Chirurgen warnen vor falschem Umgang mit Silvesterknallern

In der Neujahrsnacht sechs Menschen mit schwersten Verletzungen der Finger am UKL versorgt

Ärzten bleibt oft nur Amputation

Pressemitteilung vom 11.01.2017
Leipzig. Der Jahreswechsel ist bereits einige Tage her, der Qualm von Böllern und Raketen hat sich verzogen. Doch mindestens sechs Menschen werden die Neujahrsnacht in dauerhafter Erinnerung behalten – in keiner guten. Sie alle eint, dass sie mit schwersten Handverletzungen in das Universitätsklinikum Leipzig eingeliefert worden waren, hervorgerufen durch falschen Umgang mit Silvesterknallern. UKL-Chirurgen berichten von einer steigenden Zahl von Verletzten.

Eine Frau und fünf Männer zwischen 17 und 60 Jahren wurden in den ersten Neujahrsstunden am UKL eingeliefert, alle stark alkoholisiert.
Sie mussten innerhalb kürzester Zeit von den in der Nacht diensthabenden Ärzten der Plastischen Chirurgie, Dr. Emrah Aydogan, und der Unfallchirurgie, OA Dr. Matthias Gresens, notoperiert werden. "Es waren deutlich mehr Fälle als in den Vorjahren. Sie kamen fast zur selben Zeit und mit immer dem gleichen Verletzungsmuster", berichtet Dr. Aydogan.
Bei allen waren mindestens drei Finger betroffen, bei einer Person sogar alle fünf. "Nicht jeder Finger konnte gerettet oder rekonstruiert werden, da blieb nur die teilweise oder komplette Amputation", schildert der Facharzt für Plastische Chirurgie. Realisiert hätten es die Betroffenen meist erst im Lauf des nächsten Tages, wenn der Schock nachgelassen hatte, so Aydogan.

Auch wenn es bis zum kommenden Jahreswechsel gerade noch lang hin ist, warnen möchte der Mediziner bereits jetzt wieder vor den Folgen des unbedachten und leichtsinnigen Umgangs mit - vielleicht sogar illegal erworbenen - Sprengkörpern: "Abgesehen von den psychischen und ästhetischen Folgen derartiger Verletzungen, gefährden die Betroffenen möglicherweise ihre Existenz, wenn Berufe nicht mehr ausgeübt werden können. Auch der ganz normale Alltag funktioniert nicht mehr wie gewohnt", betont Dr. Aydogan.

Kinder zünden gefundene Knaller ein zweites Mal an

Gerade auch Kinder sind fasziniert von den handlichen Krachmachern. Und sie brauchen noch nicht einmal Alkohol, um viel zu sorglos mit Feuerwerkskörpern umzugehen. Prof. Martin Lacher, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie, sieht nicht nur die Silvesternacht kritisch: "Auch der Neujahrstag ist schlimm. Da stöbern viele Kinder nach nicht explodierten Knallern und zünden dann manchmal ihre Funde erneut an." Im vergangenen Jahr, erinnert sich Prof. Lacher, hätte seine Klinik am Neujahrstag zwei schwere Fälle operiert, in diesem Jahr zum Glück "nur" Brandverletzungen und keine abgetrennten Finger.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Markus Bien.