Welt-Osteoporose-Tag am 20. Oktober

UKL-Orthopäde Prof. Roth: Mangel an Vitamin D wird oft unterschätzt

Pressemitteilung vom 16.10.2015
Bild vergrößern UKL-Orthopäde Prof. Andreas Roth: Vitamin D schützt vor Osteoporose
Foto: Stefan Straube/ UKL
 

Wenn die Knochen ihre Festigkeit verlieren, brechen sie eher. Hinter dieser Gefahr steckt nicht das Alter allein, sondern die Erkrankung Osteoporose, von der in Deutschland rund 6,5 Millionen Frauen und 1,3 Millionen Männer betroffen sind. „Gerade im fortgeschrittenen Lebensalter spielt für die Knochengesundheit die Ernährung eine wichtige Rolle“, so Prof. Dr. Andreas Roth, Bereichsleiter Endoprothetik /Orthopädie der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie am Universitätsklinikum. „Trotz des starken Einflusses von Erbfaktoren und Medikamenten auf die Entwicklung einer Osteoporose, kann mit einer bewussten Ernährung viel erreicht werden. Für ein stabiles Skelett braucht der Mensch Kalzium, Phosphor, Kalium und Eiweiße sowie die Vitamine D, K und B12 beziehungsweise Folsäure“, betont er mit Blick auf den Welt-Osteoporose-Tag am 20. Oktober.


Reich an Kalzium sind insbesondere Milch, Joghurt und Käse, grünes Gemüse wie Blattspinat und Broccoli sowie Mineralwasser. Milchprodukte sind gute Kalziumquellen, dazu enthalten sie Phosphor und Eiweiße. Auch Früchte und Gemüse sind knochenfreundlich, die sie Kalium und sogar Vitamin K liefern können. Zudem raten Mediziner zur mediterranen Kost: Frisches Gemüse, Fisch und Olivenöl wirken nicht nur gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gefäßleiden, sondern auch gegen Osteoporose.


„Besonders aufmerksam möchte ich auf das Vitamin D machen“, sagt der Leipziger Orthopäde. „Einfach gesagt, stärkt dieses Vitamin die Knochen. Wer gesund ist und sich regelmäßig an der frischen Luft aufhält, um Sonnenlicht zu tanken, wird nicht unterversorgt sein. Denn der Körper kann dieses Vitamin selbst bilden. Wer aber nur selten an die Sonne kommt, sollte bedenken: Ein Mangel an Vitamin D kann nicht nur Folgen für die Knochenfestigkeit haben; er erhöht auch das Risiko für Krebsleiden, für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infektionen und Autoimmunerkrankungen, wie Diabetes mellitus Typ I und multiple Sklerose.“
Vitamin D wird also beim Aufenthalt im Freien unter Einfluss von ultravioletten Strahlen (UV-B) zuerst in der Haut „vorproduziert“ und dann in Leber und Nieren vervollständigt. Im Sommer reichen 30 Minuten Sonne auf Gesicht und Hände in der Mittagszeit aus, damit der Körper ausreichend Vitamin D bilden kann. Im Winter müsste man aber 20 Stunden Sonne abbekommen, um auf die nötige Dosis zu kommen. Von Vorteil ist da, dass man für die Vitamin-D-Produktion im Sommer einen gewissen „Wintervorrat Sonne“ tanken kann. Und für alle Fälle gibt es Vitamin-D-Präparate.


„Der Mangel an Vitamin D ist ein bislang oft unterschätztes Problem“, erzählt Prof. Roth. Er selbst habe Patienten behandelt, bei denen eine unerklärliche Bruchhäufigkeit auftrat – bis klar wurde, wo die Ursache lag: im Vitamin-D-Mangel. Bevölkerungsgruppen mit einem hohen Risiko der Entwicklung eines Vitamin-D-Mangels sind bettlägerige Menschen im Pflegeheim, Menschen mit einem sehr hellen Hauttyp oder Patienten, die unter immunsuppressiver Behandlung einen konsequenten Sonnenschutz betreiben müssen.


„Eine besondere Bedeutung in meinem Fachbereich haben Schenkelhalsfrakturen bei Osteoporose. Der Knochen ist dann oft so porös, dass eine Stabilisierung des Bruches nicht mehr sinnvoll ist“, so der Orthopäde. „Es bleibt dann nur noch die Alternative des Implantierens einer Endoprothese.“

Uwe Niemann

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Helena Reinhardt.