Projekt "REDEZEIT" bietet telefonische Unterstützungsgruppen für Angehörige von Menschen mit Demenz

Pressemitteilung vom 05.02.2016
Mehr Unterstützung für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz wollen Forscher der Universität Leipzig durch das Projekt "REDEZEIT" bieten. Diesen Angehörigen soll ermöglicht werden, ihre Erfahrungen mitzuteilen, Gesprächspartner zu finden und sich durch aktive Selbsthilfe gegenseitig zu unterstützen. Ziel des Projektes ist es, Gruppen von Angehörigen der an Demenz erkrankten Menschen zu bilden, die per Telefonkonferenzschaltung miteinander kommunizieren. "Noch viel zu selten wird gehört, was Angehörige bewegt und welche Bedürfnisse sie haben. Es soll ein einfacher Zugang angeboten werden, um sich gegenseitig zu unterstützen, auszutauschen und um Informationen zu erhalten", sagt Projektleiter Dr. Martin Berwig von der Leipziger Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

Die Begleitung und Betreuung von Menschen mit Demenz ist mit enormem persönlichen Engagement, viel Zeit und täglicher Organisation verbunden. "Angehörige empfinden sehr häufig ein hohes Belastungsniveau, und die eigene Entlastung und Anerkennung wird allzu oft vernachlässigt. Die Unterstützung durch den Austausch in Angehörigengruppen ist vielfältig belegt. Allerdings gibt es für Angehörige oft hohe Barrieren, um an Angehörigengruppen teilzunehmen", berichtet der Psychologe. Erfahrungen anderer Projekte zeigten, dass diese gewünscht sind, jedoch häufig nicht in der Nähe des Wohnortes zu finden sind. Zudem haben viele der Angehörigen keine Zeit, können die Wohnung oder den Kranken zu Hause nicht allein lassen, andererseits aber ein sehr großes Bedürfnis, über ihre Erlebnisse zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen.

Das Projekt will strukturierte Unterstützungsgruppen für Angehörige von Menschen mit Demenz in Form von Telefonkonferenzen etablieren. Die Angehörigengruppe trifft sich virtuell, innerhalb einer telefonischen Konferenzschaltung. Maximal vier Teilnehmer werden von einem Moderator eingeladen. Dieser leitet und organisiert die Gruppe. Der Austausch findet 14-tägig innerhalb von drei Monaten statt (insgesamt sechs Termine).

Der Moderator leitet jede Sitzung mit einem kurzen Impulsreferat ein. Dabei geht es um folgende Themen: Auf sich selber achten, wie bekomme ich Zugang zu Hilfs- und Unterstützungsangeboten, wie kommuniziere ich mit Anbietern von Gesundheitsleistungen, zum Beispiel Ärzten oder Pflegefachkräften, wie kommuniziere ich mit Familie und Freunden und wie kann ich besser mit meinem an Demenz erkrankten Angehörigen kommunizieren? Zentrales Anliegen der telefonischen Unterstützungsgruppen liegt allerdings nicht in der Beratung und in der frontalen Vermittlung von Wissen, sondern in dem themenzentrierten Erfahrungsaustauch zwischen den pflegenden Angehörigen. Daher steht die meiste Zeit der virtuellen Gruppensitzungen dem Austausch und der Diskussion der Angehörigen zur Verfügung.

Das Projekt wird vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) gefördert und vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE) - Standort Witten wissenschaftlich begleitet. Insgesamt sollen ca. 100 pflegende Angehörige in die Studie einbezogen werden, die in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Demenzpatienten leben.

Teilnehmer können voraussichtlich bis Ende Juni 2016 in die Studie eingeschlossen werden und sich melden unter Telefon: +49 341 97-24465 oder per E-Mail.

Susann Huster