Die Uni-Frauenklinik erstrahlt in neuem Glanz

Pressemitteilung vom 16.04.2004

Die Leipziger Universitätsfrauenklinik, auch bekannt als Triersches Institut, gehört zu den größten Einrichtungen im Bereich der Frauenheilkunde und Geburtshilfe in der gesamten Bundesrepublik. Am 17. April wird das sanierte und modernisierte Gebäude der Klinik mit seinen hochmodernen medizinischen Behand-lungsbedingungen nun offiziell vom Bauherren, dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, an den Nutzer, das Universitätsklinikum Leipzig, übergeben. Zugleich wird damit ein weiterer wichtiger Abschnitt in der traditionsreichen Geschichte der Frauenklinik eingeleitet.


Geschichte der Universitätsfrauenklinik


Die Geschichte der Klinik reicht bis in das Jahr 1806 zurück, als die Leipziger Appellationsrätin Rahel Amalia Augusta Trier in ihrem Testament der Universität ein Grundstück überließ. Dort sollte ein Hebammeninstitut errichtet werden, welches fortan als Triersches Institut in die Annalen einging. Es entwickelte sich aus der Hebammenschule eine Klinik, die in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe über die Jahrhunderte stets mit tonangebend war. Und dies ist bis heute so geblieben.


''In unserer Klinik haben stets bedeutende Fachärzte der Frauenheilkunde und Geburtsmedizin gewirkt. Heute gehören wir zu den namhaftesten Universitätsfrauenkliniken - und das mit einem international sehr guten Ruf'', freut sich Klinikdirektor Prof. Michael Höckel. Nur elf Direktoren vor ihm standen dem Trierschen Institut in dessen Geschichte vor und haben stets ihre Klinik zu einer der besten Adressen ihres Fachgebietes gemacht. Carl Siegemund Credé zum Beispiel entwickelte das Verfahren der Plazentaexpression, welches als ''Credé'scher Handgriff'' in die Geburtsmedizin einging. Auch die Verhütung von Augenentzündungen bei Neugeborenen geht auf ihn zurück. Auch Paul Zweifel und Walter Stoeckel gehörten zu den namhaftesten Gynäkologen Deutschlands. Letzterer setzte gegenüber der Stadt Leipzig und der Universität den Bau der heutigen Universitätsfrauenklinik in der Philipp-Rosenthal-Straße durch. Trotz einiger Mangelerscheinungen gehörte die Klinik auch zu DDR Zeiten zu den bedeutenden Zentren ihrer Art im Land - und genoss internationales Ansehen. Mit Karl Bilek, der von 1974 bis 1997 das Triersche Institut leitete, und mit Prof. Dr. Dr. Michael Höckel, der seit 1998 den Direktorenposten inne hat, be-förderten zwei Mediziner die Diagnostik und stadienspezifische sowie abgestufte Therapie des Gebärmutterhalskrebses, von Tumorerkrankungen sowie auf dem Gebiet der gynäkologischen Onkologie.


35 Millionen Euro für Bau und Ersteinrichtung


In den Bau und Umbau der Frauenklinik sowie in die medizinische Ausrüstung flossen in den vergangenen Jahren rund 35 Mio. Euro. Die Kosten teilten sich der Bund und der Freistaat Sachsen.

Es wurden 7.659 m² Hauptnutzfläche grundsaniert, modernisiert und mit modernster Medizin- und Labortechnik ausgestattet. Dazu gehört:


· ein OP- und Entbindungstrakt im Neubau

· 124 Betten für Allgemeinpflege, Wöchnerinnen und Neugeborenenpflege, Intensivpflege und dazu Bereiche für Säuglings- und Kinderkrankenpflege

· Untersuchungs- und Behandlungsräume sowie Funktionsdiagnostik und Laboratoriumsmedizin

· der grundsanierte historische Patientengarten mit erneuerten Wegen und einem überdachten Wandelgang

· eine komplette Fassadensanierung mit aufwändiger Restaurierung der Sandsteingewände und Brüstungen sowie einer Betonsanierung an den Vorfahrten

· die Herstellung der historischen Treppenhäuser nach altem Farbkonzept sowie die Erhaltung historischer Verglasungen


Für Patientinnen, Mitarbeiter und alle am Bau Beteiligten waren diese Jahre mit zahlreichen Anstrengungen und Einschränkungen verbunden, da die Arbeiten bei laufendem Klinikbetrieb stattfanden. Doch wenn man heute die helle und freundliche Wöchnerinnenstation und den einladenden Kreißsaalkomplex mit den individuell und farbenfroh eingerichteten Zimmern sieht und auch den hochmodernen OP-Trakt nutzen kann, so hat sich das für alle gelohnt.


Von der normalen Geburt bis zur Megaoperation


In der Universitätsfrauenklinik werden die Patientinnen in allen Spezialgebieten der Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit Behandlungsmethoden und Heilverfahren auf dem aktuellen wissenschaftlichen und medizintechnischen Niveau umsorgt. ''Von der alternativen Spontangeburt bis zu Megaoperationen fortgeschrittener gynäkologischer Krebserkrankungen reicht unser Erfahrungsschatz in der Frauenheilkunde. Unsere aktuellen wissenschaftlichen Forschungen fließen sofort in unsere praktische Arbeit ein und geben Frauen neue Hoffnungen'', erklärt der Klinikdirektor.


Seit Beginn dieses Jahres erblickten bereits 475 Kinder das Licht der Welt in der geburtenstärksten Klinik Sachsens. Werdende Mütter erwarten fünf helle, ge-räumige und farbenfrohe Entbindungszimmer im neuen Kreißsaal. Erfahrene Hebammen betreuen die Kreißenden, unterstützt von 18 Hebammenschülerinnen. Jede Geburt findet unter ärztlicher Betreuung statt. Auch ein Kinderarzt ist permanent vor Ort. Entspannungsbäder, Periduralanalgesie, Akupunktur und Mas-sagen können die Geburt erleichtern. Auf Wunsch können Geburten auch ambulant durchgeführt werden. Modern eingerichtet ist die Wochenstation mit 2- und 3- Bett Zimmern, in denen auch ein 24-Stunden-Rooming-in möglich ist.


Doch bereits vor der Geburt erfolgt eine auf die speziellen Bedürfnisse jeder Schwangeren abgestimmte vorgeburtliche Diagnostik. So gehört der Ultraschall zum Standard-Instrument der modernen Geburtsmedizin. Aber auch Vorbereitungskurse, in denen die Frauen nicht zuletzt ihre Hebamme kennen lernen, gehören dazu. Außerdem haben die Geburtsmediziner zusammen mit niedergelassenen Frauenärzten ein Programm entwickelt, in dem Zwillings- und Mehrlingsschwangerschaften intensiv betreut und extreme Frühgeburtlichkeit verhindert werden kann. Das Team um Prof. Dr. Renaldo Faber beherrscht dabei selbst noch die traditionellen Methoden der Geburtshilfe. So können Zwillingsgeburten ohne größere Probleme auf ''normalem Weg'' zur Welt gebracht werden; gleiches gilt für Steißlagen, in denen heute mancherorts sehr schnell der Kaiserschnitt als probates Mittel gilt.


Die Universitätsfrauenklinik bietet überdies optimale Betreuung für Frühchen. Ein moderner Operationssaal und ein kinderärztlich betreuter Behandlungsplatz für Frühgeborene sind in den Kreißsaal integriert und eine Intensivstation für Neugeborene ist direkt angeschlossen. Auf dieser Neonatologischen Intensivstation sind die Kinderärzte rund um die Uhr vor Ort. Damit erübrigen sich bei möglichen Komplikationen Transporte der Neugeborenen in entsprechende Spezialeinrichtungen und die Trennung der Mütter von ihren Kindern.


Prof. Dr. Christian Vogtmann, der die Neonatologische Intensivstation leitet, ist seit 35 Jahren an der Klinik und weiß, wie wichtig die Nähe zwischen Kreißsaal und Neugeboren-Intensivstation wie auch die Zusammenarbeit der Fachärzte für die Betreuung der Frühchen ist. ''Mit den Geburtsmedizinern bahnen wir uns von der Frühdiagnostik bis zur Geburt den für Mutter und Kind bestmöglichen Weg'', sagt der Experte. Und so können heute 97 Prozent aller Kinder mit einem Geburtsgewicht zwischen 1000 und 2000 Gramm überleben, wäh-rend 1954 noch 40 Prozent dieser starben.


Neue OPs bringen Hoffnung


Als ein internationales Zentrum für Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen und ihren Rückfällen ist die Universitätsfrauenklinik weltweit anerkannt. Sie führt das Prädikat ''Center of Excellence der European Academy of Gyneacologic Cancer'' und ist Ausbildungszentrum der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in minimalinvasiver Chirurgie. Der klinische Schwerpunkt steht so auch für die Kompetenz der Klinik auf dem gesamten Fachgebiet der Gynäkologie und Geburtsmedizin. ''Es ist der interdisziplinäre Ansatz, den wir nicht nur theoretisch pflegen, sondern den wir seit der Gründung des Trierschen Institutes in Leipzig stets gelebt haben. Wir forschen, entwickeln neue onkologische Operationstechniken immer weiter und können die Ergebnisse ohne Zeitverzug sofort in unserer gewissenhaften Arbeit nutzen'', so Professor Höckel über die Arbeit in der Frauenklinik.


Das ist auch der Fall bei den drei neuen Operationsverfahren zur Behandlung von bösartigen Erkrankungen des Genitaltraktes der Frau. Mit diesen Verfahren liegen die Ärzte nicht nur über den bisherigen Behandlungsstandards, sondern erhöhen auch wesentlich die Überlebenschancen für betroffene Frauen. Bei der ersten Operationsmethode (total mesometriale Resektion - TMMR) handelt es sich um eine nervenschonende Operation des Gebärmutterhalskrebses. Dabei wird das autonome Nervensystem für die Beckenfunktionen der Frau freigelegt und erhalten. Der Tumor jedoch wird radikal entfernt.


Bei einem weiteren Verfahren werden die äußeren Geschlechtsorgane von Frauen mit komplexen perinealen Weichteildefekten und Fehlbildungen des weiblichen Genitales weitgehend wieder hergestellt. Patientinnen wird hierbei nicht nur nach entsprechenden Operationen die weibliche Identität wiedergegeben. Es werden auch die Auswirkungen auf die Sexualität erheblich reduziert.


Das dritte Verfahren ist die von Professor Höckel entwickelte lateral erweiterte endopelvine Resektion (LEER). Bei dieser aufwändigen Operation können in bestimmten Fällen Rückfälle gynäkologischer Tumore, insbesondere des Gebärmutterhalskrebses, vollständig entfernt und den Patientinnen Heilungschancen gegeben werden. Hier arbeitet das OP-Team eng mit der Urologischen Universitätsklinik zusammen.


Enge Zusammenarbeit von Reproduktionsmedizin und Humangenetik


Am Zentrum für Reproduktionsmedizin, gynäkologische Endokrinologie und Sexualmedizin werden jährlich etwa 6.000 Paare beraten, deren Kinderwunsch bislang unerfüllt blieb. Vielen Paaren kann geholfen werden, doch noch das lang ersehnte Elternglück zu erleben. Intensiv betreut werden aber auch Patientinnen mit gehäuften Fehlgeburten und Schwangere, die an Diabetes erkrankt sind.


Das Institut für Humangenetik, das sich ebenfalls in der Universitätsfrauenklinik befindet, wird in diese Betreuung mit einbezogen. Es werden aber nicht nur Paare mit Kinderwunsch beraten und ggf. Chromosomenanalysen durchgeführt, sondern auch sehr intensiv das Risiko für familiäre Brust- oder Eierstockkrebserkrankungen untersucht. Derzeit befindet sich eine deutschlandweite Studie kurz vor dem Abschluss, mit der das genetisch bedingte Risiko, an einem derartigen Tumor zu erkranken, untersucht wird.


Angenehmes Ambiente fördert Genesung


Nach der langen Bauzeit von mehr als 10 Jahren erhalten das Universitätsklinikum Leipzig und die Medizini-sche Fakultät ein bauliches Kleinod zurück. Das angenehme Ambiente der Klinik mit den freundlichen Zimmern, den Terrassen und Laubengängen sowie der schöne Klinikpark werden sich nach Überzeugung von Klinikdirektor Höckel positiv auf den Genesungsprozess der Patientinnen auswirken. Auch die Bedingungen für die Mitarbeiter haben sich stark verbessert. ''Wir dürfen nicht vergessen, dass wir neben der Krankenversorgung auch umfangreiche Forschungsarbeiten auf verschiedenen Gebieten zu leisten haben und auch Medizinstudenten auf den Arztberuf vorbereiten'', erinnert Höckel. ''Auch für diese Aufgaben haben wir nun wieder sehr gute Bedingungen. Nach den vielen Einschränkungen während der Bauzeit bin ich wirklich sehr glücklich über das Ergebnis.''

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.