Experten aus aller Welt trainieren neues Operationskonzept in Leipzig

Pressemitteilung vom 25.09.2006
Universitätsfrauenklinik vermittelt mit der „Leipzig School of Radical Pelvic Surgery“ innovative Methoden / Prof. Höckel: Radikal gegen den Krebs und schonend für die Patientinnen

Ab heute gehen in Leipzig erfahrene internationale Spitzenmediziner wieder in die Schule. In der „Leipzig School of Radical Pelvic Surgery“ (Leipziger Schule für radikale Beckenchirurgie) lernen und trainieren sie ein neues Operationskonzept, das an der Universitätsfrauenklinik unter Leitung von Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. Michael Höckel entwickelt wurde. „Die totale mesometriale Resektion (TMMR) steht als neues Radikalitätsprinzip in der Behandlung des Gebärmutterhalskrebses im Mittelpunkt der Intensivkurse“, so Prof. Höckel, Direktor der Universitätsfrauenklinik (Triersches Institut) Leipzig. „Sie geht radikal gegen den Krebs vor und ist zugleich schonend für die Patientinnen. Unsere innovative Methode beruht auf einer ganz neuen Erkenntnis darüber, wie sich Tumoren ausbreiten. Und ich möchte behaupten, es ist eine Erkenntnis, die die gesamte gynäkologische Onkologie verändern wird.“


Die „Leipzig School of Radical Pelvic Surgery“ findet jetzt zum zweiten Mal statt. „Wir haben im Frühjahr mit einem ersten Kurs begonnen, der großes Interesse fand. Auch der heute beginnende Herbstkurs ist komplett ausgebucht. Künftig wollen wir zweimal im Jahr solche Intensivkurse für internationale fortgeschrittene Operateure anbieten“, kündigt Prof. Höckel an. Eine Hälfte der Teilnehmer kommt jeweils aus Deutschland, die andere aus dem Ausland. Dazu gehören diesmal Operateure aus Hongkong, Irland und den Niederlanden.


Die Idee dieser Kurse entstand daraus, dass zu fast jeder Operation, die nach dem neuen Verfahren ausgeführt wird, Gäste aus dem In- und Ausland in die Universitätsklinik Leipzig kommen. „Wir dachten, wenn unser Konzept ein solch starkes Interesse findet, können wir das auch konzentrieren und – über die Demonstration hinaus – zu einem Training ausweiten“, so Prof. Höckel. „Zum Kursinhalt gehören also die Vermittlung der Grundlagen unseres Operationskonzepts in Seminaren, die praktische Übung der Operationstechnik an Leichnamen und die Live-Demonstration einer Operation. Wir haben ohnehin fast jede Woche eine solche OP. Mit Zustimmung der Patientin wird dann die anstehende Operation im Rahmen der Leipzig School vorgenommen.“


Hintergrund TMMR


An der Leipziger Universitätsfrauenklinik wurde unter Leitung von Prof. Höckel mit der totalen mesometrialen Resektion (TMMR) eine neue Operationsmethode entwickelt, die auf neuen Erkenntnissen über die lokale Tumorausbreitung beruht, die aus der Embryonalentwicklung abgeleitet werden. Prof. Höckel: „Wir haben erkannt, dass ein Tumor nicht wild wuchert. Er wächst eben nicht in jene Gewebe hinein, die wenig Widerstand bieten oder die räumlich nahe sind. Vielmehr folgt der Tumor in seiner lokalen Ausbreitung über einen langen Zeitraum dem Weg der Embryonalentwicklung.“ Als Beispiel nennt der Leipziger Mediziner die unmittelbar vor dem Gebärmutterhals liegende Harnblase. „Sie ist nur einen Millimeter vom Tumor entfernt. Und trotzdem wird ein Gebärmutterhalskrebs über einen sehr langen Zeitraum diesen Abstand nicht überwinden. Und zwar nicht wegen des Abstandes, sondern weil die Harnblase eine andere embryonale Struktur, ein anderes Kompartiment, darstellt als die Gebärmutter.“

Beim bisherigen Operationskonzept wird der Tumor zuzüglich einer rundum liegenden Sicherheitszone entfernt. Dadurch sind oft auch Harnblasen- und Enddarmfunktionen betroffen. „Unsere neue Methode besagt: Der Sicherheitsabstand zu einem benachbarten Kompartiment kann schon mit einem Millimeter groß genug sein. Innerhalb des vom Tumor befallenen Kompartiments reicht unter Umständen selbst ein Sicherheitsabstand von mehreren Zentimetern nicht aus“, so Prof. Höckel. „Das heißt: Bei TMMR wird das vom Krebs betroffene embryonale Kompartiment vollständig entfernt. Dagegen kann man durchaus Kompartimente anderen embryonalen Ursprungs trotz unmittelbarer Nähe zum Tumor zurücklassen.“

Uwe Niemann

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.