Gemeinsame Stellungnahme des Herzzentrums Leipzig und des Universitätsklinikums Leipzig zur Prüfung des Lungentransplantationsprogramms

Pressemitteilung vom 06.12.2016
Leipzig. Die Prüfungskommission von Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und dem GKV-Spitzenverband hat innerhalb der bundesweiten Überprüfung der Transplantationszentren auch das Lungentransplantationsprogramm des Herzzentrums Leipzig in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Leipzig geprüft und dabei Regelverstöße festgestellt. Untersucht wurde der Zeitraum 2010 bis 2012.

In diesem Zeitraum wurden am Standort Leipzig 69 Lungen transplantiert. Geprüft wurden 53 Fälle; die Prüfkommission hat bei 29 davon Regelverstöße beanstandet.

Das Herzzentrum Leipzig (HZL) führt als transplantierende und an Eurotransplant meldende Einrichtung die Lungentransplantationen in enger Kooperation mit der Abteilung für Pneumologie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) durch, wo sowohl die Vor- als auch die lebenslange Nachbehandlung der Patienten erfolgt
Die festgestellten Verstöße beziehen sich auf die Nachvollziehbarkeit der für eine Listung relevanten Daten, die an Eurotransplant übermittelt werden: es wurden Diskrepanzen zwischen den Daten in den Originalakten des UKL und den durch das HZL übermittelten Angaben festgestellt. Diese bezogen sich z.B. auf die Eintragung unzutreffender Diagnosen, auf handschriftliche Ergänzungen auf Originaldokumenten sowie die Eingabe von aus Venenblut gewonnenen Werten in nur für arterielle Blutgaswerte vorgesehenen Feldern der Antragsformulare.
Berechtigte Kritikpunkte aus dem Prüfungsbericht erkennen wir an. Allerdings gehen HZL und UKL angesichts der Art der Verstöße von einer Schnittstellenproblematik aus. In den betreffenden Jahren sind Daten per Telefax zwischen den beiden Krankenhäusern übermittelt worden. Die Kommission vermutet dagegen systematisches Fehlverhalten und zielgerichtetes Vorgehen, das die Patienten schwerer krank erscheinen lassen sollte. Es wird jedoch gleichzeitig bestätigt, dass tatsächlich alle Patienten schwer krank waren und zu Recht transplantiert wurden. In den Jahren 2010 - 2012 lagen den bei Eurotransplant für die Zulassung zur höchsten Dringlichkeitsstufe zuständigen Lungenspezialisten und Transplantationschirurgen (Auditverfahren durch jeweils 3 Ärzte) wesentlich umfangreichere Patienteninformationen vor, als die in das Antragsformular eingetragenen.

Nach dem ersten Besuch der Kommission im Juni 2015 haben beide Standorte alle von 2010 bis 2015 durchgeführten Transplantationen in einer eigenen internen Prüfung untersucht und das Ergebnis der Bundesärztekammer zur Verfügung gestellt. HZL und UKL haben zu jeder Zeit umfassend und konstruktiv mit der Kommission zusammengearbeitet. Die Kommission erklärt dazu in ihrem Bericht, dass der transparente und selbstkritische Umgang mit den festgestellten Mängeln wesentlich dazu beigetragen habe, diese aufzuklären und für die Zukunft zu vermeiden. Diese interne Prüfung wurde von der Kommission als "sehr sorgfältig und gründlich" bewertet, sodass die Prüfungskommission deren Ergebnisse bei den Folgebesuchen bestätigt hat.

Die innerhalb der internen Prüfung festgestellten Schnittstellenprobleme bei der Datenübermittlung zwischen den behandelnden Ärzten aufgrund unterschiedlicher EDV-Systeme wurden sofort durch eine Reihe von Maßnahmen beseitigt, so dass eine Wiederholung ausgeschlossen werden kann.
Es wurde eine gemeinsame elektronische Plattform für den Austausch behandlungsrelevanter Dokumente etabliert sowie ein über das "Vier-Augen-Prinzip" hinausgehendes Kontrollsystem bei der Eingabe der Daten bei Eurotransplant eingeführt.
Die Koordination des Lungentransplantationsprogramms und die Kommunikation mit Eurotransplant wurden in das zentrale Transplantationsbüro am Universitätsklinikum Leipzig verlegt.

Sollte es zusätzlichen Aufklärungsbedarf geben, werden HZL und UKL diesen umfassend unterstützen.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Helena Reinhardt.