Der Mensch im Mittelpunkt: Neue Standards in der Labormedizin und Klinischen Chemie

Pressemitteilung vom 12.10.2015
Aktuelle Herausforderungen der Labormedizin für die Gesunderhaltung und Früherkennung von Erkrankungen stehen im Focus der Jahrestagung der Deutschen Vereinten Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) vom 14. bis 17. Oktober in Leipzig, geleitet von der Leipziger Universitätsmedizin. Es werden rund 1.000 Teilnehmer im Congress Center Leipzig erwartet, darunter als Festredner der schwedische Nobelpreisträger für Medizin von 1982 Prof. Bengt Samuellson. Eine öffentliche Podiumsdiskussion wird sich am Freitag kritisch mit den Risiken und Chancen moderner Telemedizin auseinandersetzen.

Mehr als 70 Prozent aller Diagnosen in der Medizin basieren auf labormedizinischen Befunden. Untersuchungen in Körperflüssigkeiten wie Blut, Urin und Liquor sind dafür unverzichtbar. Ziel der Labormedizin ist es, immer früher Krankheiten mit Hilfe nicht belastender Methoden zu erkennen und damit dem behandelnden Arzt die Grundlagen für eine zielgerichtete Therapie zu liefern. Das klinisch-theoretische Fach ist ein Bindeglied zwischen naturwissenschaftlicher Grundlagenforschung und der angewandten klinischen Medizin. Bereits heute kann aus einer einzigen Blutprobe eine Vielzahl von Informationen über den aktuellen Gesundheitszustand, aber auch über künftige Risiken gewonnen werden.

In Leipzig stehen die aktuellen Herausforderungen für die Gesunderhaltung des Einzelnenund die Früherkennung von Zivilisationserkrankungen im Mittelpunkt der diesjährigen Tagung. Besondere Schwerpunkte bilden die Prävention häufiger Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Allergien. Weitere Themen beschäftigen sich mit dem klinischen Nutzen neuer Biomarker, neuen Leitlinien und Referenzbereichen der Labordiagnostik. Eingeschlossen sind Diagnostik und Früherkennung seltener Erkrankungen sowie neue Wege einer personalisierten Medizin. Kongresspräsident Prof. Dr. Joachim Thiery, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik (ILM) an der Universitätsmedizin Leipzig, hat die DGKL-Jahrestagung nach 2009 anlässlich des 600. Fakultätsjubiläumsjahres zum zweiten Mal nach Leipzig geholt.

Zukunft medizinische Systemdiagnostik

Die Labormedizin erlebt durch die molekulare Diagnostik und Massenspektrometrie eine rasante Entwicklung. "Medizinische Labore sind gefordert, nicht nur Datenmengen zu produzieren, sondern auch die Messergebnisse zu interpretieren und Kliniken wie Praxen fachlich kompetent zu beraten", erläutert Thiery. "Die Labormedizin entwickelt sich von der Einzelwertbetrachtung und Organdenken zu einer Gesamtbetrachtung, die Zukunft liegt in einer medizinischen Systemdiagnostik." Am Institut für Labormedizin hat Prof. Dr. Uta Ceglarek für diesen Zukunftsweg neue Analyseverfahren entwickelt, die international Anerkennung gefunden haben. "Anders als alte Verfahren erlaubt die hochauflösende Massenspektrometrie, in kurzer Zeit und gleichzeitig eine Vielzahl von Analyten zu bestimmen", erklärt die Klinische Chemikerin. "Eine durchschlagende Entwicklung sind zum Beispiel das Neugeborenenscreening oder die Steroidhormon-Analytik. Wir können ganze Stoffwechsel-Filme ablaufen lassen."

Öffentliche Podiumsdiskussion zu Telemedizin

Am Freitag, den 16. Oktober 2015 ab 15:00 Uhr öffnet die Fachtagung ihre Türen für alle, die sich eingehender mit dem Thema "e-health oder e-hell - Risiken und Chancen der Telemedizin für den Patienten" auseinandersetzen wollen. E-Health-Konzepte werden als Innovationsmotor für ein modernes Gesundheitswesen angesehen. Mit der digitalen Verfügbarkeit von Patientendaten und den zunehmenden interoperablen Systemen stehen aber auch Privatsphäre und Datenschutz des Einzelnen auf dem Spiel. Experten aus dem Bereich stellen sich unter der Moderation von Prof. Dr. Pirmin Stekeler-Weithofer, Präsident der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, der Diskussion im Saal 5 des CCL.
Bereits am Eröffnungstag wird außerdem der mit 50.000 Euro dotierte bedeutendste Preis der DGKL für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der biochemischen und molekularen Analytik verliehen.

Flüchtlingshilfe

Da in der benachbarten Messehalle seit kurzem über 2.000 Flüchtlinge Zuflucht gefunden haben, hat Tagungspräsident Thiery in Kooperation mit dem Leipziger Flüchtlingsrat unter dem Motto "Die Deutsche Labormedizin hilft" alle Kongressteilnehmer zu Geld- und Sachspenden aufgerufen (u.a. Hygieneartikel, ärztliches Untersuchungsmaterial für Ambulanzen, Desinfektionsmittel). Spendenannahme über die Kongressorganisation:
Silke Wiesemann
E-Mail: wiesemann@dgkl.de

Diana Smikalla