Allergiker-Albtraum Ambrosia gedeiht in Leipziger Region

Pressemitteilung vom 29.09.2006
Universitäts-Hautklinik reagiert mit Erweiterung der Tests und Start einer speziellen Untersuchung

Mit der Ambrosia-Pflanze hat sich in der Region Leipzig ein Albtraum für Allergiker niedergelassen. Den aus Nordamerika stammenden Einwanderer mit dem lateinischen Namen Ambrosia artemisiifolia – in Deutschland auch „Aufrechte Ambrosie“, „Beifußblättriges Traubenkraut“, „Aufrechtes Traubenkraut“ oder „Wilder Hanf“ genannt – hat der Leipziger Botaniker Dr. Peter Gutte an mindestens zwölf Standorten in Leipzig gefunden, die er in seinem jüngst erschienen Buch „Die Flora von Leipzig und Markkleeberg“ (Weißdorn Verlag Jena) beschreibt. Das sei eine deutliche Vermehrung gegenüber seiner Untersuchung vor zehn Jahren.


„Das ist auch ein Alarmsignal für uns Allergologen“, so Dr. Regina Treudler, Oberärztin an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Leipzig. „Denn diese Pflanze ist in ihrer Aggressivität potenter als die heimischen Allergen-Pflanzen. Die Pollen gehören zu den stärksten Inhalationsallergenen und können neben allergische Reaktionen der Augen und der Atemwege im schlimmsten Fall Asthma verursachen. Der späte Blütezeitpunkt, der bis in den Oktober reicht, bedeutet eine zusätzliche Belastung der Allergiker, weil durch die Ambrosia die Pollensaison deutlich verlängert wird.“


Inzwischen wird zwar der Pollenflug der Ambrosia auch in Deutschland gemessen. Aber die gefährlichen Pollen sind in den medizinischen Routine-Tests noch nicht berücksichtigt. „Angesichts der potenziellen Gefahr, die für Allergiker aus dieser Situation erwächst, hat die Leipziger Hautklinik reagiert und wird die entsprechenden Testextrakte bei ihren Patienten nunmehr routinemäßig einsetzen“, kündigt Dr. Treudler an. Zugleich werde eine Untersuchung gestartet, in wieweit das Allergen in der Leipziger Region von Bedeutung ist. Die Allergologin hatte bereits in Berlin vor zehn Jahren entsprechende Untersuchungen vorgenommen, die damals Ambrosia-Allergien noch keine Relevanz bescheinigte.


Symptome:


  • Augen: Rötung, Jucken, Brennen, Lichtempfindlichkeit, Tränen
  • Nase: Jucken, wässriger Schnupfen, verstopfte Nase, Niesattacken
  • Bronchien: Husten, Atemlosigkeit, Asthma
  • zudem teilweise: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Reizbarkeit


Hintergrund Ambrosia


Ambrosia wächst vorwiegend an Straßenrändern oder auf Brachen. Sie ist aber auch in Gärten zu finden, meist dort, wo Vögel gefüttert werden. Denn viele Vogelfuttermischungen mit Ambrosiasamen verunreinigt. Die Pflanze ist ein wahrer Überlebenskünstler, denn die meisten Herbizide sind unwirksam. Gemähte oder abgehackte Pflanzen treiben schnell wieder aus und bilden innerhalb von sechs Wochen reife Samen.

Verschiedene europäische Länder haben einen regelrechten Feldzug gegen Ambrosia eröffnet. Am 1. Juli 2006 trat in der Schweiz eine Verordnung in Kraft, die eine Melde- und Bekämpfungspflicht bei Ambrosia vorschreibt. Auch in Norditalien wird von Staates wegen gegen die Pflanze vorgegangen. Wer eine Ambrosia-Pflanze in seinem Garten hat und sie nicht ausreißt, muss bis zu 400 Euro Strafe zahlen. Ähnliches gilt in Ungarn, wo sich die Anzahl der Allergiker und der an Asthma Erkrankten in den letzten Jahren verdreifacht hat.

Die Ambrosia-Pollen können vom Wind Hunderte Kilometer weit getragen werden. Eine einzelne Pflanze kann eine Milliarde Pollenkörner freisetzen, und bereits eine Konzentration von nur sechs Körnern pro Kubikmeter Luft gilt als problematisch. In Sachsen wurden bereits Dichten gemessen, die um ein Vielfaches höher lagen und mehr als die Hälfte der gesamten Pollenbelastung darstellten. Ihre wahrscheinliche Herkunft: Ungarn.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.