„Hochwirksame Medikamente gegen Hepatitis müssen Patienten zugutekommen“

Prof. Dr. Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig, zum Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli

Pressemitteilung vom 24.07.2015

„Wir haben hochwirksame Waffen gegen Hepatitis B und C. Daraus erwächst für uns Ärzte die Verpflichtung, dass diese auch den Erkrankten zugutekommen“, sagt Prof. Dr. Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig, mit Blick auf den Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli. „Vor einigen Jahren stand vor allem die Frage im Vordergrund: Können wir den Patienten heilen oder nicht? Heute ist klar: Die Medikamente wirken, sind zugelassen und sie können die Hepatitis-C-Virusinfektion innerhalb von drei Monaten endgültig heilen und Hepatitis B soweit in Zaum halten, dass für den Betroffenen nahezu ein ganz normales Leben möglich ist. Jetzt steht die Frage: Wie erreichen wir die Erkrankten möglichst früh, damit sie optimal behandelt werden können? Immerhin gehören chronische Hepatitisvirusinfektionen zu den Hauptursachen von Leberzirrhose oder Leberkrebs.“

Wenn Erkrankte also möglichst früh identifiziert werden, könnten schwere Krankheitsverläufe und so manche Lebertransplantation vermieden werden. Hauptproblem: Durch Hepatitis-Viren ausgelöste Leberentzündungen bleiben oft unentdeckt. Denn Frühsymptome wie Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit können leicht für Grippe gehalten werden. Erst wenn die Leberwerte bestimmt werden, erhellt sich, woran der Patient leidet.

Prof. Berg appelliert deshalb an seine allgemeinmedizinischen Kollegen, bei unspezifischen Symptomen auch eine Hepatitis einzukalkulieren. Eine jüngst im „Journal of Hepatology“ veröffentlichte Studie, an der Prof. Berg und weitere Ärzte der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig beteiligt waren, zeigt: Wenn die Bestimmung der Leberwerte in den „Check-up 35“, der in Deutschland für die Über-35-Jährigen kostenlos angeboten wird, einbezogen würden, könnten Erkrankte frühzeitig gefunden werden.

An der Studie hatten sich innerhalb von 16 Monaten rund 21 000 Personen beteiligt, die in 51 deutschen Hausarztpraxen betreut werden. Bei ihnen wurden Blutproben genommen, die gezielt auf die Aktivität der Leberenzyme ALT und GGT untersucht wurden. Sind die Werte von Alanin-Aminotransferase und Gamma-Glutamyl-Transferase erhöht, liegt eine Lebererkrankung nahe. Bei 14,6 Prozent der männlichen und 12,2 Prozent der weiblichen Studienteilnehmer wurde ein erhöhter ALT-Wert festgestellt. Erhöhte GGT-Werte fanden sich bei 21,9 Prozent bzw. 18,9 Prozent der Hausarztpatienten.

Prof. Berg rät deshalb allen, die einen „Check-up 35“ beim Hausarzt machen lassen, zur eigenen Sicherheit – und derzeit noch auf eigene Kosten – auch die Leberwerte bestimmen zu lassen. „Wenn bei diesen Werten etwas nicht stimmt oder bestimmte Risikofaktoren vorliegen, muss eine Hepatitisvirusinfektion ausgeschlossen werden. Wir stehen dann hierbei mit unseren Spezialsprechstunden für Lebererkrankungen mit Rat und Tat bereit. Die Zusammenarbeit von Hausärzten, Allgemeinmedizinern und Hepatologen mit Einsatz hochwirksamer Medikamente gegen Hepatitis kommt so direkt unseren Patienten zugute.“

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Pressestelle.