Bei Verschleiß in der Schulter kann eine Prothese helfen

Leipziger Mediziner um Prof. Dr. Hepp forschen an neuen Methoden für optimale Verankerung

Pressemitteilung vom 23.11.2015
Das wissen viele: Wenn die Hüfte schmerzt oder das Knie, kann ein künstlicher Ersatz gut helfen. Das wissen nicht alle: Auch wenn die Schulter schmerzt, weil eine Verschleißerkrankung ihre Spuren hinterlassen lassen, kann eine Prothese vergessen geglaubte Beweglichkeit zurückbringen. Und das, wenn alles komplikationslos verläuft, innerhalb eines Vierteljahres.
Bild vergrößern Prof. Pierre Hepp, Leiter des Bereichs für Arthroskopische und spezielle Gelenkchirurgie am UKL, zeigt eine Schulterprothese.
Foto: Stefan Straube/UKL
 

„Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Körpers“, erläutert Prof. Dr. Pierre Hepp, Leiter des Bereichs für Arthroskopische und spezielle Gelenkchirurgie der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie am Universitätsklinikum. „Als Kugelgelenk, das größtenteils von Muskeln und Sehnen stabilisiert wird, ermöglicht es einen großen Bewegungsspielraum. Dadurch ist die Schulter aber auch anfällig für Verletzungen und Verschleißerkrankungen.“

Wie Prof. Hepp weiter sagt, hat die Schulterprothetik in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung genommen. Mit erfreulichen Ergebnissen für die Patienten: Die dokumentierten Standzeiten der Prothesen sind heute nah an denen von Hüft- und Kniegelenken. „Auch die Funktionalität ist gut, so dass Schmerzfreiheit und Beweglichkeit für den Alltag erreicht werden“, so der Leipziger Orthopäde und Unfallchirurg. „Damit werden Haare kämmen, Rasieren und Waschen wieder möglich, und auch die Gießkanne oder ein Bierkasten sind schmerzfrei zu bewegen.“

Mit der Spezialsprechstunde „Gelenksprechstunde“ kommen die Mediziner um Prof. Hepp den Patienten entgegen. In der Ambulanz der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie kann jeder Interessierte sich für diese Sprechstunde vormerken lassen

„Es gibt leider Patienten, die mit zunehmenden Schulterschmerzen alt werden, weil sie glauben, dass man ihnen nicht helfen kann“, so Prof. Hepp. „Aber durch unsere Erfahrungen in der Gelenkchirurgie, angefangen von der Schlüsselloch-OP bis zur Implantation der unterschiedlichsten Prothesen, kann ich versichern, dass wir sogar wenn wichtige Schultersehnen abgerissen sind und der Arm fast bewegungslos ist, Möglichkeiten finden, dem Patienten Schmerzminderung und bessere Beweglichkeit zu bringen.“

Verschiedene Prothesentypen stehen dabei zur Verfügung: Eine Hemiprothese ersetzt die Gelenkfläche des Oberarmkopfes, eine Totalprothese beide Gelenkflächen, also auch die Gelenkpfanne. Kurzschaftprothesen ermöglichen es, viel Oberarmknochen zu erhalten. Andererseits kann eine Prothese mit langem Schaft denen helfen, deren Knochensubstanzangegriffen ist. „Bei den Prothesen stehen uns modulare zur Verfügung, die aufeinander aufbauen. Damit kann je nach Situation für den Patienten eine individuelle Lösung gefunden werden“, sagt Prof. Hepp. „Der neueste Trend geht sogar dahin, dass eine Patienten-individuelle Prothese angefertigt wird. Dazu wird die Anatomie des Patienten mit CT-Aufnahmen erfasst. Daraus wird ein Modell generiert, das als Grundlage für die ganz persönliche Prothese dient. Dafür ist freilich ein Planungszeitraum von bis zu sechs Wochen nötig.“

Eine von Prof. Hepp und Mitarbeitern speziell eingesetzte Navigation hilft, die Prothesen ideal im Körper zu platzieren und zu verankern. Denn das ist nicht nur Voraussetzung für die volle Funktionsfähigkeit, sondern auch für eine möglichst lange Standzeit. „Wir haben unsere Methode im Labor erforscht und auf Kongressen vorgestellt“, so Prof. Hepp. „Jetzt sind wir soweit, dass davon auch der Patient profitieren kann. Wir finden mit unserer Methode die besten Ankerpunkte, die ja bei jedem Patienten und abhängig vom jeweiligen Fall anders sind. Zudem müssen diese Punkte nicht nur für die Verankerung, sondern auch für das Einwachsen beste Voraussetzungen bieten.“

Uwe Niemann

 

Gelenksprechstunde der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie
Terminvereinbarung: 0341 – 97 23200

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Sandra Hasse.