Zum Wohl der Kinder - Childhood präsentiert "Barnahus-Modell" für Deutschland

Pressemitteilung vom 08.10.2016
Im Rahmen der diesjährigen Childhood-Fachtagung "Missbrauch entdeckt - was dann?" gab die World Childhood Foundation heute (8. Oktober 2016) bekannt, gemeinsam mit der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig für das Jahr 2017 das erste Childhood-Haus in Leipzig zu planen. Das Childhood-Haus, angelehnt an die skandinavischen "Barnahus-Modelle", soll von Missbrauch betroffene Kinder im Zuge der juristischen Aufarbeitung vor einem Befragungsmarathon schützen und einen kinderfreundlichen Umgang mit minderjährigen Missbrauchsopfern in Deutschland stärken.
Bild vergrößern Königin Silvia von Schweden bei der Childhood-Fachtagung im Audimax der Universität Leipzig.
Foto: Universität Leipzig/Swen Reichhold
 

Jugendamt, Polizei, Gerichtsverhandlungen. Hinzukommen zahlreiche medizinische Befragungen und Untersuchungen. Unzählige Stationen sind es, die ein Kind, das von sexuellem Missbrauch betroffen ist, in Deutschland bei einer juristischen Aufarbeitung durchlaufen muss. In diesen langwierigen Prozessen werden die Kinder von Verantwortlichen unterschiedlicher Instanzen und Behörden befragt, die zum Teil über keine fachspezifischen Kenntnisse im Umgang mit minderjährigen Missbrauchsopfern verfügen. Dabei kann jede Frage zu einer Re-Traumatisierung beim Kind führen - einem Flashback zum Erlebnis des Missbrauchs. Eine begleitende Therapie, die dies auffangen könnte, wird in Deutschland häufig aber erst nach Abschluss des Prozesses empfohlen. Eine Handhabung, die aus Sicht der Childhood Foundation die Fallabklärung über das Wohl des Kindes stellt.

Die World Childhood Foundation möchte dort intervenieren - und die betroffenen Kinder an die Hand nehmen. Daher begleitete sie die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig bei der Konzepterstellung zur Realisierung eines Childhood-Hauses in Leipzig. Die für das Jahr 2017 geplante Einrichtung soll für betroffene Kinder ein Schutzraum während der juristischen Aufarbeitung und Klärung des Missbrauchsfalles sein, an dem sie angemessen betreut werden. Ein fester Ansprechpartner und neueste Technologie ermöglichen es, alle Akteure an einem Ort zusammenzubringen und das betroffene Kind so vor unnötigen zusätzlichen Befragungen zu schützen. Der Schutz des Kindeswohles in einer so sensiblen Situation, wie die der Befragung, ist das zentrale Ziel des geplanten Pilotprojektes der World Childhood Foundation.

Carsten Heckmann