Leipziger Mediziner wird Präsident der bedeutendsten europäischen Organisation für Knochenmark-Transplantationen

Pressemitteilung vom 23.03.2005
Anerkennung für medizinische und wissenschaftliche Leistung des Leipziger Knochenmarktransplantationszentrums – Erstmals seit 20 Jahren wird wieder ein Deutscher in das Präsidentenamt gewählt

Auf ihrer 31. Jahrestagung in Prag wählten die Mitglieder der European Group for Blood an Marrow Transplantation (EBMT), der Europäischen Vereinigung für Blut- und Knochenmarktransplantationen, den Leipziger Hämatologen Prof. Dr. Dietger Niederwieser zu ihrem neuen Präsidenten. Niederwieser konnte sich gegen drei weitere Anwärter aus Hamburg, London und Paris durchsetzen. Erstmals seit 20 Jahren steht damit wieder ein deutscher Hämatologe an der Spitze der bedeutendsten europäischen Organisation für Knochenmarktransplantationen.


Prof. Dr. Niederwieser, der sein Amt im März 2006 für die folgenden vier Jahre antritt, sieht in seiner Wahl zum Präsidenten der EBMT die Anerkennung der medizinischen und wissenschaftlichen Leistungen in Leipzig auf dem Gebiet des Blutkrebses und der Knochenmarktransplantationen. „Wir haben an der Universität Leipzig und dem Universitätsklinikum Leipzig ein hervorragendes Team mit einem tollen Know-how und einer unheimlich hohen Motivation. Die Leistungen, die wir gemeinsam in der Behandlung, in der Entwicklung neuer Behandlungsmethoden und in der Forschung gezeigt haben und auch weiterhin zeigen, haben mit der Wahl meiner Person in dieses Amt eine herausragende Bestätigung gefunden. Ich bin sehr stolz auf das Vertrauen, das die EBMT-Mitglieder mir mit dieser Wahl ausgesprochen haben. Ich sehe mich aber in diesem Amt auch stellvertretend für alle Leipziger Kollegen und Mitarbeiter, ohne deren Arbeit das Knochenmarktransplantationszentrum Leipzig nicht diesen vorzüglichen Ruf haben würde, wie es heute der Fall ist.“


Die EBMT ist die Dachorganisation der Europäschen Blutkrebsforscher und Knochenmarktransplantationszentren. Der 1974 in Maastricht gegründeten Organisation gehören mehr als 3.400 Mitgliedern aus allen europäischen Ländern sowie aus Israel und dem Iran an. Mehr als 550 Transplantationszentren sind an die EBMT angeschlossen. Die Organisation nimmt wichtige wissenschaftliche, medizinische und gesundheitspolitische Aufgaben wahr. So wird hier jede einzelne Knochenmarktransplantation der Mitglieder registriert und statistisch aufbereitet – etwa 20.000 Transplantationen im Jahr. Parallel koordiniert die EBMT etwa 30 europaweite Studien zu neuen Behandlungsmethoden und neuen Medikamenten. Die Organisation ist fest in der EU verankert und nimmt nicht nur die Akkreditierung neuer Transplantationszentren vor, sondern legt europaweit geltende Behandlungsstandards fest. Insgesamt 11 Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit einzelnen Aspekten der Krankheit, ihrer Früherkennung, ihren Entstehungsursachen und der Therapie. EU-Forschungsgelder werden teilweise über die EBMT an die forschenden Einrichtungen vergeben.


Prof. Dr. Niederwieser löst die amtierende Präsidentin, Jane Apperly, London, ab. Das Team um Niederwieser hat mehrere neue Behandlungsmethoden entwickelt, so eine Therapie, mit auch über 60-jährige an Blutkrebs Erkrankte erfolgreich behandelt werden können. In Leipzig wurde auch eine Methode entwickelt, wie man Spenderknochenmark, dessen Zellmerkmale zu weniger als 50% zum Patienten passen, so aufbereiten kann, dass dennoch eine Transplantation möglich ist. Durch die Zugabe von „Killerzellen“, die die Aufgabe haben, Krebszellen gezielt zu zerstören, werden sehr gute Behandlungserfolge erzielt. Inzwischen konnten weit mehr als 1.000 Patienten in Leipzig behandelt werden – mit deutlich besseren Aussichten als noch vor wenigen Jahren.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.