

  • Dr. Mustafa Haikal

Veranstaltungsort