Schrittmacher gegen Schmerzen

Pressemitteilung vom 11.10.2006

Hoffnung für Schmerzpatienten: An der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Leipzig wird seit kurzem ein neues Verfahren zur Behandlung chronischer Schmerzen angewendet. Statt wie bisher ausschließlich auf schmerzlindernde Medikamente zurückzugreifen, kann Patienten nun auch neurochirurgisch geholfen werden. Bei der als „Spinale Stimulation“ bezeichneten Behandlungsmethode werden elektrische Impulse geringer Intensität zur Anregung der Nerven im Rückenmark eingesetzt.


Neurochirurg Dr. Dirk Winkler erklärt das Verfahren: „Etwa in Höhe des zehnten bis zwölften Brustwirbels wird eine Elektrode am Rückenmark fixiert. Normalerweise würden bei Schmerzpatienten die Nerven im Rückenmark bestimmte Signale an das Gehirn senden. Die Folge: das Empfinden von Schmerz . Bei der Rückenmarkstimulation sendet jedoch die Elektrode kleine Impulse aus, die die Schmerzsignale überlagern oder blockieren.“ Der Patient spürt also keinen oder nur noch einen geringen Schmerz.


„Für chronisch Kranke bedeutet dieses Verfahren, das nun erstmals an der Uniklinik Leipzig angewendet wurde, erhebliche Vorteile“, hebt Dr. Winkler hervor. Für die Implantation der Elektrode und des dazugehörigen Leads (Elektrodenkabel) ist nur ein einfacher operativer Eingriff erforderlich, der bei lokaler Betäubung durchgeführt werden kann. Die Stimulation des Rückenmarks ist zudem reversibel. Das heißt: bleiben Therapieerfolge aus, kann der Nervenstimulator wieder ausgeschaltet oder explantiert werden.


„Die Heilungsrate liegt bei 70 bis 80 Prozent. Das ist sehr viel für Patienten mit chronischen Schmerzen“, so Dr. Winkler. „Die Lebensqualität verbessert sich deutlich. Es können nicht nur die Medikamente selbst reduziert werden, sondern es werden auch jene Belastungen verringert, die mit der medikamentösen Therapie verbunden sind. Dazu gehören vor allem Nebenwirkungen wie begrenzte Wachheit oder die Beeinträchtigung der Leber.“ Einige Patienten könnten nach der Operation gänzlich auf Medikamente verzichten.


Zum Einsatz kommt die neue Behandlungsmethode bei Menschen mit anhaltenden Schmerzen, wie sie zum Beispiel nach einem Bandscheibenvorfall auftreten. Auch nach einer Wirbelsäulen-Operation oder bei Patienten mit peripheren Durchblutungsstörungen ist die Rückenmarkstimulation denkbar. „Das Prinzip der Rückenmarkstimulation ist zwar schon seit den sechziger Jahren bekannt, doch erst die heutige modernere und weiter entwickelte Technik und Elektronik macht den Einsatz des Verfahrens für uns sinnvoll.“ Statt der Schmerzen würden einige Patienten nach der Implantation lediglich ein leichtes Kribbeln verspüren.


Das Risiko der Behandlung schätzt Dr. Winkler als relativ gering ein. „Im Prinzip haben wir nur die drei Komponenten: Elektroden, Kabel sowie elektronischer Schrittmacher. Die Elektroden werden im so genannten Epiduralraum angebracht. Das ist der Raum über dem Rückenmark, also oberhalb der Rückenmarkhäute. Demzufolge berühren die Elektroden noch nicht einmal direkt das Rückenmark. Das elektronische Gerät fungiert als Schrittmacher und wird wiederum in eine Hauttasche zum Beispiel an der Hüfte eingenäht – eine risikoarme Methode.“ Bereits drei Patienten konnten von dem neuen Verfahren an der Leipziger Uniklinik profitieren. Sie wurden erfolgreich behandelt und können nun ein nahezu beschwerdefreies Leben führen.


Die Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Leipzig ist neben Dresden der einzige Standort in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wo das Verfahren der „Spinalen Rückenmarkstimulation“ zum Einsatz kommt.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.