Psychosoziales Coaching bringt Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit

Pressemitteilung vom 02.03.2016
Die Mehrheit der älteren Langzeitarbeitslosen leidet an bisher unzureichend behandelten psychischen Erkrankungen. Dies zeigt ein Gemeinschaftsprojekt des Jobcenters Leipzig und der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig. Das Psychosoziale Coaching bildet seit 2011 einen wirkungsvollen Baustein, diese Barrieren beim Wiedereinstieg in das Arbeitsleben abzubauen. Eine aktuelle Wirkungsanalyse ergab, dass etwa ein Drittel der 1.000 Teilnehmer inzwischen wieder einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen.

Das Psychosoziale Coaching richtet sich an langzeitarbeitslose Menschen über 50 Jahren und wird von Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, geleitet. Ziel ist es, psychische Erkrankungen bei älteren Langzeitarbeitslosen zu erkennen und den Betroffenen die richtigen Hilfen zu vermitteln. "Viele glauben, dass die lange Arbeitslosigkeit psychisch krank macht. Häufig besteht eher ein umgekehrter Zusammenhang: Depression und andere psychische Erkrankungen führen zu Arbeitslosigkeit und erschweren den Weg zurück ins Berufsleben. Mit dem Psychosozialen Coaching sorgen wir dafür, dass die psychisch Erkrankten konsequent behandelt werden und beseitigen so dieses Vermittlungshemmnis", sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl.

Bereits 1.000 Teilnehmer in Leipzig

Seit Beginn des Modellprojekts im Mai 2011 wurden über 1.000 Klienten in Leipzig beraten. Davon wiesen 66 Prozent mindestens eine psychische Erkrankung auf. Von den erkrankten Klienten wurden lediglich 6 Prozent bereits optimal, das heißt leitlinienkonform, behandelt. Dagegen erhielten 94 Prozent keine bzw. lediglich eine unzureichende Behandlung.

Dr. Simone Simon, Geschäftsführerin des Leipziger Jobcenters, unterstreicht: "Das Psychosoziale Coaching hilft den Menschen, ihre Krankheit zu erkennen und in eine adäquate Behandlung zu kommen. Etwa 1.000 arbeitslose Männer und Frauen aus Leipzig haben am Psychosozialen Coaching teilgenommen und 30,8 Prozent davon im Anschluss wieder eine Arbeit aufgenommen, eine ausgezeichnete Vermittlungsrate. Das Psychosoziale Coaching ist deshalb ein ganz wichtiger Erfolgsbaustein in unserem Engagement für die über 50-jährigen arbeitslosen Personen in der Stadt Leipzig."

Im Jobcenter Leipzig werden die Vermittlungsfachkräfte von Mitarbeitern der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie darauf geschult, Hinweise auf psychische Erkrankungen zu erkennen. Betroffenen Kunden wird dann eine freiwillige Teilnahme am Psychosozialen Coaching, das unmittelbar in den Räumlichkeiten des Jobcenters stattfindet, angeboten. In einem Erstgespräch mit einem Psychologen wird ein klinisches Diagnostikgespräch geführt. Falls eine psychiatrische Erkrankung vorliegt, wird geprüft, ob diese adäquat behandelt wird. Der Kunde erhält dann Informationen zu seiner Erkrankung und wird im Sinne einer Lotsenfunktion dabei unterstützt, in die richtige Behandlung zu kommen. Ergänzend werden Kurzinterventionen und die Möglichkeit zur Teilnahme an Gruppenprogrammen (Entspannung, Stressbewältigung, Aktiver Alltag, Kontakt und Kommunikation) angeboten.

Leipziger Modell auf andere Städte ausgeweitet

Das Leipziger Pilotprojekt weckt bundesweit Interesse. Über die Stiftung Deutsche Depressionshilfe wird das erfolgreich erprobte Konzept nun auf andere Regionen Deutschlands übertragen. Nach dem Erfolg in Leipzig startete das Programm 2015 bereits in mehreren anderen Städten, wie zum Beispiel in Hildesheim, Marburg und Dortmund. "Wir haben mit dem Modellprojekt in Leipzig gesehen, dass viele psychische Erkrankungen ein gut zu beseitigendes Vermittlungshemmnis sind. Dieses Erfolgsprojekt wollen wir nun auch auf andere Städte übertragen und somit ein Netzwerk Psychosoziales Coaching aufbauen", sagt Hegerl. Unterstützt wird die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hierbei durch die Deutsche Bahn Stiftung, mit der seit 2014 eine Kooperation besteht.

Susann Huster