Neuroradiologische Methoden erhöhen Chancen für Schlaganfall-Patienten

Leipziger Neuroradiologe Prof. Dr. Hoffmann: Zeitfenster für Behandlung wird erweitert

Pressemitteilung vom 19.10.2015
700mal pro Tag sind Rettungswagen in Deutschland allein wegen Schlaganfällen unterwegs. Insgesamt 270 000 Menschen erleiden pro Jahr diesen Hirnschlag, der noch in viel zu vielen Fällen verheerende Folgen hat. Mit der Expertise von Neuroradiologen erhöhen sich für Schlaganfall-Patienten die Chancen, nach Behandlung und Reha wieder selbstständig ihr Leben zu führen.
Bild vergrößern Prof. Karl-Titus Hoffmann leitet am UKL die Abteilung für Neuroradiologie, in der auch Patienten mit einem Schlaganfall behandelt werden.
Foto: Stefan Straube/UKL
 

„Bisher wurden Schlaganfälle nahezu ausschließlich mit der intravenösen Thrombolyse-Therapie behandelt. Denn nur diese hatte ihre Wirksamkeit in Studien bewiesen“, erläutert Prof. Dr. Karl-Titus Hoffmann, Leiter der Abteilung für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Leipzig. „In diesem Jahr konnte aber in fünf Studien mit höchstklassiger Beweiskraft mit eindrucksvollen Zahlen belegt werden, dass Verfahren der Neuroradiologie bei Verschlüssen der großen Hirngefäße der herkömmlichen Therapie überlegen sind.“

Bei der Standardtherapie mit der intravenösen Thrombolyse wird dem Patienten per Infusion ein Medikament ins Blut geleitet, das in der Lage ist, Blutgerinnsel aufzulösen. Denn beim Schlaganfall ist zumeist ein Blutgefäß im Gehirn durch ein Blutgerinnsel verstopft; alle Bereiche hinter dem Stau werden dadurch nicht mehr mit Blut, also Sauerstoff, versorgt und sterben nach und nach ab.

„Es geht beim Schlaganfall immer darum, so schnell wie möglich den Gefäßverschluss zu beseitigen“, so Prof. Hoffmann. „Und da haben unsere Methoden deutliche Vorteile. Wir können beispielsweise mit einem Katheter über die Leistenbeuge bis in Gehirn vordringen und das Medikament zur Auflösung des Blutgerinnsels direkt vor Ort einbringen. Oder mit einem so genannten Stent-Retriever das Gerinnsel einfangen. Dazu führen wir ein winziges zusammengefaltetes Metallnetz bis zum Ort des Geschehens, entfalten es, so dass sich das Blutgerinnsel darin verfängt, und ziehen Netz samt Thrombus aus dem Blutgefäß heraus.“

In den aktuellen Studien wurde deutlich: Bis zu 70 Prozent der Schlaganfall-Patienten haben von neuroradiologischen Eingriffen deutlich profitiert. Die Thrombolyse konnte nur bis zu 40 Prozent der Patienten wesentliche Vorteile bringen. „Zudem sind bei unseren Therapien die Komplikationsraten vergleichsweise niedrig“, betont der Leipziger Neuroradiologe. „Bedeutsam ist aber vor allem, dass das Zeitfenster für die Behandlung der Patienten erweitert werden kann. Die konventionelle Therapie muss innerhalb von viereinhalb Stunden nach dem Schlaganfall erfolgen; die neuroradiologischen Therapien können innerhalb von sechs Stunden und im Einzelfall darüber hinaus eingesetzt werden. Also: Selbst Patienten, die relativ spät nach dem Ereignis bei uns eintreffen, können wir noch helfen.“

Freilich können nur spezialisierte Zentren diese neuroradiologischen Therapien umsetzen. Hochqualifizierte Fachleute und entsprechende Ressourcen sind nötig. Am Leipziger Universitätsklinikum ist rund um die Uhr ein spezialisierter Neuroradiologe in Bereitschaft, um Eingriffe bei Schlaganfall-Patienten vorzunehmen. „Die intravenöse Therapie bleibt natürlich unverzichtbar; sie ist in der Mehrzahl der Fälle die Therapie der Wahl“, so Prof. Hoffmann. „Doch unsere neuroradiologischen Eingriffe ergänzen die Möglichkeiten, mit denen Schlaganfall-Patienten geholfen werden kann, nicht unerheblich. In diesem Jahr werden es von heute aus hochgerechnet etwa 60 Patienten sein, denen wir helfen konnten.“

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Sandra Hasse.