Uniklinik weist Vorwürfe zurück

Pressemitteilung vom 19.04.2006
Gefährdet Montgomery mit seinen Äußerungen den Hochschulmedizinstandort Leipzig?

Der Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig zeigte sich von den polarisierenden Äußerungen Frank Ulrichs Montgomerys, Vorsitzender des Marburger Bundes, zum angeblichen Lohndumping am Leipziger Universitätsklinikum befremdet und enttäuscht. „Wir wissen nicht, wie Herr Montgomery auf den von ihm genannten Betrag kommt“, so Prof. Dr. Wolfgang Fleig, Medizinischer Vorstand des Klinikums. „Dieser entspricht in keiner Hinsicht den Tatsachen. Der überwiegende Teil der bei uns tätigen Ärzte hat einen Arbeitsvertrag mit der Medizinischen Fakultät und erhält demnach eine Vergütung auf der Basis des BAT-O. Die übrigen etwa 250 Ärzte haben einen Arbeitsvertrag direkt mit dem Universitätsklinikum Leipzig, davon 180 auf der Basis unserer Allgemeinen Arbeitsvertragsbedingungen (AVB). Vergleicht man da zum Beispiel die ganz jungen Ärzte, so beträgt der Unterschied zum BAT-O maximal 185 Euro. Über die gesamte Bandbreite der Vergütungsskala betrachtet, unterscheiden sich BAT-O und AVB nur gering. Die Behauptungen Montgomerys sind daher völlig haltlos. Sie schädigen den Ruf unseres Klinikums und unterstreichen, dass der Marburger Bund offensichtlich mehr Interesse an lautstarker Polemik als an einer Einigung am Verhandlungstisch hat. Mit seinen Äußerungen gefährdet der Marburger Bund den Hochschulmedizinstandort Leipzig.“

Dafür spreche auch die Tatsache, dass der Marburger Bund auf ein schriftliches Angebot des Klinikums vom 28. Februar 2006 noch nicht reagiert habe, Sondierungsgespräche für Tarifverhandlungen aufzunehmen. Der Vorstand des Klinikums hatte dem Marburger Bund mit dem besagten Schreiben mitgeteilt, dass er gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Dresden bereit ist, Tarifgespräche aufzunehmen. Eine Antwort des Marburger Bundes steht bis heute aus.


Matthias Wokittel, Kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig weist darauf hin, dass man in Leipzig eine Reihe der zentralen Forderungen des Marburger Bundes längst umgesetzt habe. „Seit Anfang 2004 haben wir das Arbeitszeitgesetz umgesetzt. 24-Stunden-Dienste gibt es bei uns nicht mehr. Nach längstens 12 Stunden ist ein Dienst beendet, auch am Wochenende. Das ist genau das, was der Marburger Bund will. Wir haben im vergangenen Jahr 3,7 Mio. Euro für Überstunden gezahlt. Im Zuge der Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes und der Abschaffung der AiP haben wir 79 zusätzliche Arztstellen geschaffen und besetzt. Die Überstunden, die geleistet und bezahlt worden sind, entsprechen noch einmal zusätzlichen 55 Ärzten.“ Wokittel unterstrich, dass das Universitätsklinikum Leipzig mit 460 Ärzten bei 1.368 voll- und teilstationären Betten sehr komfortabel ausgestattet sei. Rechne man die Überstunden hinzu, stünde sogar die Arbeitsleistung von 515 Ärzten für die Krankenversorgung zur Verfügung. Das sei das Äußerste, was das Klinikum finanziell darstellen könne. Eine 30 %-ige Gehaltssteigerung für die Ärzte, wie vom Marburger Bund gefordert, würde das Universitätsklinikum Leipzig mit 7-8 Mio. Euro pro Jahr belasten. Das sei bei einem durch die DRG-Konvergenzphase verursachten jährlichen Budgetverlust von bis zu 1,7 Mio. Euro einfach nicht verkraftbar.


Trotz der Polemik des Marburger Bundes zeigt sich der Vorstand weiter gesprächsbereit. Voraussetzung für eine einvernehmliche Lösung sei aber, dass der Marburger Bund zu einer sachlichen Form der Auseinandersetzung zurückfindet.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.