221 Liter Spenderplasma für ein Menschenleben

Therapeutischer Plasmaaustausch gewinnt am UKL zunehmend an Bedeutung und kann bei schweren Krankheiten letzte Heilungschance sein

Pressemitteilung vom 09.03.2017
Leipzig. Viele Therapien und Behandlungen sind nur dank der regelmäßigen und freiwilligen Unterstützung von engagierten Blut- und Blutplasmaspendern überhaupt denkbar. Dabei haben sich insbesondere die Einsatz- und Verwendungsmöglichkeiten von Spenderplasma in den letzten Jahren stark erhöht, ob als Direkttransfusion nach hohen Blutverlusten, bei Plasmaaustauschtherapien oder für die Gewinnung von lebensnotwendigen Medikamenten. Auch am Universitätsklinikum Leipzig wird der therapeutische Plasmaaustausch immer häufiger eingesetzt.
Bild vergrößern Patientin Martina Altherr während eines Plasmaaustauschs mit Transfusionsmediziner Dr. Atheer Al-Nakkash.
Foto: privat
 

Martina Altherr aus Grimma hat eine solche Plasmaaustauschtherapie vermutlich das Leben gerettet: Der 62-jährigen ging es im Sommer letzten Jahres innerhalb kürzester Zeit immer schlechter, sie wurde schwach, kurzatmig, klagte über Schwindel und Sehstörungen. Im UKL erhielt sie die Diagnose Thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (TTP) - eine seltene, lebensbedrohliche Krankheit, bei der die Blutgerinnung gestört ist. Martina Altherrs Blutplasma musste innerhalb von drei Monaten aufgrund anhaltend schlechter Blutwerte 59-mal ausgetauscht werden. Insgesamt erhielt sie während ihrer Behandlung 1.103 Beutel Spenderplasma, das entspricht einer Gesamtmenge von fast 221 Litern. "Ich danke wie verrückt jedem, der Plasma spendet", sagt Martina Altherr bewegt. "Vor meiner Erkrankung war ich selbst über viele Jahre Plasmaspender, habe das immer gern getan, doch eher ohne darüber nachzudenken. Jetzt erst kann ich es einordnen, was es heißt, dass man mit seiner Spende Leben rettet."

Das Blutplasma, welches bei Patienten wie Martina Altherr zum Einsatz kommt, wird von freiwilligen Spendern im Rahmen einer Blutplasmaspende, einer  Plasmapherese, gewonnen. Dabei wird das Blut des Spenders über eine Armvene in ein Plasmapheresegerät geleitet und mittels Zentrifugation in seine Bestandteile aufgetrennt. Während das Blutplasma in Beuteln gesammelt wird - im Durchschnitt sind das etwa 650 Milliliter - erhält der Spender die zellulären Blutbestandteile wieder zurück. Das Verfahren ist gut verträglich, weshalb gesunde Spender bis zu 45 Mal innerhalb von 12 Monaten Plasma spenden dürfen.

In der Therapie wird die Plasmapherese in leicht veränderter Form dazu genutzt, das Blut von Patienten außerhalb des Körpers zu reinigen. Bei bestimmten Erkrankungen - darunter Stoffwechsel- oder neurologische Erkrankungen oder auch bei der Abstoßung von Transplantaten - schwimmen im Blutplasma krankheitsspezifische Substanzen mit, die schnellstmöglich entfernt werden müssen. Die therapeutische Apherese stellt für diese Patienten oft die letzte Chance auf Heilung dar.

Ein solcher therapeutischer Plasmaaustausch ähnelt der Plasmapherese bei einer Blutplasmaspende. "Der Unterschied ist, dass das Plasma des Patienten vollständig ersetzt wird. Hier kommen das vorher von zahlreichen Freiwilligen gespendete Plasma sowie aus Blutplasma hergestellte Eiweißlösungen wie beispielsweise Albumin in Frage", sagt Anna-Elisa Strehle, Assistenzärztin am Institut für Transfusionsmedizin des UKL. Diese Lösungen werden dem Patienten über einen zweiten Venenzugang zusammen mit seinen übrigen Blutbestandteilen wieder zugeführt.

Ein Plasmaaustausch dauert in der Regel zwei bis vier Stunden, muss aber oft mehrmals wiederholt werden, damit sich die Blutwerte stabilisieren. "Je schwerer die Erkrankung, umso häufiger führen wir bei den Patienten einen Austausch durch, in einigen Fällen sogar zweimal täglich", erläutert Oberärztin Elvira Edel, Transfusionsmedizinerin und derzeit kommissarische Direktorin am Institut für Transfusionsmedizin des UKL. Sie verweist dabei auf den enormen Bedarf an Blutplasma: "Vor zehn Jahren noch war diese hocheffiziente Plasmaaustausch-Therapie kaum zu realisieren, Patienten wie Martina Altherr konnte kaum geholfen werden. Insofern ist der heutige Wissensstand in Medizin und Technik sehr beeindruckend. Doch um diese Therapien jederzeit durchführen zu können, sind wird auf die Unterstützung zahlreicher Spender angewiesen, die regelmäßig Plasmaspenden bei uns leisten". In der letzten Zeit habe am UKL vor allem die Zunahme an therapeutischen Plasmapheresen den Bedarf an Blutplasma stark ansteigen lassen. Mehr denn je zähle nun jede geleistete Plasmaspende, so die Oberärztin.

 

Informationen zur Blut- und Plasmaspende

Fast jeder zwischen 18 und 68 Jahren, der sich gesundheitlich fit fühlt und über 50 Kilogramm wiegt, darf Blut und Plasma spenden. Zu jeder Spende ist der Personalausweis mitzubringen, Spender können eine Aufwandsentschädigung erhalten. Die UKL-Blutbank am Institut für Transfusionsmedizin hat montags und freitags von 7 bis 19 Uhr und dienstags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Für eine Plasmaspende ist vorab ein Termin zu vereinbaren. Informationen gibt es telefonisch unter 0341 97 25 393 oder im Internet unter www.blutbank-leipzig.de.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Anja Grießer.