Einfluss von Essen auf Depression

Pressemitteilung vom 25.06.2015
Mediziner der Universität Leipzig beteiligen sich am Europäischen Forschungsprojekt "MooDFOOD". Darin wird die Rolle der Nahrungszusammenstellung, der Ess- und Ernährungsgewohnheiten sowie von Übergewicht auf die Psyche untersucht. Das Ziel ist, wirksame Ernährungsstrategien zu entwickeln, um einer Depression vorzubeugen. Insgesamt 14 Partner aus Europa sind an dem von der EU mit 8,9 Millionen Euro für fünf Jahre geförderten Forschungsprojekt beteiligt. Die Forschungsförderung für Leipzig beläuft sich auf gut 831.000 Euro.
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Foto: MooDFOOD
 

Das Leipziger Studienzentrum unter Leitung von Prof. Dr. Ulrich Hegerl und Prof. Dr. Hubertus Himmerich von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums ist eines der vier europäischen Zentren, an denen klinische Studien für das Projekt durchgeführt werden. Sie dienen dazu, die mögliche präventive Wirkung einer einjährigen Ernährungsintervention auf das psychische Wohlbefinden und mögliche depressive Symptome der Teilnehmer zu untersuchen. Dabei werden die Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln sowie die Beratung über eine gesunde Lebensweise genauer betrachtet.

Die Studie wird gleichzeitig in den Niederlanden, Großbritannien, Deutschland und Spanien durchgeführt. Von den insgesamt 1.000 Teilnehmern sollen in den kommenden zwölf Monaten 250 in Leipzig und Umgebung einbezogen werden. Die Studie wird außerdem unterstützt von einem Europäischen Forschungsnetzwerk zu Depression, der European Alliance Against Depression e. V. (EAAD).

Depressive Episoden über Essen steuerbar?

Die Depression ist eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung. Jedes Jahr sind rund 20 Millionen Menschen in Europa davon betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass die Depression bis zum Jahr 2020 weltweit die zweithäufigste Volkskrankheit sein wird. "Vor dem Hintergrund der immer noch sehr großen Behandlungsdefizite und langen Wartezeiten für depressiv Erkrankte bis zum fachlichen Behandlungstermin wird die Suche nach wirksamen Selbstmanagementansätzen immer wichtiger", sagt Ulrich Hegerl. "Die Frage, ob wir über unser Essen depressive Episoden zum Abklingen und das Auftreten neuer verhindern können, ist äußerst spannend."

Bislang kaum wissenschaftliche Belege

Dabei erforschen die Wissenschaftler außerdem, aufgrund welcher Mechanismen Menschen mit Übergewicht ein erhöhtes Risiko tragen, an einer Depression zu erkranken, und wie es effektiv reduziert werden kann. "Über die Zusammenhänge zwischen Nahrung und Depression wird viel geschrieben, obwohl es wenig gesichertes Wissen gibt", erläutert Hubertus Himmerich die Bedeutung der groß angelegten Untersuchungen. "Das MooDFOOD-Projekt wird Daten liefern, die in dieser Hinsicht endlich wissenschaftlich fundierte Aussagen zulassen."

Es gibt eine Reihe von Hinweisen, dass insbesondere eine mediterrane Kost mit viel Fisch, Gemüse und reich an Omega-3-Fettsäuren das Depressionsrisiko um 30 Prozent senken kann, ergänzt Dr. Elisabeth Kohls, die die Studie in Leipzig koordiniert. "Einige Studien weisen darauf hin, dass es einen komplexen Zusammenhang zwischen Ernährung, Übergewicht und Depression gibt. Allerdings ist bisher nicht belegt, welche Rolle das Ernährungsverhalten dabei genau spielt."

Ab Juli 2015 werden in Leipzig und Umgebung 250 erwachsene Studienteilnehmer bis 75 Jahre mit einem Body-Mass-Index zwischen 25 bis 40 gesucht. Sie werden nach dem Zufallsprinzip in vier Gruppen eingeteilt, erhalten über die Dauer eines Jahres entweder ein Multivitamin-Mineralstoff-Präparat oder ein Placebo. Manche nehmen zusätzlich an einer professionellen Lebensstilberatung teil. Ein kurzer Online-Fragebogen klärt, ob Interessierte als Teilnehmer in Frage kommen.

Persönliche Kontaktmöglichkeit:
Telefon: +49 341 97-24681
Mail: moodfood@medizin.uni-leipzig.de

Diana Smikalla