Vom Uniklinikum Leipzig nach Eritrea - weil Frühchenversorgung eine "Herzenssache" ist

UKL- Kinderkrankenschwester organisiert Aufbau eines Neonatologie-Raumes im afrikanischen Ghinda

Pressemitteilung vom 14.10.2015
Bild vergrößern Vom Uniklinikum Leipzig nach Eritrea - Kinderkrankenschwester Anja Wendisch organisiert mit Hilfe der Kolleginnen Sarah Winkler, Maria Steinke und Jennifer Seydewitz (v.l.n.r.) eine neonatologische Versorgung in Ghinda iin Eritrea.
Foto: Stefan Straube/ UKL
 

Im Februar darüber gelesen, im März erster Ortstermin – und jetzt im Oktober geht der Aufbau eines Neonatologie-Zimmers los. Anja Wendisch macht Nägel mit Köpfen. Und das aus gutem Grund: „Wenn man sieht, unter welchen Bedingungen Kinder in Afrika auf die Welt kommen und welch' schlechte Überlebenschancen Früh- und kranke Neugeborene haben, wird so ein Projekt schnell zur Herzenssache.“


Die Kinderkrankenschwester, die auf der Intensivstation der Neonatologie des UKL arbeitet, las im Februar einen Bericht über ArcheMed, eine Organisation für Kinder in Not, in der Mediziner eine medizinisch-humanitäre Hilfe für kranke Kinder in Eritrea leisten. „Ich wollte schon immer in Afrika helfen. Wenn die Jungs groß sind, dann geht es los, dachte ich“, erzählt Schwester Anja. „Nun ist Ghinda da und Afrika nicht mehr weg zu denken. Meine Kinder sind sieben und elf Jahre alt, aber sie stehen zu mir und finden es toll, was die Mama macht.“
Das alles freilich nebenbei, denn ihre Arbeit in der Neo-ITS kann und darf nicht vernachlässigt werden. In ihrem Team hat die 39-Jährige indes noch weitere Helfer für das Eritrea-Projekt gefunden. Nach ausführlichen Berichten mit vielen eindrucksvollen Bildern waren mehrere Kolleginnen bereit, selbst mit in die Speichen zu greifen, damit die Sache ins Rollen kommt. Die eine kann gut Englisch – übernimmt also Übersetzungen. Die andere wirbt um Spenden bei den verschiedensten Unternehmen. Schwester Anja selbst koordiniert und gestaltet das Raumkonzept, kümmert sich um logistische Dinge wie Reisemodalitäten, Bestellung des medizinischen Bedarfs, den Kontakt zu ArcheMed, Öffentlichkeitsarbeit und und und.


In Ghinda, einer Kleinstadt mit 15 000 Einwohnern und 2000 Kriegsflüchtlingen, etwa 20 Kilometer von Asmara, der Hauptstadt Eritreas, entfernt, gibt es ein 7 Jahre altes Krankenhaus. Dessen Bausubstanz ist zwar relativ neu, die medizinischen Einrichtungen und hygienischen Gegebenheiten aber meilenweit entfernt vom europäischen Standard. Die Kinder werden meist zu Hause geboren, ein Fünftel von ihnen hier im Krankenhaus – auf Frauenarztstühlen. Nach der Geburt – auch nach einer Frühgeburt oder wenn das Neugeborene Probleme hat – muss die Mutter mit ihrem Kind nach ein paar Stunden der Ruhe wieder gehen. Die Säuglings-Sterberaten sind erschreckend.


„Mit einem Mindestmaß europäischer Standards würde es gelingen, viele dieser Kinder gut durchzubringen“, sagt Anja Wendisch. „Deshalb will ich hier wenigstens ein neonatologisches Zimmer einrichten helfen, in dem Inkubatoren, Wärmebetten, Perfusoren und kleine Überwachungsgeräte den kranken Neugeborenen oder den Frühchen ein Mindestmaß an medizinischer Grundversorgung geben.“ Das Zimmer sieht bisher so aus: Die Wände sind kahl, der Boden ist gefliest, es gibt ein Waschbecken und eine Steckdose, an der drei alte Inkubatoren angeschlossen sind. Das Ziel soll sein: Moderne Elektrik, ein paar Schränke, Arbeitsflächen und bis zu vier neue Bettplätze – alles für die einheimischen Krankenschwestern und Ärzte.


Am kommenden Samstag, dem 17.Oktober, reist dafür ein Leipziger Team bestehend aus einer Ärztin, drei Schwestern und einem Elektriker, für 14 Tage nach Eritrea. Letzterer wurde von seiner Firma eine Woche freigestellt, eine weitere Woche nimmt er Urlaub, damit er sich um die Elektrik des Neonatologie-Raumes im fernen Ghinda kümmern kann. Dr. Nadine Wolf, die Schwestern Sarah Winkler, Maria Steinke und natürlich Anja Wendisch werden vor Ort das Zimmer renovieren und einräumen, im Kreißsaal den Erstversorgungsplatz einrichten sowie die einheimischen Schwestern beginnen „anzulernen“.
„Da müssen wir sehr zurückhaltend sein, auf keinen Fall das Klischee des allwissenden Weißen ausfüllen“, sagt Schwester Anja. „Zuallererst ist wichtig, das Vertrauen herzustellen. Dann müssen wir auf Augenhöhe miteinander reden.“ Über Hygiene, über Wärme und eine Basisversorgung, die in Deutschland vor 60 Jahren begonnen wurde. Über allem steht: Die einheimischen Kollegen müssen mitgehen wollen.


Vieles, was hier in Leipzig organisiert wurde, wird großen Nutzen in Afrika entfalten. Deshalb ist Anja Wendisch manchmal erstaunt, dass sie mit bürokratischen Strukturen in Deutschland teilweise derart kämpfen muss. „Ein Gerät, das bei uns verschrottet wird, kann in Afrika noch problemlos betrieben werden“, erzählt sie ein Beispiel. „Aber es kostet unheimlich viel Kraft, dass wir dieser Gerät bekommen können. Wenn wir da mehr Entgegenkommen hätten, würde das sehr helfen.“

 

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Helena Reinhardt.