Pharmazie: Universität Leipzig entwickelt Modellstudiengang

Ausbildung für Apotheker künftig in Medizinischer Fakultät

Pressemitteilung vom 03.11.2016
Die Zukunft der Pharmazie-Ausbildung an der Universität Leipzig ist gesichert: Es soll einen Modellstudiengang für Pharmazie innerhalb der Medizinischen Fakultät geben. Darin werden die Studierenden die verstärkte Kooperation zwischen Arzt und Apotheker für das Management von Arzneimitteltherapien bereits im Studium einüben können. Vorbehaltlich der Zustimmung des Landtags wird der Freistaat Sachsen einen wichtigen finanziellen Beitrag leisten. Darauf haben sich die Koalitionsfraktionen von CDU und SPD in dieser Woche verständigt.

"Wir planen ein innovatives Studienmodell, das absoluten Modellcharakter haben kann und eine noch engere Verschränkung zwischen unseren lebenswissenschaftlichen Bereichen und der Medizinischen Fakultät ermöglicht", sagt Prof. Dr. Beate Schücking, Rektorin der Universität Leipzig. "Dass wir in langen, konstruktiven Verhandlungen mit der Staatsregierung zu dieser Lösung gekommen sind und der Freistaat einen beachtlichen finanziellen Beitrag leistet, freut uns natürlich sehr. Hierfür möchte ich den beteiligten Ministerien und Abgeordneten herzlich danken. Wir werden durch interne Umbauten unseren eigenen Beitrag leisten. Aufgrund des einzigartigen, neuen Aufbaus des Studiengangs hoffen wir zudem auch auf Fördermöglichkeiten von Bundesseite. Fest steht, dass wir künftig wieder mehr als die derzeit 36 Studierenden pro Jahr aufnehmen können. Allerdings ist noch etwas Aufbauarbeit zu leisten."

Für die Neuaufstellung der Pharmazie sind insgesamt bis zu 3 Millionen Euro pro Jahr nötig. Zunächst steuert der Freistaat im kommenden Jahr - vorbehaltlich der Zustimmung des Landtags - 1,5 Millionen Euro  aus dem Haushalt bei. Diese Summe soll ab 2018 auf jährlich zwei Millionen Euro erhöht werden. Die Universität Leipzig bringt jährlich eine Million Euro aus Eigenmitteln auf.

"Das entgegengebrachte Vertrauen der Sächsischen Staatsregierung in die Kompetenz und wissenschaftliche Expertise der Leipziger Universitätsmedizin freut mich sehr. Einen Modellstudiengang Pharmazie an der Medizinischen Fakultät Leipzig zu gründen, wäre bundesweit einmalig. Mit dem Bekenntnis zur Finanzierung sind die ersten Weichen dafür gestellt. Nun gilt es, alle Partner und universitären Gremien an einen Tisch zu holen und die weiteren Schritte zu besprechen, damit ein in jeder Hinsicht tragfähiges Konzept erarbeitet werden kann", betont Professor Michael Stumvoll, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig.

Das Pharmaziestudium ist im Wesentlichen durch die Approbationsordnung vorgegeben. Das neue Ausbildungskonzept wird beispielsweise die klinische Pharmazie, insbesondere die Arzneimittelsicherheit beinhalten. Der Studiengang könnte dann auch das 2015 von Universität und Universitätsklinikum etablierte Zentrum für Arzneimittelsicherheit (ZAMS) nutzen. Wichtige inhaltliche Bereiche werden die Steigerung der Therapiesicherheit und die Hinwendung zu personalisierter Medizin sein. Die Studierenden werden die verstärkte Kooperation zwischen Arzt und Apotheker für das Management von Arzneimitteltherapien bereits im Studium einüben können. Ein frühes Kennenlernen der Fähigkeiten, Kenntnisse und Perspektiven der jeweils anderen Profession während des Studiums in gemeinsamen Lehrveranstaltungen begünstigt die spätere Zusammenarbeit und soll im Modellstudiengang gezielt gefördert werden.

"Damit dieses neue Konzept realisiert werden kann, haben viele Menschen innerhalb wie außerhalb der Universität großes Engagement gezeigt", betont Rektorin Schücking. "Parallel dazu liefen auch die Gespräche für die ursprünglich angestrebte Kooperation mit unserer Partneruniversität in Halle weiter. Eine Kooperation im Sinne eines gemeinsamen Studiengangs war aber aufgrund des großen Aufwands für beide Seiten am Ende nicht machbar. Das ändert natürlich nichts daran, dass wir weiterhin grundsätzliche Kooperationsmöglichkeiten sehen und sie nutzen wollen."

Die Zukunft der Ausbildung von Pharmazeuten in Sachsen war mehrere Jahre lang ungewiss. 2011 hatte der Freistaat seinen Hochschulen einen umfangreichen Stellenabbau auferlegt. Das Rektorat hatte daraufhin unter anderem 21 Stellen aus dem bisherigen Institut für Pharmazie für den Abbau gemeldet. Ein weiterer Abbau ab 2017 ist inzwischen vom Tisch. Die Universität Leipzig hat dennoch einen Gesamtverlust von 101 Stellen zu verkraften.

Carsten Heckmann