Unterschätzte Gefahr - Kohlenmonoxid-Vergiftung durch Wasserpfeifenkonsum

UKL-Experten setzen HBO-Kammer erfolgreich zur Behandlung ein

Pressemitteilung vom 02.06.2015
Leipzig. Wasserpfeifen spielen auch im westlichen Kulturkreis in der Freizeitgestaltung eine zunehmende Rolle. Doch die Risiken werden von den Konsumenten oft unterschätzt. Durch die Behandlung am Hyperbarmedizinischen Zentrum der Uniklinik Leipzig konnte jüngst eine durch Shisha-Konsum verursachte Kohlenmonoxid-Vergiftung erfolgreich therapiert werden.

Gemütlich an der Wasserpfeife zu ziehen, das kann durchaus Lagerfeuergemütlichkeit erzeugen. Der Glaube, es handele sich um einen weniger giftigen Rauch, als der einer Zigarette, ist weit verbreitet. Die subjektive Empfindung mag daher rühren, dass der inhalierte Rauch durch Wasser abgekühlt im Mund ankommt und von den oberen Atemwegen daher als weniger reizend besser vertragen wird. „Tatsächlich werden aber genauso viel Teer und krebsauslösende Giftstoffe aufgenommen wie bei Zigaretten“, warnt Dr. Karsten Kluba, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie im UKL und Leiter des dortigen Hyperbarmedizinischen Zentrums. „Die aufgenommene Menge an Kohlenmonoxid kann sogar vergleichsweise die zehnfache Dosis betragen.“ Im schlimmsten Fall ist eine potenziell tödliche Kohlenmonoxid-Vergiftung die Folge.

Kohlenmonoxid-Vergiftungen, die auch durch Schwelbrände, defekte Durchlauferhitzer oder Kamine verursacht werden können, zählen mit rund 4000 Fällen pro Jahr in Deutschland zu den häufigsten Vergiftungen. Die Symptome sind dennoch oft unspezifisch. Sie reichen von Schwindel, Kopfschmerzen oder Übelkeit bis zu Herz-Rhythmus-Störungen oder zur Bewusstlosigkeit. Doch für solche Symptome gibt es viele Gründe. Tritt etwa die Bewusstlosigkeit mit zeitlicher Verzögerung auf, wird häufig kein Zusammenhang mit der Ursache Wasserpfeife hergestellt werden können. Doch ohne korrekte Diagnose ist es fraglich, ob die zwingend notwendige Behandlung mit reinem Sauerstoff zeitnah begonnen wird.

Bei der Kohlenmonoxid-Vergiftung wird der Sauerstofftransport im Blut über die Bindung am Hämoglobin, den Sauerstoff bindenden roten Blutfarbstoff, stark eingeschränkt. Ursache ist die um 200 bis 300-fach erhöhte Bindungsfähigkeit von Kohlenmonoxid – es drängelt sich sozusagen vor. Und in der Zelle angekommen blockiert das Kohlenmonoxid das Atemzentrum in der Zelle und verhindert so die Sauerstoffverwertung. Folge kann ein lebensbedrohlicher Sauerstoffmangel in den Geweben sein.

Doch neben den unmittelbar auftretenden Symptomen sind auch neurologische Spätschäden bekannt. Diese sind häufig Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Gleichgewichtsprobleme und führen somit in einigen Fällen auch zu langfristiger Beeinträchtigung der Lebensqualität bis hin zur Arbeitsunfähigkeit. Auch das ein Grund, warum eine schnelle Therapie möglichst innerhalb der ersten vier Stunden wichtig ist. Am UKL ist seit Jahresbeginn eine hyperbare Sauerstofftherapie in der Druckkammer möglich. Durch den dreifach erhöhten Umgebungsdruck, der etwa einer Wassertiefe von 20 Metern entspricht, kann die 20-fache Menge Sauerstoff im Blut gelöst werden und somit der Sauerstoffmangel in den Geweben sofort unterbrochen werden. In der Regel erfolgen drei Behandlungen innerhalb von 24 Stunden. Ob eine Behandlung erfolgt, wird aber nicht nur von spezifischen Blutwerten abhängig gemacht, erläutert Kluba, sondern berücksichtigt werden maßgeblich auch die klinischen Befunde, die Expositionsdauer und bestimmte Risikokonstellationen.

Ein junger Mann in Leipzig wurde unlängst noch in der Shisha-Bar mehrfach bewusstlos, wodurch sich ein Zusammenhang zwischen Wasserpfeifenkonsum und Bewusstlosigkeit leicht herstellen ließ. Er wurde erfolgreich in der Druckkammer am UKL behandelt.

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