Der heiße Tee und die kleine Mira

Pressemitteilung vom 02.12.2015
Jährlich 150 Kinder mit thermischen Verletzungen in der Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Leipzig

Die Mutter hat nur einen Moment nicht aufgepasst: Sie hatte ihren frisch gebrühten Tee auf den Küchentisch gestellt und dann die kleine Mira auf den Hochstuhl gesetzt. Noch ehe die Beine des sieben Monate alten Babys im Hochstuhl sortiert waren, griff Mira zur interessanten Teetasse und kippte sich die heiße Flüssigkeit über Brust und Bauch.

„Der heiße Tee und der Wasserkocher – das sind häufige Ursachen für thermische Verletzungen“, so Prof. Dr. Martin Lacher, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig, mit Blick auf den Tag des brandverletzten Kindes am 7. Dezember. Zwei spezielle Betten für Kinder mit schwersten derartigen Verletzungen werden in der Kinder-Intensivstation vorgehalten. Und wie sich immer wieder zeigt: aus gutem Grund. In die Ambulanz der Klinik kommen jährlich rund 150 kleine Patienten mit thermischen Verletzungen.  40 davon werden stationär aufgenommen, wiederum 20 davon –– müssen auf die Intensivstation.

„Mit dem Begriff thermische Verletzungen fassen wir die Folgen zusammen, die einerseits durch Feuer, elektrischen Strom und andererseits durch heiße Flüssigkeiten entstehen“, erläutert Dr. Roland Böhm, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. Zusammen mit Oberärztin Dr. Margit Weißer leitet er den Bereich der Klinik, der sich den derart verletzten Kindern widmet, also die Versorgung der thermischen Verletzungen und nicht selten  dann auch  nötige plastische Operationen übernimmt. Wie er erzählt, waren in den vergangenen Jahren glücklicherweise die sogenannten Grillverletzungen rückläufig. Die Zahl der Verbrühungen mit heißen Flüssigkeiten – neben Wasserkocher und Tee auch oft durch die Schüssel zur Inhalationstherapie – ist aber unverändert. Im Durchschnitt betrifft das Ausmaß der Verletzungen zehn Prozent der Körperfläche.

Gesicht und Brustkorb, Genitalien und Oberschenkel – das sind die am häufigsten betroffenen Körperteile. Bei der Behandlung wird mit modernsten Methoden versucht, eine unschöne Narbenbildung zu vermeiden. „Wir haben dafür auch eine Spezialambulanz, die sich vor allem der Vermeidung einer überschießenden Narbenbildung widmet“, sagt Klinikdirektor Prof. Lacher. Die kleinen Patienten erhalten hier beispielsweise eine spezielle Kompressionsbekleidung, deren Druck dazu beitragen soll, eine Narbenbildung zu minimieren. Zudem wird per Lasertherapie und mit plastischen Operationen gearbeitet, um besonders an den ästhetisch relevanten Körperstellen optimale Ergebnisse zu erreichen aber auch um die Funktion bei gelenkübergreifenden Narben zu erhalten. „Ich möchte aber deutlich sagen“, so Oberarzt Dr. Böhm, „dass immer die Stärke der thermischen Verletzung die Entwicklung des Narbengewebes beeinflusst. Ab einem bestimmten Ausmaß sind leider auch unsere medizinischen Möglichkeiten limitiert.“

Eng zusammen arbeiten die Mediziner der Klinik  zudem mit dem Verein „Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder“. Diese bundesweit agierende Selbsthilfegruppe von Eltern mit brandverletzten Kindern widmet sich der Vorbeugung und Aufklärung, wie mit der Kampagne „Sicher grillen ohne Spiritus“, und zugleich der praktischen Hilfe für Betroffene, wie der Auflistung von Spezialkliniken – zu denen auch die Kinderchirurgie des Universitätsklinikums gehört.

Die kleine Mira indes hatte Glück im Unglück, weil die Verbrühungen nicht so stark waren. Durch ihre Windel wurden die Genitalien geschützt. Zudem hat die Mutter sofort entschlossen und richtig gehandelt. Sie entkleidete ihr Baby und kühlte die Verletzungen mit kaltem Wasser. Per Notarzt waren beide nur Minuten nach dem Teetassen-Unfall in der Notaufnahme der Uni-Kinderklinik, die Experten der Kinderchirurgie legten einen speziellen Wundverband an. Schon nach fünf Tage konnten beide die Klinik verlassen. Das Baby mit einem frischen Spezial-Wundverband für die Zeit zu Hause und die Mutter mit einem glücklichen Lächeln: „Die Ärzte hier haben wirklich eine Superarbeit gemacht.“

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Kathrin Winkler.