Tagung befasst sich mit früher Kindheit und Kinderpsychotherapie

Pressemitteilung vom 01.03.2016
Viele seelische und auch körperliche Störungen beginnen nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen im Säuglings- und Kleinkindalter. Deshalb entwickeln Therapeuten bereits sehr früh wirksame Hilfsangebote für problematisch verlaufende Eltern-Kind-Beziehungsentwicklungen, wenn beispielsweise der Säugling scheinbar unstillbar schreit oder sich die Mutter depressiv fühlt. Diese Therapien werden mit der Mutter und dem Säugling, oft auch mit dem Vater zusammen durchgeführt und haben sich in wissenschaftlichen Studien als sehr erfolgreich erwiesen. Mit dieser Problematik befassen sich vom 3. bis 5. März 2016 zwei Tagungen auf dem Campus Augustusplatz der Universität Leipzig mit den Titeln "Baby werden - Baby sein. Wege ins Leben, Lebenswege" und "Sprache in der psychoanalytischen Arbeit mit Kindern und Adoleszenten".

Veranstaltet werden die Tagungen, zu denen insgesamt rund 600 Teilnehmer aus den verschiedensten Berufssparten wie Medizin, Psychologie, Geburtshilfe, Sozialarbeit und Pädagogik erwartet werden, von der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig zusammen mit der deutschsprachigen Gesellschaft für seelische Gesundheit in der frühen Kindheit und dem Sächsischen Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie. Den Vorsitz der beiden Tagungen haben Prof. Dr. Kai von Klitzing, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universitätsklinik Leipzig sowie Dr. Edelhard Thoms, ehemaliger Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Parkkrankenhaus. Den öffentlichen Eröffnungsvortrag "Psychoanalytisches Sprechen mit Säuglingen und Eltern: was, warum und wann?" im Audimax der Universität Leipzig am 3. März 2016, 18:00 Uhr, wird Dr. phil. Björn Salomonsson aus Stockholm über seine psychotherapeutische Arbeit mit Säuglingen und ihren Eltern halten. Er ist einer der Pioniere dieses relativ neuen psychotherapeutischen Feldes.

Die Gesellschaft für seelische Gesundheit in der frühen Kindheit ist die deutschsprachige Tochtergesellschaft der World Association for Infant Mentel Health, deren Präsidentschaft Kai von Klitzing in diesem Jahr übernimmt. Sie beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen biologischen, psychischen und sozialen Bedingungen von Schwangerschaft, Geburt und den ersten Lebensmonaten des Kindes - einer Lebensphase also, in der die Basis für den Weg in das Leben gelegt wird. Fachleute aus den verschiedensten Disziplinen erörtern bedarfsgerechte frühzeitige Begleitung, Beratung und Therapie, um Entwicklungschancen im Lebensweg zu verbessern. "Wenn wir doch täglich unmittelbar vor unseren Augen sehen, wie die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft in unbefriedigenden oder gar schädigenden Lebensbedingungen aufwachsen, warum wundern wir uns dann, dass die Lebenswege vieler Menschen von Depressionen, Arbeitsstörungen und psychosomatischen Beeinträchtigungen geprägt ist? Es ist längst bewiesen: Jede Verbesserung der psychosozialen Lebensumstände eines Säuglings oder Kleinkindes ist um das Vielfache effektiver als die Begrenzung und Behandlung früh entstandener Störungen im weiteren Lebensverlauf", sagt von Klitzing.

Daher wird sich Prof. Dr. Jörg Maywald von der Deutschen Liga für das Kind in seinem Vortrag mit dem Thema "Schutz-Förderung-Beteiligung junger Flüchtlingskinder" beschäftigen. Überhaupt werden die Folgen der europäischen Flüchtlingskrise für kleine Kinder die gesamte Tagung als Thema begleiten. Weitere Themen der Jahrestagung der German Speaking Association of Infant Mental Health (GAIMH) sind: Psychische Störungen in der frühen Kindheit, vorgeburtliche und nachgeburtliche Hirnentwicklung, psychische Aspekte von Schwangerschaft und Geburt sowie Angst und Depression in der frühen Kindheit. In der parallel stattfindenden Tagung der psychoanalytischen Kindertherapeuten wird es um die Bedeutung der Sprache in der seelischen Entwicklung des Kindes gehen. Fachleute werden über psychotherapeutische Möglichkeiten bei frühen Fütterstörungen, Problemen der Migration sowie dem Umgang mit der Jugendsprache in der Psychotherapie diskutieren.

Susann Huster