Bei Störungen von Hirnfunktionen erfolgen Behandlung und Forschung Hand in Hand

20 Jahre Tagesklinik für kognitive Neurologie in Leipzig

Pressemitteilung vom 30.03.2016

Seit 20 Jahren behandelt am Universitätsklinikum Leipzig eine Spezialklinik Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen. "Wir versuchen Menschen, deren Gehirn durch Schlaganfall, Unfall oder Tumor in Mitleidenschaft gezogen wurde, beim Wieder-Zurechtfinden im Alltag und auch im Beruf zu helfen", so Prof. Dr. Hellmuth Obrig, Leiter der Tagesklinik. In enger Zusammenarbeit mit dem nur ein paar hundert Meter entfernten Max-Planck-Institut Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften wird dabei zugleich geforscht: Wie ist das menschliche Gehirn konstruiert? Und vor allem: Wie gut kann es Schädigungen wegstecken oder sogar wettmachen?
"Lange ging die Wissenschaft davon aus, dass sich das Gehirn in Kindheit und Jugend organisiert und dann relativ unverändert funktioniert", erklärt Prof. Obrig. "Heute jedoch wissen wir, dass das Gehirn auch im Erwachsenenalter die Fähigkeit zur Selbst-Rekonstruktion hat. Diese Plastizität, wie wir das nennen, bietet Patienten, die eine Hirnschädigung davon tragen, die Chance, zumindest einen Teil dessen, was das Gehirn zuvor für Sprache, Gedächtnis und Motorik geleistet hat, zu reaktivieren."
Auch vor 20 Jahren gab es schon Rehabilitationseinrichtungen, die Patienten mit erlittenen Hirnschädigungen halfen. "Mit unserer Einrichtung entstand etwas ganz Neues", erinnert sich Dr. Angelika Thöne-Otto, leitende Neuropsychologin an der Tagesklinik. Sie hat damals an der Ausarbeitung des Konzepts der Tagesklinik mitgewirkt. "Unsere Einrichtung ist eng mit dem Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften verwoben. Das bietet die Möglichkeit, dass Behandlung und Forschung Hand in Hand erfolgen - zum Vorteil der Patienten. So haben wir praktische Instrumente für Diagnostik und Therapie entwickelt, die besonders jungen Patienten mit Schlaganfällen und Patienten mit Störungen von Sprache und Gedächtnis helfen können."
Wie Prof. Dr. Arno Villringer, Direktor der Klinik für kognitive Neurologie und Direktor am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, betont, erlaubt die enge Zusammenarbeit beider Einrichtungen, dass den Patienten die neuesten und individuell optimalen Methoden zur Diagnostik von Erkrankungen des Gehirns, zur Untersuchung der geistigen Leistungsfähigkeit und zur Darstellung der Hirnfunktion zugutekommen.  Neue Behandlungsansätze wurden entwickelt, wie die musikalische Unterstützung von Therapien. Zur Diagnostik werden EEG und MRT und sogar Medizinroboter eingesetzt.
Mit Untersuchungen zur frontotemporalen Lobär-Degeneration (FTLD) erforscht Prof. Dr. Dr. Matthias Schroeter Sonderformen von Demenz mit den Hauptsymptomen Verhaltensauffälligkeiten und Sprachstörungen. Dabei gehört die Leipziger Tagesklinik für kognitive Neurologie zu einem bundesweiten Netzwerk, das sich das Ziel gestellt hat, über eine deutschlandweite Datenbank zur Dokumentation dieser seltenen Demenzen das Krankheitsbild besser zu verstehen, um so auch Behandlungsmöglichkeiten entwickeln zu können.
Im Team der Tagesklinik ist jeder der etwa 30 Mitarbeiter ein Experte. Den Patienten zur Seite stehen Neurologen, Psychiater, Neuropsychologen, Sprachtherapeuten, Ergo- und Physiotherapeuten, Orthoptisten - sie diagnostizieren und behandeln Störungen der Augenbeweglichkeit und Sehstörungen - sowie Sozialtherapeuten. 25 Behandlungsplätze stehen Patienten für Diagnostik und Behandlungen von vier bis sechs Wochen zur Verfügung. So können jährlich rund 350 Patienten betreut werden.


Info:
Tagesklinik für kognitive Neurologie
Liebigstr. 16
04103 Leipzig
Telefon +49 341 9724980
Telefax   +49 341 9724989

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Kathrin Winkler.