Mega-Implantate helfen bei großen Knochendefekten

Patienten kommen durch höchst exakte und individuelle Lösungen wieder auf die Beine

Pressemitteilung vom 12.10.2015
Ein künstliches Hüftgelenk oder ein neues Knie – das sind heute schon fast Routine-Operationen. Wenn aber beispielsweise das Hüftgelenk und der komplette Oberschenkelknochen ersetzt werden müssen, sind Wissen, Können und Erfahrungen von Spezialisten der orthopädischen Chirurgie gefragt.
Bild vergrößern UKL-Orthopäde Dr. Mohamed Ghanem zeigt ein sogenanntes Mega-Implantat, mit dem sowohl der Oberschenkelknochen als auch angrenzende Gelenke in einer einzigen Operation ersetzt werden können.
Foto: Stefan Straube/ UKL
 

„Bei extremen Knochensubstanzverlusten, deren Ursachen Tumoren, Unfälle, in zunehmendem Maße aber auch Revisionsoperationen sein können, kommen Mega-Implantate zum Einsatz“, so Dr. Mohamed Ghanem, Geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. Er hat langjährige Erfahrungen mit höchst komplexen Fällen, in denen Mega-Implantate zu Einsatz kamen. So kann der Leipziger Orthopäde heute auch jenen Patienten im ganz wörtlichen Sinne wieder auf die Beine helfen, für die es früher nur die Option Rollstuhl gab.


Für die zunehmende Notwendigkeit von Mega-Implantaten spielt die demographische Entwicklung in Deutschland eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dr. Ghanem erläutert: Steigt die Zahl der alten Menschen, nimmt auch die Zahl der Endoprothesen zu. Trotz immer besserer Implantationen wächst dann aber auch die Zahl der Lockerungen von Endoprothesen. Und dann kann der Fall eintreten, dass der inzwischen durch Osteoporose geschädigte Oberschenkelknochen komplett ersetzt werden muss, weil er eine neue Endoprothese nicht halten würde.


Etwa 25 Patienten sind es jährlich, die von Dr. Ghanem, der sich im Universitätsklinikum auf langstreckige Prothetik für untere Extremitäten spezialisiert hat, mit einem Mega-Implantat versorgt werden. Wobei sowohl Tumoren als auch Endoprothesen-Lockerungen die Ursachen sind. In den meisten Fällen handelt es sich bei den Mega-Implantaten um die Kombination Hüftgelenk/Oberschenkelknochen/Kniegelenk. „Muss der Oberschenkelknochen ersetzt werden, sind immer auch die sich anschließenden Gelenke mit betroffen“, erklärt der Oberarzt. Die einzelnen Komponenten des Mega-Implantates sind übrigens durch verschiedene mechanische Mechanismen miteinander so verbunden, dass vielerlei individuelle Anpassungen möglich sind. Die verschiedenen Komponenten eines Mega-Implantates ermöglichen somit ganz individuell jede Art der Defektüberbrückung.


Von der Hüfte bis zum Knie – so ein Eingriff umfasst einen sehr großen Körperbereich. Dennoch wird das Mega-Implantat in einer Operation eingesetzt. Aber noch vor dem ersten Schnitt ist eine sehr aufwändige und höchst exakte Planung nötig. „Nach einer präoperativen klinischen Untersuchung und Beurteilung der Röntgenbilder folgt eine Planung am Röntgenbild oder computergestützt“, erzählt Dr. Ghanem. „Im Ergebnis werden die vorläufigen Größen und Längen des Mega-Implantates und die Resektionslinien festgelegt. Die definitiven Entscheidungen fallen dann aber während der OP in Abhängigkeit des Lokalbefundes.“


Nach der Entfernung der Knochenteile, die nicht verwendbar sind, wird dem Patienten ein Probe-Implantat eingesetzt. So kann ganz praktisch überprüft werden, ob die Beinlänge stimmt, die nötige Stabilität erreicht wird und die Rotation, also die richtige Lage des Implantates zur Körperachse, stimmt. Diese Überprüfung erfolgt während der Operation klinisch und radiologisch. Nach dieser „Passprobe“ folgt das Einsetzen des Dauer-Implantates. Dieser Mega-Aufwand für das Mega-Implantat kostet natürlich Zeit: Die Dauer der OP reicht je nach Fall, Situation und Umfang bis zu mehreren Stunden.

Uwe Niemann

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Pressestelle.