Informationsveranstaltung „Rosazea wirksam behandeln“

Pressemitteilung vom 04.07.2006

In Deutschland leiden ca. 4 Millionen Menschen an der Hautkrankheit Rosazea. Allerdings befinden sich nur rund eine halbe Million der Betroffenen in Behandlung. Viele Menschen ahnen nicht, dass es sich bereits bei leichten Rötungen im Gesicht, die oft zunächst wieder verschwinden, um Rosazea (auch Kupferfinne oder Couperose) handeln kann. Bleibt diese Krankheit unbehandelt, können im weiteren Verlauf Pusteln, Knötchen und Schwellungen im Gesichts- und Halsbereich auftreten.


Um über diese immer noch weitgehend unbekannte Hautkrankheit aufzuklären und Betroffene über Therapiemöglichkeiten der Rosazea zu informieren, führt die Deutsche Rosazea Hilfe e.V. in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Leipzig eine kostenlose Informationsveranstaltung durch. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen:


Informationsveranstaltung „Rosazea wirksam behandeln“


Termin: Dienstag, 11. Juli 2006

Zeit: ab 18:30 Uhr

Ort: Hörsaal am Operativen Zentrum

des Universitätsklinikums Leipzig,

Liebigstr. 20, 04103 Leipzig


Neben Experten-Vorträgen über Ursache und Therapie der Rosazea gibt eine Kosmetikerin Schmink- und Pflegetipps für Betroffene. Die Referenten stehen im Anschluss für Ihre Fragen zur Verfügung.


Hintergrund:


Rosazea ist eine Hautkrankheit, die Millionen Deutschen buchstäblich ins Gesicht geschrieben ist. Die „Gesichtsröte“ ist wie ein Phantom: sie ist oftmals schwer zu diagnostizieren, kommt schubweise und wird häufig mit Akne verwechselt. Schätzungsweise über vier Millionen Deutschen leiden an dieser entzündlichen Erkrankung der Gesichtshaut. Dennoch wissen die wenigsten davon und nur jeder zehnte Betroffene ist in Behandlung!


Allgemeine Informationen


Die Rosazea ist eine chronische Hautkrankheit, die auch als Kupferfinne, Kupferrose, Couperose, Gesichtsrose oder fälschlicherweise als Akne rosazea bezeichnet wird. Sie ist weit verbreitet. In Deutschland gehen Schätzungen von zwei bis vier Millionen Erkrankten aus (2-5% der Gesamtbevölkerung). In Europa ist ein deutliches Nord-Süd-Gefälle erkennbar: in Skandinavien, England und Irland, wo der hellhäutige keltische Hauttyp vorherrscht, erkranken bis zu zehn Prozent der Menschen im Laufe ihres Lebens an Rosazea. Im Mittelmeerraum hingegen sind weniger als zwei Prozent aller Erwachsenen betroffen. Die Krankheit tritt meist im Erwachsenenalter, insbesondere im vierten und fünften Lebensjahrzehnt, erstmals auf und verläuft unbehandelt über viele Jahre hinweg in mehreren Stadien. Frauen erkranken im Verhältnis häufiger an Rosazea als Männer, allerdings ist der Krankheitsverlauf bei Ihnen meistens weniger schwer.


Ursachen


Die genauen Ursachen der Krankheit sind bis heute unklar. Einige Theorien gehen von einer genetischen Veranlagung der Krankheit aus. Bewiesen ist dies jedoch nicht. Offenbar beeinflussen eine Vielzahl von Umweltfaktoren und andere Einflüsse das Auftreten und den Verlauf der Erkrankung. Verschiedene Faktoren können die Krankheit erstmals hervorrufen oder eine bereits bestehende Rosazea verschlechtern. Zu diesen so genannten Trigger-Faktoren gehören in erster Linie:


  • Sonne
  • Stress
  • Heiße oder kalte Umgebungstemperatur
  • Alkoholgenuss
  • Genuss scharf gewürzter Speisen
  • Heiße Getränke
  • Körperliche Anstrengung
  • Heiße Bäder
  • Bestimmte Hautpflegeprodukte


Stadien der Rosazea


Der Krankheitsverlauf der Rosazea wird in mehrere Stadien unterteilt:


Das Anfangs- oder Vorstadium der Rosazea ist gekennzeichnet durch häufiges und heftiges Erröten. Es entwickeln sich so genannte Erytheme (Hautrötungen) im mittleren Gesichtsbereich, die vorerst jedoch flüchtig sind. Begleitet werden diese Rötungen der Gesichtshaut oftmals von Blut- und Hitzewallungen. Die Haut der Betroffenen ist darüber hinaus leicht reizbar und reagiert empfindlich auf äußere Einflüsse (wie z.B. Kosmetika) und innere Stimuli (wie z.B. Stress). Vergleichsweise geringe Reize genügen, um eine Reaktion der Haut auszulösen. Nach Monaten bzw. Jahren kann das erste medizinisch eindeutig fassbare Stadium der Rosazea auftreten, die so genannte Rosazea erythematosa. Die bisher flüchtigen Erytheme entwickeln sich nun zu einer anhaltenden Röte des Gesichts. Charakteristisch für dieses Stadium ist die Bildung von erweiterten Blutgefäßen, den Teleangiektasien. Diese zeigen sich als fadenfeine, kurze rote Linien auf der Haut. Die Teleangiektasien kommen vor allem rund um die Nase, unter den Augen und auf der Stirn vor und sind chronisch. Die Reizbarkeit der Haut nimmt weiter zu. Das zweite Stadium der Erkrankung wird als Rosazea papulopustulosa bezeichnet. Es kommt hierbei zusätzlich zur Ausbildung von entzündlichen roten Knötchen (Papeln) und Eiterpickeln (Pusteln). Diese treten entweder einzeln oder großflächig auf und können über Wochen andauern.


Die Glandulär-hyperplastische Rosazea ist das dritte Stadium. Hier kann es zu knotenartigen Verdickungen der Talgdrüsen und flächenartigen Wassereinlagerungen im Gewebe kommen. Die Haut ist jetzt großporig und entzündlich verdickt und ähnelt der Schale einer Orange. Die Knoten und Einlagerungen können sich im Laufe der Jahre vermehren, die Talgdrüsen können sich vergrößern und zusammenlagern. Vor allem im Bereich der Nase kann sich dadurch das so genannte Rhinophym, im Volksmund „Knollennase“, bilden. Verdickungen sind jedoch auch am Kinn (Gnatophym) und Ohren (Otophym) häufiger zu beobachten. Diese Veränderungen bilden sich von alleine nicht mehr zurück.


Über diese klassischen Stadien hinaus existiert noch eine Vielzahl von Sonderformen der Rosazea. Die wichtigste ist dabei sicherlich die okuläre Rosazea, bei der es zu einer Augenbeteiligung der Rosazea kommt. Hiervon sind bis zu einem Viertel der Patienten betroffen.


Behandlungsmöglichkeiten


Rosazea ist eine chronische, nicht heilbare, Krankheit, deren Krankheitsbild sich ohne Behandlung immer weiter verschlechtert. Eine ursächliche Behandlung der Krankheit ist nur schwer möglich. Allerdings kann durch eine frühzeitige und regelmäßige medikamentöse Therapie der Verlauf der Rosazea abgemildert und eine deutliche Besserung erzielt werden.


Rosazea kann durch äußerliche (lokale) und innerliche (systemische) Medikamente behandelt werden. Die systemische Therapie erfolgt in erster Linie bei einer schweren Form der Rosazea, die durch die lokale Therapie nicht ausreichend erfolgreich behandelt werden kann.


Zur lokalen Therapie in allen drei Stadien der Erkrankung hat sich neben der Azelainsäure vor allem der Wirkstoff Metronidazol bewährt. Eine metronidazolhaltige Creme bzw. ein metronidazolhaltiges Gel wird dabei zweimal täglich auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Die Anzahl der entzündlichen Hautstellen lässt sich durch diese Behandlung innerhalb von wenigen Monaten um bis zu zwei Drittel reduzieren. Um maximale und sichtbare Therapieerfolge erzielen zu können, ist jedoch eine dauerhafte Therapie unerlässlich. Metronidazolhaltige Cremes werden vom Apotheker hergestellt, stehen aber auch als Fertigarzneimittel zur Verfügung. Letztere zeichnen sich insbesondere durch ihre gleich bleibende pharmazeutische Qualität und eine effektive Wirkungsweise aus.


Im dritten Stadium ist oftmals die orale Einnahme von Antibiotika notwendig. Hierbei wird vielfach auch der Wirkstoff Isotretinoin verschrieben. Dieser künstliche Abkömmling des Vitamin A ist vor allem aus der Aknetherapie bekannt. Er wirkt gegen Entzündungen, Talgproduktion und Verhornungen und wird in Kapselform eingenommen. Eine begleitende lokale Therapie, wie z.B. mit Metronidazol, ist im dritten Rosazea-Stadium ratsam.


Neben der medikamentösen Therapie werden auch operative Eingriffe genutzt, um die Auswirkungen der Rosazea zu bekämpfen. Mit einem Laser können so z.B. die Teleangiektasien behandelt und ein kosmetisch sehr gutes Ergebnis erzielt werden.


Leben mit Rosazea


Abgesehen von der medikamentösen Therapie darf eine adäquate Hautpflege nicht vernachlässigt werden. Das Thema Reinigung und Pflege sollte bei Rosazea-Patienten eine wichtige Rolle einnehmen. Bei der Auswahl von Reinigungs- und Pflegeprodukten sollte darauf geachtet werden, dass geeignete Produkte verwendet werden, die die sensible Haut nicht reizen oder den Ausbruch der Krankheit verstärken.


Auch eine angemessene Lebensweise beeinflusst den Verlauf der Krankheit positiv. Die anfangs genannten Triggerfaktoren sollten soweit wie möglich vermieden werden. Rosazea-Patienten sollten sich nicht übermäßiger Sonnenstrahlung aussetzen, wenig Alkohol konsumieren und scharf gewürzte Speisen ebenso meiden wie extreme Temperaturen.


Rosazea ist nicht heilbar, aber in den meisten Fällen sehr gut behandelbar. Durch eine dauerhafte Therapie (Erhaltungstherapie) z.B. mit Metronidazol, lässt sich diese chronische Erkrankung aber sehr gut in den Griff bekommen. Eine angemessene Lebensweise, die die spezifischen Reize vermeidet, unterstützt dabei einen positiven Verlauf der Therapie.





Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.