Stimmerkrankungen bei Lehrern können durch bessere Ausbildung verhindert werden

14. Leipziger Symposium zur Kinder- und Jugendstimme widmet sich der Stimme im pädagogischen Alltag

Pressemitteilung vom 24.02.2016
Bild vergrößern Prof. Michael Fuchs, Leiter des Sektion Phoniatrie und Audiologie am Universitätsklinikum Leipzig.
Foto: Stefan Straube/ UKL
 

"Ein Lehrer muss 40 Jahre lang mit dem Arbeitsinstrument Stimme arbeiten, und das oft unter schwierigen Bedingungen wie Lärm und das Sprechen zu großen Gruppen", erläutert Prof. Michael Fuchs, Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie am Universitätsklinikum Leipzig und Leiter des Symposiums. "Ob die Stimme dieser Belastung auf Dauer gewachsen ist und damit Erkrankungen oder Berufsunfähigkeiten verhindert werden können, hängt ab von der Qualität der Stimmausbildung während des Studiums", so Fuchs. Das belegt eine große multizentrische Studie, deren Ergebnisse die Leipziger Phoniater auf dem diesjährigen Symposium vorstellen werden. Dabei wurden an drei Kliniken 202 Lehrer untersucht, die alle schon seit mindestens 5 Jahren an einer Grundschule, Mittel-/ Oberschule oder am Gymnasium unterrichten. 31 Prozent hatten eine Stimmerkrankung, 69 Prozent waren beschwerdefrei. Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang - je besser die Stimmausbildung während des Studiums, umso gesünder die Stimme. "Fehlt eine Stimmausbildung während des Studiums, steigt das Risiko einer Stimmerkrankung um das 1,6-fache", so Fuchs. Besonders gefährdet sind daher Quereinsteiger, die beispielweise als Naturwissenschaftler in den Lehrerberuf wechseln. In der Studie zeigte sich aber auch, dass besonders Grundschullehrer gefährdet sind, im Laufe ihrer Schullaufbahn eine Stimmerkrankung zu bekommen.

Insgesamt ist deutschlandweit der Umgang mit dem Thema Lehrerstimme sehr unterschiedlich geregelt, oftmals erfolgt die Studienzulassung ohne vorherige Tauglichkeitsprüfung. Fehlt dann eine Stimm- und Sprechausbildung im Studium, werden auch stimmlich ungeeignete Kandidaten Lehrer. "Nach fünf bis zehn Jahren beginnen dann die Stimmprobleme, die letztlich zu einer Berufsuntauglichkeit führen können", beschreibt Prof. Fuchs die Folgen. Auf erste funktionelle Stimmstörungen wie Heiserkeit oder ein Missempfinden können auch Stimmbandknötchen folgen, die wiederum die Funktion der Stimme weiter mindern. Ein Teufelskreislauf, der nur mit einer Behandlung verbunden mit Berufspause durchbrochen werden kann. "Stimmübungsbehandlungen und Stimmheilkuren können hier in allen Stadien helfen", so der Stimmexperte Fuchs. Als letzte Option bleibt immer auch eine Operation.

Die Folgen einer Stimmschädigung können weitreichend sein: Etwa 20 Prozent der neu pensionierten Lehrer wurden aufgrund einer Dienstunfähigkeit in den vorgezogenen Ruhestand versetzt. Hauptursachen sind dabei stimmliche und psychische Beschwerden. Viele dieser Ausfälle wären mit einer besseren Stimmausbildung und einem geschulten Stimmeinsatz vermeidbar, ist Prof. Michael Fuchs überzeugt.
Anregungen dafür liefert die Leipziger Tagung auch in ganz praktischer Weise: In vier Workshops können die Teilnehmer den Umgang mit der Stimme üben, ob bei Vokal-Improvisationen, im Fall von Konfliktsituationen oder unter Einsatz von komplementären Verfahren wie Qigong. Das Vortragsprogramm beleuchtet das zentrale Thema aus unterschiedlichen Perspektiven, u.a. mit Blick auf die Auswirkungen der Pädagogen-Stimme auf die Leistungsfähigkeit von Kindern oder Untersuchungen zur Lärmauswirkung auf Stimme und Hören von Erzieherinnen in Kindertagestätten.
Eingerahmt wird das dreitägige Programm wie jedes Jahr von musikalischen Highlights - zur Eröffnung begrüßen erstmals die Thomaner die Teilnehmer des bereits ausgebuchten Symposiums, den Abschluss bildet ein Auftritt des Leipziger Lehrerchors.

Hinweis für Medienvertreter:

Für Medienvertreter besteht die Möglichkeit, sich für das Symposium akkreditieren zu lassen und an allen Veranstaltungen teilzunehmen. Gern können nach Absprache auch Hörfunk- und TV-Aufnahmen während der Veranstaltungen erfolgen.

Ansprechpartnerin dazu ist:

Madeleine Sorg,
Sektion Phoniatrie und Audiologie, Universitätsklinikum Leipzig, Tel. 0341- 97 21811,
während des Symposiums: Tel. 0341-2144 55
E-Mail: madeleine.sorg@uniklinik-leipzig.de

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Helena Reinhardt.