Bundesforschungsministerium fördert "Leipziger Gesundheitsatlas"

Pressemitteilung vom 01.03.2016
Der "Leipziger Gesundheitsatlas", ein Projekt der Universität Leipzig zur Präsentation und wissenschaftlichen Nutzung biomedizinischer Daten, erhält vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ab März 2016 eine dreijährige Förderung von insgesamt 2,15 Millionen Euro. Ziel ist es, Forschern und Ärzten Daten zu den Verläufen bestimmter Krebs- und Zivilisationserkrankungen mit Hilfe von bio- und medizininformatischen Technologien zugänglich zu machen. Dieses Data-Sharing kann sich positiv auf die weitere Erforschung von Erkrankungen und ihre Therapie auswirken.

Zunächst werden ausgewählte und anonymisierte Daten des Leipziger Forschungszentrums für Zivilisationserkrankungen (LIFE) sowie Forschungsdaten zu großen Patientengruppen mit Darm- und Brustkrebs, Hirntumoren, Lymphomen, Leukämien sowie schweren Infektionserkrankungen (Sepsis) aufgenommen. "Die besondere Herausforderung des "Leipziger Gesundheitsatlas" ist sein fächerübergreifender Charakter sowie die informationstechnologische Aufbereitung von großen und heterogenen Datenmengen. Der Atlas soll Ergebnisse, Modelle und Daten für die biomedizinische Forschung weltweit nutzbar machen", erläutert der Projektkoordinator Prof. Dr. Markus Löffler, Leiter des Instituts für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie (IMISE) der Universität Leipzig. Neben IMISE sind das Interdisziplinäre Zentrum für Bioinformatik, das Institut für Informatik sowie das LIFE-Forschungszentrum an dem Projekt beteiligt. Der "Leipziger Gesundheitsatlas" wird als spezielles Internetportal Wissenschaftlern und Ärzten zugänglich sein und in Teilen auch der Öffentlichkeit.

Die Medizin verfügt heute über sehr genaue labortechnische Messverfahren - zum Beispiel bildgebende Untersuchungen wie Magnetresonanztomografien oder Gen-Analysen zur Beschreibung des menschlichen Erbguts (Genom). Diese führen allerdings zu einem explosionsartigen Anschwellen der geschaffenen Datenmengen. Zusammen mit anderen Angaben, etwa zu Lebensstil oder Erkrankungsgeschichte eines Patienten, wird aber eine präzisere Prognose und Risikoanalyse einer Krankheit möglich. Ein Arzt wird mit Hilfe des "Leipziger Gesundheitsatlas" und den Daten großer Patientengruppen mit Lymphomen beispielsweise das individuelle Risiko seines Lymphom-Patienten für Infektionen ermitteln können.

Obwohl Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse meist in wissenschaftlichen Medien veröffentlichen, werden die Daten und Analysen (Modelle) für ein breites Spektrum von Nutzern aus Klinik und Forschung bisher kaum nutzbar gemacht. Darüber hinaus werden Studien mit negativen oder weniger erwünschten Ergebnissen weit seltener veröffentlicht. Dies kann zu Fehlannahmen etwa zur Wirksamkeit von neuen Therapien führen. Hier setzt der "Leipzig Gesundheitsatlas" an. Die Wissenschaftler führen darin Daten aus verschiedenen Studien in einer gemeinsamen IT-Plattform zusammen, bereiten sie auf und bieten verschiedene Anwendungen zur Analyse. In diesem Sinne nimmt der "Leipziger Gesundheitsatlas" eine Vorreiterrolle ein und erzielte die Aufnahme in das Förderprogramm "Integrative Datensemantik in der Systemmedizin" (IDSem) des Bundesforschungsministeriums. Nach 2018 ist eine weitere Förderung durch das BMBF für zwei Jahre möglich.

Doris Gabel