Verdi überspannt den Bogen

Pressemitteilung vom 27.09.2006
Unbegründeter und unangekündigter Streik gefährdet Sicherheit der Patienten

Unter dem Motto „Druck erhöhen“ (Verdi-Flugblatt) ruft Verdi die Mitarbeiter des Universitätsklinikums Leipzig zu einer weiteren Streikaktion am 28.9.2006 auf. Der Vorstand des Klinikums wurde von Verdi über den Aufruf erst heute gg. 13:30 Uhr informiert, lange nachdem Gerüchte über Streikaktionen in der Presse aufgetaucht waren. „Verdi gefährdet mit dieser Vorgehensweise die Sicherheit der Patienten, denn uns wird die Möglichkeit genommen, rechtzeitig entsprechende organisatorische Maßnahmen zu ergreifen“, kommentiert der Medizinische Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig, Prof. Dr. Wolfgang Fleig, das Vorgehen der Gewerkschaft. „Für das Verhalten von Verdi gibt es keine vernünftige Erklärung mehr. Alle Signale stehen auf Grün, wir haben am 5. Oktober einen neuen Verhandlungstermin und haben am vergangenen Montag als Geste guten Willens ein Angebot für eine Einmalzahlung gemacht. In einer solchen Situation auf Eskalation zu setzen, widerspricht jeder Logik und lässt uns daran zweifeln, dass Verdi überhaupt an einer Tarifeinigung interessiert ist.“


Der Vorstand forderte Verdi dazu auf, während der Verhandlungen auf Streiks zu verzichten. Jeder Streiktag koste das Klinikum viel Geld, was den Spielraum des Klinikums für Tariferhöhungen stark einschränke. Die bisherigen Streikaktionen haben bereits einen unmittelbaren wirtschaftlichen Schaden von 1 Mio. Euro angerichtet. Matthias Wokittel, kaufmännischer Vorstand, erklärt die Folgen: „Das Klinikum steht vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Wir haben keine üppigen Gewinne, die es zu verteilen gibt. Mit jedem Streiktag vernichtet Verdi Arbeitsplätze am Universitätsklinikum Leipzig und schwächt darüber hinaus die Wettbewerbssituation des Unternehmens.“ Verdi schade damit den Anstrengungen des Klinikums, hochwertige Medizin mit wirtschaftlichem Erfolg zu koppeln und damit die unternehmerische Selbstständigkeit zu sichern. Dies sei gerade in Anbetracht der Entwicklungen in Hessen und Schleswig-Holstein höchst gefährlich.


Der Vorstand kritisiert vor allem Verdi-Verhandlungsführer Wolfgang Pieper. Ihm gehe es dem Anschein nach nicht darum, eine vernünftige Lösung für die Beschäftigten des Universitätsklinikums Leipzig zu finden, sondern eigene, gewerkschaftspolitische Ziele durchzusetzen. „Herr Pieper missbraucht die berechtigten Interessen der Beschäftigten an einer Tarifeinigung für eine gewerkschaftliche Demonstration der Macht und setzt dabei bewusst nicht nur einzelne Arbeitsplätze sondern auch die Existenz des Klinikums aufs Spiel“, kommentiert Prof. Fleig das Verhalten des Verdi-Funktionärs. Anders sei es nicht zu erklären, warum Pieper einerseits in den Verhandlungen gar nicht ver-suchte, die Elastizität des Klinikums bei der Einmalzahlung auszuloten und andererseits die Beschäftigten zu Streikaktionen aufrufe, obwohl der nächste Verhandlungstermin fest vereinbart wurde. Auch sei der Vorstand befremdet darüber, dass Herr Pieper die Tarifverhandlungen offensichtlich nicht am Verhandlungstisch, sondern über die Medien führen wolle. Damit disqualifiziere er sich selbst als ernst zu nehmender Verhandlungspartner.


Der Vorstand bekräftigte noch einmal seinen Verhandlungs- und Einigungswillen in der Tarifauseinandersetzung mit Verdi. Man erwarte aber, dass die Gewerkschaft auf unverhältnismäßige Aktionen verzichtet und zu einer sachlichen Gesprächskultur zurückfindet.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.