125 Jahre Universitäts-Kinderklinik

Vor 125 Jahren, am 6. Dezember 1891, wurde die Kinderklinik Leipzig als Vorgängerin der heutigen UKL-Kinderklinik eröffnet. Die damals größte pädiatrische Klinik Deutschlands wurde im folgenden Jahrhundert zu einem Zentrum moderner Kindermedizin – und ist dies heute mehr denn je.
Mit einer Feierstunde wird das Jubiläum am 8. Dezember 2016 begangen.
Die Kinderklinik am Universitätsklinikum Leipzig wird 125 Jahre alt., Foto: Stefan Straube Die Kinderklinik am Universitätsklinikum Leipzig wird 125 Jahre alt.
Foto: Stefan Straube

Die Kinderklinik am Universitätsklinikum Leipzig wird 125 Jahre alt: Grund genug für eine kleine Feier in Leipzigs größter Kinderklinik. Mit einem Blick zurück und natürlich auch nach vorn wird das Jubiläum am 8. Dezember feierlich begangen.

„Bei ihrer Eröffnung 1891 war die Leipziger Kinderklinik die größte in Deutschland, und wenn der Geburtenboom so anhält, nähern wir uns diesem Status vermutlich bald wieder an“, sagte Prof. Wieland Kiess, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am UKL und damit Nachlaßerhalter mehrerer Generationen von Klinikdirektoren, beginnend mit dem Gründer Otto Heubner. Von hier gingen über Jahrzehnte wichtige Impulse aus wie eine Petition für die Gründung von Lehrstühlen für Kinderheilkunde an deutschen Universitäten oder 1954 die Einrichtung eines Frühgeborenenhauses für die spezielle Versorgung zu früh geborener Kinder. Auch die dunklen Seiten deutscher Geschichte machten nicht halt vor den Kliniktüren. Mit Werner Catel war ein Befürworter und aktiver Unterstützer der verbrecherischen Kindereuthanasie in der Nazizeit pädiatrischer Ordinarius in Leipzig.

„Auch dieses Erbe verpflichtet uns – zu besonderer Wachsamkeit gegenüber allen Versuchen einer Aushöhlung ethischer Grundlagen unserer Medizin“, so Kiess. Der 58-Jährige ist seit 19 Jahren Direktor der UKL-Kinderklinik. In dieser Zeit zog die Pädiatrie zusammen mit der Frauenklinik und Neonatologie von den Außenstellen wie der tief im Gedächtnis der Leipziger verwurzelten Klinik in der Oststraße in den modernen Neubau an der Liebigstraße. Neun Jahre später wird wieder für die Kinder gebaut – neben dem heutigen Gebäude entsteht derzeit ein weiteres Klinikzentrum mit Erweiterungsflächen für die Ambulanzen der Kindermedizin. „Wir freuen uns sehr über diese Wertschätzung eines Fachs, dass lange Zeit mit Blick auf den demografischen Wandel als künftig eher weniger wichtig angesehen wurde“, sagt Pädiater Wieland Kiess. Die aktuelle Entwicklung verspricht anderes: Der derzeitige Geburtenboom mit jährlich steigenden Zahlen lässt eher mehr als weniger Patienten erwarten. Zumal diese hier in den Spezialambulanzen oftmals über die Pubertät hinaus betreut werden. Mit 55 Betten allein in der Pädiatrie und mehr als 30 pädiatrischen Spezialsprechstunden in verschiedenen Kliniken ist die UKL-Kindermedizin für ihre Aufgaben gut gerüstet, zumal die Kliniken mit jährlich mehr als 56.000 stationären und ambulanten kleinen Patienten zentrale Anlaufstelle für viele Leipziger Eltern ist. „Dieses Vertrauen freut uns sehr und ist uns ein großer Ansporn in unserer täglichen Arbeit“, betont Prof. Kiess.

Zu dieser gehört neben der Behandlung auch die Forschung zu Krankheitsursachen und neuen Therapien. Als Kinderarzt sieht Kiess sich heute vor allem auch in der Pflicht, vorsorglich aktiv zu werden und Krankheiten frühzeitig zu verhindern. Ein besonderes Anliegen ist dem Experten mit Schwerpunkt Endokrinologie der Kampf um eine bessere Ernährung. „In der Kindheit legen wir die Grundlagen für Gesundheit eines ganzen, hoffentlich langen Lebens – umso wichtiger ist es, hier nicht die falschen Dinge zuzulassen“, so Kiess, der sich stark macht gegen zu viel Zucker in Kindernahrung, gegen Übergewicht bei den Kleinsten und für mehr Gesundheitsfürsorge im Alltag aller sozialen Gruppen.

Und damit schließt sich fast der Kreis zu den Anfängen der Kindermedizin – denn auch vor 125 Jahren galt die Sorge der Ärzte den ungesunden Lebensbedingungen vieler Kinder, die Atemwegserkrankungen, Mangelernährung und Wachstumsstörungen zur Folge hatte. „Natürlich sind wir heute Lichtjahre von damaligen Zuständen entfernt“, so Kiess, „und haben hochwirksame Mittel in der Hand, um unseren Patienten selbst in schwierigen Situationen helfen zu können. Aber wir dürfen nicht darin nachlassen, dafür zu sorgen, dass unsere Kinder tatsächlich eine Chance erhalten, gesund aufwachsen zu können.“

Hintergrund
Kindermedizin am Universitätsklinikum Leipzig

Die Kindermedizin am Universitätsklinikum Leipzig umfasst neben der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin mit den Abteilungen Neonatologie und Kinderonkologie auch die Kliniken für Kinderchirurgie und Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Bereiche Kinderorthopädie, Kinderneurochirurgie und Kinderzahnheilkunde sowie die Versorgung von Kindern in der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie. Damit sind zehn spezialisierte Bereiche an der Versorgung von Kindern und Jugendlichen beteiligt und verfügen dazu über mehr als 150 Kinderbetten. Jährlich werden ca. 6400 Kinder und Jugendliche stationär versorgt, mehr als 50.000 kommen in die Ambulanzen und Sprechstunden.