UKL-Infektiologe erhält Präventionspreis für Studie zu multiresistenten Erregern

Auszeichnung würdigt Forschungsarbeit von Privatdozent Dr. Christoph Lübbert

Pressemitteilung vom 15.04.2016
Leipzig. Der UKL-Infektiologe und Gastroenterologe Privatdozent Dr. Christoph Lübbert ist mit dem diesjährigen Präventionspreis der Deutschen Stiftung Innere Medizin und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) ausgezeichnet worden. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis würdigt seine Studie zum Import multiresistenter Erreger durch Fernreisende.
Bild vergrößern Privatdozent Dr. Christoph Lübbert wurde mit dem Präventionspreis der Deutschen Stiftung Innere Medizin und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) ausgezeichnet.
Foto: Stefan Straube / UKL
 

Mit dieser Studie konnte Dr. Lübbert im vergangenen Jahr erstmals für Deutschland zeigen, dass Reisende aus bestimmten Regionen unbemerkt zu Trägern multiresistenter Erreger werden und diese über Länder- und Kontinentgrenzen hinweg in Kliniken tragen können. Etwa 30 Prozent der am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) untersuchten 225 gesunden Probanden waren nach einer Fernreise Träger von Darmbakterien, die besonders resistent gegen Antibiotika sind. Mit mehr als 70 Prozent besonders häufig betroffen waren Reisende, die aus Indien zurückkehrten, aber auch fast jeder zweite Südostasien-Reisende erwarb sogenannte ESBL-bildende Bakterien. Diese schaden gesunden Menschen nicht, erschweren aber im Falle schwerer Infektionen die lebensnotwendige Behandlung mit Antibiotika. "Wir haben mit dieser Studie in Echtzeit belegen können, was Globalisierung im Bereich der multiresistenten Erreger heute bedeutet", so Lübbert. Für Krankenhäuser in Deutschland heißt dies, dass auch bisher in Europa nicht verbreitete Erreger jederzeit auftreten können. "Auf dieser Grundlage haben Kliniken wie das Universitätsklinikum Leipzig umfangreiche Konzepte zum Umgang mit dieser neuen Gefahr entwickelt, die einen weitreichenden Schutz bieten können", so Lübbert. Eine ungelöste Herausforderungen sind die Erreger dagegen für den ambulanten Bereich. "Hier fehlen uns noch gute Ansätze, um der aktuellen Situation wirksam zu begegnen", sagt Dr. Lübbert.

Der Leiter des Fachbereichs Infektions- und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Leipzig teilt sich den Preis mit dem Tübinger Diabetologen Prof. Dr. Norbert Stefan, der für eine Studie zur Diabetesprävention geehrt wurde. Der  Präventionspreis 2016 wurde am 10. April auf dem 122. Internistenkongress in Mannheim übergeben. Die jährliche Auszeichnung wird von der Deutschen Stiftung Innere Medizin und der Deutschen Gesellschaft für  Innere Medizin jeweils für die besten deutschsprachigen Arbeiten auf dem Gebiet der Primär- und Sekundärprävention innerer Erkrankungen vergeben.

 

Originalpublikation:             

Lübbert C, Straube L, Stein C, Makarewicz O, Schubert S, Mössner J, Pletz MW, Rodloff AC. Colonization with extended-spectrum beta-lactamase-producing and carbapenemase-producing Enterobacteriaceae in international travelers returning to Germany. Int J Med Microbiol 2015; 305: 148-56

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25547265

 

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Helena Reinhardt.