Unangenehm, laut und schmerzhaft:

Kieferknacken: Wenn die Knorpelscheibe aufs Gelenkköpfchen springt

Früh erkannt, kann der Zahnarzt behandeln

Pressemitteilung vom 15.08.2016
Leipzig. Es ist kein seltenes Phänomen, doch nur 15 Prozent der Betroffenen sind sich dessen bewusst. Viele Menschen registrieren es nicht, bei Untersuchungen ergab sich allerdings, dass es fast jeder Dritte tut: mit dem Kiefer knacken.
Bild vergrößern Dr. Oliver Schierz, Leiter des Bereichs Klinische Prothetik an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde des Universitätsklinikums Leipzig, zeigt am Bildschirm eine grafische Darstellung einer verschobenen Knorpelscheibe zwischen Gelenkköpfchen und Gelenkgrube.
Foto: Stefan Straube / UKL
 

Was passiert dabei eigentlich? Dr. Oliver Schierz, Leiter des Bereichs Klinische Prothetik an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde des Universitätsklinikums Leipzig, kann es genau erläutern: "Zwischen der so genannten Gelenkgrube vor dem Ohr und dem Gelenkköpfchen des Unterkiefers befindet sich eine Knorpelscheibe, ähnlich der des Meniskus im Kniegelenk. Knackt es beim Öffnen des Mundes, ist oftmals die Ursache, dass die Knorpelscheibe nach vorn verschoben ist." Wird der Mund geöffnet, drückt das Gelenkköpfchen gegen die Knorpelscheibe. Diese springt auf das Gelenkköpfchen auf - es entsteht das bekannte Knackgeräusch.

Dafür verantwortlich können die Bänder sein, die die Knorpelscheibe halten, wenn sie überdehnt sind. Oft passiert das bei Menschen, die allgemein zu Gelenküberbeweglichkeit neigen. "Vielmaliges extremes Gähnen, aber auch Traumata oder Schläge ins Gesicht", zählt Dr. Schierz weitere Ursachen auf. Manche Menschen bekämen die Veranlagung zum Knacken aber auch schlicht genetisch vererbt.

Wer das Knacken bei sich bemerkt, dem stellt sich oft die Frage, ob der Mund sich vielleicht irgendwann gar nicht mehr öffnen ließe oder nur noch unter Schmerzen. Doch Schierz kann beruhigen: "Da reibt nicht sofort Knochen auf Knochen. Auch die Gelenkgrube und das Gelenkköpfchen besitzen einen eigenen Knorpelüberzug. Dieser und die Bänder, an denen die Knorpelscheibe hängt, übernehmen dann erst einmal deren Funktion."

In den ersten Wochen kann mit Physiotherapie und Schienen versucht werden, die Knorpelscheibe an ihre alte Position zu bringen. "Therapiebedürftig wird es vor allem dann, wenn es weh tut", hebt der UKL-Experte hervor, "oder wenn das Knacken wegen seiner Lautstärke das soziale Leben beeinträchtigt. Denn es kann richtig laut werden."

Liegt das erste Knacken bereits länger zurück, ist es in der Regel nicht mehr behandlungsbedürftig - so lang es schmerzfrei ist. Denn: "Der Körper passt sich an. Die Schutzfunktion der Knorpelscheibe als Dämpfer ist zwar nicht mehr vorhanden, also knackt es weiter. Aber schmerzfreies Knacken ist nicht therapiebedürftig", so Dr. Oliver Schierz.

Im schlimmsten Fall allerdings kann die Scheibe gar nicht mehr auf das Gelenk aufspringen. "Das muss man sich vorstellen wie bei einem Türstopper, der verhindert, dass eine Tür komplett geöffnet werden kann - nur, dass wir hier vom Mund sprechen", beschreibt es der Mediziner, "spätestens dann ist es Zeit für einen Besuch beim Zahnarzt."

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Markus Bien.