Universitätsklinikum Leipzig schreibt zweites Jahr in Folge schwarze Zahlen

Pressemitteilung vom 14.07.2005
Hervorragendes Jahresergebnis 2004 trotz Verzichts auf Betriebskostenzuschuss – Investitionen sind gesichert – Wirtschaftliche Ausgangslage für die kommenden Jahre ist sehr gut

Das zweite Jahr in Folge schreibt das Universitätsklinikum Leipzig trotz des vollständigen Verzichts auf den Betriebskostenzuschuss des Freistaates Sachsen schwarze Zahlen. Der Jahresüberschuss 2004 beträgt 5,08 Mio. Euro (2003: -3,2 Mio. Euro). Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit liegt bei 3,18 Mio. Euro (2003: 52 TEUR). Das Leipziger Klinikum ist demnach das erste Universitätsklinikum Deutschlands, das seit zwei Jahren keinen Betriebskostenzuschuss des Landes mehr erhält und trotzdem schwarze Zahlen schreibt.


Dr. Elmar Keller, Kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig: „Dieses gute Ergebnis konnten wir nur erreichen, indem wir alle Möglichkeiten zur Kostensenkung nutzten. Dabei ging es nicht um einfaches Kaputtsparen, sondern um die Suche nach intelligenten Lösungen, wie dauerhaft bei gleicher oder besserer Qualität die Leistungen günstiger erbracht werden können.“ Demnach habe der Schwerpunkt der Tätigkeit des Vorstandes im Jahr 2004 auf der Einleitung von Maßnahmen zur Zukunftssicherung gelegen. Die Baustelle für den Neubau des Frauen- und Kinderzentrums sei dafür ein sichtbarer Beweis. Das positive Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahres sei auch deshalb ein besonderer Erfolg aller Mitarbeiter, weil es unter besonders schwierigen Rahmenbedingungen zustande gekommen sei. Noch zu Jahresbeginn sei der Vorstand davon ausgegangen, dass das Klinikum einen Verlust in Höhe von 8,5 Mio. Euro erwirtschaften würde. Gezielte Maßnahmen zur Leistungssteigerung bei gleichzeitiger Kostensenkung hätten aber in der zweiten Jahreshälfte den Turn Around herbeigeführt, so dass am Jahresende das Ergebnis rund 8 Mio. Euro über dem des Vorjahres lag. Dr. Keller: „Ich danke im Namen des Vorstands allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für diesen hervorragenden Leistungswillen.“


Ergebnisbelastend haben sich folgende Faktoren ausgewirkt:

  • Umsetzung des neue Arbeitszeitgesetz für Ärzte
  • das Auslaufen der AiP-Regelung
  • die Übernahme der kompletten Kosten für die Bereitschaftsdienste
  • die Auswirkungen des Vertrages „Ambulantes Operieren und stationsersetzende Eingriffe im Krankenhaus“
  • die Umstellung der Abrechnung auf DRG-Fallpauschalen.


Allein die ersten drei Punkte zogen Kostensteigerungen in Höhe von insgesamt 4,85 Mio. Euro nach sich.


Zufrieden verwies der Kaufmann auch darauf, dass wichtige Projekte des Klinikums im Jahr 2004 abgeschlossen oder angeschoben werden konnten. So wurde der seit dreieinhalb Jahren verhandelte „Vertrag über die Kooperation und Kostenerstattung“ zwischen der Universität Leipzig und dem Universitätsklinikum Leipzig abgeschlossen. Dieser Vertrag regelt die Leistungsbeziehungen zwischen den beiden Einrichtungen und setzte ein Schlusspunkt unter zahlreiche Unstimmigkeiten, die in den Vorjahren auf Grund der im Hochschulmedizingesetz definierten Trennung beider Einrichtungen voneinander aufgetaucht waren. Ein wichtiger Meilenstein war auch die Unterzeichnung des „Dreiseitigen Vertrages für die Leipziger Hochschulmedizin“. Dieser Vertrag zwischen Freistaate Sachsen, Universität Leipzig und Universitätsklinikum Leipzig sichert die die Investitionen am Klinikum in den kommenden Jahren. Er ist deutschlandweit ein Novum. Das Prinzip: Das Universitätsklinikum Leipzig verzichtet seit 2003 auf den Betriebskostenzuschuss des Freistaates Sachsen und erwirtschaftet trotz des Verzichts ein ausgeglichenes Betriebsergebnis. Im Gegenzug verpflichtet sich der Freistaat Sachsen, dem Klinikum bis 2014 jährlich einen Investitionszuschuss in Höhe von 17,9 Mio. Euro auszuzahlen. Das Klinikum nutzt diesen Zuschuss, um dringend notwendige Investitionsvorhaben kurzfristig zu realisieren. De facto bedeutet diese Verfahrensweise für den Freistaat Sachsen eine Bruttoentlastung, weil er über kurz oder lang die Investitionen hätte tätigen müssen. Auch die Medizinische Fakultät profitiert von dieser Vereinbarung, denn das Klinikum verzichtet zu Gunsten der Fakultät auf die ihm zustehenden 25 Mio. Euro, die der Bund als HBFG-Mittel zur Verfügung stellt. Das Geld wird in fünf Jahresbeträgen à 5 Mio. Euro auf der Basis einer Zielvereinbarung zwischen dem SMWK und der Medizinischen Fakultät ausgezahlt, damit die Fakultät wichtige Strukturmaßnahmen umsetzen kann.


Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Drei-Seiten-Vertrages begannen die Arbeiten für den 70 Mio. Euro teuren Neubau des Frauen- und Kinderzentrums an der Liebigstraße. Die Fertigstellung dieses Klinikkomplexes ist für Mitte 2007 geplant. Um ein Jahr zeitversetzt wird das neue Konservative Zentrum gebaut, das Ende 2008 in Betrieb gehen soll. Der Vorstand geht davon aus, dass die Bauarbeiten, die unter der Bauherrschaft des Klinikums stattfinden, termingerecht abgeschlossen werden können. Das Klinikum kann dann zum Ende der DRG-Konvergenzphase, wenn der wirtschaftliche Druck auf den Maximalversorger besonders groß wird, eine hoch moderne, effiziente, optimal vernetzte Infrastruktur zurückgreifen und damit umfangreiche medizinischen und wirtschaftliche Synergien erzielen.


Prof. Dr. Norbert Krüger, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig, wies darauf hin, dass erste Schritte zur Bildung von krankheitsbildorientierten, interdisziplinären Funktionseinheiten schon im Jahr 2004 eingeleitet wurden. „Wir haben im Operativen Zentrum eine multidisziplinäre Intensivtherapiestation eingerichtet, auf der alle intensivpflichtigen Patienten aus der Inneren Medizin und den operativ tätigen Fächern versorgt werden“, erklärte Krüger. Durch die intensive inhaltliche, aber auch durch die räumliche Zusammenarbeit der beteiligten Fächer habe sich die Versorgung dieser Patienten erheblich verbessert. Ein positiver Nebeneffekt: Da man die teure Technik nicht mehr an mehreren Standorten vorhalten müsse, könne man auch Kosten sparen.


Laut Krüger wurden im Jahr 2004 weitere Weichen für den Aufbau von fächerübergreifenden Zentren gestellt. Das Klinikum habe intensiv den Umzug der Orthopädischen Klinik in das Operative Zentrum, die Integration der Kinderorthopädie in das Kinderzentrum, den Umzug der HNO-Klinik in die Augenklinik und die Bildung eines Psychiatrischen, psychotherapeutischen und psychosomatischen Zentrums im bisherigen Gebäude der Orthopädie vorbereitet. Die meisten Umzüge finden ab September 2005 statt.


Intensiv hat das Universitätsklinikum Leipzig Konzepte zur Integrierten Versorgung erarbeitet und mit den Krankenkassen diskutiert. Das Klinikum hat Konzepte zur Integrierten Versorgen in den Bereichen der chronischen Wunden, der chronischen Sinusitiden und Otitiden, der Rheumatologie, der Endoprothetik und der Gynäkologie vorgelegt. Bereits abgeschlossen ist ein Vertrag zur Integrierten Versorgung im Bereich Endoprothetik mit der DAK.


Zufrieden ist der Vorstand mit der Entwicklung der Leistungen im Krankenhausbereich. Im Vergleich zum Vorjahr blieben die Fallzahlen im stationären Krankenhausbereich nahezu konstant. Im Bundespflegesatzbereich wurden die Leistungen im vollstationären Bereich um 2,45 % und im teilstationären Bereich um 5,54 % gegen den allgemeinen Trend gesteigert. Im DRG-Bereich wurden die mit den Krankenkassen vereinbarten Fallzahlen zu 99,8 % erreicht Rückgang zum Vorjahr: 0,5 %). Dieser geringfügige Rückgang wurde aber mehr als kompensiert, weil schwerere Fälle behandelt wurden. So stieg der Case-Mix Index (CMI), der den durchschnittlichen Schweregrad aller Fälle misst, von 1,092 im Jahr 2003 auf 1,277 im Jahr 2004. Somit kam es zu einer Überschreitung des mit den Krankenkassen vereinbarten Budgets. Gemäß der Budgetvereinbarung 2004 sind diese Mehrerlöse zu 100 % an die Krankenkassen zurück zu zahlen.


Im ambulanten Bereich ist ebenfalls gegen den allgemeinen Trend im niedergelassenen Bereich eine Leistungssteigerung zu verzeichnen. Die zum 1. Januar 2004 eingeführte Praxisgebühr führte im Vergleich zum Vorjahr zu einem geringfügigen Rückgang im Pauschalscheinbereich, der jedoch durch eine Fallzahlsteigerung im Bereich der Ermächtigungen überkompensiert wurde. Die Zahl der im Rahmen des Poliklinik­vertrages vereinbarten Fälle (143.000 Behandlungsfälle p. a.) wurde um ca. 6 % überschritten, was de facto einem Rabatt von 6 % entspricht, da die Höchstmenge budgetmäßig gedeckelt ist.


Die Verlagerung von Operationen aus dem stationären in den ambulanten Bereich verzögerte sich zunächst etwas, da die organisatorischen und logistischen Voraussetzungen zum Beginn des Jahres noch nicht überall geschaffen waren. Trotzdem wurden im Jahr 2004 schwerpunktmäßig in den Kliniken für Augenheilkunde, HNO und Dermatologie insgesamt 5.517 ambulante Operationen durchgeführt, was zu einer Erlössteigerung führte. Dieser Trend hält auch im laufenden Geschäftsjahr an. Im ersten Halbjahr 2005 wurden bereits 3.200 ambulante Operationen durchgeführt.


Die Einnahmen aus stationärer und ambulanter Krankenversorgung machen 88,5 % an den Gesamterträgen des Universitätsklinikums Leipzig aus.


Abschließend ging der Vorstand auf die Risiken ein, die speziell für Maximalversorger aus dem 2. Fallpauschalenänderungsgesetz resultieren. Er wies darauf hin, dass die Absenkung der hausindividuellen Basisfallwerte zu einem Budgetverlust in Höhe von 20 Mio. Euro im Jahr 2010 führt, wenn es nicht gelingt, schnellstmöglich Gegenmaßnahmen einzuleiten. Auch die Politik sei aufgefordert, diese existenzielle Bedrohung für Häuser der Maximalversorgung ernst zu nehmen und entsprechend zu reagieren.


Keller und Krüger zogen eine positive Bilanz ihrer Amtszeit als Vorstände des Universitätsklinikums. Es sei gelungen, wirtschaftliche Strukturen aufzubauen und eine qualitativ exzellente Hochleistungsmedizin anzubieten. Der Investitionsstau konnte abgebaut werden und das Klinikum sei wirtschaftlich saniert. Damit habe das Klinikum beste Voraussetzungen, die Herausforderungen der kommenden Jahre zu meistern.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.